<<


FLUXUS (1960-1979)

Fluxus2 / Ziele von Fluxus / Wichtige Zitate / 40Jahre später / Punk /

Der Ausgangspunkt von FLUXUS ist der Dadaismus, der eine freie Erforschung der Realität unbelastet von jeglicher Wertkausalität ermöglichte. Während DADA im literarischen Umfeld entstand, entstand Fluxus im Umfeld avantgardistischer Musik.

Gleichzeitig werden die Grenzen der Kunstgattungen durch vielfältige Formen des Medienverbundes gesprengt: Multimedia.Marcel Duchamps "ready made" wird Ausgangspunkt der Objektkunst. Es bilden sich neue Darstellungsformen heraus wie:Combine Painting,Objektkunst, Akkumulation, Environment, Event, Happening und Aktion. (Beuys nennt seine Aktionen zB "Symphonie").

Die ästhetische Philosophie von FLUXUS wird in Amerika durch den Schönberg-Schüler JOHN CAGE (geb. 1912) konzipiert, der die Partizipation des Publikums an Kunstaktivitäten propagiert und die Auflösung der künstlerischen Medienabgrenzungen vorantreibt. Durch John Cage hat die Aktionskunst ihre Geburtsstunde nicht in der Entwicklungsgeschichte der modernen Kunst, sondern der Experimentalmusik, deren kreatives Zentrum sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges an der "New York School for Social Research" befindet, wo Cage Kurse für elektronische Musik abhält und in seine eigenen Kompositionen, Zufallsgeräusche und Klangeffekte aus dem Alltag hineinnimmt.

1960 geben die Cage-Schüler LA MONTE YOUNG (geb. 1935) und JACKSON MAC LOW (geb. 1922) eine Anthologie der von ihrem Lehrer initiierten neuen Kompositionsweise heraus, die von GEORGE MACIUNAS (geb. 1931) gestaltet wird. Alles Material, das nicht in dieser Sammlung berücksichtigt ist, will George Maciunas als >Fluxus< fortan sukzessiv publizieren. Maciunas konzipiert und organisiert FLUXUS als Gruppenkünstlerische Aktivität. Kunst als Aktivität einer Gruppe.

1962 bringt Maciunas das gesamte Material der Anthologie mit zum Wiesbadener Festum Fluxorum, wodurch die Fluxus-Bewegung in Zusammenarbeit mit den amerikanischen Cage-Schülern Jackson MacLow, GEORGE BRECHT (geb. 1926), DICK HIGGINS (geb. 1938) und AL HANSEN ( ferner: Ben Patterson, Emmett Williams, Alison Knowles, Dick Higgins ) in Europa etabliert wird.

Da Maciunas eine aus der Experimentalmusik abgeleitete Aktionskunst nach Europa vermittelt, konzentrieren sich die von ihm getragenen Fluxus-Veranstaltungen im wesentlichen auf die Integration des Alltagslebens in das Repertoire musikalischer Klangereignisse. Dabei wird in Zertrümmerungsaktionen von Klavieren und Geigen nach dem dadaistischen Antikunst-Vorbild einerseits mit dem traditionellen Klangrepertoire der Musik gebrochen, zum anderen entnimmt man solchen Klangereignissen gleichzeitig auch ein noch unverbrauchtes konkretes akustisches Material, das bislang nicht als Klang, sondern als Lärm galt, weil es außerhalb konventioneller Tonsysteme liegt.

Cage unterrichtete u.a. 1948/50 am "Black Mountain College", North Carolina,USA . Cage begegnete 1948, während seiner Lehrtätigkeit am Black Mountain College, dessen am Bauhaus angelehntes Schulkonzept ihn beeindruckte, Josef und Anni Albers sowie Buckminster Fuller. Bei einem von ihm organisierten Satie-Festival hielt Cage einen Vortrag über Ludwig van Beethoven und Erik Satie, der durch seine kritische Sicht auf den Komponisten Beethoven zu einem Skandal führte. Im Sommer 1952 hatte John Cage einen erneuten Lehrauftrag am Black Mountain College und inszenierte in diesem Jahr mit "Untitled Event" das erste Happening überhaupt. Auf Vorschlag Mark Tobeys belegte Cage an der Columbia University für zwei Jahre Zen-Kurse bei Daisetz Teitaro Suzuki.

 

Für die zahlreichen europäischen Fluxus-Feste im Anschluß an die Wiesbadener Veranstaltung 1962 formuliert Maciunas ein theoretisches Programm, in dem er die Abgrenzung zur traditionellen Kunst immer wieder im Geiste Dadas unterstreicht: »Fluxus-Amusement soll einfach, unterhaltend und anspruchslos sein, sich mit Belanglosigkeiten beschäftigen, weder besondere Fähigkeiten noch zahllose Proben erfordern, weder handelbar noch institutionalisierbar sein... es strebt einfache Strukturen und untheatralische Qualitäten in einfachen, natürlichen Vorgängen als Spiel an. Maciunas formuliert das Ziel als: LIKE Vaudeville, Gags, Dada, Duchamp, Haiku, Zen, Spike Jones. Das Happening sieht Maciunas als Nachfolger der Bälle im Barock.

Die Künstler orientieren sich neu durch die Einflüsse der Soziologie und der Psychologie sowie der moderner Medien, wie Illustrierte, Film und TV. Konzentration auf Bewußtseinserweiterung und sozialer Kommunikation innerhalb der modernen Gesellschaftsstruktur. Grundmaxime von FLUXUS ist, daß alles real und damit der Bewußtseinserhellung wert ist. Das Banale, wird ebenso relevant wie die vielfältigen Prozesse des Alltags. Die Aktion ist die unmittelbare Präsentation eines künstlerischen Denkprozesses mit Hilfe theatralischer Mittel. Improvisation wird benutzt um die Aktualität einer Problematik mit größtmöglicher Eindringlichkeit zu demonstrieren. ( "Intuition statt Kochbuch!", Beuys) Die Aktionskunst liefert wichtige Bedingungen für die Annäherung zwischen Kunst und Lebenswirklichkeit. ("Leben = Kunst", Vostell)

Neben dem "Happening" sind die "Multiples" DIE Vermittlunsform von FLUXUS.

George Maciunas hat unter dem Label FLUXUS eine Vielzahl von Objekten anderer Künstler per Post vertrieben. Im »Fluxkit« sind diese zu einer repäsentativen Auswahl zusammengefaßt, die verschiedene Editionen der Fluxuskünstler enthält: Partituren für Events, interaktive Boxen und Spiele, Zeitschriften und Filme. Die einzelnen Boxen werden für je circa 1 bis 5 $ verkauft, das »Fluxkit« anfangs für 100 $ wobei schon die Herstellung 60$ kostete. Fast jedes »Fluxkit« hat einen etwas anderen Inhalt und die Zahl der Teile steigt im Laufe der Jahre: 1965 sind es circa 25, 1966 schon 40. Die Idee zur Kunst im Koffer stammt von Marcel Duchamps »Boîte-en-valise«. Statt eines persönlichen Museums soll das »Fluxkit« jedoch ein kollektives Werk sein. Das Überraschungs-Ei der Firma Ferrero, It kann als die Kommerzialisierung des Fluxus-Multiples gesehen werden.

Mit dem Tod von George Maciunas 1978 endet die zentrale Organisation der Gruppe ( Kollektiv ), sie findet aber zu gemeinsamen Aktivitäten zum 20ten und 30ten bestehen als Jahrestag des Wiesbaden Festivals in 1962 zB zur Bienale in Venedig und Wiesbaden. Fluxus zeigt eine kollektive Identität, obwohl es nie von einem gemeinsamen Stil geprägt wurde.Es gab beständig Meinungsverschiedenheiten. Der aus Litauen stammende Maciunas propagiert künstlerischen Kollektivismus und bekämpfte jeden "europäischen" Individualismus und Geniekult . Die " individuelle Mythologie" von Beuys war ihm nicht geheuer, denn Beuys stand im Einklang mit der europäischen geistigen Tradition.

 

 

Charakteristik von FLUXUS

Fluxus soll einfach, unterhaltend und metaphysich anspruchslos sein, d.h. sich mit alltäglichem beschäftigen, weder besondere Fähigkeiten ( keine Professionalität, keine Proben ) erfordern, einfachste Umsetzung einer Idee sein, weder handelbar, noch institutionalisierbar sein. z.B.:>Painting to be stepped on< Yoko ONO, 1961

0) Methode: Probieren ( Improvisieren) geht über Studieren = unschuldiger Umgang mit den Dingen, wie im Kindergarten.

1) "Simple piece, unlike gags" ( monostructure). Der Sache festgelegte Bedeutungen/ Nutzen entziehen. >Demolish serious culture!< (Ben Vautier). "Tabula rasa" machen bevor man NEUES anfangen kann und damit einer neuen Sicht und Nutzung zugänglich machen. Keine komlexen Dinge betreiben, nur eine Idee verarbeiten. Humorious gag.

2) >Do it youself !< Vom Betrachter zum Akteur( Yoko Ono ). Der Künstler gibt nur noch Anweisungen oder Material vor ( z.B. Nägel und Latten) der bisherige Betrachter muß die Sache selber machen- Selbsterfahrung anregen.(Jeder Mensch = Künstler:Beuys) Make it unprofessional !! ( anyone can do it!)

3) Kreativität = Kapital ( Joseph Beuys ) Geld ist kein Kapital, sondern Rechtsanspruch auf Dinge.

4) Multimedia = alle fünf Sinne einsetzen= gegen die SpartenKunst von Malerei, Skulptur,Musik, Tanz zum Gesamtkunstwerk

6) Multiple = Massenproduktion des Kunstwerkes als Auflagenobjekt = billig und für alle = Schachtel ,wie Schallplatte, CD, MC, BOX

FLUXUS- KÜNSTLER

USA: George Maciunas, Ay-O , George Brecht, John Cage ,Philip Corner, Geoffrey Hendricks, Dick Higgins, Ray Johnson, Al Hansen,Henry Flynt, Ken Friedman, Alison Knowles, Jackson MacLow, Jonas Mekas, Larry Miller, Charlotte Moorman, La Monte Young, Benjamin Petterson ,Carolee Schneeman, Emmett Williams, Yoko Ono, Robert Watts,

Frankreich: BEN VAUTIER (geb. 1935) , ROBERT FILLIOU (geb. 1926-1987),

Italien: Baruchello,

Schweiz : Daniel Spoerri

Dänemark: Addi Koepke, Henning Christiansen

Deutschland:TOMAS SCHMIT (geb. 1936), LUDWIG GOSEWITZ (geb. 1936), JOSEPH BEUYS (1921-1986) , Wolf Vostell, NAM JUNE PAIK (geb. 1932 in Korea),Diter Roth, Milan Knizak,


PostFLUXUS : Joseph Beuys` SOZIALE PLASTIK als Folge des "Erweiterten Kunstbegriffs"

Einen erweiterten Stellenwert und Reflexionshorizont erhält die Aktionskunst durch JOSEPH BEUYS (1921-1986), der sich ab 1964 deutlich in kultisch-liturgischen Einzelaktionen ohne direkte Publikumsbeteiligung von den Neodada-Handlungen der Happening und Fluxus-Bewegung entfernt. Während des 24-Stunden-Happenings am 5.Juni 1965 in der Wuppertaler Galerie Parnass, das eine der letzten Sternstunden der Happening und FluxusIdee darstellt, bringt Beuys mit seiner Aktion "und in uns - unter uns - landunter" durch ritualhaft inszenierte Materialien, darunter Honig, Fett, Filz und Kupfer, ein symbolischspirituelles Dingvokabular für Energiespeicherung, Spannung, Kreativität zur Anschauung, das sich in weiteren Aktionen mit Titeln wie Eurasia, mit Braunkreuz, wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt, Manresa, Hauptstrom metaphorisch präzisiert und vertieft.

Dabei bedient sich Beuys einer breiten Fülle von teils traditionsverhafteten, teils avantgardistischen Ausdrucksformen, die archetypische, mythische und magisch-religiöse Zusammenhänge mit Hilfe von Gegenbildern neu erlebbar zu machen.

Mit der Ausweitung seiner künstlerischen Tätigkeit in den Bereich praktischer Politik vollzieht Beuys in den siebziger Jahren die ihm so wichtige Verbindung zwischen kultureller Tradition und konkreter Gegenwart, indem er das gesellschaftspolitische Ideenpotential von 1968 mit den anthroposophischen Vorstellungen Rudolf Steiners, aber auch mit der deutschen Klassik und Romantik im Leitmotiv einer »Sozialen Plastik, einer Kunst des sozialen Bauens« verschmilzt.

Auf der documenta 6 kann Beuys erstmals seine Idee einer >Freien Internationalen Hochschule für Kreativität und internationale Forschung, FIU< verwirklichen und zugleich auch mit der "Honigpumpe am Arbeitsplatz" (1974-77) eine lebenssymbolische kinetische Installation errichten, die mit dem Werkstoff Honig als zirkulierender Energie die organische Dingsprache früher Fluxusaktionen am Beginn der sechziger Jahre erneut aufgreift und in direkte Beziehung zu seiner eigenen pädagogischen Tätigkeit setzt. Mit dem Projekt "7000 Eichen" bringt Beuys ein Beispiel ökologisch-ökonomischen Gestaltens.

Mit diesem Erweiterten Kunstbegriff, der real in das praktische Leben hineinreicht, hat Beuys maßgeblichen Einfluß auf die Produktion innovativer künstlerischer Ideen bis in die Gegenwart.

 


Link:

FLUXUS.org | bonotto foundation | medienkunstnetz | Allen Bukoff | 4tfluxnet | fluxusfreunde | harlekinaeum | GalerieSchüppenhauer | boekie woekie | hundertmark

kunstwissen.de

 
>