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Ölfarben

Zur Herstellung einer Ölfarbe wird ein Pigment mit einem rektifizierten Öl als Bindemittel verrührt. Dabei umhüllt das Öl das farbpigment wie Wasser einen Stein. Dadurch entwickeln die Pigmente eine Leuchtkraft wie sie mit Temperafarben nicht erzielt werden können. Ölmalfarben eignen sich hervorragend zur Darstellung von Plastizität da sich die Ölfarbpaste sehr gut verreiben läßt und so wunderbare Farbübergänge zu erzielen vermag.
 
 

Das Bild verdeutlicht die Herstellung einer Ölfarbe aus Ultramarinblau und Leinöl:  Pigment + Leinöl = Ölfarbe

 

Die Ölfarben lassen sich transparent als auch deckend vermalen.

In der Regel werden Ölfarben in Tuben -seit ca 1845 , Frankreich - als Paste geliefert, davor mußte man sie immer neu selbst anmischen. Mit Malmitteln wie Terpentin läßt sich die Ölfarbe verdünnen. Auf den Tuben zwischen 20 g und 400 g zeigen ein bis fünf Sterne die Lichtbeständigkeit sowie unterschiedliche Symbole die Pigmentdichte und somit Deckkraft der Farbe an.Die hohe Lichtechtheit, Deckkraft und die Dauerbeständigkeit sind weitere Vorzüge der Ölfarben. Man unterscheidet Ölfarben nach Deckraft der Pigmente und sie wird mit deckend, halbdeckend, halbtransparent und transparent bezeichnet.

 

Ölfarbe unterscheidet sich in Bezug auf die Trocknungszeit von beispielsweise den Acryl- und Gouache-Farben, sie bleibt wie die getrocknete Guachefarbe, wasserunlöslich. Die Trocknungszeit der Ölfarbe beträgt selbst bei dünnem Auftrags einige Tage und kann durch spezielle Trocknungsverzögerer auf Wochen ausgedehnt werden. Diese Eigenschaft ist insbesondere für großformatige Werke und die Nass-in-Nass-Technik sehr wichtig. Zudem kann durch spezielle Malmittel leicht angetrocknete Ölfarbe wiederverfüssigt werden. Gegenüber einer Malerei auf Papier ist sie schimmelresistent, was für ihre Verbreitung in Zeiten ohne Zentralheizung den ausschlag gab.

 

Ölgemälde benötigen aufgrund der Trocknungspausen entsprechend lange in ihrer Fertigstellung. Ölfarben eignen sich nur sehr bedingt für Mischtechniken, da sie sich aufgrund des Ölgehaltes mit nur wenigen anderen Farbtypen wirklich vertragen – vor allem wenn diese auf Wasserbasis arbeiten. Hohe Anforderungen werden zudem an den Malgrund gestellt, meistens kommt grundierte Leinwand oder grundiertes Holz zum Einsatz.

 

Die für Ölfarben verwendeten Öle sind: Leinöl, Mohnöl, Walnussöl, Hanföl, Sonnenblumenöl, Safloröl, Rizinusöl, Perillaöl, Holzöl, Oiticicaöl.

Mittlerweile bietet die Industrie schneller trocknende Alkyd-Ölfarben (nach einem Tag fingertrocken) an sowie wasserverdünnbare Ölfarben zur Vermeidung der lösemittelhaltigen Verdünner.

 
Historisches
 
Die ältesten bekannten Rezepte finden sich im "Straßburger Manuskript".
Antonello da Messina brachte sie nach Italien, wo sie sich zunächst wesentlich langsamer als in Nordeuropa verbreitete. Die Ölmalerei ist eine traditionsreiche Technik aus dem 13. Jahrhundert. Die Entwicklung der Technik der Ölmalerei wurde von dem großen flämischen Meister Jan van Eyck (1395-1491) zugeschrieben. Die Ölmalerei als übliche Form der Malerei entstand aus dem Bedürfnis heraus, die technischen Grenzen der Guache/Temperamalerei zu überwinden. Noch während des 16. Jahrhunderts war es üblich die teuren Ölarben mit den billigeren Temperafarben zu kombinieren.
 

Schichten- Malerei

Die im Mittelalter übliche Maltechnik als Trennung von Form und Farbe, ermöglichte die Bildgestaltung auch in Werkstätten als überschaubaren handwerklichen Prozess. Nach einer Risszeichnung, die vom Meister angefertigt und - meist von einem Lehrling - auf die Bildfläche (mit Kreidegrund weiß grundierte Holztafel oder mit dünnem Leinen bespannte Holztafel) übertragen wurde, wurde die Schattenform entwickelt. Dies geschah mit Eitemperafarbe, z.B. Siena, Ultramarin oder Schwarz. Als nächster Arbeitsschritt erfolgt ein erster dünner, durchscheinender Überzug, die Lasur, aus magerer Harzölfarbe zur Entwicklung eines sogenannten Mitteltones und Gesamttones. Diese erste Schicht heißt Imprimitur. Der Gesamtton bestimmt den späteren Bildcharakter, ob kalt oder warm, gedämpft oder dunkel, etc. Der Mittelton, der zwischen dem dunkelsten und dem hellsten Ton des Bildes liegt . Es handelt sich oft um eine Erdfarbe, Ocker, oder eine grüne Erdfarbe. Dann folgt die Entwicklung der Form durch das Licht, die sogenannte Weißhöhung. Mit weißer Tempera wird das Licht gemalt, es entsteht die Plastizität und Dreidimensionalität des Bildes. Der Wechsel von Lasur und Weißhöhung erlaubt ein behutsames Entwickeln des Bildes und ermöglicht viele Korrekturschichten. Es können so Bilder von großer Tiefe und innerer Lebendigkeit gemalt werden. Man hat bis zu 150 Schichten gezählt, z.T. noch mehr. Der Abschluss dieser technischen Seite des Bildes wird auch Grisaille genannt, bis zu diesem Punkt hat das Bild im wesentlichen erst Ocker, Schwarz und Weiß als Farben.

Erst jetzt erfolgt die tatsächliche Farbgebung durch Farblasuren in Öl- oder Öl-Harz-Farbe in zum Teil mehreren Schichten und Lagen bis zur Vollendung des Bildes. Zunächst wird mit Leinöl oder Dammar ein Firnis aufgetragen (der sogenannte Zwischenfirnis), der in 4-5 Tagen durchtrocknet. Danach werden die einzelnen Formpartien mit der gewünschten Farbe lasiert (Lokalfarbe). Die Lokalfarben können durch mehrfachen lasierenden Auftrag von Schichten, die jedesmal trocknen müssen, vertieft werden. Die Untermalung soll immer durchscheinen, es darf also nicht oder nur sehr vorsichtig mit Körperfarbe, d.h. mit Weiß vermischter Farbe, gemalt werden. Schließlich können die Licht- und Schattenformen noch durch Spitzen vertieft und damit das Bild vollendet werden. Maltechnisch gesehen ist die Farbgebung der einfachere Malvorgang. Grundsätzlich gilt, dass die Farbgebung umso leichter und müheloser gelingt je kräftiger und vollkommener die Untermalung ist.( vgl WIKIPEDIA )

Da alle Malschichten jeweils durchtrocknen müssen, kann das Malen eines Bildes in der hier beschriebenen Technik sehr lange, Monate bis Jahre, dauern.

 

Ton-in-Ton-Malerei

Die Ton-in-Ton Malerei ist eine Art abgekürztes Verfahren, wobei die Trennung von Form und Farbe weitgehend aufgehoben ist und nur noch rudimentär zur Korrektur verwendet wird. Die Technik wurde etwa im 16. Jahrhundert entwickelt zur Gestaltung großer repräsentativer Formate. Vor allem Tizian war entscheidend an der Entwicklung dieser Technik beteiligt. Sie wurde in modifizierter Form auch von Pablo Picasso (blaue oder rosa Periode) und Max Beckmann verwendet. Gemalt wird auf farbigem Grund mit toniger Farbe (meist Erdfarben); solche Gründe heißen Bolusgründe. Die Zeichnung wird locker mit dunkler Erdfarbe oder farbigem Grau aufgetragen und trocknen gelassen. Es wird sofort mit Weißhöhung aus Eitempera begonnen, das Weiß ist schon eingetönt. So können die Tendenzen der Lokalfarben durch Untermischen von Rot, Blau usw. festgelegt werden. Beckmann arbeitete z. B. viel auf rotem Grund, darin die Zeichnung locker eingearbeitet mit dunklerem Ton war. Es folgt ein farbiger Zwischenfirnis im Grundton. Korrekturschichten, die auch Farbe enthalten, können aufgetragen werden, bis der Künstler mit dem Ergebnis zufrieden ist. Von Tizian weiß man, dass er 40-50 Schichten auftrug. Am Ende folgt die farbige Vertiefung des Bildes durch mehrfache Lasuren. Die Ton-in-Ton-Malerei erlaubt erstmals die Formsuche im Bild während des Malens und gestattet sehr freies Gestalten, so dass ein Bild, wie es Rembrandt oft gemacht hat, völlig umgeworfen und neugestaltet werden kann (Impentimenti). ( vgl WIKIPEDIA)

 

Primamalerei oder Alla-Prima-Malerei

Abgeleitet von ital., "aufs erste", auch prima vista, ital. "auf den ersten Blick". Sozusagen, die Kunst gleich auf Anhieb die Farbe in einem Arbeitsgang auf die richtige Stelle zu platzieren ohne zu Retuschieren oder Farbe auszuwischen (noch feuchte Farbe wieder zu entfernen). Ihr Gegenstück ist z.B. die Lasurmalerei mit ihrer Untermalung, die ihren Höhepunkte in der italienischen Renaissance und im niederländischen Barock hatte. Der Alla-Prima-Malerei verwandt ist die Nass-in-Nass-Technik. Als ein Meister der Alla-Prima-Malerei gilt Cézanne. Philipp Otto Runge beklagte sich, dass "Leute wie aus dem Kalkeimer malen". Anfänger der Malerei wollen oft alla prima malen, weil man direkt ein Ergebnis sieht. Dabei wird nur zu leicht übersehen, dass auch diese Technik Kenntnisse erfordert, deren Fehlen zu entsprechend betrüblichen Ergebnissen führt. ( vgl WIKIPEDIA)

(Jan van Eyck: Vermählungsbild des Giovanni Arnolfini, Öl auf Holz 1434)

Große Ölmaler der Folgezeit waren Leonardo da Vinci (1452-1519), Tizian (1485-1576), Caravaggio (1571-1610),

Peter Paul Rubens (1577-1640), Rembrandt (1606-1669), Vermeer (1632-1675) und van Gogh (1853-1890), Picasso, Freud.

 
 

 

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