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Der russische Konstruktivismus (1920 -1930 )

1920 Gründung der Wchutemas-Schulen in Moskau, in denen die sowjetische Avantgarde den Konstruktivismus in dei Pordiktionskunst überträgt. In der Moskauer Kunstschule für Architektur und die produktive Anwendung der experimentellen und dekorativen Künste entstanden organisch geformte Teegefäße und die Revolution verherrlichende Stoffentwürfe, Einbauküchen und Schreibtischlampen. Wegen anfänglicher Materialprobleme und späterer politischer Schwierigkeiten blieben viele Projekte dieses Laboratoriums der Moderne, das den gestalterischen mit dem politischen Fortschritt verbinden wollte, letztendlich auf dem Papier.

 

Die Zeit war allgemein reif für Veränderungen, wie die russische nachrevolutionäre Kunstpraxis und die niederländische Stijl-Bewegung anzeigten. Offenbar war eine im Augenblick allgemeiner geschichtlicher Umwälzungen vollzogene Neudisposition des künstlerischen Bewußtseins in großer Breite möglich geworden. Etwa gleichzeitig entstanden hier Vorstellungen einer utopischen Umorientierung künstlerischer Funktionen und einer neuen theoretischen Vereinigung von Kunst und Gesellschaft. Bis über die Mitte der zwanziger Jahre hinaus sollte die Auseinandersetzung der progressiven Entwurfskünstler der Weimarer Republik mit diesen Strömungen anhalten. Dabei überwog auf der stilistisch-ästhetischen Ebene zweifellos der Einfluß des Stijl und der formalistischen Schule des russischen Konstruktivismus. Auf der Ebene gesellschaftspolitischer Neubestimmungen der Funktionen des Umweltentwurfs sollte es aber noch relativ spät im Bauhaus zu Entwicklungen kommen, die an das revolutionäre Proletkultdenken und die Entwurf shaltung bestimmter russischer Konstruktivisten der frühen zwanziger Jahre erinnerten.


Allerdings standen die deutschen Künstler mehr ideell vor einer radikalen Wende der nationalen Designgeschichte, während die russischen Konstruktivisten eine solche Wende für kurze Zeit real vollziehen und darin ein neues Entwurfsbewußtsein entwickeln konnten. So entwickelten die russischen Konstruktivisten kulturrevolutionäre Vorstellungen von großer theoretischer Tragweite. Sie hatten die Gewißheit der Revolution vor Augen - im Gegensatz zu deutschen Entwerfern- und so glaubten sie an eine emanzipatorische Produktkultur für die Massen. Vor allem Tatlin und Rodschenko versuchten unter Berücksichtigung der materiellen Not die Grundbedürfnisse der Bevölkerung mit ihren Entwürfen zu befriedigen.Adolf Loos Forderung von Form ohne Ornament wurde die allgemein akzeptierte Gestaltungsrichtung.
 

 frei nach Gert Selle >Die Geschichte des Design in Deutschland von 1870 bis heute<

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