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Japanische Kunst - Farbholzschnitt >Ukiyo-e<
:: Ukiyo-e Sites /

Die wichtigste Neuerung waren die >Ukiyo-e<-Holzdrrucke, die im wesentlichen für die unteren Schichten der Bevölkerung angefertigt wurden, vor allem von den städtischen Unterschichten in Edo (Tokio), das unter der Herrschaft der Shogune zu einer riesigen, volkreichen und wohlhabenden Stadt anwuchs. Im >Ukiyo-e< kamen der Geschmack und das Interesse einer Subkultur zum Ausdruck. Ihre artistische Meisterschaft war zu ihrer Zeit einmalig auf der Welt. Keine andere ähnlich weltliche strikt inhaltlich bestimmte Kunstform hat je die Großartigkeit der volkstümlichen >Ukiyo-e<-Holzschnitte erreicht. Der Begriff >Ukiyo-e< bezeichnete ursprünglich die >Malerei einer fließenden Welt<, das heißt Bilder vom wechselvollen oder modischen gesellschaftlichen Treiben. Den begabtesten unter ihnen gelang es, den derbsten und trivialsten Sujets Schönheit zu verleihen und traditionelle Themen mit neuer Kraft zu beleben.

Die Ursprünge des >Ukiyo-e< lassen sich auf zwei verschiedene Quellen zurückverfolgen, auf volkstümliche religiöse Holzschnitte und auf >Yamato-e<, >Malerei im japanischen Stil<, die zumeist höfische Szenen darstellte. Die Technik des Holzplattendrucks war im 8.Jahrhundert mit dem Buddhismus aus China gekommen, wurde später für die Illustration von buddhistischen Schriften und seit dem frühen 17. Jahrhundert auch von Liebesgedichten und romantischer Dichtung weiterentwickelt. Zunächst betrachtete man gedruckte Bücher als Ersatz für die teuren handgeschriebenen und -bemalten Rollen, denen sie nachgeahmt waren - so fügte man etwa gelegentlich bedruckte Blätter zu Rollen aneinander. Aber auch Bilderbücher für das breite Volk wurden produziert, wobei vor allem HISHIKAWA MORONOBU (um 1625-1695) zu erwähnen ist, der allgemein als der Begründer des >Ukiyo-e< gilt. Obwohl er in den konservativsten Traditionen ausgebildet war, wandte er sich der Darstellung volkstümlicher Themen zu, vor allem dem Treiben im Yoshiwara-Bezirk in Edo, wo die Kurtisanen lebten. Gegen 1670 begann MORONOBU auch Einzelblätter zu entwerfen, die sich offensichtlich solcher Beliebtheit erfreuten, daß andere seinem Beispiel folgten.

Die Themen reichten von Vögeln und Blumen, die in Japan schon immer sehr geschätzt waren, über Porträts schöner Frauen, meist promenierender >Königinnen< von Yoshi-wara, bis hin zu freizügigsten Beischlaf Szenen. Meist waren die Blätter klein und wahrscheinlich zur Aufbewahrung in Alben gedacht, die größeren aber konnten als Hängerollen montiert werden. Sie wurden in Schwarz auf weißem Papier gedruckt, Farben mußten von Hand aufgelegt werden. Als sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Techniken des Mehrplattenfarbdrucks schnell vervollkommneten, stieg der Reiz des >Ukiyo-e< beträchtlich. Die ersten Vielfarbdrucke waren noch recht kostspielig und wurden wohl hauptsächlich von reicheren Kaufleuten erworben, weniger von Leuten aus der Handwerkerschaft.

Ihre Herstellung war eine Gemeinschaftsarbeit und unterschied sich von der in Europa verwendeten Technik. Man klebte die Zeichnung eines Künstlers auf eine Platte aus Birn- oder Kirschbaumholz und schnitt alles bis auf die feinen Linien weg; so entstand ein Druckstock, dessen Abzüge zum Schneiden weiterer Druckstöcke benutzt wurden, manchmal bis zu 15 Stück, jeder für eine andere Farbe, die dann in Form eines wasserlöslichen Pigments mit dem Pinsel auf das Holz aufgetragen wurde. Die Abzüge wurden nicht in der Druckpresse hergestellt, sondern von Hand, indem man das Papier auf die Platte legte und mit einem runden Werkzeug über die Rückseite rieb. Bei geschickter Handhabung konnten sehr fein abgestufte Tonwerte erzielt werden.

Im voll entwickelten >Ukiyo-e< werden am häufigsten Frauen abgebildet, jung, elegant im Auftreten und von den Zehenspitzen ihrer winzigen Füße bis zu dem pechschwarzen, mit Kämmen und Nadeln hochgesteckten Haar nach dem > letzten Schrei < städtischer Mode gekleidet. Mal treten sie allein auf und raffen exquisit gemusterte Kimonos mit leicht überraschter Miene, mal in Gruppen, im Badehaus oder auf einem Flußboot, wo sie sich den Nachmittag vertreiben, den Mondaufgang betrachten oder in einer warmen Sommernacht Leuchtkäfer fangen. Es sind ausnahmslos Geschöpfe sinnlicher Freuden, und häufig lassen sie sich als die hochkultivierten Kurtisanen identifizieren, für die Edo berühmt war.

 

Die »Bilder der flüchtigen Welt« (Ukiyo-e) gelangten im japan. Farbholzschnitt mit seinen Meistern Utamaro, Hiroshige, Hokusai zu weltweiter Berühmtheit. Seit der Öffnung Japans nach dem Westen in der Meiji-Ära (1868-1912) sind japan. Maler bemüht, den westl. Stil mit ihrer vom kalligraph. Duktus bestimmten Malerei zu verbinden.

SAITO SHARAKU (tätig 1794-95) spezialisierte sich während seiner sehr kurzen Kariere auf Schauspielerporträts, insbesondere der berühmtesten Frauendarsteller. SHARAKU war selber No-Schauspieler in den Diensten eines Daimyo. Trotzdem werden in seinen Arbeiten alle dekorativen Möglichkeiten dieses Mediums voll ausgeschöpft, wo kräftige Farbflächen sich gegen einen metallisch glänzenden Glimmergrund abheben, einen Ersatz für Gold, das zu benutzen den unteren Schichten nicht erlaubt war. Die alte Tradition ist immer noch lebendig und wird für qualitativ hochwertige Reproduktionen berühmter Meister oder für zeitgenössische Grafiken verwendet.

Vier Jahre nach Hokusais Tod endete Japans Isolierung, und fast gleichzeitig fanden seine Drucke den Weg nach Europa, wo sie jene Maler faszinierten, die aus den Konventionen der westlichen Kunst auszubrechen versuchten. Im Jahr 1854 zwang der amerikanische Geschwaderkommandant Matthew Calbraith Perry die Japaner, ihre Häfen auslandischen Händlern zu öffnen. Radikale innenpolitische Veränderungen folgten rasch. 1867 wurde die Diktatur der Shogune beendet, die Regierungsgewalt ging wieder in die Hände des Kaisers in Kyoto über, man übernahm schnell westliche Technologien, und so begann die Verwandlung eines feudalen Japan in eine Industrienation. Zu den vielen Opfern dieses Prozesses gehörten auch die >Ukiyo-e<-Drucke. Am Ende des 19. Jahrhunderts konnte man die Kunst der Welt nicht mehr in Ost und West einteilen, nun bestand die Unterscheidung zwischen industrialisierten und vorindustriellen Ländern.

Japanische Einflüsse auf die europäische Kunst um 1880

In Paris ließen sich Künstler auch von der japanischen Kunst inspirieren, die in letzter Zeit populär geworden war. Als Vincent van Gogh 1886 nach Paris kam, waren japanische Drucke beliebt und billig. Japan hatte erst seit 20 Jahren wirtschaftliche Beziehungen zum Westen, und alles was aus Japan kam, war große Mode. Wie viele andere Künstler, darunter auch Gauguin, waren von ihren ausdrucksvollen Kompositionen und Farben beeindruckt. Van Gogh besaß die Arbeit von Utagawa Hiroshige (1797-1858) Regenschauer auf der Ohashi-Brücke.Van Gogh machte eine Kopie von diesem Holzschnitt , einem von vielen japanischen Drucken aus seinerSammlung Das Bild zeigt die leuchtenden Farben und die Einfachheit det Komposition, die für die japanische Kunst bezeichnend waren.Seine klaren Konturen und die dekorative Art zeigen die Elemente, die der Maler an der japanischen Kunst so sehr bewunderte. Vincent erlebte Arles als französisches Gegenstück zu Japan. Er sah sich selber als japanischer Mönch.1888 reiste er m den Süden Frankreichs, gleichsam in privater Mission, um eine neue Bewegung in der Kunst zu schaffen.

 

Zur Technik des Japanischen Farbholzschnittes

Der Holzschnitt entsteht aus Teamarbeit die auch zu Beginn der europäischen Grafikkunst gang und gäbe war. Erst im 19. und 20. Jahrhundert wurde es durch das Konzept der "Originalgrafik" ersetzt. Das verlangte, dass ein Künstler alle Schritte selbst ausführen oder doch wenigstens aufs engste überwachen sollte.

Der Holzschnitt entsteht aus Druckvorgang, den verwendeten Farben und dem Papier. Japanische Farbholzschnitte in alter Tradition sind das Ergebnis der Zusammenarbeit von vier verschiedenen Personen - dem Künstler, dem Schnitzer, dem Drucker und dem Verleger. Ein Künstler kam zumeist im Alter von 15 Jahren in eine Malschule und bleib bei seinem Meister wenigstens vier Jahre lang. Die Lehrzeit eines Schnitzers dauerte bis zu zehn Jahren.

 

Japanische Grafik von Ashiyuki

Die Herstellung eines japanischen Farbholzschnitts beginnt mit dem Künstler, der eine Umrisszeichnung auf dünnen, durchsichtigem Papier macht. Diese wird als hanshita-e bezichnet. Der Drucker befeuchtet das Papier und legt es mit dem Gesicht nach unten auf einen Holzblock. Dafür wird Kirschholz genommen, da es feinkörnig und dennoch weich genug zum Schneiden ist. Die Holzblöcke wurden auf beiden Seiten benutzt.

Als nächstes war dann der Schnitzer an der Reihe. Immer an den Linien entlang fahrend, wurde alles neben den Zeichnungslinien entfernt. Das Ergebnis war der sogenannte key Block, auch Basis oder Hauptblock genannt, der das Design als Hochrelief zeigte. Der Schnitzer musste die heikelsten Partien wie die Konturen der Nase oder des Gesichts in einer durchgehenden Bewegung ausschneiden. Ein einmal gemachter Fehler konnte nicht mehr korrigiert werden. Manche der japanischen Grafik Künstler machten ziemlich skizzenhafte Entwürfe und betrachteten es als Aufgabe des Schnitzers sich um die Details zu kümmern. Schaut man sich zum Beispiel die feinen Linien des Haares in einem Druck von Yoshitoshi an, dann kann man es kaum fassen, wie man derartiges zustande bringen kann.

Der Drucker rieb dann die Tinte auf die erhöhten Linien und machte mehrere Probeabzüge. Diese Reliefkopien wurden an den Künstler zurück gegeben. Der vermerkte darauf die Farben, die er haben wollte.

Als nächstes war wieder der Schnitzer an der Reihe, der jetzt für jede Farbe einen Holzblock schnitzen musste. Um genaue Duplikate des Holzblocks herzustellen, benutzte der Schnitzer die Probeabzüge des Relief Blocks. Für die Farbholzblöcke wurde weicheres Holz als für den Relief Block verwendet.

Nachdem alle Blöcke fertig gestellt waren, bereitete der Drucker das Papier vor indem er die Blätter aus einem grossen Bogen schnitt. Vor dem Drucken wurde das Papier zuerst befeuchtet, dann auf den Block gepresst und mit einem speziellen Werkzeug, dem Baren aufgerieben. Dieser Vorgang musste für jede Farbe wiederholt werden. Der letzte Block, der benutzt wurde, war der Basis Block um die schwarzen Umrisslinien auf die Grafik zu drucken.

Der Drucker musste auf das genaueste arbeiten um die Farben gut entlang der Linien auszurichten. Für Luxus Ausgaben mussten Mica oder metallische Pigmente zur Erzielung spezieller Effekte aufgebracht werden. Ein anderer Spezialeffekt, der hohes Geschick erforderte, war das sogenannte embossing, eine Fläche, die sich vom Druck abhob. Dies wurde dadurch erreicht dass man das feuchte Papier auf einen extra Block presste, der farblos war.

Der Verleger war für den finanziellen Teil und und den kommerziellen Erfolg verantwortlich. Er erteilte dem Künstler den Auftrag und zahlte die Schnitzer und Drucker. Er trug das unternehmerische Risiko einer Edition und koordinierte das Team.

Manchmal wurde eine fünfte Person eingesetzt, der Kalligrapheur, wenn eine Grafik eine Menge an Text enthielt. Surimono sind ein Beispiel für Farbholzschnitte mit zumeist einer Menge an kalligrafischem Text.

Alte japanische Farbholzschnitte tragen zumeist den Namen des Künstlers, aber selten den des Schnitzers und ganz selten den des Druckers. Seit 1887 schrieb ein Gesetz vor, dass alle japanischen Farbholzschnitte das genaue Datum des Drucks und der Ausgabe tragen mussten. Von da ab wird auch der Verleger genannt - zumeist in der Form eines Siegels am Rand der Grafik. Schnitzer und Drucker, obwohl deren Teil ein derartig hohes Können erforderte, wurden übrigens als unbedeutende "Arbeitsbienen" angesehen.

Papier Für traditionelle japanische Farbholzschnitte wird handgemachtes Papier verwendet, das als washi bezeichnet wird. Die Faser wird aus dem Maulbeerbaum gewonnen im Gegensatz zu Papier, das aus Leinen (Arches) oder Faserholz gewonnen wird, wie es in den westlichen Ländern üblich ist. Für ältere japanische Farbholzschnitte gibt es zwei Papiersorten, masa und hosho. Hosho ist dicker und wurde für Luxus Ausgaben und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts verwendet. Für moderne japanische Farbholzschnitte findet man auch nishinouchi und kozo, das mit natürlichen Pflanzenextrakten gefärbt wird.

Papierformate: aiban : 34x22 cm / chuban : 26x19 cm / oban : 38x 25 cm

Farbe Japanische Farbholzschnitte wurden mit natürlichen Pflanzenfarben bis ungefähr 1860 hergestellt. Von da ab wurden sie nach und nach von Anilin Farben verdrängt, die aus Deutschland importiert wurden. Beide, Pflanzen- wie Anilinfarben, haben Vor- und Nachteile. Pflanzenfarben verblassen unweigerlich im Verlauf der Zeit. Besonders die violetten und rosa Farben verblassen schnell und verwandeln sich in eine Art Hellgrau. Japanische Farbholzschnitte aus dem frühen 18. Jahrhundert haben selten sowas wie frische Farben. Anilin Farben behalten ihren ursprünglichen Zustand dagegen viel besser. Aber einige der Farben, vor allem das Rot, haben die Tendenz, bei Feuchtigkeit auszulaufen. Dieser Effekt vermindert den Wert eines japanischen Farbholzschnitts und kommt oft bei Grafiken der Meiji Era vor.

 

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Literatur:

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