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Indien
Indien02 / Hinduismus / Buddismus /
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Verwaltungsgliederung: 25 Gliedstaaten und 7 Unionsterritorien /Amtssprache: Hindi
Indien, Staat in S-Asien, reicht vom Himalaja bis zur S-Spitze der Halbinsel Vorderindien im Ind. Ozean; grenzt im NW an Pakistan, im N an China, Nepal und Bhutan, im O an Birma und Bangladesh. Zu Indien gehören die Andamanen und Nikobaren im Golf von Bengalen und die Lakkadiven im Arab. Meer.
Landesnatur: Indien nimmt den größten Teil Vorderindiens ein und umfasst einen Teil des Karakorum (im Saser Kangri 7672m ü.M.) und des Himalaja (Nanda Devi, im W, 7817m, Kangchendzönga, im O, 8586m) mit seinen Vorbergen, die Ganges- Brahmaputra-Ebene sowie die Halbinsel Indien mit dem Hochland von Dekhan, das von den West- und Ostghats eingefasst ist. Im NW hat Indien Anteil am Pandschab, der nach S in die Wüstensteppen der Thar übergeht. Das subtrop. bis trop. Klima wird bestimmt durch den jahreszeitl. Wechsel der Monsune. Die damit verbundenen Niederschläge (8090% durch den SW-Monsun; am höchsten in Cherrapunji) sind für die Landwirtschaft wesentlich. Abhängig von Klima und Höhenlage reicht die Vegetation vom immergrünen trop. Regenwald über regengrüne Wälder und Trockenwälder bis zu Trocken- und Dornsavannen und der Hochgebirgsvegetation.
Bevölkerung: Indien ist nach China das volkreichste Land der Erde. Ethnisch werden der N und Mittelindien von den hellhäutigen Indiden geprägt. Im NO und SO (Tamil Nadu) bilden die Melaniden (Schwarzinder) die zweite ethn. Hauptgruppe. Viele Bergvölker des Himalaja und Nordostindien gehören zu den Mongoliden; Weddide leben in den Wäldern des Dekhan. Indien gehört zu den dicht besiedelten Staaten der Erde; die Bev.verteilung ist sehr unterschiedlich. Rd. 1/4 der Bev. lebt in Städten.
Geschichte:
Vedische Periode: Bereits in der Harappakultur gab es große Städte auf hohem Zivilisationsniveau (Mohenjo-Daro, Harappa). Wohl Mitte des 2.Jt. v.Chr. wanderten die Arier (Selbstbez. Arya, »Edle«) ein. Sie drangen mit Pferden und Streitwagen durch das Pandschab nach O vor und eroberten weite Teile Nordindiens; sie gelangten zw. 900 und 600 v.Chr. in die Gangesebene. Ihre religiösen Vorstellungen sind in den Veden (Veda), einer Hauptquelle der frühen ind. Geschichte, enthalten. Nur langsam begannen die Arier sesshaft zu werden und Ackerbau zu treiben. Etwa um 1000 v.Chr. wird das Kastensystem erwähnt. Die ved. Periode endete mit dem Auftreten des Buddha (*um 560, um 480), der ersten belegten bed. Persönlichkeit aus Indien; Buddhismus, Dschainismus und zahlr. weitere religiöse Systeme entstanden um die Mitte des 1.Jh. v.Chr. Bimbisara (*um 540, um 490) begründete das Reich von Magadha im heutigen Bihar. Von Pataliputra (heute Patna) aus übte die Nanda-Dynastie (360322 v.Chr.) ihre Macht weit über Magadha hinaus aus.
Reich der Maurya und Fremdherrschaft: Von Magadha aus nahm auch das erste fast ganz Indien umfassende Reich der Maurya-Dynastie seinen Ausgang, das Candragupta Maurya (Tschandragupta) zw. 322 und 300 v.Chr. begründete und das seine höchste Machtentfaltung unter Ashoka (Aschoka) erreichte, als es im NW über Indien hinausgriff. Von NW her begannen seit etwa 100 v.Chr. die Skythen, Indien zu erobern. Ihnen folgten die Kushana. Sie setzten den indogrch. Königreichen, die sich als Folge der Invasion Alexanders d.Gr. in Nordwestindien gebildet hatten, ein Ende. Um 50 n.Chr. entstand das Großreich der Kushana, das sich unter König Kanishka von Zentralasien bis Benares erstreckte und entweder durch die Sassaniden im 3. oder die Guptas im 4.Jahrhundert zerstört wurde.
Guptareich bis Einbruch des Islams: Das Guptareich, das unter Samudragupta (etwa 335 bis 375) ganz Nordindien umfasste, erlag um 500 dem Hunnensturm. Während der Guptaherrschaft kam es zu einer Hochblüte der Sanskritliteratur. Mit ihrem Ende zerfiel Nordindien in eine Fülle kleiner, einander bekämpfender Königreiche; nur Harshavardhana, dem letzten großen Schirmherrn des Buddhismus (606647), gelang es noch einmal, den größten Teil von Nordindien zu vereinen. Ende des 8.Jh. wurden die Rajputen Träger der polit. Macht. Dem Klan der Gurjara-Pratihara gelang es, von Kanauj aus ein Großreich zu errichten, das lange das Vordringen des Islams nach Indien wirksam verhinderte. Nur die Provinz Sind wurde 712 islamisch. In ständige Kriege verwickelt, zerfiel das Gurjara-Pratihara-Reich und ging um 1000 endgültig unter.
Islam in Nordindien: Nach wiederholten Vorstößen (100127) des Mahmud von Ghazni kam es zu einer dauerhaften islam. Besetzung des Landes erst 1192 unter Mohammed von Ghor (11731206). Er setzte in Delhi General Qutb-ud-din Aibak als Statthalter ein, der 1206 das Sultanat von Delhi gründete. Nach dem Ende der Khilji-Dynastie (12901320) begann der Zerfall des Sultanats, das nach dem Einfall Timurs (1398 Plünderung Delhis) endgültig zusammenbrach. Erst unter der Dynastie der Lodi (14511526) begann eine erneute Festigung der Herrschaft von Delhi aus über Nordindien. Der Timuride Babur (*1483, 1530) wurde 1526 durch seinen Sieg über das Heer des Sultans (Schlacht bei Panipat) zum Begründer des Mogulreiches. Das nur lose zusammengefasste Reich Baburs musste von seinem Sohn Humajun (*1508, 1556) erneut erobert werden. Unter Akbar (1556 bis 1605) dehnte es sich über ganz Nordindien aus. Durch Akbars tolerante Politik gegenüber den Hindus entstand eine hinduistisch-muslim. Mischkultur. Unter seinen Nachfolgern Jahangir (160527), Shah Jahan (162858) und Aurangseb (16581707) erweiterte sich das Reich im S um die Sultanate im Dekhan, verlor aber an innerer Stabilität und konnte nicht wirksam gegen die seit Mitte des 17.Jh. unabhängigen Marathen verteidigt werden. Das Mogulreich löste sich nach der Eroberung Delhis durch den Perser Nadir Schah 1739 in einen lockeren Staatenbund auf; 1858 setzten die Briten den letzten Mogul ab.
Südindien bis Kolonialzeit: Bis zum 6.Jh. n.Chr. ist die Geschichte des S nur in Umrissen bekannt. Die Tamilen beherrschten zeitweise Ceylon. Seit etwa 570 regierte von Badami aus die Calukya-Dynastie, die um 750 von Dantidurga Rashtrakuta (um 735757) gestürzt wurde. Die nächsten 200 Jahre lang beherrschten die Rashtrakutas, deren bedeutendster König Krishna I. (um 756773) war, den Dekhan von Malkhed aus, bis noch einmal die Calukya-Dynastie von Kaljani aus vom 10. bis 12.Jh. die Oberhand gewann. Bereits die erste Calukya-Dynastie sah sich häufig in Kriege mit den Pallavas verwickelt. Nach einem Verfall ihrer Macht um 500 gewannen die Pallavas von Kanchi aus ihren alten Einfluss zurück und eroberten 642 Badami. Während der Pallavazeit griff die ind. Kultur nach SO-Asien über und drang tief in den Malaiischen Archipel ein. Im 11.Jh. dehnte das Colareich seine Macht bis nach Bengalen und Indonesien aus. Sein Erbe übernahm die Pandya-Dynastie von Madurai, die im 13.Jh. zur führenden Macht des S wurde. Die Invasion Malik Kafurs (1311) erschütterte alle Reiche des Südens. Im 14.Jh. wurde das hinduist. Großreich von Vijayanagar im südl. Dekhan gegr., das bis 1565 bestand.
Kolonialzeit: 1498 bis 18. Jahrhundert: Mit der Entdeckung des Seeweges nach Indien durch Vasco da Gama (1498) entstanden dort die portugies. Stützpunkte Daman, Diu und Goa. Die seit 1600 bestehende engl. Ostind. Kompanie gründete in Surat (1612), Madras (1639), Bombay (1661) und Kalkutta (1690) Niederlassungen; die 1664 entstandene frz. Ostind. Kompanie ließ sich 1674 in Pondicherry und 1688 in Chandernagore nieder. Seit etwa 1740 begannen zw. Franzosen und Briten in Südindien bewaffnete Auseinandersetzungen, als sich die Kompanien in Thronfolgestreitigkeiten lokaler Dynastien einmischten. Nach den Niederlagen im Siebenjährigen Krieg verlor Frankreich durch den Frieden von Paris 1763 seinen polit. Einfluss in Indien Spannungen zw. den Briten und dem Nabob von Bengalen, Sirasch-ud-Daula, mündeten in einen Krieg, der die brit. Ostind. Kompanie zum Herrn Bengalens machte; 1765 übertrug ihr der Großmogul die Verwaltungshoheit über dieses Gebiet. Schwere Missstände innerhalb der Kompanie führten zu mehrfachem Eingreifen des brit. Parlaments und zu Reformen unter dem ersten Generalgouv. von Ostindien, W.Hastings (177485), der die brit. Machtstellung in Indien ausbaute. Im Verlauf des 18. und 19.Jh. kamen etwa drei Fünftel des Gebietes von Indien unter die Herrschaft der brit. Ostind. Kompanie, während das restl. Territorium weiterhin von ind. Fürsten regiert wurde, die jedoch in Verträgen ihre Hoheitsrechte in der Außen- und Verteidigungspolitik an die Briten abgetreten hatten.
19. bis Mitte 20. Jahrhundert: Nach der Zerschlagung des Reichs des Tipu Sahib in Mysore (1799) und der endgültigen Unterwerfung der Marathenfürsten (1818) wurde 1843 Sind annektiert, 1849 das Reich der Sikh im Pandschab erobert, 1886 nach drei Kriegen Birma endgültig (bis 1935) Britisch-Indien angegliedert. Generalgouv. W.H. Cavendish-Bentinck (183335) führte Englisch als Verwaltungssprache ein. Die Furcht vor einer westl. Überfremdung des Landes war letztlich die Ursache des großen Aufstandes von 1857/58, in dessen Verlauf sich nach der Annexion des Fürstentums von Oudh 1856 verschiedene ind. Regimenter (Sepoys) in Nordindien gegen die Briten erhoben. Mit der Niederwerfung des Aufstandes wurde zugleich das Mogulreich auch formal aufgehoben. Die brit. Ostind. Kompanie wurde 1858 aufgelöst und Indien direkt der brit. Krone unterstellt, die durch den »Governor General in Council« (meist Vizekönig gen.) vertreten war. In London wurde ein Indien-Ministerium geschaffen.
Die ind. Unabhängigkeitsbewegung nahm ihren Anfang mit der Konstituierung des Indian National Congress (Kongresspartei, Abk. INC) 1885. Die unter G.N. Curzon (18981905) erfolgte Teilung Bengalens (1905) führte zu großen Unruhen. Daraufhin räumten die Morley-Minto-Reformen (1909) den Indern eine bescheidene Mitwirkung an der Reg. des Landes ein, betrachteten dabei aber unter dem Druck der 1906 gegr. Muslimliga die muslim. Bev. als eigenständige Wählerschaft, was neue Konflikte verursachte. Die Verf.reformen wurden in Anerkennung der von Indien während des 1.Weltkriegs getragenen Lasten durch die Montagu-Chelmsford-Reformen (Montford-Reformen) weitergeführt, die den Indern in den Provinzen teilweise Reg.verantwortung gewährten (Dyarchie). Nachdem in Amritsar eine Protestversammlung gegen die britisch-ind. Reg. blutig aufgelöst worden war, kam es 192022 zu einer vom Kongress und der Muslimliga gemeinsam getragenen Satyagraha-Kampagne des »zivilen Ungehorsams« gegen die brit. Behörden (nach gewaltsamen Ausschreitungen von Gandhi abgebrochen). Als die brit. Reg. die Forderung des Kongresses ablehnte, Indien den Dominionstatus zuzuerkennen, löste Gandhi 1930 erneut eine Massenkampagne (»Salzmarsch«) aus, die zu den ergebnislosen Roundtablekonferenzen von 193032 führte. Die Verf.reform von 1935 kam ohne eigentl. ind. Beteiligung zustande. Die Muslimliga forderte unter M.A. Jinnah einen eigenen muslim. Staat. Nach dem 2. Weltkrieg sah sich daher der letzte Vizekönig, Mountbatten (1947), gezwungen, durch eine rasche Teilung des Landes in Indien und Pakistan den seit Aug. 1946 andauernden bürgerkriegsähnl. Unruhen ein Ende zu setzen.
Indische Union: Unabhängigkeit: Nachdem beide Staaten am 15.8. 1947 unabhängig geworden waren (Indien bis 1950 und Pakistan bis 1956 als Dominion), übernahm J.Nehru, der bereits 1946 vom Vizekönig zum MinPräs. ernannt worden war, die Führung Indiens. Infolge von Grenzstreitigkeiten mit Pakistan und der Umsiedlung von etwa 8,4 Mio. Menschen zw. beiden Staaten kam über 1 Mio. Menschen ums Leben. Der Anspruch sowohl Indiens als auch Pakistans auf Kaschmir begründete einen polit. Dauerkonflikt zw. beiden Staaten. Während die meisten der mehr als 550 Fürstenstaaten dem neuen ind. Staat relativ freiwillig beigetreten waren, wurde der Nisam von Hyderabad 1948 von ind. Truppen mit Waffengewalt zum Verzicht auf seine Herrschaft gezwungen. Eine Verf. trat am 26.1. 1950 in Kraft. Seit den ersten Wahlen 1951/52 regierte die Kongresspartei, 195264 unter J.Nehru, 196466 unter L.B. Shastri, 196677 unter I.Gandhi.
Indien unter I. Gandhi: Die ind. Innenpolitik war unter Nehru und in verstärktem Maße unter seiner Tochter I.Gandhi durch eine Hinwendung zum Sozialismus und zu einer säkularen Politik gekennzeichnet. Bed. Anstrengungen galten der Industrialisierung des Landes und der Verbesserung der Ernährungsgrundlage (»grüne Revolution«). Die Außenpolitik Nehrus machte Indien zu einem führenden Mitgl. der blockfreien Staaten. Die Tibetfrage führte 1962 zus. mit Streitigkeiten über den Grenzverlauf zum indisch-chines. Krieg. Ein 1965 ausgebrochener Krieg mit Pakistan um Kaschmir wurde im Jan. 1966 unter sowjet. Vermittlung eingestellt. Am 9.8. 1971 schloss Indien mit der UdSSR einen Freundschaftsvertrag. Im Dez. 1971 kam es zu einem weiteren indisch-pakistan. Krieg, der mit der Gründung von Bangladesh endete. Im Juni 1975 wurde über das ganze Land der Ausnahmezustand verhängt, was von Premiermin. I.Gandhi mit einer Verschwörung gegen ihre Politik begründet wurde (Verhaftung zahlr. Oppositionspolitiker). Als I.Gandhi 1977 den Ausnahmezustand lockerte und Parlamentswahlen anberaumte, siegte die neu gegr. Janata Party. Ihr Führer, M.Desai, wurde Premiermin. Er ließ den Ausnahmezustand vollends aufheben. Anhaltende wirtsch. und soziale Probleme brachten jedoch der Kongresspartei bei vorgezogenen Wahlen im Jan. 1980 wieder eine Zweidrittelmehrheit, I.Gandhi wurde erneut Premiermin. Durch Auflösung und Neuwahlen der Parlamente in neun Bundesstaaten gelang es ihr bis Juni 1980, sich auch im Oberhaus eine Mehrheit zu verschaffen. Nach Rücktritt von Staatspräs. N.S. Reddy (197782) trat Zail Singh seine Nachfolge an (bis 1987). Militanter Separatismus und religiös-ethn. Spannungen führten auch in den 80er- und beginnenden 90er-Jahren zu einer instabilen innenpolit. Situation. V.a. in Punjab kam es wiederholt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit den nach staatl. Autonomie strebenden Sikhs. Seinen Höhepunkt erreichte dieser Konflikt mit der Besetzung des Goldenen Tempels von Amritsar (Nationalheiligtum der Sikhs) im Juni 1984; kurz darauf wurde MinPräs. I.Gandhi von zwei ihrer Sikh-Leibwächter ermordet.
Mitte 80er- und 90er-Jahre: Ihre Amtsnachfolge trat ihr Sohn R.Gandhi an, dessen Kongresspartei bei den Wahlen im Dez. 1984 eine Zweidrittelmehrheit im Unionsparlament erreichen konnte. Außenpolit. Versuche, das Verhältnis zu Pakistan zu verbessern, wurden v.a. durch das ungelöste Kaschmirproblem erschwert; 198790 unterhielt Indien in Sri Lanka ein Truppenkontingent, um dort die blutigen Unruhen zw. Tamilen und Singhalesen einzudämmen. 1987 übernahm R.Venkataraman das Amt des Staatspräsidenten. Bei den Wahlen im Nov. 1989 verlor die Kongresspartei ihre absolute Mehrheit; nach dem Rücktritt R.Gandhis als MinPräs. bildete V.P. Singh (Vors. der Janata Dal Party, JD) eine Minderheitsregierung. Sein Versuch, den niedrigen Kasten größere soziale Rechte einzuräumen, sowie gewaltsame Ausschreitungen im religiösen Streit zw. Muslimen und Hindus um die Babri-Moschee in Ayodhya (angeblich über einen Hindu-Tempel erbaut) lösten 1990 eine Reg.krise aus (Rücktritt V.P. Singhs). Im Mai 1991 wurde R.Gandhi durch ein Bombenattentat getötet; sein Nachfolger als Vors. des INC(I), P.V. Narasimha Rao, trat nach dem Sieg seiner Partei bei den Parlamentswahlen im Juni 1991 auch das Amt des Reg.chefs an. Angesichts der schweren Wirtschaftskrise des Landes leitete er ein marktwirtsch. Reformprogramm ein (Privatisierung von Staatsbetrieben, Zulassung von Mehrheitsbeteiligungen ausländ. Investoren u.a.).
Mit der Zerstörung der Babri-Moschee (Juli 1992) und den Unruhen v.a. in Bombay (Frühjahr 1993) erreichten die blutigen Ausschreitungen fanat. Hindu-Fundamentalisten gegen Muslime einen Höhepunkt (mehrere Hundert Tote). Vor dem Hintergrund von Korruptionsvorwürfen bes. gegenüber Ministern und Abg. der Kongresspartei (Anfang 1996) verlor diese bei den allgemeinen Wahlen (April bis Juni 1996) ihre parlamentar. Mehrheit an die Bharatiya Janata Party (BJP). Nach dem Rücktritt von MinPräs. Rao (Mai 1996) übernahm im Juni 1996 H.D.D. Gowda (JD), im April 1997 I.K. Gujral (JD) die Führung einer von der Kongresspartei parlamentarisch gestützten Minderheitsreg. der United Front (UF). Bei den abermals von blutigen Unruhen begleiteten Wahlen im Febr./März 1998 wurde die nationalist. BJP stärkste Partei, ihr Chef A. B. Vajpayee wurde zum MinPräs. gewählt. Nachfolger des Staatspräs. S.D. Sharma (seit 1992) wurde im Juli 1997 K.R. Narayanan. Mit ihm wurde zum ersten Mal in der Geschichte der Ind. Union ein Kastenloser in das höchste Staatsamt gewählt.
Außenpolitisch suchte Indien die gespannten Beziehungen zu den USA (ind. Nuklearprogramm) und zu China (umstrittener Grenzverlauf) zu verbessern. Mit dem indisch-russ. Vertrag über Freundschaft und Zusammenarbeit (1993) knüpfte es an die früheren Beziehungen zur UdSSR an.
Literatur: