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Jeff Wall ( geb.1946 in Vancouver Canada
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Jeff Wall Inszenierte Photographie / engl. Text

Jeff Walls großformatige, in Leuchtkästen präsentierten Farbdiapositive, mit denen er Ende der siebziger Jahre bekannt wurde, verführen die Betrachter durch die Brillianz der Oberfläche und Perfektion ihrer Komposition. Doch ihre Schönheit erweist sich als brüchig. Nach und nach werden in den Szenerien Störmomente erkennbar: Hinweise auf offene bzw. strukturelle Gewalt wie in >Mimic< 1982, oder groteske Details wie in >Dead Troops Talk<, 1991/92. Wall sieht sich, in Anlehnung an Charles Baudelaire, als einen „ Maler des modernen Lebens". Er greift auf die Methoden und den Bildfundus der Fotografie, des Films und der (vor-)modernen Kunst zurück, um auf dem „krummen Pfad" (The Crooked Path, 1991) der Genre-, Landschafts-, Porträt- und Historienmalerei seine Fiktion des modernen, meist urbanen Lebens zu schildern. Nichts bleibt dem Zufall überlassen, wenn Wall mit Hilfe von Schauspielern seine kunstgeschichtlich anspielungsreichen Tableaus im Studio inszeniert und teils am Computer synthetisiert , wobei Wall sich vor allem auf Bildkonzepte aus der Anfangszeit der Moderne stützt, die die Einheit des Bildes nicht mehr als selbstverständlich voraussetzen - etwa auf Manet in „Woman and her Doctor", 1980/81, oder Cezanne in „The Drain", 1989. Die Kontrollierbarkeit des Bildaufbaus entspricht dem Eindruck der Beklemmung, die Walls Darstellung sozialer Beziehungen häufig eigen ist. Dennoch sind seine Protagonisten nicht auf eine Handlungsweise oder Rollenidentität festgelegt. Sie werden, wie der Arbeiter in "Untangling", 1994, meist in einem Moment des Innehaltens, der (erzwungenen) Ruhe vor einem entscheidenden Ereignis, gezeigt, das, wie der Windstoß in „A Sudden Gust of Wind (after Hokusai)", 1993, dem Geschehen eine plötzliche Wendung geben kann. Dessen weiterer Verlauf bleibt in der Regel offen.

nach Astrid Wege 99 in:Art at the turn of the millennium-TaschenVerlag 1999

Link: www.Jeff Walls inszenierte Photograhie

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