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Gustav Metzger ( geb.1926 in Nürnberg)
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Gustav Metzger ist ein Vertreter der Aktionskunst der späten fünfziger und sechziger Jahre. Studium der Kunst an der Cambridge School of Art in London. 1959 in London erste Performance autodestruktiver Kunst und 1960 »Manifest der autodestruktiven Kunst«. Metzger verwendete bei seinen Aktionen u. a. Säure auf Nylon und experimentierte erhitztem flüssigen Kristall auf hauchdünnen Glasscheiben. Das Ergebnis projizierte er als riesige, ihre Gestalt ständig ändernde Bilder auf Leinwände, eine Technik, die in der Folge auch von Rockgruppen wie »The Who«, oder »Cream« für ihre psychedelischen Bühnenshows genutzt wurde. 1966 organisierte er das internationale »Destruction in Art Symposium« (DIAS) mit Vertretern des Wiener Aktionismus, Künstlern der Fluxus-Bewegung, Dichtern, Musikern (u. a. John Lennon und Yoko Ono) und Psychologen, die in London die gesellschaftlichen Bezüge der autodestruktiven Kunst diskutierten

Eng verbunden mit seinem Werk sind die Begriffe auto-kreative und auto-destruktive Kunst, mit denen prozesshafte und maschinengesteuerte Strukturen in der Kunst bezeichnet werden. Als Künstler, der sich in einem von Katastrophen geprägten Jahrhundert zurechtfinden muß, begründet Gustav Metzger mit seinen Theorien zur auto-destruktiven und auto-kreativen Kunst ein künstlerisches Werk, das sich überwiegend in vergänglichen Aktionen und temporären Prozessen manifestiert. In zahlreichen Manifesten und Schriften, die er seit 1959 veröffentlicht hat, werden seine Ideen und Projekte vorgestellt. Ihren anschaulichsten Ausdruck hat die Beschäftigung mit auto-kreativen Strukturen in der Kunst in den Lichtprojektionen mit Flüssigkristallen (liquid crystal projections), 1965/98, gefunden, die erstmals in Deutschland gezeigt werden.

  Liquid Christal Projections, 1965/98

Das Thema der Zerstörung verbindet Metzger mit den 'Klassikern' der westlichen Aktionskunst, den Wiener Aktionisten um Hermann Nitsch, mit Valie Export, Yoko Ono, Raphael Ortiz und vielen anderen, die er 1966 als Sekretär des DIAS-Komitee nach London zu dem "Destruction in Art Symposium" (DIAS) eingeladen hat.

In seiner Konsequenz, Radikalität und Voraussicht kann Gustav Metzger Künstlern wie Yves Klein oder Joseph Beuys an die Seite gestellt werden. Viele seiner oft radikalen, die bestehenden Regeln des Kunstbetriebs in Frage stellenden und den Begriff des Kunstwerks weiter entgrenzenden Ideen und Konzepte, sind auch heute noch aktuell und lassen sich in der Kunst der neunziger Jahre wiederfinden. Zu seinen jüngsten in Nürnberg gezeigten Arbeiten gehört die Serie der "Historic Photographs", 1995/99, in der Metzger Photographien aus unserer jüngeren Geschichte eindringlich präsentiert und auf neue Weise sicht- und unmittelbar erlebbar macht.

 


 

Gustav Metzger, der 1926 in Nürnberg geboren wurde und in London lebt, ist eine schillernde Figur. Als Künstler, wie auch als Initiator und politischer Aktivist hat er immer wieder wichtige Impulse gesetzt. Sein Werk spannt einen Bogen von den frühen Manifesten und Lecture/Demonstrations über sein politisches Engagement, seine Kritik am Kunstbetrieb, bis hin zur Werkgruppe der Historic Photographs und den aktuellen Arbeiten mit Zeitungen.

Ausgehend von den politischen und ökologischen Themen der Zeit, wie dem atomaren Wettrüsten und der Umweltzerstörung, entwickelte Gustav Metzger 1959 das Konzept der Autodestruktiven Kunst. In seinem ersten Manifest definiert er diese als eine "Form der öffentlichen Kunst für Industriegesellschaften", die das Zerstörungspotential des 20. Jahrhunderts thematisiert. Im Zentrum seiner frühen Arbeiten stehen daher Transformationsprozesse: Skulpturen, die in Teile zerfallen oder erodieren, von Säure zerfressene Leinwände, Abfälle in Müllsäcken oder Autoabgase in Acrylglas-Behältern. Die von Metzger verwendeten Materialien stammen durchwegs aus dem industriellen Zusammenhang und der maschinellen Fertigung. Ihr prozessorientierter und selbstzerrstörerischer Einsatz versteht sich als Angriff auf kapitalistische Werte und den Kunstmarkt. Sichtbar werden diese Transformationen unter anderem auch bei seinen Experimenten mit Flüssigkristallen in den 1960er Jahren. Seine psychedelischen Liquid Crystals Projections, die Metzgers Begriff der Autokreativen Kunst illustrieren, führte er unter anderem bei einem Konzert der Band The Cream in London vor.

Destruction in Art Symposium (DIAS), London 1966

 

Welch wichtiges Thema Destruktion auch für andere KünstlerInnen seiner Generation war, wurde durch das von Gustav Metzger initiierte Destruction in Art Symposium (DIAS) 1966 in London deutlich. Bei diesem legendären Treffen von KünstlerInnen verhalf Metzger den Wiener Aktionisten zu ihrem ersten internationalen Auftritt. Darüber hinaus beeinflusste er auch das Vokabular der Popkultur: Pete Townshend, der berüchtigte „Gitarrenzertrümmerer“ der Rockband The Who, bezeichnet ihn als seinen "Lehrer". Bereits in den 1970er Jahren beschäftigte sich Gustav Metzger mit den Problemen der Umweltverschmutzung und der fortschreitenden Entwicklung der Computertechnologie. 1974 verweigerte er seine Teilnahme an der Ausstellung Art into Society – Society into Art und rief statt dessen im Ausstellungskatalog zu einem dreijährigen „Kunststreik“ auf. 1981 organisierte er, gemeinsam mit Cordula Frowein und Klaus Staeck, eine Gegenausstellung zur Schau Westkunst in Köln und protestierte gegen das dort propagierte Verständnis zeitgenössischer Kunst.

Mit gleicher Intensität wie in seiner künstlerischen Arbeit engagierte sich Gustav Metzger immer auch in theoretischen Vorträgen, Symposien und politischen Foren. Auch die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, durch den Metzger einen Großteil seiner Familie verloren hat, nimmt dabei einen wichtigen Stellenwert ein.

 Von Anfang an interessierte sich Gustav Metzger für Tageszeitungen als Zeichen für Realität und deren Gestaltung sowie als Spiegel und Speicher von Geschichte. Die Frage, wie wir mit in den Medien anhand von Bildern dokumentierten humanitären Katastrophen umgehen, stellt er in seinen Historic Photographs, einer Werkgruppe, die in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre entstanden ist. Indem er die Sichtbarkeit dieser Bilder problematisiert, verdeutlicht er ihre Ambivalenz zwischen Voyeurismus, Bagatellisierung und Anteilnahme.

  

Kuratorin: Sabine Breitwieser

Assistenz Kuratorin, Ausstellungskoordination: Cosima Rainer


 


Gustav Metzger *1926 Nürnberg

Malerei, Fotografie, Installationen, Performances, Aktionen, Texte, Manifeste

politische Aktionen; Thematisierung des Destruktionspotentials des 20. Jahrhunderts; Kritik am kapitalistischen System und Kunstbetrieb; Erfinder der "Auto Creative Art" und "Auto Destructive Art", "kinetische Gemälde", "Historic Photographs"

 

1959 Monmouth Street, London

1960 "Manifest der autodestruktiven Kunst"

1962 ICA, London: "Fluxus"

1966 Organisation des "DIAS - Destruction in Art Symposium", Teilnahme von Vertretern des Wiener Aktionismus und Künstlern der Fluxus-Bewegung, Dichter, Musiker und Psychologen, unter ihnen John Lennon und Yoko Ono, u.a. Stellungnahme zum Vietnamkrieg

1998 Retrospektive Oxford Museum of Modern Art, Oxford

1999 Kunsthalle Nürnberg; Spacex Gallery, Exeter

2002 Kunstmuseum Wolfsburg

2003 Biennale Venedig; Biennale Lyon; South London Gallery, London

2004 Tate Britain, London


Gustav Metzger wurde 1926 in Nürnberg geboren und ist Künstler und Aktivist. Ausgangspunkt für seine künstlerische Produktion sind die politischen, ökonomischen und ökologischen Themen der Zeit. In seinen Manifesten und Demonstrationen reagierte Metzger beispielsweise auf die Bedrohung durch das weltweite atomare Wettrüsten, gegen das er sich seit 1956 auch politisch engagierte. Sein ästhetisches Konzept einer Auto-Destruktiven Kunst thematisiert das Destruktionspotential des 20. Jahrhunderts und versteht sich als Angriff auf das kapitalistische System und den Kunstbetrieb.

 

Destruktion war auch für andere Künstler dieser Generation ein wichtiges Thema. Im Rahmen des von Gustav Metzger initiierten und organisierten Destruction in Art Symposium 1966 in London, eines der wichtigsten Künstlertreffen seiner Zeit, verschaffte er beispielsweise dem Wiener Aktionismus den ersten internationalen Auftritt. Sogar der berüchtigte „Gitarrenzertrümmerer“ der legendären Rockband The Who, Pete Townshend, bezieht sich auf Gustav Metzger und bezeichnet ihn als seinen „Lehrer“.

 

Seit den 1990er Jahren arbeitet Gustav Metzger an einer Serie Historic Photographs, die in einem direkten Bezug zu seiner Biografie stehen: Gustav Metzger wurde als Sohn orthodoxer Juden geboren und überlebte den Holocaust durch eine Rettungsaktion des Refugee-Children-Movements in England.


FRom WIKIPEDIA

Gustav Metzger was born to Polish-Jewish parents in Nuremberg, Germany in 1926 and came to Britain as a refugee under the auspices of the Refugee Children movement.

 

He has been stateless since the 1940s.

 

He is known as the leading exponent of Auto-Destructive Art and part of the Fluxus movement of the 1960s.

 

He was also an active member of CND and attended their early rocket base campaigns of direct action and occupation.

 

In 1959 he published the first auto-destructive manifesto Auto-Destructive Art. This was given as a lecture to the Architecture Association in 1964, which was taken over by students as an artistic 'Happening'.

 

In 1961, he participated in the Festival of Misfits with the Fluxus group, in Gallery One, London. He exhibited the front page of the Daily Mirror covering the Vietnam War. His contribution was rejected by the other participants.

 

Around the same time, he was lecturing at Ealing Art College, where one of his students was rock musician Pete Townshend, who later cited Metzger's concepts as an influence for his famous guitar-smashing during performances of The Who.

 

Since then Metzger has continued to make challenging art works around the world. He currently lives and works in East London.

 

 Literatur:

Gustav Metzger >Manifeste Schriften Konzepte< 160 S. 36 Abb, ISBN 3-88960-040-9


Link:

Manifeste >>>http://www.luftgangster.de/gmetzger.html

kunstwissen.de

 
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