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SÜDAMERIKA

Südameriakanische Indianderkulturen /

Südamerika ist der viertgrößte Kontinent der Erde, der südl. Teil des Doppelkontinents Amerika; umfasst einschl. der umgebenden Inseln (auch der Falkland- und Galápagosinseln) 11,8% der Landfläche der Erde.

Lage: Das südamerikan. Festland liegt zw. Punta Gallinas, Kolumbien und Kap Froward auf der Península de Brunswick, Chile sowie Punta Parinas, Peru Ponta de Pedra, Brasilien ; die N-S-Ausdehnung beträgt über 7600 km, die W-O-Ausdehnung fast 5000 km. Bezieht man die Inseln mit ein, so gilt Kap Hoorn im Feuerlandarchipel als die Südspitze Südamerikas.

Oberflächengestalt: Südamerika wird auf der W-Seite vom Hochgebirge der Anden (Kordilleren) durchzogen (im Aconcagua 6959m ü.M.). Im O überwiegen Mittelgebirge und Tafelländer (Bergland von Guayana, im Pico da Neblina bis 3014m ü.M.; Brasilian. Bergland, im Pico da Bandeira bis 2890m ü.M.; Patagon. Tafelland 10001500m ü.M.), zw. denen sich ausgedehnte Tiefländer erstrecken mit den Hauptströmen des Kontinents: Orinoco, Amazonas und Paraguay-Paraná, die zum Atlant. Ozean fließen.

Klima, Vegetation: Der größte Teil Südamerikas liegt im Bereich der Tropen, der S hat Anteil am gemäßigten, Feuerland am subpolaren Klima. Das Klima im Bereich der Anden wird von der Höhenlage bestimmt. Die W-Küste im N mit extrem hohen Niederschlägen ist in der Mitte unter dem Einfluss des kalten Humboldtstroms wüstenhaft. Östlich der Anden herrschen im feuchtheißen äquatorialen Tiefland (Amazonasbecken) trop. Regenwälder vor; in den Tafel- und Bergländern Savannen (Feucht- und Trockensavannen), lichte Trockenwälder und Buschland, im Argentin. Tiefland sind Grassteppen (Pampa), in O-Patagonien Trocken- und Wüstensteppen, in W-Patagonien immergrüne Wälder verbreitet.

Tierwelt: Die Tierwelt ist reich an eigenen Arten: u.a. Jaguar, Puma, Guanako (Lama, Alpaka), Faultier, Ameisenbär, Gürteltier, Beutelratte; Kolibris, Papageien, Kondor, Riesenschlangen.

Bevölkerung: Mischlinge (Mestizen, Zambos, Mulatten) überwiegen. Restgruppen der ursprüngl. Bewohner, der Indianer, leben unvermischt fast nur noch im mittleren und nördl. Andenhochland und im Amazonasgebiet. Schwarze (Nachkommen der bes. von Portugiesen eingeführten Sklaven) und Mulatten leben v.a. in Brasilien und den trop. Küstengebieten. Seit dem 19.Jh. wanderten zahlr. Europäer (bes. Spanier, Italiener, Deutsche, Polen) und Asiaten (Japaner, Inder) ein. Die Bevölkerungsverteilung ist bei einer durchschnittl. Bevölkerungsdichte von 21 Ew. je km2 sehr ungleich. Obgleich es noch große ungenutzte Gebiete gibt, ist die Anziehungskraft der Ballungsräume und die damit ständig zunehmende Verstädterung groß. Es gibt heute 31 Millionenstädte, davon 10 in Brasilien. Amtssprache ist in Brasilien Portugiesisch, in den übrigen Staaten Spanisch; Ausnahmen sind Guyana (Englisch), Surinam (Niederländisch) und Französisch-Guayana.

 

Geschichte: Vorgeschichte: Die früheste Besiedlung von Südamerika ist nachgewiesen für etwa 30000 v.Chr (v.a. Monte Verde, Chile). Da die Entwicklung der Kulturareale des Kontinents sehr unterschiedlich war, ist eine einheitl. Periodisierung nicht möglich. Der N war stark den Einflüssen Mesoamerikas ausgesetzt, wo bereits ab 3500 v.Chr. (oder 5000) Mais kultiviert wurde und etwa ab 1500 die Entwicklung der mesoamerikanischen Hochkulturen begann. Die ältesten Keramiken (um 3000 v.Chr.) wurden in Ecuador und Kolumbien gefunden, seit 1500 v.Chr. war im nördl. Südamerika (Peru) die Metallbearbeitung bekannt und gelangte vermutlich von hier aus erst nach Mesoamerika. Im zentralen Andengebiet begannen Anbau und Tierhaltung (Lamas, Meerschweinchen) um 6000 v.Chr., an der Küste mindestens 2000 Jahre später. Der älteste Hinweis auf den Kartoffelanbau fällt gleichfalls in diese Periode. Aus der Zeit 25001800 v.Chr. stammt die älteste bekannte Tempelanlage aus Stein (Chuquitanta, Peru), etwa ab 1000 v.Chr. setzte mit einer Vielzahl techn. Neuerungen (u.a. in Weberei und Metallbearbeitung) die Entwicklung der andinen Hochkulturen ein. Im trop. Tiefland, wo paläoindian. Kulturen ab 1100010000 v.Chr. nachweisbar sind (Venezuela, Brasilien; umstritten ist die Datierung älterer Funde, bis 40000 v.Chr.), taucht Keramik um 3000 v.Chr. auf. Insgesamt ist die Vorgeschichte dieser Region noch wenig erforscht. Der äußerste S des Kontinents war bis zur Entdeckung durch die Europäer von nomadisierenden Jägern bewohnt, in N-Chile entstanden ab 4000 v.Chr. Fischerkulturen, ab 500 v.Chr. waren Keramik und Feldbau bekannt.

Die großen Reiche der altamerikan. Kulturen Süd- und Mittelamerikas (Azteken, Inka, Maya) wurden sämtlich durch das Vordringen der Europäer nach 1492 zerstört.

Der Streit zw. Spanien und Portugal um die Entdeckungen und Eroberungen wurde im Vertrag von Tordesillas (1494) beigelegt, er grenzte die Interessensphären voneinander ab. Die span. und portugies. Sprache und Kultur verdrängten oder überlagerten die autochthonen Traditionen. Im Laufe der Jahrhunderte entstand daraus eine eigene Kultur, die unter dem Namen Lateinamerika zusammengefasst wird. Im Bereich der WestindischenInseln sowie in Guayana setzten sich seit dem 17.Jh. auch die Interessen anderer europ. Mächte durch: 1621 Gründung der Holländisch-Westind. Kompanie, 1664 der Frz.-Westind. Kompanie.

Spanische Kolonialzeit: Die überseeischen Besitzungen in Amerika galten als integraler Bestandteil der span. Monarchie. Durch die Eroberungen und ihre Folgen wurde die indian. Bevölkerung sehr stark dezimiert; um Arbeitskräfte zu gewinnen, wurden aus Afrika schwarze Sklaven herbeigeschafft. 1524 richtete die span. Krone die erste Verwaltungsbehörde für das span. Amerika ein, 1535 entsandte KarlV. einen Vizekönig nach Neuspanien, das große Teile Nordamerikas, Mittelamerika (ohne Panama) und Venezuela umfasste (Hptst. Mexiko). Zu dem 1543 gegründeten Vizekönigreich Peru gehörte der übrige span. Herrschaftsbereich in Südamerika (Hptst. Lima). Im 18.Jh. wurden zwei weitere Vizekönigreiche gebildet: Neugranada (1717/39, Hptst. Bogotá) umfasste die heutigen Länder Ecuador, Kolumbien, Panama, Venezuela; Río de la Plata (1776, Hptst. Buenos Aires) verwaltete die Gebiete der heutigen Länder Argentinien, Uruguay, Paraguay und Bolivien. Die span. Kolonialverwaltung hatte auch die Aufsicht über kirchl. Territorien, z.B. den »Jesuitenstaat« in Paraguay.

Spanien konnte sein überseeisches Imperium über drei Jh. im Wesentlichen behaupten. Als letzte amerikan. Kolonien verlor es 1898 Kuba und Puerto Rico.

Portugiesische Kolonialzeit: Nach der Organisation von Handelsniederlassungen begannen Besiedlung und Verwaltungsaufbau in Brasilien ab 1549. Auch hier wurden afrikan. Sklaven eingeführt. Im 17./18.Jh. brachten die Streifzüge der sog. Bandeirantes, die auf der Jagd nach Indianersklaven, Gold und Diamanten ins Landesinnere vordrangen, eine Ausdehnung des portugies. Einflussgebiets.

19. und 20.Jahrhundert: Die ersten Erhebungen in den Kolonien in der Folge der Frz. Revolution blieben erfolglos (Ausnahme war die Sklavenbefreiung auf Haiti 1794), erst die Änderung der Herrschaftsstrukturen in Spanien und Portugal nach den Napoleon. Kriegen machte die Bildung selbstständiger Staaten anstelle der Kolonien möglich. Dieser Prozess war v.a. im span. Machtbereich von Gründungen begleitet, die keinen Bestand hatten (so Groß-Kolumbien), Grenzstreitigkeiten sind z.T. bis in die Gegenwart noch nicht vollständig beigelegt. Die Bildung der heute noch existierenden Staaten war im Wesentlichen bis zur Mitte des 19.Jh. abgeschlossen. Erst mit der Auflösung des europ. Kolonialreichs nach dem 2.Weltkrieg kamen neue selbstständige Staaten hinzu. 1948 wurde die OAS gegr. Sie trägt mit dazu bei, das Verhältnis der lateinamerikan. Staaten zu den USA zu verbessern, das seit Ende des 19.Jh. durch die Interventionspolitik der USA stark belastet ist. Die Diktaturen, die oft mit Unterstützung der USA in vielen Ländern Lateinamerikas herrschten, wurden zwar seit den 70er-Jahren abgelöst oder zu demokrat. Zugeständnissen gezwungen, doch verhindern oft Korruption, Missachtung der Menschenrechte, Guerillatätigkeit, Drogenhandel und die damit zusammenhängenden wirtsch. und sozialen Probleme eine echte Demokratisierung. Seit Mitte der 80er-Jahre verstärkten die Länder ihre regionale Zusammenarbeit, um der Lösung dieser Probleme näher zu kommen (Rio-Gruppe, Mercosur).

 

Literatur:

kunstwissen.de

 
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