Graffitiforschung.de : Artikel : Das Politische am Writing (A.Thiel)


Das "Politische" am "Writing"

Wird ja von den meisten Sprayern-denkt man an das Alter (zwischen 12 und 20) vehement bestritten. Was überhaupt nichts aussagt, ausser, dass in DEN Kreisen und DEM Alter man Politik für ein"schmutziges Geschäff'hält. Dem kaum zu widersprechen ist, wenn man die öffentliche Behandlung der "Writer" bedenkt. Sie werden Terroristen gleichgesetzt, man spricht von "(Farb-)"Anschlägen" (was Assoziationen zu anderen Formen von Anschlägen geradezu erzwingt) und der sexuelle Unterton (das Unbewusste wird hier manipuliert) beim Worf'Schändung" (das man für Farbschmierereien auch verwendet...) ist ganz offenbar.

Und das soll auch so sein.

Denn-und das ist wiederum "Das Politische" - jede Gesellschaft benötigt leicht zu manipulierende Sündenböcke und wer würde sich dafür besser eignen als die "ollen und bösen Sprayer!?!" Hätte man sie nicht man müsste sie geradezu erfinden. Das Abstreiten von politischen Dingen durch Sprayer bringt direkt weitere Widersprüche mit sich da sie ja das Eigentum (Anderer) und zwar die Aussenwände anrühren,was bekannterweise eine "Heilige Kuh" in modernen Gesellschaften ist. Dass dabei nur eine Farbe mit einer anderen überdeckt wird, wird schon garnicht mehr-vor lauter Schimpferei und Empörung-gesehen, und kann auch nicht.

Und das soll auch so sein.

Während an Universitäten (und zwar international) inzwischen Hiphop gelehrt wird und Gegenstand von Forschung (Soziologie, Jugendkultur usw.) wurde, die Industrie weltweit jährlich (mindest) 50 Milliarden Dollar umsetzt (Deutschland dürfte mit ca. 6-7 Milliarden DM dabei sein...) gibt es eine wachsende Zahl von"Gutmenschen" (=Graffiti-Hasser)denen es erfolgreich gelungen ist aus einem Null-Problem um das Jahr 1968 herum (von Politsprüchen einmal abgesehen...) dieses weltumfassende, geradezu "geld-scheisserische" (booming business) Unternehmen aus dem Boden zu stampfen.

Und das soll auch so sein.

All diese "Guten" benötigen für ihr Leben und das Bestreiten ihrer (guten) Einkommen die "Bösen" (Sprayer,Writer,Schmierfinken usw. )um durch ein kontinuierliches Schimpfen und Vorurteilsverbreiten dass man sie für "Besser" hält.

Indem man also "Pseudo-Probleme" auf-schaukelt kann man die "öffentliche Meinung" von allen anderen (und eventuell viel gefähr-licheren) Entwicklungen erfolgreichst ablenken.

Und das soll auch so sein.

Das bedeutet-und das ist schon auch ein Politikum-dass es als"normal"angesehen wird das eine der kreativsten Kohorte (=Grossgruppe) in modernen komplexen Gesellschaften dafür missbraucht wird, die Allgemeinheit aufs Angenehmste (wer mag schon Dreck und Schmutz....) von den wirklichen, eigentlichen und gefährlichen Entwicklungen (sehr) erfolgreich abzulenken und eine aktive politische Teilnahme dieser Mehrheit optimal zu verhindern in der Lage ist.

Und das soll auch so sein.

Die Produkte der Sprayer (Bilder,"pieces",tags) die SIE (die Macher) nicht (copyrechtlich) schützen (lassen) können, können von jeder Firma (Verlag,Werbeagentur usw.) vermaktet und damit Geld verdient werden. Und die verfolgten und oft finanziell hoch bestraften Sprüher haben nicht die erforderlichen Mittel sich einen kompetenten Rechtsbeistand zuwählen .Das allein ist auch schon ein politischer Zusammenhang. Recht nur für die Reichen.

Und das soll auch so sein.

Weisen die Bilder und Texte an den Wänden doch auf eine Tatsache hin, dass immer weniger frei verfügbare "Spielflächen" für Kinder und Jugendliche zu finden sind,und hier trifft es wiederum alle die, die nicht über ausreichende Mittel (=Geld)verfügen. Jedes weitere Haus=Wän-de verinngert die frei verfügbare Fläche in Kommunen (siehe Bebauungspläne). Was uns zur"Heilgen Kuh" Privateigentum zurückbringt und zumindest den fragwürdigen Aspekt der Raumverknappung nicht aus den Augen verliert. Aber dies soll natürlich und auf keinen Fall öffentlich diskutiert werden. Dies wäre ein Politikum.

Und das soll auf keinen Fall sein.

Also wird eine unterschwellige Stimmung der (unidentifizierbaren) Gefahr ("die Sprayer lauern überall...") immer wieder manipulativ erzeugt und weiter verstärkt weil man sicher sein kann dass diese Gruppe von jungen Menschen nicht in der Lage sind, sich ihres Missbrauches für und durch die Politik (erfolgreich) zu entziehen. Weil man ( = "writer") gerade mit "Politik" nichts zu tun haben möchten.

Und das soll auch so sein.

Indem man "die Entarteten absondert" (man macht sie zu Hass-Objekten) durch entsprechende Benamung (Schmierer,Vandalen,Schänder usw.) und in der Öffentlichkeit ( = Feld der Politik) die Gefühle sich aufschaukeln lässt (dann kann man keinen klaren Gedanken mehr fassen...) ist allen klar, wer der "Feind" ist, den zu bekämpfen es lohnt.

Und das soll auch so sein.

Denn in diesem emotional gespannten Zustand kollektiver Verblödung ("soziale Idioten") kann man sicher sein, dass keiner mehr Fragen stellt WIE es eigentlich dazu kommen kann das bei "konsequenter Graffiti-Verfolgung" seit fast 30 Jahren aus einem "Null-Problem" (es gab noch gar keines...) um ca. 1968 im Jahre 2001 eine weltumspannende Industrie werden konnte, die nur noch durch die noch viel uneffektivere "Drogen-Bekämpfung "übertroffen wird.

Und das soll auch so sein.

Sonst würde man nämlich verstehen dass die Prävention und Verfolgung (abgesehen von einem völligen Mangel an Ursachenforschung = soziale Probleme) nicht nur NICHTS gebracht hat, son-dern ganz im Gegenteil in vielen Fällen erst die Probleme schuf, zu deren Verhinderung sie ("Saubermenschen") angaben zu sein. Es handelt sich also um eine ARBEITS-BESCHAFFUNGS-MASSNAHME in riesigem Stil.

Die Fragen ist nun:
"Ob das wirklich so sein soll?!"
Und die ANTWORT auf diese Frage ist nun wirklich
ein "Politikum".
Und die Frage heute wäre:
"Wollt ihr die totale Verblödung?!"
Und wäre die Antwort "NEIN!", wäre die einzige
sinnvolle Folge:
"Gehirn einschalten!"
Das sollte aber nun wirklich so sein...

©
Axel Thiel


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