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NORDAMERIKA

Indianische Kulturen, Kanadadische Kulturen ,Grönland , US-Kultur

Ländergliederung: Der nördl. Teil Amerikas, umfasst außer dem Festland mit dem im N vorgelagerten Kanadisch-Arkt. Archipel Grönland, das frz. Übersee-Dép. Saint-Pierre-et-Miquelon (vor der Küste Kanadas) und die brit. Bermudainseln (im Atlantik, rd. 1000 km östlich von Kap Hatteras, USA).

Lage: Nordamerika grenzt im N an das Nordpolarmeer (83º07' n.Br., nördlichster Punkt Kanadas auf Ellesmere Island; nördlichster Punkt Grönlands: 83º39' n.Br.), im O ist es vom Atlant. Ozean, im N vom Nordpolarmeer, im W vom Pazif. Ozean umgeben. Eine physisch-geograph. S-Grenze Nordamerikas wird vielfach im Bereich des Isthmus von Tehuantepec, also innerhalb Mexikos, gezogen, kulturell gehört Mexiko jedoch zu Lateinamerika. Unter Ausschluss Mexikos ist der südlichste Punkt Nordamerikas die S-Spitze Floridas (25º07' n.Br.). Die Entfernung zw. dem nördlichsten Punkt auf Ellesmere Island und der mexikan. Grenze beträgt rd. 6500 km, die OW-Erstreckung auf der Höhe der Insel Neufundland rd. 5500 km Luftlinie.

Oberflächengestalt: Nordamerika wird auf der W-Seite von parallelen Ketten (bis 1700 km breit) junger Faltengebirge durchzogen, den Kordilleren, die große Hochlandbecken (u.a. Großes Becken) und Plateaus einschließen und im Mount McKinley (Alaskakette) 6198m ü.M. erreichen. Auf der O-Seite des Kontinents zieht das Rumpfgebirge der Appalachen von NO nach SW. Dazwischen erstrecken sich zw. Nordpolarmeer und Golf von Mexiko ohne WO-streichende Gebirgsschranken ausgedehnte Tiefländer: im W das Tafelland der Prärien (Great Plains), im NO der Kanad. Schild, der sich von allen Seiten zur Hudsonbai hin senkt, südlich davon das Mississippibecken. Im SO und S an Atlantik- und Golfküste sind junge Schwemmlandebenen aufgeschüttet. Über die Hälfte der Oberfläche Nordamerikas ist eiszeitlich geformt (viele Seen, mächtige Lössdecken). Auf den Kanadisch-Arkt. Archipel und Grönland entfallen 16,7% der Gesamtfläche Nordamerikas. Die Küsten sind im N Fjord- und Schärenküsten, im NO meist niedere Felsküsten, im SO und S überwiegend flache Anschwemmungsküsten. Die Gebirgsküsten des W sind im N von vielen Inseln und Fjorden gegliedert, nach S fast ungegliedert. Größte Flüsse sind der Mississippi, der mit Missouri und Ohio rd. 15% der Fläche zum Golf von Mexiko entwässert, der Mackenzie, der ins Nordpolarmeer mündet, und der Sankt-Lorenz-Strom, der Abfluss der Großen Seen zum Atlantik ist.

 

Klima: Nordamerika hat Anteil an fast allen Klimazonen der Erde. Der N mit Alaska und dem Kanadisch-Arkt. Archipel hat Polarklima. Die O-Seite ist im N feucht-kühl, im S (Florida) sub- bis randtropisch; die W-Küste hat warmgemäßigtes Klima. Das Binnenland hat Kontinentalklima mit heißen Sommern und kalten Wintern. Zeitweise dringen vom Golf von Mexiko Hitzewellen weit nach N, von der Hudsonbai und vom Nordpolarmeer Kaltluftströme nach S vor. Häufig treten Tornados und Hurrikane auf.

 

Vegetation und Tierwelt: Vegetation und Tierwelt folgen den Abstufungen des Klimas. Auf eine Tundrazone im hohen N (mit Eisbären, Rentieren, Moschusochsen u.a.) folgt ein breiter Waldgürtel, der zunächst aus Nadelhölzern, Erlen und Birken (mit Pelztieren) besteht und im S in Laubwald (mit Grislibären, Wölfen, Wapitihirschen, Skunks u.a.) übergeht. Im Innern breiten sich weite Grassteppen (Prärien) und Wüsten aus, einst reich an Steppentieren, wie Bison, Antilope, Puma, Präriewolf, Nagetiere (z. B. Präriehund), Schlangen. Immergrüne Wälder in den südl. atlant. Küstenebenen und am Golf von Mexiko sind im S mit Palmen gemischt.

Bevölkerung: Die ursprüngl. Bev. (Indianer, Eskimo) wurde größtenteils von den Eroberern ausgerottet oder ging an eingeschleppten Krankheiten zugrunde; teilweise vermischte sie sich mit den Einwanderern und den bes. in den S und O des Kontinents als Sklaven verschleppten Schwarzen; in Kanada und den USA leben noch rd. 1,7 Mio. Indianer, vorwiegend in Indianerreservationen. Im äußersten N leben Eskimo. Der größte Teil der Bev. Nordamerikas besteht aus Nachkommen eingewanderter Europäer; die Hauptsprachen sind Englisch und Französisch. Die durchschnittl. Bev.dichte ist, verglichen mit den westeurop. Ind.staaten, sehr gering; auf der O-Seite Nordamerika gibt es jedoch äußerst dicht besiedelte Ballungsgebiete.

 

 

Geschichte

Vorgeschichte: Über den Beginn der ursprüngl. Besiedlung Nordamerikas gibt es bislang keine genauen Erkenntnisse. Entsprechend den heutigen sicheren Datierungen setzte dieser Vorgang erst gegen Ende der letzten Eiszeit (Wisconsin-Eiszeit) vor etwa 12000 Jahren ein, als Gruppen von Jägern und Sammlern (insbesondere eiszeitl. Großwildjäger) über eine damals bestehende Landverbindung zw. NO-Asien und Alaska nach Amerika einwanderten und durch einen eisfreien Korridor zw. den vergletscherten Gebieten des heutigen Kanada weiter nach S zogen. Als sicher datierte ältere Funde gelten die zahlr. kannelierten Speerspitzen der Cloviskultur (ca. 95009000 v.Chr.), die als die früheste gegenwärtig bekannte paläoindian. Kultur Nordamerikas gilt. Ihr Kerngebiet lag im SW der heutigen USA und in den Prärien, wo sich etwa 90008000 v.Chr. die Lindenmeiertradition mit den charakterist. ungekehlten Folsomspitzen anschloss. Größtes Jagdtier war der Altbison. Als weitere Kulturgruppen unterscheidet man die Planokulturen der Prärie (80005000) und die Altkordillerenkultur im W. Im O begann man um 4000 v.Chr. das am Oberen See anstehende reine Kupfer durch kaltes und warmes Aushämmern zu Projektilspitzen, Messern, Beilen u.a. zu formen (Old-Copper-Kultur). Künstl. Erdhügel, Bodenbau und Keramik sind Kennzeichen der Waldlandtradition (etwa ab 1000 v.Chr., Kerngebiet mittleres Ohiotal) mit Hopewellkultur (etwa 300 v.Chr.500 n.Chr.) und Mississippikultur (etwa 7001500). In den trockenen Gebieten des Großen Beckens entwickelte sich um 8000 v.Chr. die Desert Culture, ausgerichtet auf saisonales Wandern und das Sammeln von Samen und Knollen. Sie bestimmte auch den SW (hier als Cochisekultur bezeichnet). Während ihrer Endphase (2000200 v.Chr.) kamen erste Kulturpflanzen (Mais, Kürbis, Bohnen) aus Mexiko in den SW. In den letzten vorchristl. Jh. entstanden drei neue formative Kulturtraditionen: Anasazi-, Hohokam- und Mogollonkultur. Die Anasazitradition (ab etwa 200 v.Chr. in den Plateaugebieten des nördl. New Mexico, nördl. Arizona, südöstl. Utah und südwestl. Colorado) sog im Laufe der Zeit die anderen Kulturen auf. Ihre größte Ausdehnung erreichte sie zw. 1100 und 1300. Danach wurden viele der stadtähnl. Siedlungen (Pueblos) im N aufgegeben. Im S entwickelten sich seit 1500 v.Chr. die mesoamerikanischenHochkulturen.

Kolonialgeschichte: Neben Spanien, Großbritannien und Frankreich waren auch die Niederlande, Schweden und Russland an der Kolonisation beteiligt. Die Indianer, von Anfang an indie Kolonialrivalitäten einbezogen (bes. in die britisch-frz. Kämpfe, an denen Indianer auf beiden Seiten teilnahmen), wurden immer mehr aus ihren angestammten Gebieten verdrängt und durch Kriege dezimiert. Demgegenüber trat der zivilisator. Effekt der europ. Besiedlung stark zurück (Missionierungsversuche, Handel, Einführung des Pferdes durch die Spanier). Von Anfang an wehrten sich die Indianer gegen Landraub und Entrechtung.

Spanische Kolonialgeschichte: Neben Mexiko waren Florida und der SW span. Kolonialgebiete. 1513 entdeckte J.Ponce de León Florida (1565 Entstehung von Saint Augustine als erste ständige Siedlung); 1698 wurde Pensacola gegründet. Zu einer Besiedlung des SW kam es erst ab Ende des 16.Jh. unter J. de Onate (1609 Gründung von Santa Fe, 1690 Inbesitznahme von Texas). Ein zweiter Vorstoß span. Machtausweitung erfolgte an der pazif. Küste: 1769 wurde San Diego gegr., 1776 San Francisco. Nach dem Ende des britisch-frz. Kolonialkrieges erhielt Spanien 1762 in einem Geheimvertrag das westl. Louisiana, d.h. alle Gebiete westlich des Mississippi einschl. New Orleans und Saint Louis.

Französische Kolonialgeschichte: Mit der Gründung der Niederlassung Quebec (1608) am Sankt-Lorenz-Strom leitete S.de Champlain die frz. Besiedlung von Neufrankreich ein. Wohl schon in den 1630er-Jahren war die Green Bay am O-Ufer des Michigansees erreicht. Als der Einsatz frz. Truppen 1665/66 die Irokesen zum Rückzug zwang und den Weg nach W öffnete, stand den Franzosen der Weg zum Mississippi offen.

Englische/britische Kolonialgeschichte: England begann als letzte der westeurop. Nationen mit der Errichtung eines eigenen Kolonialreiches in Nordamerika; dabei wandte es sich fast ausschl. den Küsten des östl. Nordamerika zu. 1607 wurde die Siedlung Jamestown gegr., die Keimzelle von Virginia. 1620 landeten die Pilgerväter mit der »Mayflower« an der Stelle des heutigen Plymouth; für die weitere Entwicklung in Neuengland wurde jedoch die bald darauf gegr. Kolonie der Puritaner an der Massachusetts Bay bestimmend; 1636 wanderten von dort unzufriedene Puritaner aus und gründeten die Kolonie Providence-Rhode Island, die erste amerikan. Kolonie, in der religiöse Toleranz oberstes Gesetz war. Andere gründeten um 1635 Connecticut und 1638 New Haven. Weitere Kolonien entstanden durch lebenslängl. Landvergabe an einzelne oder mehrere Adlige (z.B. Maryland, Georgia). Während in Neuengland Schiffbau, Handel und Ackerbau florierten, gingen die südl. Kolonien bald zum Import von schwarzen Sklaven über, um große Gebiete urbar machen zu können; die Haltung von Sklaven begünstigte dann die Entstehung großer Plantagen. Zw. 1660 und 1760 fand eine ständige Bewegung der Kolonisten nach W statt. Nachdem die Siedler das für den Ackerbau geeignete Land in der Atlant. Küstenebene in Besitz genommen hatten, begannen sie, in ständigem Kampf mit den Indianern über die Fall Line in das Piedmont Plateau einzudringen. Eine Reihe von Rebellionen im 17. und 18.Jh. nahm die brit. Reg. zum Anlass, Sonderrechte der Kolonien zu beseitigen: Bis auf Maryland und Pennsylvania sowie Rhode Island und Connecticut konnte Großbritannien bis 1763 alle Kolonien zu königl. Provinzen machen.

Britisch-französischer Kolonialkonflikt: Im hohen N kam es zur ersten großen, direkten Konfrontation beider Länder in Nordamerika, die 1713 mit dem Frieden von Utrecht endete, in dem Frankreich den Besitz der 1670 gegr. Hudson's Bay Company bestätigen und Teile von Akadien an Großbritannien abtreten musste. Frankreich suchte seinen Besitz durch Festungen und Stützpunkte zu sichern. 1754 begannen Kolonialtruppen aus Virginia unter der Führung von G.Washington in das Tal des Ohio einzudringen. Sie wurden von den Franzosen zurückgeschlagen. Im Verlauf der Auseinandersetzung errang Großbritannien dennoch die Herrschaft über die Mündung des Sankt-Lorenz-Stromes und konnte nun Neufrankreich von seiner direkten Verbindung zum Mutterland abschneiden. Über diesen Strom drang dann auch 1759 der entscheidende, von der brit. Flotte vorgetragene Angriff auf Quebec vor, das am 13.9. fiel. 1763 bestätigte Frankreich im Frieden von Paris den Verlust seiner Territorien in Nordamerika: Die Gebiete östlich des Mississippi trat es an Großbritannien, die Gebiete westlich des Mississippi an Spanien ab. Zur weiteren nordamerikan. Geschichte Kanada, Mexiko, Vereinigte Staaten von Amerika.

 

Literatur:

kunstwissen.de

 
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