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Geschichte des Spielfilms

::::::::::::::1895-1930 / 1930-45 / 1945-60 / 1960- 1980 / 1980- heute

Anfänge 1895-1930

1895 gilt als Beginn der Kinematographie. Im Nov. 1895 zeigten die Brüder M. und E.Skladanowsky im Berliner »Wintergarten« mit dem »Bioscop« ein Programm kurzer Film; mit Filmvorführungen im Pariser »Grand Café« ab Dez. 1895 begründeten die Brüder L. und A.Lumière den Dokumentarfilm; als Urvater des Fiktionsfilms gilt G.Méliès (»Die Reise zum Mond«, 1902). Zw. 1899 und 1903 experimentierte in Großbritannien die »Schule von Brighton« mit Einstellungsformen, Kamerafahrten und Montage. Nach 1905 entwickelte sich die Filmindustrie. Das Prinzip einer durchgehenden Erzählung prägte seit 1915 die Produktion der Filmländer (Melodramen, sozialkritischer Film, Komödien). Das führende Filmland der Anfangsjahre war Frankreich, das besonders mit Kriminalfilmen (»Fantomas«-Serie von L.Feuillade, 1913ff.) und Filmburlesken (G.Durand, M.Linder) Weltgeltung gewann. Bedeutung erlangte Italien mit monumentalen histor. Ausstattungsfilm wie »Die letzten Tage von Pompeji« (L.Maggi, 1908). Zur Generation nach 1920 gehörten A.Gance sowie J.Epstein. R.Clair drehte experimentelle Spielfilme, L.Bunuel (mit S.Dalí) den surrealist. Film »Der andalus. Hund« (1928). In Dänemark arbeitete die Produktionsfirma Nordisk schon vor dem 1.Weltkrieg. Mit »Afgrunden« (von U.Gad, 1911) wurde A.Nielsen zum Star des dänischen Films. Bedeutendster dänischer Regisseur war C.T. Dreyer (»La passion de Jeanne d'Arc«, 1928). In Schweden drehte V.Sjöström myth. Landschaftsfilme und Historienfilme (»Gösta Berling«, 1924). M.Stiller spezialisierte sich auf Gesellschaftskomödien und begründete (1924) die Karriere von Greta Garbo.

USA, Deutschland und Sowjetunion: ::::Ab 1914 wurden die USA marktbeherrschend. E.S. Porter schuf mit »Der große Zugraub« (1903) das Urbild des Western. Pionier des amerikan. Stummfilms war D.W. Griffith, der den amerikan. Geschichtsfilm und das lyrischen Filmmelodrama begründete. Von ihm wurden viele Regisseure beeinflusst: C.B. De Mille, E.von Stroheim, R.Flaherty, J.von Sternberg, F.Copra, H.Hawks, J.Ford, K.Vidor. 1912 entwickelte M.Sennett die spezifisch amerikan. Schule der Slapstick-Comedy. Dieser Schule entstammte auch C.Chaplin, andere Vertreter der Komikerschule waren B.Keaton, H.Lloyd sowie S.Laurel und O.Hardy (»Dick und Doof«). In den 20er-Jahren exponierte sich auch E.Lubitsch. 1926-28 begann die Umstellung auf das Tonfilmverfahren (ab 1929 auch in Europa).

Nach dem Krieg wurde Deutschland zum künstlerisch bedeutenden Filmland. 1917 veranlasste E.Ludendorff die Gründung des Filmgroßkonzerns Universum-Film AG (Ufa). Die Filme zeigten eine Vorliebe für irreale Sujets, u.a. »Das Kabinett des Dr. Caligari« (1920) von R.Wiene und »Dr. Mabuse, der Spieler« (1922) von F.Lang. Insgesamt übte der Expressionismus eine starke Anziehungskraft auf die Regisseure und Schauspieler aus. Zur Avantgarde des dt. Films der 20er-Jahre gehörte L.Reiniger mit Silhouetten-Filmen. Die zumeist im kleinbürgerl. Milieu spielenden Kammerspielfilme (»Die Hintertreppe« von L.Jessner, 1921) strebten die Psychologisierung der Figuren an. Eine Tendenzwende kündigte sich in den Filmen von F.W. Murnau an (z.B. »Nosferatu...«, 1922). Dem Realismus waren Filme von C.W. Pabst, von B.Wilder sowie von P.Jutzi verpflichtet.

Sowjetunion: Eine eigenständige Filmproduktion entwickelte sich schon in zarist. Zeit. 1919 wurde das Filmwesen verstaatlicht. Zunächst wurden nur Agitationsfilme und Wochenschauen produziert, u.a. die »Kinoprawdas« des Dokumentarfilmpioniers D.Wertow. S.M. Eisenstein drehte 1924 »Streik« und 1925 »Panzerkreuzer Potemkin«; die Entstehung seiner letzten Werke war z.T. mit polit. Schwierigkeiten verbunden. Bedeutende Exponenten des sowjet. Stummfilms waren auch W.I. Pudowkin, A.P. Dowschenko (»Erde«, 1930) und G.Kosinzew, J.Trauberg.

 


....Die Zeit von 1930 bis 1945:

Der Tonfilm beendete seit 1927 die Weiterentwicklung des Stummfilms. Das gesteigerte Bedürfnis nach ablenkender Unterhaltung führte zur Massenproduktion von Musikfilmen (»Broadway Melody«, 1929). In den USA bewirkte die neue Ästhetik des Tonfilms tief greifende Veränderungen. Kennzeichnend war die Ausprägung fester Genres:

Die Gangsterfilme mit ihrem Pessimismus (M.LeRoy) waren der Versuch einer Antwort auf die Krisenhaftigkeit der sozialen Verhältnisse. E.Lubitsch (»Ninotschka«, 1939) und R.Mamoulian brillierten mit Komödien. J.Ford spezialisierte sich auf den Western. C.Chaplin setzte die Linie seiner gesellschaftskritische Komik mit »Lichter der Großstadt« (1931), »Moderne Zeiten« (1936) und »Der große Diktator« (1940) fort.

Mit »Jesse James« (H.King, 1939) und »Vom Winde verweht« (V.Fleming, 1939) setzte sich der Farbfilm durch. W.Disney begründete in den 30er-Jahren eine umfangreiche Produktion von Zeichentrickfilmen. Vertreter des Horrorfilms war J.Whale mit »Frankenstein« (1931). Während der Kriegsjahre entstanden zahlr. Dokumentarfilme Der »poet. Realismus« der 30er-Jahre in Frankreich verband impressionist. und naturalist. Strömungen mit romant. Ironie und Skepsis zu poesievollen Milieuschilderungen. R.Clair drehte »Unter den Dächern von Paris« (1930), M.Carné »Hafen im Nebel« (1938), J.Renoir ließ Literaturverfilmungen wirken. Unter Bedingungen der Illegalität während der dt. Besetzung drehte M.Carné (mit J.Prévert) 194345 den legendären Film »Kinder des Olymp«. Auch in Dtl. führte die Entwicklung des Tonfilms zur Produktion zahlr. Musikfilme, z.B. »Der blaue Engel« (J.von Sternberg, 1930). Bis 1933 konnten sich gesellschaftskrit. Filme durchsetzen, u.a. von G.W. Pabst (»Die Dreigroschenoper«, 1931), P.Jutzi (»Berlin Alexanderplatz«, 1931) und S.Dudow (»Kuhle Wampe«, 1932). Nach 1933 lenkte Goebbels den dt. Film auf den Kurs angeblich unpolit. Unterhaltung, indirekt dienten jedoch die meisten Filme der nationalsozialistischen Ideologie. Die Machtübernahme Hitlers hatte über 500 Regisseure und Schauspieler zur Emigration gezwungen: P.Czinner und Elisabeth Bergner, W.Dieterle, F.Kortner, F.Lang, M.Ophüls, O.Preminger, Detlev Sierck (Douglas Sirk), R.Wiene, B.Wilder, F.Zinnemann u.a. Die nat.-soz. Propaganda gipfelte in monumentalen Dokumentarfilmen (»Triumph des Willens«, Leni Riefenstahl, 1934) und tendenziös-dramat. Spielfilmen (»Hitlerjunge Quex«, H.Steinhoff, 1933). V.Harlan unterstützte den Antisemitismus (»Jud Süß«, 1940) und drehte den »Durchhaltefilm« »Kolberg« (1945). In Großbritannien entwickelte sich in den 30er-Jahren die »Brit. Dokumentarfilmschule« v.a. mit L.Grierson. Vertreter des Kriegsdokumentarfilms war H.Jennings.

 


....Die Zeit von 1945 bis 1960:

In Italien zeichnete sich gegen Kriegsende die neue Stilrichtung des »Neorealismus« ab, die von L.Viscontis Erstlingsfilm »Von Liebe besessen« (1942) eingeleitet wurde, ihm folgten R.Rossellini und V.de Sica (»Fahrraddiebe«, 1948). Typisch für diese Filme ist die sozialkrit. Darstellung menschl. Leidens und proletar. Elends. Bed. Filmautoren nach 1950 waren u.a. F.Fellini (»La Strada«, 1954; »La dolce vita«, 1959) und M.Antonioni (»Der Schrei«, 1957). C.Zavattini hat besonderen Anteil auch als Theoretiker und Drehbuchautor.

Der Nachkriegsfilm in Deutschland dessen Filmindustrie zunächst darniederlag, behandelte Schicksale im nat.-soz. Dtl. und in »Trümmerfilmen« die dt. Ruinenlandschaft. Es entstanden weitere unverbindliche Unterhaltungs-Filme. An zeitkritischer Reflexionen versuchten sich H.Käutner (»In jenen Tagen«, 1947), W.Staudte, der zunächst für die DEFA arbeitete, H.Braun. Die Filmkunst in der DDR war eng mit der DEFA verbunden, deren erste Filme »Die Mörder sind unter uns« (1946, W.Staudte), »Ehe im Schatten« (1947, K.Maetzig), »Das kalte Herz« (1950, P.Verhoeven), »Der Untertan« (1951, W.Staudte) internat. Anerkennung fanden. Der Film in der Bundesrep. Dtl. wandte sich bis auf wenige Ausnahmen (»Des Teufels General«, 1955, von H.Käutner; »Wir Wunderkinder«, 1958, von K.Hoffmann; »Die Brücke«, 1959, von B.Wicki) der Unterhaltung zu. Die durch Stalins Tod ausgelöste »Tauwetter«-Periode ermöglichte in Osteuropa neue Ansätze realist. Gestaltung: »Die Kraniche ziehen« (1959) von M.Kalatosow (UdSSR), »Asche und Diamant« (1959) von A.Wajda (Polen). In Frankreich trat eine Vielzahl von Regisseuren mit Filmen versch. Stilrichtungen hervor: romantisch-surrealist. Filme wie »Orphée« (1945, J.Cocteau) auf der einen Seite oder die Serie der »schwarzen Filme« (H.-G. Clouzot). Einzelgänger waren der Komiker J.Tati und R.Bresson. Bed. Regisseure waren Y.Allégret, M.Carné, R.Clair. Die Ende der 50er-Jahre entstandene »Neue Welle« (»Nouvelle Vague«) strebte den unkonventionellen Autorenfilm an; wichtige Vertreter sind F.Truffaut, C.Chabrol, J.-L. Godard und E.Rohmer.

Um 1960 erregte in Großbritannien für kurze Zeit das »Free cinema«, u.a. um die Regisseure K.Reisz und T.Richardson, Aufsehen. Sie gingen jedoch bald zum kommerziellen Film über, der Ende der 50er-/Anfang der 60er-Jahre mit dem Horrorfilm und dem Spionagethriller (»James-Bond«-Serie) große Erfolge hatte. L.Olivier verfilmte shakespearesche Werke. Prägend für den Film in Schweden waren A.Sjöberg und Ingmar Bergman (»Wilde Erdbeeren«, 1957). Im amerikan. Film entstanden Parallelen zum Neorealismus (»Sunset Boulevard«, B.Wilder, 1950). Das neue Medium Fernsehen führte zu einem stärker reportagehaften Stil, der sich u.a. den Problemen der »großen Masse« widmete (»Die Faust im Nacken«, S.Lumet, 1957). Daneben konsolidierte sich das »Showbusiness«; der Western (»High Noon«, F.Zinnemann, 1952) und das Musical (S.Donon, V.Minelli) fanden neue Formen. In der Komödie spezialisierte sich in den USA Jerry Lewis u.a.auf die Kritik der Vernunft.

 


....Die Zeit von 1960 -1980

USA: In den USA drehte Alfred Hitchcock einige seiner besten Filme (»Psycho«, 1960; »Die Vögel«, 1962). Von Stanley Kubrick kam 1968 der Sciencefictionfilm »2001 Odyssee im Weltraum« heraus; J.Lewis, W.Allen und M.Brooks etablierten in den 60er- und 70er-Jahren eine Komödienschule. Nach 1960 formierte sich das »New American Cinema« als eine dem Hollywood-Kommerzialismus entgegengesetzte Richtung, die sich dem Dokumentarfilm und dem Experimentalfilm verbunden fühlte. Ende der 60er-Jahre entstand die »New-Hollywood«-Bewegung, die größere gestalter. Freiheiten beanspruchte. Wichtige Regisseure des »New Cinema« sind D.Hopper (»Easy rider«, 1969), J.Cassavetes (»Schatten«, 1960), Roman Polanski (»Rosemaries Baby«, 1968), A.Penn (»Bonnie und Clyde«, 1967), R.Altman (»Nashville«, 1975), F.F. Coppola (»Der Pate«, 1972; »Apocalypse now«, 1979), P.Bogdanovich (»Die letzte Vorstellung«, 1971), M.Scorsese (»Taxi Driver«, 1975), M.Forman (»Einer flog übers Kuckucksnest«, 1975; »Amadeus«, 1984), S.Pollack (»Tootsie«, 1982), W.Allen (»Der Stadtneurotiker«, 1977), S.Soderberg. Auch Schauspieler drehten Filme: R.Redford, W.Beatty, B.Streisand, C.Eastwood, J.Foster. Sciencefictionfilme (Steven Spielberg), Musikfilme und Tanzfilme, Horrorfilme und Thriller sowie die Filme von J.Carpenter, B. de Palma zielen meist auf ein jugendliches Publikum.

Italien, Frankreich und Großbritannien: :::::Italien: Die wesentl. Filme schufen neben L.Visconti (»Der Leopard«, 1962), F.Fellini (»812«, 1963; »Roma«, 1972), M.Antonioni, P.P. Pasolini (»Accatone«, 1961), B.Bertolucci (»1900«, 1974/75), F.Rosi, die Brüder P. und V.Taviani, E.Scola (»Le Bal«, 1983) und Lina Wertmüller. Mit dem Italowestern sind die Namen S.Leone (»Spiel mir das Lied vom Tod«, 1968) und S.Corbucci verknüpft.

Frankreich: Abgesehen von R.Bresson und L.Bunuel (»Viridiana«, 1961) prägen die Regisseure der »Nouvelle Vague« bis heute den frz. Film: F.Truffaut (»Die letzte Metro«, 1980), Claude Chabrol (»Dr. M.«, 1990), J.-L. Godard (»Außer Atem«, 1959), A.Resnais (»Hiroshima mon amour«, 1959), L.Malle (»Auf Wiedersehen Kinder«, 1987). Wesentlich sind auch: E.Rohmer, C.Lelouch, A.Mnouchkine, A.Varda. C.Costa-Gavras drehte Kriminal- und Politthriller.

Filme von internat. Bedeutung drehten in Großbritannien u.a. J.Losey, S.Kubrick, K.Russell, R.Attenborough (»Gandhi«, 1982), J.Ivory, P.Greenaway.

Schweden, Griechenland, Kanada und Australien: Überragende Gestalt in Schweden ist weiterhin I.Bergman, von besonderer Bedeutung auch Mai Zetterling (»Amorosa«, 1986), daneben sind B.Widerberg, Bille August und Jan Troell getreten. Bekanntester Regisseur Griechenlands ist T.Angelopoulos. Regisseure aus Ländern, die bisher kaum mit Filmen hervorgetreten waren, so Kanada (C.Ballard, B.Carle, D.Cronenberg, M.Dugowson, C.Jutra, T.Kotcheff) und Australien (B.Beresford, D.Crombie, T.Haydon, F.Shepisi, P.Weir), folgen dramaturgisch weitgehend amerikan., brit. oder frz. Vorbildern; inhaltlich bemüht man sich v.a. um Darstellung nationaler Problematik.

Sowjetunion, Schweiz und Spanien: In der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten wurden nach langer Zeit der Unterdrückung der Filmkunst seit etwa 1986 Filme von Weltrang wieder zugelassen; zahlr. Filmemacher werden rehabilitiert, die Zahl der in den letzten Jahrzehnten beschlagnahmten Filme, die heute die Archive verlassen, ist noch unüberschaubar. Als Exponenten des russ. Filmes sind v.a. A.Tarkowski (1984 Emigration: »Der Stalker«, 1979; »Nostalghia«, 1983; »Opfer«, 1985), E.Klimow (»Agonia Rasputin«, 1981 veröffentlicht; »Abschied von Matjora«, 1983), T.Abuladse (»Reue«, 1984) sowie A.Askoldow (»Die Kommissarin«, 1987 freigegeben), S.Botrow (»Freiheit ist ein Paradies«, 1989), W.Pitschul (»Kleine Vera«, 1988) international bekannt geworden. Bes. Aufschwung nahm in den 70er-Jahren der schweizer. Film durch A.Tanner, M.Soutter, C.Goretta und D.Schmid. In Spanien haben v.a. C.Saura (»Carmen«, 1983), M.Camus und P.Almodovar internat. Ruf.

Deutschland: Bundesrepublik :Unter dem Motto »Papas Kino ist tot« präsentierte die Oberhausener Gruppe (1966, u.a. A.Kluge, »Abschied von gestern«; V.Schlöndorff, »Der junge Törless«; U.Schamoni, »Es«) den »Jungen dt. Film«. Internat. Anerkennung fanden außer V.Schlöndorff (»Die Blechtrommel«, 1978/1979), A.Kluge (»Die Macht der Gefühle«), 1983), R.W. Fassbinder, W.Herzog (»Nosferatu«, 1979; »Cobra Verde«, 1987), H.J. Syberberg, M.von Trotta, R.von Praunheim, H.Achternbusch, R.van Ackeren (»Die flambierte Frau«, 1983), W.Wenders (»Paris, Texas«, 1984; »Der Himmel über Berlin«, 1987), E.Reitz (»Heimat«, 1984), D.Dörrie (»Männer«, 1985), D.Graf (»Die Katze«, 1987), P.Adlon (»Out of Rosenheim«, 1987), M.Verhoeven (»Das schreckliche Mädchen«, 1990), H.Dietl (»Schtonk«, 1992).

In der DDR führten künstlerisch-polit. Konfrontationen Mitte der 60er-Jahre zum Verbot von 12 DEFA-Spielfilmen der Jahre 1965/66 (»Spur der Steine«, F.Beyer). Nach der polit. Zäsur 1971 entstanden auch Filme mit dem Anspruch auf Verwirklichung individueller Lebensansprüche (»Paul und Paula«, 1973, H.Carow). Zunehmende künstler. und polit. Restriktionen hatten den Weggang vieler Schauspieler, Regisseure und Autoren zur Folge. Trotzdem entstanden Filme, z.T. nach literar. Vorlagen, sowie Kinderfilme und Jugendfilme, die auf große Resonanz stießen (»Sieben Sommersprossen«, 1978, H.Zschoche; »Levins Mühle«, 1980, H.Seemann). Filme der 80er-Jahre widerspiegeln die krit. Suche nach bewusster Reflexion gesellschaftl. Realität (»Solo Sunny«, 1979, K.Wolf). Wichtige Beiträge leistete der Dokumentarfilm.

Polen, Ungarn und Lateinamerika: In Polen vollzog sich bis zur Demokratisierung eine ähnl. Entwicklung. R.Polanski arbeitete seit dem Film »Das Messer im Wasser« (1962) im Ausland. Internat. sehr beachtet sind die Arbeiten von A.Wajda (»Der Mann aus Eisen«, 1981; »Dantons Tod«, 1983; »Die Dämonen«, 1987), K.Zanussi (»Illumination«, 1973; »Blaubart«, 1984), K.Kieslowski und Agnieszka Holland. In Ungarn stehen neben Z.Fábri (»Zwanzig Stunden«, 1965) v.a. I.Szabó (»Mephisto«, 1980; »Oberst Redl«, 1985) und Márta Mészáros (»Tagebuch für meine Lieben«, 1986) für den internat. Film. In Lateinamerika setzte 1968 der Film »Die Stunde der Hochöfen« des Argentiniers F.E. Solanas ein Fanal des polit. Kampfes. Das brasilian. »Cinema nóvo« der 60er-Jahre war vertreten durch G.Rocha (»Gott und Teufel im Land der Sonne«, 1964); in den 70er-Jahren erschien als wichtigster Film »Sao Bernardo« (1972) von L.Hirszman.

Japan, China und Indien: Die großen Regisseure Japans sind Yasujiro Ozu (»Spätherbst«, 1960), Akira Kurosawa (»Rashomon«, 1950; »Sieben Samurai«, 1954; »Kagemusha«, 1980) und Kenji Mizoguchi (»Ugetsu Erzählungen unter dem Regenmond«, 1953). Bei Orientierung an Gegenwartsfragen und Geschichtsthemen werden in China westl. Gestaltungsformen häufig adaptiert. Filme wie »Das Teehaus« (Xie Tian, 1982) und »Rotes Kornfeld« (Zhang Yimou, 1987) wurden durch Fernsehen und Festivals im Ausland verbreitet. In Hongkong wurden Kung-Fu-Filme und andere Actionfilme gedreht. Indien ist mit fast 1000 Spielfilmen pro Jahr der größte Filmproduzent, jedoch v.a. für den regionalen Markt; internat. Anerkennung fanden u.a. die Regisseure S.Ray und M.Sen.

 

Die Zeit von 1980 - heute

Die amerikanischen Filme der achtziger Jahre führen die bereits in den Siebzigern einsetzenden Spezialeffekt- und Katastrophenfilme wie "Die letzte Fahrt der Poseidon "(1972) oder "Flammendes Inferno" (1974) fort. Dasselbe gilt für Comic-Verfilmungen wie Superman (1978) und Batman (1989) und ihre Fortsetzungen sowie die technisch enorm aufwendigen Weltraumepen wie die Enterprise-Filme und die Serie der Star-Wars-Filme. Schon das erste dieser Galaxismärchen (1977) aus der Factory von George Lucas spielte über 200 Millionen Dollar ein. Die Fortsetzungen "Das Imperium schlägt zurück" (1980) und "Die Rückkehr der Jedi-Ritter "(1983) waren gleichermaßen erfolgreich.

Auch der Regisseur Steven Spielberg versteht es meisterhaft, das Publikumsinteresse zu fesseln. Sein Film Der weiße Hai (1975) über einen Killerhai, der eine kleine Strandgemeinde terrorisiert, wurde zum Vorbild für eine Reihe anderer Filme, in denen Furcht erregende Monster hilflose Opfer bedrohen. Die Sciencefictionfilme Unheimliche Begegnung der dritten Art (1977) und E. T. (1982) beuten in unterschiedlicher Weise die Faszination an außerirdischen Lebensformen aus und wurden ebenso zu Kassenschlagern wie seine Serie von Abenteuerfilmen: Jäger des verlorenen Schatzes (1981), Indiana Jones und der Tempel des Todes (1983) und Indiana Jones und der letzte Kreuzzug (1988), die alle nach Fortsetzungsserien aus den dreißiger Jahren gedreht wurden. In jüngster Zeit konnte Spielberg mit dem Dinosaurier-Spektakel "Jurassic Park" (1993) und dem spektakulären Holocaust-Drama Schindlers Liste (1993) seine beispiellose Laufbahn als Erfolgsregisseur fortsetzen. Dass neben solch gekonnt inszenierter Massenware auch der amerikanische Autorenfilm eine Überlebenschance besitzt, beweist das Publikumsecho von Scorseses Zeit der Unschuld (1993, nach einer Romanvorlage von Edith Wharton) oder Wayne Wangs Film Smoke (1995, mit Harvey Keitel und William Hurt) nach einer Vorlage des New Yorker Dichters Paul Auster, der auch das Drehbuch schrieb. Zum bis dato finanziell erfolgreichsten Werk der Filmgeschichte wurde James Camerons melodramatischer Katastrophenfilm Titanic (1997), eine opulente und authentische Verfilmung der legendären Schiffskatastrophe (siehe Untergang der Titanic).

Eine Sonderstellung nimmt Woody Allen als freier Autorenfilmer ein.

In Deutschland gilt Wim Wenders als beachtlicher Filmer nach dem Tod von Rainer Werner Fassbinder.

 

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