FLUXUS
(1960-1978)
Fluxus2 / Ziele von Fluxus / Wichtige Zitate / 40Jahre später / Punk /
Der Ausgangspunkt ist der Dadaismus der eine freie Erforschung der Realität unbelastet von jeglicher Wertkausalität ermöglicht. Während DADA im literarischen Umfeld entstand, entstand Fluxus im musikalischen und künstlerischen Umfeld. Dabei ist die methodische Neuorientierung der Kunst im Anschluß an Psychologie und Soziologie sowie ihre interdisziplinäre Ausweitung in Richtung auf eine Ausnutzung moderner Medien. Konzentration auf das menschliche Bewußtsein und auf die Problematik eines fehlenden kommunikativen Sozialverhaltens innerhalb der modernen Gesellschaftsstruktur. Grundmaxime von neodadaistischer Kunst bildet das Wissen, daß alles real und damit der Bewußtseinserhellung wert ist. Das Banale, das gewöhnlich Verbrauchte, wird ebenso relevant wie die vielfältigen Prozesse des Alltags. In der Aktion findet die unmittelbare Präsentation eines künstlerischen Denkprozesses mit Hilfe theatralischer Mittel statt, um durch die überraschende Pointe des improvisierten Geschehens das Leben selbst, die Aktualität einer Problematik mit größtmöglicher Eindringlichkeit zu demonstrieren.Diese Aktionskunst liefert eine wichtige Bedingungen für die Annäherung zwischen Kunst und Lebenswirklichkeit.Leben =Kunst.
Gleichzeitig werden die Grenzen der Kunstgattungen durch vielfältige Formen des Medienverbundes gesprengt, Multimedia . Es bilden sich neue Darstellungsformen wie Happening, Situation, Combine Painting, Objektkunst, Environment und Akkumulation heraus, die den vorgefertigten Gegenstand der Konsumindustrie und das Alltagsgeschehen in das Kunstwerk integrieren.
Die ästhetische Philosophie von Neodada wird in Amerika in wesentlichen Inhalten von dem Komponisten JOHN CAGE (geb. 1912) konzipiert, der die Partizipation des Publikums an Kunstaktivitäten propagiert und die Auflösung der künstlerischen Medienabgrenzungen vorantreibt. Durch John Cage hat die Aktionskunst ihre Geburtsstunde nicht in der Entwicklungsgeschichte der modernen Kunst, sondern der Experimentalmusik, deren kreatives Zentrum sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges an der New York School for Social Research befindet, wo der Schönberg-Schüler Cage Kurse für elektronische Musik abhält und in seine eigenen Kompositionen auch Zufallsgeräusche und Klangeffekte aus dem Alltag hineinnimmt.
1960 geben die Cage-Schüler LA MONTE YOUNG (geb. 1935) und JACKSON MAC LOW (geb. 1922) eine Anthologie der von ihrem Lehrer initiierten neuen Kompositionsweise heraus, die von GEORGE MACIUNAS (geb. 1931) gestaltet wird. Alles Material, das nicht in dieser Sammlung berücksichtigt ist, will Maciunas als sogenannte >Fluxus< fortan sukzessiv publizieren, weshalb diese aus der Musik abgeleitete Aktionskunst die Bezeichnung >Fluxus< erhält.
1962 bringt Maciunas das gesamte Material der Anthologie mit zum Wiesbadener Festum Fluxorum, wodurch die Fluxus-Bewegung in Zusammenarbeit mit den amerikanischen Cage-Schülern Jackson MacLow, GEORGE BRECHT (geb. 1926), DICK HIGGINS (geb. 1938) und AL HANSEN in Europa etabliert wird. Da Maciunas eine aus der Experimentalmusik abgeleitete Aktionskunst nach Europa vermittelt, konzentrieren sich die von ihm getragenen Fluxus-Veranstaltungen im wesentlichen auf die Integration des Alltagslebens in das Repertoire musikalischer Klangereignisse. Dabei wird in Zertrümmerungsaktionen von Klavieren und Geigen nach dem dadaistischen Antikunst-Vorbild einerseits mit dem traditionellen Klangrepertoire der Musik gebrochen, zum anderen entnimmt man solchen Klangereignissen gleichzeitig auch ein noch unverbrauchtes konkretes akustisches Material, das bislang nicht als Klang, sondern als Lärm galt, weil es außerhalb konventioneller Tonsysteme liegt. Cage unterrichtete u.a. seit 1948 am "Black Mountain College", North Carolina,USA
Für die zahlreichen europäischen Fluxus-Feste im Anschluß an die Wiesbadener Veranstaltung 1962 formuliert Maciunas ein theoretisches Programm, in dem er die Abgrenzung zur traditionellen Kunst immer wieder im Geiste Dadas unterstreicht: »Fluxus-Amusement soll einfach, unterhaltend und anspruchslos sein, sich mit Belanglosigkeiten beschäftigen, weder besondere Fähigkeiten noch zahllose Proben erfordern, weder handelbar noch institutionalisierbar sein... es strebt einfache Strukturen und untheatralische Qualitäten in einfachen, natürlichen Vorgängen als Spiel an.«
Einen erweiterten Stellenwert und Reflexionshorizont erhält die Aktionskunst durch JOSEPH BEUYS (1921-1986), der sich ab 1964 deutlich in kultisch-liturgischen Einzelaktionen ohne direkte Publikumsbeteiligung von den Neodada-Handlungen der Happening und Fluxus-Bewegung entfernt. Während des 24-Stunden-Happenings am 5.Junil965 in der Wuppertaler Galerie Parnass, das eine der letzten Sternstunden der Happening und FluxusIdee darstellt, bringt Beuys mit seiner Aktion und in uns - unter uns - landunter durch ritualhaft inszenierte Materialien, darunter Honig, Fett, Filz und Kupfer, ein symbolischspirituelles Dingvokabular für Energiespeicherung, Spannung, Kreativität zur Anschauung, das sich in weiteren Aktionen mit Titeln wie Eurasia, mit Braunkreuz, wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt, Manresa, Hauptstrom metaphorisch präzisiert und vertieft.Dabei bedient sich Beuys einer breiten Fülle von teils traditionsverhafteten, teils avantgardistischen Ausdrucksformen, die archetypische, mythische und magisch-religiöse Zusammenhänge mit Hilfe von Gegenbildern neu erlebbar zu machen.
Mit der Ausweitung seiner künstlerischen Tätigkeit in den Bereich praktischer Politik vollzieht Beuys in den siebziger Jahren die ihm so wichtige Verbindung zwischen kultureller Tradition und konkreter Gegenwart, indem er das gesellschaftspolitische Ideenpotential von 1968 mit den anthroposophischen Vorstellungen Rudolf Steiners, aber auch mit der deutschen Klassik und Romantik im Leitmotiv einer »Sozialen Plastik, einer Kunst des sozialen Bauens« verschmilzt.
Auf der documenta 6 kann Beuys erstmals seine Idee einer >Freien Internationalen Hochschule für Kreativität und internationale Forschung< verwirklichen und zugleich auch mit der Honigpumpe am Arbeitsplatz (1974-77) eine lebenssymbolische kinetische Installation errichten, die mit dem Werkstoff Honig als zirkulierender Energie die organische Dingsprache früher Fluxusaktionen am Beginn der sechziger Jahre erneut aufgreift und in direkte Beziehung zu seiner eigenen pädagogischen Tätigkeit setzt.
Mit diesem erweiterten Kunstbegriff, der real in das praktische Leben hineinreicht, hat Beuys maßgeblichen Einfluß auf die Produktion innovativer künstlerischer Ideen bis in die achtziger Jahre.
Charakteristik. Fluxus-Amusement soll einfach, unterhaltend und anspruchslos sein, sich mit Belanglosigkeiten beschäftigen, weder besondere Fähigkeiten noch zahllose Proben erfordern, weder handelbar noch institutionalisierbar sein.
z.B.:>Painting to be stepped on< Yoko ONO, 1961
0) Methode: unschuldiger Umgang mit den Dingen, wie im Kindergarten. Probieren geht über studieren.
1) Festgelegte Bedeutungen/ Nutzen den Dingen entziehen. >Demolish serious culture!<(Ben Vautier). "Tabula rasa" machen bevor man NEUES anfangen kann.
2) Die menschlichen Vorstellungen über die Dinge befreien und damit einer neuen Sicht und Nutzung zugänglich machen. Kreativität = Kapital ( Joseph Beuys )
3) >Do it youself !< Vom Betrachter zum Akteur. ( Yoko Ono )
4) Der Künstler gibt nur noch Anweisungen oder Material vor( z.B. Nägel und Latten) der bisherige Betrachter muß die Sache selber machen- Selbsterfahrung anregen.(Jeder Mensch = Künstler:Beuys)
5) Multimedia= alle fünf Sinne einsetzen= gegen die SpartenKunst von Malerei, Skulptur,Musik, Tanz zum Gesamtkunstwerk
6) Multiple= Massenproduktion des Kunstwerkes als Auflagenobjekt = billig und für alle.=Schachtel
wie Schallplatte, CD, MC, BOX
Künstler
USA : George Maciunas, Ay-O , George Brecht, John Cage ,Philip Corner, Geoffrey Hendricks, Dick Higgins, Ray Johnson, Al Hansen,Henry Flynt, Ken Friedman, Alison Knowles, Jackson MacLow, Jonas Mekas, Larry Miller, Charlotte Moorman, La Monte Young, Benjamin Petterson ,Carolee Schneeman, Emmett Williams, Yoko Ono, Robert Watts,
Frankreich: BEN VAUTIER (geb. 1935) , ROBERT FILLIOU (geb. 1926-1987),
Italien: Mario Merz
Deutschland:TOMAS SCHMIT (geb. 1936), LUDWIG GOSEWITZ (geb. 1936), JOSEPH BEUYS (1921-1986) , Wolf Vostell, NAM JUNE PAIK (geb. 1932 in Korea),Dieter Roth, Daniel Spoerri, Milan Knizak,
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