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Entwicklung der Photographie

::::::::Anfänge/ frühe Verfahren / Siegeszug / Stereofotografie / Portraitfotografie / Kunst und Fotografie / Farbe

Es war einmal...Die Anfänge

Die Anfänge der Fotografie fallen in jene Zeit, als in der Malerei praktisch alle technischen Probleme zur vollkommenen Wiedergabe der Realität gelöst waren. Die Perspektive, das Licht- und Schattenspiel, die Anatomie des Menschen, all das war gegen Ende des 19. Jahrhunderts kein grundsätzliches Problem mehr, lediglich den individuellen Fähigkeiten des jeweiligen Künstlers unterworfen. Damit war es praktisch möglich die Natur in ihrer gesamten Vielfalt perfekt abzubilden. Die Perfektion der technischen Möglichkeiten forderte allerdings bald darauf ein Hinausgehen über das bloße Abbild der Natur heraus und führte einerseits in den Impressionismus und andererseits in den Expressionismus. Die frühe Fotografie war in ihren Möglichkeiten im Vergleich dazu wesentlich eingeschränkter. Extrem lange Belichtungszeiten schlossen bewegte Motive (Menschen, Tiere, Fahrzeuge usw.) weitgehend aus und darüberhinaus war an Farbfotografie nicht zu denken. Das Auflösungsvermögen (Schärfe und Kontrast) konnte bei weitem nicht unseren heutigen Ansprüchen entsprechen. Trotzdem oder gerade deswegen besitzen Fotografien der Frühzeit einen eigentümlichen Reiz.

 

Die frühen Verfahren

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts entdeckten Wissenschafter die Lichtempfindlichkeit der Silbersalze. Entsprechende Beleuchtung färbte Silberchlorid schwarz und mit Ammoniak war ein geeignetes Fixiermittel gefunden. Bald darauf entdeckte man Silberjodid und Silberbromid. Der Chemiestudent T. Wedgewood experimentierte schon 1790 mit lichtempfindlichen Stoffen, mit denen er versuchte, die Bilder der Camera obscura festzuhalten. Obwohl diese Versuche scheiterten, fand Wedgewood eine Methode, Blätter, Insektenflügel u.ä. kameralos abzubilden. 1839 hatte L.J.M. Daguerre das erste praktikable fotografische Verfahren entwickelt, daß nach ihm Daguerreotypie genannt wurde.

 

Der Siegeszug

Fotografien erschienen bald in den Zeitungen und das Interesse der Menschen an dieser neuen Erfindung war groß. Die Anwendung war vornehmlich auf professionelle Portraitfotografen beschränkt. Erst eine Senkung der Verkaufspreise und eine Verkürzung der Belichtungszeiten bescherten der Fotografie den Durchbruch zum Massengebrauch. Weltruhm erlangten damals die vom Österreicher Petzold und Voigtländer produzierten Objektive durch ihre ausgesprochene Lichtstärke. Den Fotomodellen blieben durch die lange Belichtungszeit bedingte Torturen nicht erspart. Kritiker und Künstler führten eine kontroversielle Diskussion über die neue Möglichkeit, die Realität so abzubilden. Euphorische Begeisterung stand kategorischer Ablehnung gegenüber. Nicht zuletzt fürchteten viele Maler um ihre Existenz. Drei Faktoren haben die Entwicklung der Fotografie, das Tempo sowie das Ausmaß ihrer Verbreitung seit den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts wesentlich bestimmt: der politische und soziale Aufschwung des Bürgertums, die neue Ästhetik der Fotografie und die Möglichkeit der massenweisen Produktion. In weiches Licht gehüllte, Ruhe ausstrahlende Landschaften und Städtebilder sind neben den Portraitfotos gezwungenermaßen die bevorzugten Motive. Den Fotografen der frühen Zeit ist eines gemeinsam: Pioniergeist und Experimentierfreudigkeit. So war die stereoskopische Fotografie schon zur Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt und löste am Anfang eine Mode des Sammelns von Stereobildern aus, was allerdings nur kurz währte. Trotz der anfangs stundenlangen Belichtungszeiten war es in weiterer Folge gerade die Bewegung, die die künstlerische Fotografie herausforderte. Stroboskobartige Bewegungsanalysen brachten auch für die Malerei völlig neue Erkenntnisse, etwa wie, und in welcher Bewegungsphase die Hufe eines Pferdes den Boden berühren. Aber auch die Bewegungen des Menschen wurden in einer bisher nicht gekannten Genauigkeit analysiert.

 

Stereofotografie

Die Fotografien seit Daguerre erfüllten den schon lange existierenden Wunsch des Menschen, die Realität naturgetreu wiederzugeben. Nicht konnte die Fotografie im Bereich der Räumlichkeit, Bewegung und Farbe entsprechen. Die Stereofotografie kompletierte die Fotografie um einen weiteren Aspekt. Um 1850 kamen die ersten Stereoskope auf den Markt. Das Prinzip beruhte auf der Erkenntnis des zweiäugigen Sehens. Die Augen liefern uns zwei leicht versetzte Bilder, die im Gehirn zu einem räumlichen Bild unserer Umgebung verschmelzen. Das Stereoskop ermöglicht, durch zwei im Augenabstand nebeneinander aufgenommene Bilder bei der Betrachtung ein räumlich wirkendes Bild zu erzielen. Besonders in England und den USA kam es zu einer regelrechten Stereomanie.

 

Die Portraitfotografie

Der Aufstieg und das neue Selbstbewußtsein des Bürgertums dokumentiert sich in der Popularität der Portraitfotografie zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Die neue Technik bot für breite Bevölkerungskreise die Möglichkeit, durch Portraits und Gruppenaufnahmen aus der Anonymität herauszutreten - etwas, was bisher dem wohlhabenden Adel vorbehalten war. Personenaufnahmen erforderten vom Fotografen wie vom Fotografierten enorme Disziplin und Ausdauer. Die enorm langen Belichtungszeiten die erst nach und nach durch immer lichtstärkere Objektive verschwanden, erforderten eigene Vorrichtungen zum Festspannen der Fotografierten:

 

Kunst und Fotografie

Sobald die Fotografie das realistische Abbild erzielen konnte, suchten Fotografen Wege, die Realität im Nachhinein zu verändern und nach künstlerischen Aspekten zu verändern. Nicht selten hatten Fotografen eine malerische Ausbildung hinter sich und brachten so ein großes Wissen um die richtige Komposition mit. Im viktorianischen England waren schon für die Malerei romantisch verklärte Motive beliebt, die Fotografie als Möglichkeit zur Abbildung der Realität mußte sich diesem Zeitgeist unterwerfen. Als eine Möglichkeit bot sich als Vorstufe zur Fotomontage der sogenannte "Composite-Print". Bis zu 30 Negative fanden Verwendung bei einem Bild. Auch Unschärfe wurde bewußt eingesetzt.

 

Farbe

Während der 30er-Jahre entwickelte sich die Farbfotografie. Was ursprünglich dilettantisch colorierten Schwarz-Weiß-Fotografien glich und damals sogar Antikunst genannt wurde, ist auch heute in seiner technischen Entwicklung noch nicht völlig abgeschlossen und praktisch im Monatsabstand bringen die Filmhersteller neue, verbesserte Technologien der Farbfotografie auf den Markt. Nicht zuletzt scheint es darum zu gehen, den Übergang zur digitalen Fotografie durch immer weiterführende Verbesserungen der analogen Bildverarbeitung auf Film hinauszuschieben.

Quelle: http://www.wu-wien.ac.at/usr/h99a/h9950236/fotografie/foto2.htm

  

 

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