<<


Dada - Definitionen (etwa 1912 - 1923)

 

• " Wir wollen nichts als frech bei jeder Gelegenheit sein!" A. Undo (Pseudomym,1915 )

"Dada ist die lachende Gleichgültigkeit, die mit dem eigenen Lebene erhängen spielt." Raoul Hausmann

"Laßt uns chaotisch sein!" Arp

" Das oberste und letzte Kunstgesetz ist : j e d e s zu brechen!" Hugo Kersten ,1914

"DaDa ist schön wie die Nacht, die den jungen Tag in ihren Armen wiegt." - Hans Arp

"Was wir DaDa nennen, ist ein Narrenspiel aus dem Nichts, in das alle höheren Fragen verwickelt sind." - Hugo Ball

• "DADA spricht mit Dir, es ist alles, es umfaßt alles, es gehört allen Religionen an, kann weder Sieg noch Niederlage sein, es lebt im Raum und nicht in der Zeit." -Franc/s Picabia

• "Dada ist die Sonne, Dada ist das Ei. Dada ist die Polizei der Polizei." - Richard Huelsenbeck

 

Historie

Die Haupfiguren von Dada ( Ball, Huelsenbeck, Henings begannen im Umfeld des Expressionismus zB. " Neuen Club" Berlin oder "Neopathetischen Cabaret", Berlin bis 1914; von Werfel, Herwarth Walden und dem Umfeld seiner Zeitschrift "Sturm" ( seit 1910) ,dem Straßburger "Stürmer-Kreis". Dada verstanden Zeitgenossen als den extremen Flügel des Expressionismus zur Zersetzung der Ordnung und Zensur der Wilhelminischen Gesellschaft. Dada war der Aufstand der Jugend gegen die Vermassung, Erstarrung und Verdummung durch staatliche Ordnung.Dada ist die radikalste Bewegunder europäischen Avantgarde mit dem Ziel jenseits des autonome Kunstwerks den Einzelnen und die Gesellschaft zu befreien. Parallel zum Expressionismus und mit ihm gab es schon Dada ab 1912 bevor er als Bewegung seinen Namen 1916 erhielt.

Ende 1915 begründete der Schriftsteller Hugo Ball in Zürich, wo damals viele politische Emigranten, Künstler und Pazifisten lebten, das Cabaret Voltaire, das sich zum Sammelpunkt einer Gruppe von Literaten, Malern und Bildhauern entwickeln sollte, die sich dem "Dadaismus" verschrieben (ein federmesser, in ein deutsch- französisches Lexikon gesteckt, berichtet die Legende, lenkte den Blick auf dada = kindliche Bezeichnung für: Holzpferdchen). Eine grundsätzliche Revolte gegen alle gültigen Konzepte in Kunst und Literatur nahm ihren Anfang, dis sich alsbald ausbreitete (dem Zürich-Dada folgen New York-Dada, Berlin-Dada, Köln-Dada , Dada- Hannover usw.); der Expressionismus wurde durch die neue Bewegung überspitzt und in Frage gestellt, wohl auch überholt.

Nicht mehr durch emotionsgeladene Bemühung und Mahnung, Empörung und Ekstase wie ihre Vorgänger wollten die Dadaisten dem Widersinn der von gegensätzlichen Interessen und dem Krieg verwüsteten Welt begegnen, sondern durch gezielte Unlogik und Banalität, durch die Inthronisierung des Zufalls und spielerische Provokation.

1917 kehrte einer der Mitbegründer, Richard Huelsenbeck nach Berlin zurück;
1918 entstand dort der >Club Dada<,
1919 eine Zeitschrift >Der Dada<, auch ein Dada Almanach, der postulierte: "Dada will nichts, Dada wächst." Öffentliche Lesungen von Lautgedichten fanden statt, die auf dem Spiel mit Vokalen und Konsonanten gründeten, auch Buchstabengedichten wie fmsöwvon Raoul Hausmann. Der Dada gab sich in Berlin - wie in den anderen deutschen Zentren -kommunistisch orientiert und hielt Verbindung zu zahlreichen avantgardistischen und revolutionären Zirkeln. Verlegt wurden seine Publikationen größtenteils in dem von John Heartfield (eigentlich Helmut Herzfelde) und seinem Bruder Wieland Herzfelde gegründeten Malik-Verlag, ferner "Freie Strasse" ( Hausmann und Franz Jung)

Kommunikationsform waren die Zeitschriften , Berlin : "Der Dada", " Die Akton " "Revolution" , "Freie Straße" , "Die Pleite", Neue Jugend", " Der Blutige Ernst", "Transbordeur Dada", Feiland

New York:" Blind Man "


 

Die Dadaisten widersetzen sich dem durch und durch autoritär aufgebauten System der künstlerischen Erziehung und des künstlerischen öffentlichen Urteils. Die Dadaisten geben dem Bilder herstellen keine besondereWichtigkeit, wenn es aber geschieht, so soll wenigstens kein Machtstandpunkt aufgezogen werden, so soll den breiten Massen die Lust an gestaltender Beschäftigung nicht durch die fachmännische Arroganz einer hochmütigen Gilde verdorben werden. Aus diesem Grunde können die Inhalte dadaistischer Bilder und Erzeugnisse außerordentlich verschieden sein und desgleichen die Mittel. An sich ist jedes Erzeugnis dadaistisch, das unbeeinflußt, unbekümmert um öffentliche Instanzen und Wertbegriffe hergestellt wird, sofern der Darstellende illusionsfeindhch, aus dem Bedürinis heraus arbeitet, die gegenwärtige Welt, die sich offenbar in Auflösung, in einer Metamorphose befindet, zersetzend weiterzutreiben.

Die Vergangenheit ist nur noch insofern wichtig und maßgebend, als ihr Kult bekämpft werden muß. Insofern sind sich die Dadaisten einig, sie sagen, was die Antike, die Klassik, als die »großen Geister« geschälten haben, darf nicht (es sei denn wissenschaftlich historisch) bewertet werden in bezug auf die Zeit, da es geschaffen wurde, sondern so, als ob heute jemand diese Dinge herstellt, und niemand wird bezweifeln, daß heute kein Mensch, und sei er auch ein Genie, Werke herstellen kann, deren Voraussetzungen Jahrhunderte und Jahrtausende zurückliegen. Die Dadaisten rechnen es sich als Verdienst an, Vorkämpfer des Dilettantismus zu sein, denn der Kunst-Dilettant ist nichts anderes wie das Opfer einer vor urteilsvollen, hochmütigen, aristokratischen Weltanschauung.

Die Dadaisten anerkennen als einziges Programm die Pflicht, zeitlich und ortlich das gegenwärtige Geschehen zum Inhalt ihrer Bilder zu machen, weswegen sie auch nicht »Tausendundeine Nacht- oder -Bilder aus Hinterindien«. sondern die illustrierten Zeitungen und die Leitartikel der Presse als Quell ihrer Produktion ansehen. |. . .]

 

Links:

Übersicht gibt das Internationale Dada Archiv, University of Iowa, Iowa City

 

kunstwissen.de

 
>