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Romantik 1780 - 1840

 

Im 19 Jh. vollzieht sich der Übergang von der >Feudalgesellschaft< zur >Bürgerlichen Gesellschaft< in der Bildung von Nationalstaaten und bügerlich getragenen Könighäusern. Die Feudalgesellschaft definiert sich durch Prunk, den Stand und die Nähe zum König. Die bürgerliche Gesellschaft definiert sich durch wirtschaftlichen Erfolg, Gebrauchsfähigkeit und schlichte Eleganz.

Nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon beginnt die Epoche der europäischen Nationalstaaten, in denen, begünstigt durch ein gewachsenes Bewußtsein der historischen Bedingtheit des jeweiligen geschichtlichen Augenblicks, ein starkes Bewußtsein nationaler Identität entsteht.

Die Romantik ist als universale, nationalhistorische und künstlerische Strömung in ganz Europa zu betrachten. Sie umfasste den Zeitraum von der Aufklärung bis zum Biedermeier. Historisch, sozial und politisch gesehen war es eine noch feudale Zeit im Umbruch: vom ständischen System hin zu einer staatsbürgerlichen Klassengesellschaft mit bürokratischer Verwaltung, bürgerlichen Leistungs- und Ausbildungsanforderungen. In ihr entschieden Leistung, Besitz und die Stellung in der Wirtschaft über den gesellschaftlichen Rang.

Die Maler der Romantik stellten nicht mehr die sichtbare Wirklichkeit in den Mittelpunkt, sondern das Unsichtbare, das, was Geist und Seele beschäftigte. Räume wurden bewusst aperspektivisch gesehen, vereinfachte und imaginäre Erscheinungsformen traten zutage. Menschen und Tiere wurden meistens als Zeichen verstanden. Bevorzugt wurden alle besonders zum Gedanklichen weisenden Ausdrucksformen wie Symbole, Allegorien, Parabeln oder Metaphern. Dadurch erwies sich die Romantik betont als Ideen-Kunst mit philosophischem Charakter.

Die Künstler bekannten sich zu unlösbaren Widersprüchen. Das nachdrücklich Subjektive, das Emotionale und das Irrationale traten ganz offensichtlich in Erscheinung. Die Unzufriedenheit mit der Gegenwart führte neben ausschweifenden Phantasien zu einer Sehnsucht, die sich auf Gott, die Vergangenheit oder eine Außerwirklichkeit richtete. So entstand eine neue, sehr subjektive Haltung zur Realität. In den Darstellungen hielten sich Ideal und Wirklichkeit die Waage. Technisch bestachen die Gemälde durch ihre extreme Feinmalerei, elegantes Formenspiel und exquisite Farbigkeit.

Im Biedermeier fand die Romantik eine bürgerliche Erdung. Ein erstarkendes Selbstbewusstsein des Bürgertums spricht aus den Porträts. Sogar der Adel bemühte sich um einen dezenten »bürgerlichen« Eindruck. Der allgemeine Geschmack war weniger auf Prunk als auf Gebrauchsfähigkeit und schlichte Eleganz von Mobiliar und Moden ausgerichtet.

Der Romantiker verleiht in der Malerei seinem subjektiven Welterleben am besten Ausdruck. Gott, Mensch, Kultur und Natur sieht er als eine einzige nur dem persönlichen Fühlen sich offenbarende Erlebniseinheit, als eine poetische Harmonie, in der Bewußtes, Widersprüchliches und Gegensätzliches sich durchdringen und aufheben. Diese subjektive Gefühlswirklichkeit entwickelt jenseits aller konfessionellen und gesellschaftlichen Regulative allein aus der schöpferischen Phantasie heraus, subjektive Ausdrucksformen. Der Künstler selbst wird zum Organ der Weltseele erhoben (Schelling), zum autonomen Weltdeuter und bis heute wird die Kunst vorwiegend als Selbstzeugnis verstanden. Die Kunst soll aus dem «inneren Kern» (Runge), aus der «Stimme des Inneren. (Friedrich), aus «dem Herzen aufsteigen und die Herzen entflammen», wie Delacroix sagt. Die Vergötterung des Ichs und der persönlichen Originalität gehört zu den charakteristischen Eigenarten des Romantikers. Da seine Weltsicht nicht auf die Gemeinschaft übertragbar, sondern an die Person des Schöpfers gebunden ist, isoliert er sich in dieser seIbstgeschaffenen Vereinsamung bis zu Schwermut und Weltschmerz.

 

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