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Abstrakte Malerei (seit 1905)
 

Lyrisch Abstrakt / Tachismus-Informel - Action Painting | Geomnetrisch Abstrakt / Minimal Art - Color Field- Harfd Edge

 

»Ich möchte viel lieber im Einklang mit der Natur sein als sie nachahmen.«Georges Braque

Der Begriff >abstrakt< entwickelte sich aus der Antiposition zur gegenständlichen intuitiven und bezeichnet zugleich zwei unterschiedliche Formen von ungegenständlicher Kunst:

I. Lyrische Abstraktion, die als >informelle Kunst< Ausdruck der intuitiven Kreativität ist. Wassily Kandinsky, Paul Klee, Informel ,art brut, Tachismus, action painting

II .Konstruktive Abstraktion, die geometrische Ordnungsstrukturen visualisiert. Konstruktivismus: Bauhaus, Russischer Konstruktivismus ( Suprematismus) , De Stil (Niederlande), Minimalismus( USA),Conzept art (USA)

 

Allgemein:

Die Erkenntnis der Wirklichkeit ist ein uraltes Problem der Menschheit. Platon unterschied zwischen der sinnlich wahrnehmbaren Welt und einem Reich der Ideen als Urgrund des Seins. Das christliche Mittelalter sah über der irdischen Wirklichkeit eine himmlische. Diesen Dualismus haben gegenwärtige Erkenntnisse der Wissenschaft besonders scharf sichtbar gemacht: im Bereich der sinnlichen Anschauung behalten die Gesetze der klassischen Mechanik ihre Gültigkeit, in einer höheren, nur noch mathematisch erfaßbaren Wirklichkeit gelten aber die Grundkonstanten unserer Anschauung (Raum, Zeit, Materie, Energie, Gravitation) nur noch bedingt (relativ). In diesem neuentdeckten Wirklichkeitsraum, der mit vier Dimensionen rechnet, scheinen bisherige Naturgesetze aufgehoben zu sein.

Das Gefühl, einer höheren, unfaßbaren Wirklichkeit gegenüberzustehen, erfüllt die moderne Malerei mit Mißtrauen gegen die Erscheinungen der dinglich-wahrnehmbaren Welt. Sie hat den naturnachahmenden, abbildenden Charakter verloren und sucht statt dessen die erweiterte Wirklichkeit zu deuten. Sie kann daher auch nicht die soziale Funktion erfüllen, die ihr in dem überlieferten religiösen, gesellschaftlichen oder humanitären Bereich zufiel. Vielmehr will sie »die verschwiegenen Zonen des Menschen als Einzelnen verwalten«. Sie »dient der Begegnung des einzelnen Menschen mit dem, was er selbst ist in seiner Gegenwart« (Werner Haftmann).

I. Lyrische Abstraktion

KANDINSKY:

Am bekanntesten von allen russischen Neuerern wurde WASSILY KANDINSKY (18661944). Seine Entwicklung, veranschaulicht durch seine von 1897 bis 1914 i München entstandenen Werke, führte von der impressionistisch gestimmten Münchener Landschaftsmalerei auf dem Weg der Abstraktion und Vergeistigung schon 1910 zum gegenstandslosen Bild, bis sein Werk in den reinen Farbklang mündet. Sein Text " Über das Geistige in der Kunst " von 1912 geht davon aus, das die Probleme des modernen Menschen nicht mehr im nachahmenden Naturalismus gelöst werden können.

KLEE:

Der Schweizer PAUL KLEE (18791940) gestaltete aus Farben und Formen eine irreale Welt, in der er oft weit auseinanderliegende Dinge auf überraschende Weise verknüpfte. Seine meist kleinen Bilder sind traumhafte Erinnerungen an unbewußte Zustände, in denen Schwerkraft, Zeit und Raum aufgehoben erscheinen. In diesem Reich gibt es keine logischen Zusammenhänge. Seine zarten Gebilde entstehen wie in kindlichem Spieltrieb, doch hat er sein Verhältnis zur Welt in ein System gebracht, das sich auf den Grundelementen des Graphischen aufbaut.

>Art brut<:

Bezeichnung, die der Maler Jean Dubuffet für die spontanen, unreflektierten, aus dem Unbewußten sich nährenden künstlerischen Ausdrucksformen von Geisteskranken, Kindern oder Laienmalern fand und in seiner eigenen Kunst nachahmte. Die Gruppe Cobra mit : Asger Jorn, Constant, Karel Appel arbeitet in Sinne von >art brut<.

 

Tachismus / Informel 1940- 1960

Kunstrichtung in der abstrakten, modernen, informellen Malerei 1940 entstanden in Paris, hauptsächlich in Deutschland und Frankreich Tachismus entstand nach dem zweiten Weltkrieg, 1940 - 1960 ( von französisch: la tache = Farbfleck, Farbklecks) aus den Überlegungen der Surrealisten. Die Formgestaltung unter Ausschluß der Ratio ist ein surreales Ziel.Der Begriff wurde geprägt von Pierre Gueguen, der die Werke abfällig "tachisme" ( = Fleckwerk) bezeichnet. Daraus entstand 1954 der Begriff Tachismus. Bis in den Umschwung zu Concept Art und Neuen Wilden war der Tachismus oder das Informel der offizielle Lehrstil für Malerei an den Kunstakademien und hatte die figurative Malerei völlig verdrängt.

 

Ziel: Empfindungen und das Unbewusste werden spontan unter Vermeidung jeder rationalen Kontrolle durch Auftragen von Flecken auf eine Leinwand dargestellt. Hierbei sollen spontane Emotionen und physische Spannungen den Künstler leiten. Tachisten lehnen die bewusste Formgestaltung ab und bekennen sich zur Spontaneität des Schaffensakts, zur Malerei als Ausdruck menschlicher Bewegungsrhythmen und Handlungsimpulse. Der Tachismus versucht, Empfindungen als Spiel des Zufalls durch spontanes Auftragen von Farbklecksen ohne überlegte Kompositionsprinzipien wiederzugeben. Man spricht dabei von der surrealistischen Schöpfungskraft des Unbewussten.

Struktur der Bilder: Sie ist dynamisch und setzt sich aus Linien,Farbflecken und Tropfen zusammen.

Verwandete Richtungen: In Deutschland: Das Informel, In den USA: Das Action-Painting und der abstrakte Expressionismus

In Frankreich hat der Maler WOLS (eigtl. Wolfgang Schulze, 1913-1951) bis zu seinem frühen Tod träumerische abstrakte Phantasien geschaffen, die dort den Tachismus (auch Art informel und Art autre, die europäische Bezeichnung für den abstrakten Expressionismus) einleiteten. Seine zarten kleinen Bilder mit ihren wolkigen Formen und feinen Strichen haben den Charakter spontaner Aufzeichnung. Es sind nicht die vehementen Techniken des Action Painting, die das Bild aus den Tiefen des Unbewußten heben, sondern die leisen Bewegungen einer sensiblen Hand. Wols (Alfred Otto Wolfgang Schulze) -geb. 27. Mai 1913 in Berlin , gest. 1. September 1951 in Paris gilt als Wegbereiter und Vertreter des Tachismus und des Informel.War als Maler im Pariser Exil tätig. Seine kriegsbedingte, psychische Belastung äußerte sich in spontanen, eruptiven Farbschlägen, die Gestaltung blieb fragmentarisch.Stil der Bilder: Die Flecken lassen zwar oft das Motiv erkennen, die Bilder selbst aber vermitteln oft den Eindruck als wären sie nicht fertig geworden.

Andere bekannte Tachisten: G. Bryen, Henri Michaux , Georges Mathieu (ungegenständliche, von der Schnelligkeit des Malvorgangs bestimmte Kompositionen),Roger Bissiere (träumerisch poetischer Stil, zartfarbige, abstrakte Gebilde),

Pierre Soulage, Jean Fautrier, Jean Dubuffet, Jean Bazaine; Arnulf Rainer (bekannt für Übermalungen eigener und fremder Bilder sowie Fotos)

Art Informel( action painting, Aktionsmalerei psychischer Automatismus, ecriture Automatique, , Tachismus u.ä.), Kunst des Nichtgeformten, Sammelbegriff für eine Stilrichtung der / abstrakten Kunst, die sich nach 1945 in fast allen kapitalist. Ländern ausbreitet und zwischen der Ausstellung documenta II (1959) und der XXXI. Biennale (1962) innerhalb der abstrakten Kunst vorherrschte, Im Gegensatz zu den formbetonten Strömungen der abstrakten Kunst beseitigte sie auch das bewußte Streben nach abstrakten Harmonien und setzte den Zufall, die «Selbsttätigkeit» des Materials und manchmal seltsamer Arbeitsgeräte (z.B. tröpfelnde Farbdosen), die vom Bewußtsein unkontrollierte physische Aktion und die unmittelbare «Niederschrift» enthemmter Triebe an die Stelle des entwickelten künstlerischen Schaffens.

Art Informel: Sammelbezeichnung für eine abstrakte Kunstrichtung im europäischen Raum, die vor allem die Malerei zwischen 1945 und 1960 charakterisiert und auch noch in 60er Jahren die internationale Kunstszene beherrschte. Die Vertreter dieser abstrakten Kunst lehnten eine organisierte Formstruktur ab und richteten sich so gegen die Kunst der geometrischen Abstraktion.

Die verstärkte Hinwendung zur informellen abstrakten Kunst war eine Folge der vorausgegangenen kultur- und allgemeinpolitischen Verhältnisse. Nationalsozialismus und Faschismus hatten seit den 30er Jahren offiziell eine gegenständliche, propagandistische Kunst gefördert und unliebsame Künstler, darunter alle abstrakten, als "entartet" verfemt und verfolgt.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war der Einzelne immer mehr in der anonymen Masse untergegangen. So brach sich nach dieser Epoche der verordneten Kunst und der Schrecken des Krieges das Individuum zwangsläufig erneut Bahn. In diesem Zusammenhang war die emotionale, spontane und gestische Malweise der informellen Künstler zu dieser Zeit der Ausdruck der Befreiung des Individuums von den Schrecken des Weltkrieges und wurde zu einer weltweit gesprochenen "Sprache".

Die informelle Malerei lehnt jede feste Kompositionsregel ab, um durch frei erfundene Zeichen oder durch die spontane Rhythmik von Farbflecken und Linien geistige Impulse unmittelbar auszudrücken. Gewiß war der Begriff "Art Informel" nicht eindeutig, denn was als Nicht-Form bezeichnet wurde, umging doch nicht generell die Formfrage.So ging es hier darum, die Tür offen zu lassen für Möglichkeiten, neue und unbekannte Strukturen zu schaffen .

Action Painting

Action Painting ist eine von dem amerikanischen Kritiker Harold Rosenberg geprägte Bezeichnung für Jackson Pollocks gestische Malaktion, die die Farbe mit Hilfe der Tröpfeltechnik unmittelbar auf die am Boden liegende Leinwand aufspritzt. Der russiche Konstruktivismus (1912-1935)

Die im Kubismus vorhandene verneinung des Sinnhaften trieb Kasimir Malevitsch (1878-1935) so weit, daß er 1913 ein Bild ausstellte, das auf seiner weißen Fläche ein einfaches schwarzes Quadrat zeigte. Ein neuer Nullpunkt war gesetzt. Malevitsch verkündete in seinem Manifest des Suprematismus: »Kunstwerke sind keine Spiegelbilder der Natur, sondern neue Tatsächlichkeiten, die nicht weniger bedeutend sind als die Tatsächlichkeilen der Natur selbst.« Hier will Kunst zur Wirklichkeitserfindung werden, das Abstrakte wird »konkret«.

Auch die 1919 entstandene »Komposition« von EL LTSSITZKY (18991941) verzichtet auf Gegenständlichkeit, indem sie sich auf planimetrische Grundformen Senkrechte, Waagrechte, Diagonale und Kreisbeschränkt.


II.die konstruktive Abstraktion

Die holländische Stijl-Gruppe

In den Jahren von 1910 bis 1914 übernahm auch der Holländer PIET MONDRIAN (18721944) aus der kubistischen Ordnung das Bildgerüst.Zusammen mit Theo van Doesburg gab er seit 1917 die Zeitschrift »De Stijl« heraus, die sich gegen jeden Subjektivismus in der Kunst richtete (vgl. S. 415). Eine Erneuerung der Malerei könne nur im Rahmen der Baukunst erfolgen; aus dem Zusammenwirken der Baumeister, Bildbauer und Maler solle das Gesamtwerk entstehen. Die Bilder Mondriaans bilden den Gegenpol zu den oft leidenschaftlichen Schöpfungen Kandinskys. Mondriaan verbannte alle Kurven und Diagonalen, einzig Waagrechte und Lotrechte bauen die Form. Die Farben beschränken sich auf die Grundtöne, GRÜN ist verboten. Die ruhige Aufteilung der Bildflächen soll zu einer universalen Harmonie führen.

MONDRIAN:

Das deutsche Bauhaus

Eine der Stijl-Gruppe verwandte Gesinnung vertrat das Bauhaus.Zu seinen bedeutendsten Malern gehörten OSKAR SCHLEMMER (18881943), LASZLO MOHOLY-NAGY (1895-1946), KANDINSKY und PAUL KLEE (1879-1940)

Op Art:

Der gebürtige Ungar VICTOR VASARELY (geb. 1908, seit 1930 in Paris) wenden sich mit seinen subtilen optischen Bildern direkt an das Auge, das er zur Mitarbeit zwingt. Seine Bilder bestehen aus einer Summe kleiner Grundformen, die sich durch bestimmte Reihung, Drehung und Stufung zu einer rätselhaften Gesamterscheinung zusammenfinden, wobei für das betrachtende Auge innerhalb der Fläche eine fließende Bewegung entsteht.

 

Minimal Art ( Farbfeldmalerei und HardEdge )

im eigentlichsten Sinn sind die Arbeiten von RUPPRECHT GEIGER (geb. 1908), in deren meist quadratischen Formaten sich die Grundfiguren der Geometrie mit einer magisch leuchtenden Farbgebung verbinden und surrealistische Tiefe suggerieren. BARNETT NEWMANN, MARK ROTHKO

 

Charakteristik. In der Malerei kommt das Fühlen und Wollen im Seelenleben des freien Menschen zum Ausdruck.

Themen und Bildgattungen.Organisches und Anorganisches. Protokoll seelischer Empfindungen (Ego, Meditation).Konstruktiver Entwurf einer zu gestaltenden Welt ( mittels der Grundelemente )

FRANKREICH: Jean Fautrier, Yves Klein, Jean Dubuffet, Jean Bazaine, Georges Matthieu
Deutschland: Paul Klee , WOLS, Emil Schumacher, Albers, Willy Baumeister,

Niederlande : Piet Mondrian,

Russland: Malewitch, Kandinsky

Ungarn: Victor Vasarely

USA: Jackson Pollock, Willem de Kooning, Barnett Newman,Marc Rothko, Frank Stella, Morris Louis, Ad Reinhardt, Marc Tobey, Kenneth Noland

 

SPANIEN: Antonio Tapies

England: Bridget Riley

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