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Dada ( 1916 - 1923 )

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Dada ist die Sonne,

Dada ist das Ei.

Dada ist die Polizei der Polizei * Richard Hülsenbeck

nutzen Sie später auch unsere Alternativseite zu DADA die mehr die skulpturalen Seiten beleuchtet!

 Dada (French: "hobby-horse"), nihilistic movement in the arts that flourished primarily in Zürich, Berlin, Cologne, Hannover, Paris, and New York City in the early 20th century. According to the most widely accepted account, the name DADA was adopted at Hugo Ball's Cabaret Voltaire, in Zürich, during one of the meetings held in 1916 by a group of young artists and war resisters that included Emmy Hennings, Richard Hülsenbeck, Marcel Janco, George Janco, Jean Arp, Tristan Tzara, and; when a paper knife inserted into a French-German dictionary ( for finding a artists name for a girl dancer ) pointed to the word dada, this word was seized upon by the group as appropriate for their anti-aesthetic creations and protest activities, which were engendered by disgust for bourgeois values and despair over World War I. A precursor of what was to be called the Dada movement, and ultimately its leading member, was Marcel Duchamp, who in 1913 created his first >ready-made< (now lost), the "Bicycle Wheel," consisting of a wheel mounted on the seat of a stool. This changed the direction of history forever.


>Die Malerei ist zu Ende.
Wer kann etwas Besseres machen als diese Propeller?< *

* Duchamp zu Brancusi und Leger anläßlich einer Flugzeugausstellung 1914

 

> He, he, Sie junger Mann,

Dada ist keine - Kunstrichtung <

* aus einem Dada-Plakat


Was wir Dada nennen, ist ein Narrenspiel aus dem Nichts, in das alle höheren Fragen verwickelt sind... * Hugo Ball , Zürich 12 Juni 1916

Plakat zur Eröffnung der Künstlerkneipe Voltaire, am 5.Feb 1916 in Zürich

Zürich, 2. II. 1916

»Cabaret Voltaire. Unter diesem Namen hat sich eine Gesellschaft junger Künstler und Literaten etabliert, deren Ziel es ist, einen Mittelpunkt für die künstlerische Unterhaltung zu schaffen. Das Prinzip des Kabaretts soll sein, daß bei den täglichen Zusammenkünften musikalische und rezitatorische Vorträge der als Gäste verkehrenden Künstler stattfinden, und es ergeht an die junge Künstlerschaft Zürichs die Einladung, sich ohne Rücksicht auf eine besondere Richtung mit Vorschlägen und Beiträgen einzufinden.«

(Pressenotiz)

Hugo Ball , Cabaret Voltaire ,1916

Der Geist von Dada hatte sich schon ab 1912 in Berlin unsichtbar gebildet, in Freundestreffen und Lesungen in Kneipen. Aber erst in der Emigration nach Zürich in die neutrale Schweiz - quasi im Niemandsland - entstand DADA als gewaltige Entladung von Gefühlen und Gedanken.

Hugo Ball (Schriftsteller) und seine Freundin Emmy Hennings waren von Berlin nach Zürich vor dem Krieg geflohen und hatten sich schon durch Auftritte in den damals aus Paris aufkommenden Cabarets durchgeschlagen. Sie hatten die Idee es selber zu versuchen, hatten eine Kneipe in Zürich ( mit einem niederl. Wirt) ausfindig gemacht, der hoffte durch ein Cabaret in seiner Kneipe Umsatz zu machen. Sie umbennen die ehemalige >Meierei< in > Cabaret Voltaire < und drucken Plakate für einen Eröffnungsabend zum 5. Feb 1916, lancieren eine Zeitungsnotiz ( s.O) und laden auch ihren berliner Freund Richard Hülsenbeck dazu, der aber erst am 11.2.1916 eintrifft.

Als Verfechter einer bewußt freien Kunst schließen sich 1916 der Schriftsteller Hugo Ball, Emmy Hennings, der Maler und Bildhauer Hans Arp, der Maler Marcel Janco, sein Bruder Georges Janco, der Dichter Tristan Tzara, der Maler Slodki und Gleichgesinnte in der Kneipe der Züricher Spiegelgasse 1 als >Cabaret Voltaire< zusammen.

Am Eröffnungsabend ist das Lokal überfüllt, Hülsenbeck kommt als 11.2. dazu und plädiert dafür den Rhythmus ( >Negerrhythmus<) zu verstärken. Er möchte die " Literatur in Grund und Boden trommeln". In den nächsten Tagen und Wochen bemächtigt sich ein gruppendynamischer Rausch sich aller und das kleine Kabarett gerät aus den Fugen. Es kommt zu Tumulten im Publikum. Die Bühne wird zur Tummelplatz und zur Abreaktion von Emotionen. Es wird verrückt.

Mit Masken, Krach, Ulk, Ausdrucktanz, Geräuschmusik und Afrika-Rhythmen fordern sie das Bürgertum heraus und protestieren damit gleichzeitig gegen eine Welt die sich begeistert in den 1ten Weltkrieg begiebt. Der blühendste Blödsinn begeistert die Akteure, die auch die Kunst frech verhöhnen. Die Freiheit, sich um nichts scheren zu müssen, weder um Kritikerlob noch Kaufangebot, das Fehlen jeglichen Zweckdenkens soll zu den unverdorbenen Quellen der Kunst zurückführen. Sie bezeichnen ab April 1916 ihren Auftrittsstil als DADA. ( Der Begriff DADA wird in einem deutsch-französichen Wörterbuch durch Zufall gefunden, als man für eine neue Sängerin/Tänzerin - wie üblich- einen Künstlernamen sucht und man beschließt das dieser Begriff DADA noch besser die Situation der Akteure beschreibt. So bezeichnet man ab sofort alles Tun mit DADA )

Eine neue Weltanschauung war geboren. Ein gelebter Anarchismus der naiv eine neue Kultur - im Sinne des Futurismus- begründen wollte. Darum mußte alles kindlich einfach sein: DADA und konnte nicht auf der verfeinerten Sicht der sentimentalen Romantik, des Expressionismus und rationaler Konstruktion beruhen. DADA war anarchisch, man sah das ununterbrochen Lebendige , Offene - eine Literatur die nicht gelesen sondern mit dem ganzen Körper gesprochen, gelebt wird unter einbeziehung von Tanz, Musik und Geräuschen, außereuropäischen Gestaltungsmitteln.( Afrikanische Masken und Trommeln)

Sie negieren die bestehende Kultur, sind gegen die europäische Kulturgeschichte ausgerichtet.Nur das > Hier und Jetzt< zählt.

Neben dem lauten Rezitieren als Güteprüfstein für Literatur erfindet man das Simultangedicht. Hugo Ball erfindet das Lautgedicht und stellt es im >Cabaret Voltaire< am 23.6.1916 der Öffentlichkeit erstmals vor.

Plakat zur Eröffnung der Galerie Dada , am 29.März 1917 in Zürich

Ab Mitte März 1916 zeigte das Cabaret Voltaire jedoch erste Erschöpfungszustände. Nach einem Jahr, im März 1917gründen sie die >Galerie Dada< als Fortführung der Kabarett-Idee und um auch Ausstellungen machen zu können, da sich der Zuspruch der Gäste in der Kneipe gelegt hatte und der Wirt um ein seriöseres Programm gebeten hatte, um mehr Zuschauer anzulocken, da er sonst das Etablissement schließen müsse. Zudem verlagerten sich die Interessen der Züricher Dadaisten. In der am 29. März 1917 neugegründeten >Galerie Dada< traten die bildenden DADA-Künstler in den Vordergrund. Die Galerie agierte als Plattform für alle denkbare moderne Kunst, die während der Kriegsjahre sonst nirgends in Europa Ausstellungsmöglichkeiten besaß.

Hugo Ball schrieb in sein Tagebuch:" Einerseits ist die Galerie die »Fortführung der Kabarett-Idee vom vorigen Jahr«, andererseits aber sind die »Barbarismen des Kabaretts« überwunden, dient die neue Unternehmung der Absicht, »eine kleine Gesellschaft von Menschen zu bilden, die sich gegenseitig stützen und kultivieren«. Die künstlerischen Entdeckungen, zu denen das Cabaret den Anstoß gegeben hatte, veränderten sich, als sie im Rahmen der Galerie aufgegriffen und rekapituliert wurden, nicht unerheblich. Das zeigen die Lautgedichte Balls, die nun - als >abstrakte Tänze< vorgetragen - in den Bannkreis kontemplativer Kunstanschauungen gerieten, die auf >zauberische Beschwörungen<, auf >Befreiung von der Zeit< und damit bis ins Unterbewußte zielten. ( Literatur siehe unten)

Die DADAisten sehen sich als Internationalisten. Die Idee , die Weltanschauung von DADA ist universell. So gründen sich bald neue DADA-Zentren:

Dada Berlin: Anfang 1918 hatte sich vor allem auf Betreiben von Huelsenbeck( geht am 29.3.1917 nach Berlin) , Grosz und Hausmann der >Club Dada< in Berlin gegründet, ferner John Heartfield, Franz Jung, Walter Mehring, Hannah Höch, Johannes Baader

24.7.1920 > Erste internationale Dada-Messe < von Grosz, Hausmann und Heartfield war Höhepunkt und Ende von Dada. Danach war Dada tot resümiert Hausmann in seinem Buch > Am Anfang war Dada<. Die Dadaisten zogen sich ins Privatleben zurück.

Dada Köln entsteht um 1919 mit Max Ernst , Johannes Theodor Baargeld , Heinrich Hoerle und Hans Arp

Dada Hannover: ist Kurt Schwitters, ca 1917 . Gegen Hülsenbeck und den radikal politischen Berliner Dada bekennt sich Schwitters zu den Prinzipien der abstrakten Kunst.

Dada New York: Walter Conrad Arensberg, Arthur Craven , Alfred Kreymborg, Man Ray, Marcel Duchamp

Dada Paris:Tzara, Breton, Picabia, Ribemont, Soupault, Eluard, Aragon. Mit der Übersiedlung von Tristan Tzara nach Paris wird DADA um 1920 auch dort ansässig. 

>Club DADA< Umschlag der Zeitschrift > Die freie Straße 7<1918, von Roul Hausmann
John Heartfield ( Johannes Herzfeld) Anzeige in > Neue Jugend 2 ,1917
Hannah Höch,1920
Raoul Hausmann >Optophonetisches Gedicht<

 

DADA zerstört die Gehirnschubkästen * Tristan Tzara

Ein Kunstwerk ist niemals schön! * Tristan Tzara

Es gibt eine große Zerstörungsarbeit, Ausfegen, Säubern * Tristan Tzara

DADA bedeutet nichts * Tristan Tzara

Wir brauchen starke, gerade, genaue und auf ewig unverständliche Werke * Tristan Tzara

Logik ist immer falsch * Tristan Tzara

Moralität ist eine Einimpfung von Schokolade * Tristan Tzara

Nachwort: DADA geht durch Intrigen in der Übernahme der Gruppe durch Breton um 1922 in den Surrealismus über, als zB. Picabia in seinem Pamphlet > Le Pilhaou-Thibaou< vom 10.7.1921 die Dadaisten und namentlich Tzara attakiert. Tzara verläst daraufhin Paris und reist zu Max Ernst Urlaubsort in Tirol, wohin auch Arp kommt.Nach der Trennung von seiner Frau ,1922, zieht Max Ernst nach Paris; durch die Kooperation mit Eluard forciert sich sein Abstand zu DADA und nähert sich Breton. Max Ernst Ausstellung in Paris von 1923 erzeugt eine > revelation surrealiste<. Es kommt zu weiteren Attaken zB. von Picabia gegen Tzara und DADA:>Pommes de pins< .Tzaras letzte Antwort ist >Coeur a barbe< .

Breton gründete 1919 mit anderen die Zeitschrift "Litterature".Dieser Kreis feierte als besondere Entdeckung das dichterische Werk von Isidor Ducasse alias Comte de Lautreamont. Dieser hatte bereits im 19. Jh. irrationale Bestrebungen vorweggenommen. Andre Breton lieferte 1924 im »Ersten Manifest des Surrealismus« die literarisch-philosophische Theorie des Surrealismus, auch gestützt auf Sigmund Freud.

Die Nazis löschen die Kraft der Moderne in Deutschland/Europa. Von ihren Exil-Orten in Frankreich und England eröffneten Hausmann und Schwitters in den Jahren 1946/47 die Korrespondenz zu einem Zeitschriftenprojekt >PIN< mit dem sie Impulse für eine Neuanfang nach dem Krieg geben wollten. Aber DADA ließ sich nicht wiederbeleben. Dazu bedurfte es einer neuen jungen Generation. Um 1960 finden sich Künstler wie Vostell, Beuys, Maciunas welche bewußt oder unbewußt an die Quellen von DADA anschließen: Konkrete Poesie, Fluxus, Happening , Zero und Pop Art mit der Tendenz der Überschreitung der Kunst zur Nicht-Kunst. Die Auseinandersetzung über Kunst und Nichtkunst dauert bis heute an und wird wohl über eine lange Zeit nicht zum Stillstand kommen.

 


 

Charakteristik von DADA Das Werk ist für den Augenblick, für die Gegenwart, geschaffen und nicht als Museumskunst für die Ewigkeit. Die Rolle des Zufalls ist das wichtigste Erlebnis von Dada und führt zu neuen künstlerischen Aussagen und Darstellungsweisen. So gestaltet ANDRE MASSON seine Bilder, indem er über präparierte Leinwand tanzt und dabei Sand durch die Finger rieseln läßt: »Wenn ich meinen Willen ganz ausgeschaltet habe, dann wissen mein Körper und meine Nerven, mein Unterbewußtsein am besten, wann und wo ich Sand verteile.«

Alltägliche Abfallgegenstände werden zusammenmontiert. Aus der Zweckbindung des Konsums herausgerissen, verlieren sie ihren Allerweltscharakter; sie wirken in einer fremdartigen Umgebung überraschend eindringlich.


Themen und Bildgattungen. Porträt und Figur (oft aus Abbildungen technischer Geräte zusammengesetzt). Ungegenständliche Komposition, Typographie

Material, Herstellung, Technik. Die Dadaisten sind nicht mehr an bestimmte Materialien gebunden ( Multimedia). Ihre bevorzugten Techniken bzw. Herstellungsverfahren sind: Collage (u.a. aus Papierfetzen, Flitterzeug, Sand, Reißnägeln), Decollage (Klebebild, das durch Abreißen, Zerschneiden, Ansengen u. dgl. verändert wird), Kalligraphie (Textbild, in dem die Anordnung des Texts auf den Inhalt Bezug nimmt), Photomontage, Lithographie.

Deutschland: Max Ernst (-), George Gross, Raoul Hausmann, Richard Huelsenbeck , Hugo Ball , Emmy Hennings

Kurt Schwitters (1887-1948). »Wenn 1914-18 eine Welt in Scherben ging, Schwitters hat diese Scherben aufgelesen und aus ihnen eine neue Kunst gemacht« i (W. Schmalenbach).

JOHN HEARTFIELD (eigtl. Helmut Herzfeld, 18911 1968) ist als Maler, Bühnenbildner, Filmhersteller und Reklamezeichner tätig. Er gründet mit George Grosz 1916 die antimilitaristische Kunst- und Literaturzeitschrift »Neue Jugend«, die bereits ein Jahr später verboten wird. Er setzt die Photomontage als Mittel der Kritik an den politischen Zeiterscheinungen ein

Frankreich:Hans Arp (1887-1966) schafft reine Beziehungen von Flächenformen, indem er deren schwungvoll ineinandergreifende Begrenzungen zur Grundlage seiner Kompositionen macht.

MARCEL DUCHAMP (1887-1968). In seiner großen, in achtjähriger Arbeit entstandenen Diagramm-Komposition auf Glas »La Mariee mise a nu par ses celibataires, meme« verwendet er so ausgefallene Materialien wie Quecksilber und eine Art Sieb, das Staub ansammeln soll.

Picabia

USA:Walter Conrad Arensberg, Arthur Craven , Alfred Kreymborg, Man Ray, Marcel Duchamp

Rumänien: Marcel Janco, Tristan Tzara



Literatur: 

kunstwissen.de

 
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