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CHRISTOPHER WOOL, geb. 1955 Chicago USA
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Christopher Wool nahm das >all over< aus der Malerei der fünfziger und sechziger Jahre auf. Zunächst operierte er mit getropften Strukturen, in denen Jackson Pollocks dripping mechanisch und kontrolliert wiederkehrte, dann mit floralen Rapporten, die an Andy Warhols Siebdrucke erinnern, und schließlich mit jenen schablonenartigen Buchstaben, die stets dem Bildformat angepaßt sind und paradoxerweise - so stereotyp und anonym sie auch immer sein mögen - zu Wools Handschrift wurden. Wools >all over<ist hart, scheint durch das Aluminium des Malgrunds und durch kalt strahlende Emailfarbe weit von dem entfernt, was man sich unter einem Gemälde vorstellt.

Seine Werke lösen viele widersprüchliche und doch zutreffende Interpretationen aus. Einerseits bilden die Motive ebenso wie die Buchstaben reine Muster, verflachen zu Ornamenten und zu einer komponierten Fläche. Sie geben sich als definitive Verweigerungen von Bildern, die in Begriffen (RIOT, RUN, DOG) und schließlich in zerhackten Sätzen und Wörtern ihren Höhepunkt fanden (THE SHOW I SOVER). Andererseits bricht die kalte Verweigerung auf, durch ungleichmäßigen, wuchernden Druck der Rapporte oder die Kontur der heruntertropfenden Buchstaben, deren Mitteilung trotz Verschlüsselung bestehen bleibt: >TRBL< (trouble). Bedeutungsleere geht über in Überfrachtung, im Begriff wie auch im Ornament. Wools Werk wirkte lange Zeit durch die reflektierte Distanz, mit der zugleich Themen von der Straße und das Ende der Malerei erfaßt waren. In den neueren, oft manisch dichten Schichtungen treten hingegen kalkulierte Störungen auf. Künstlerische Gesten, bildnerische Sujets und appellative Titel werden zum Gegenpart der rationalen Erkenntnis.

Susanne Titz 99 in:Art at the turn of the millennium-TaschenVerlag 1999

 

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