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Liebermann, Max( 1847-1935)
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Poesie des einfachen Lebens

Als zweiter Sohn einer großbürgerlichen jüdischen Unternehmerfamilie kam Max Liebermann 1847 m Berlin zur Welt Gegen den Wunsch der Familie beschloss der Neunzehnjährige Malerei zu studieren, zunächst m Weimar bei Carl Steffeck (1868-1873), dann m Frankreich im Rahmen ausgedehnter Reisen nach Paris und Barbizon zwischen 1873 und 1878 Hier galt seine Liebe vor allem Gustave Courbet und Jean-Frangois Millet Auch sein darauf folgender Aufenthalt m München (1878-1884) sollte von großer künstlerischer Bedeutung sein, entstanden doch nun Bilder, die ihm in Paris noch nicht gelungen waren.

Längere Reisen führten ihn auch nach Holland (l 876 und l 877), das ihm schließlich über 40 Jahre hinweg zur alljährhch besuchten „Maiheimat" werden sollte. Hier studierte der vermögende Erbe das Leben der einfachen Leute Seine Darstellungen der Weber, Bauern und Netzflickerinnen, die einfachen Szenen aus den Waisen und Altmannerhausern, Bürgerschulen und des Straßenalltags wurden wegen ihrer unpathetischen Schlichtheit in Auffassung und Darstellung von den Zeitgenossen teils gerühmt, teils aus eben diesen Gründen heftig abgelehnt „Apostel der Hässlichkeit" war nur einer der Titel die ihm in jenen Jahren insbesondere die akademische Fraktion verlieh.

Doch statt sozialer Anklage suchte Liebermann unverstellte Natürlichkeit und fand die „Poesie des einfachen Lebens". Noch 1901 schwärmte Liebermann „Mit Recht hat man Holland das Land der Malerei par excellence genannt, und es ist kein Zufall, dass Rembrandt ein Hollander war" Neben der alten niederländischen Malerei und den freundschaftlichen Kontakten zu seinen Malerkollegen Anton Mauve, Jozef Israels und den Gebrüdern Jacob und Matthijs Maris lie ferten die sommerlichen Aufenthalte in Holland Liebermann, der ansonsten in der väterlichen Villa am Pariser Platz in Berlin residierte, immer wieder frische Seherlebnisse. Malerisch manifestierten sie das unbedingte Bekenntnis zur Freilichtmalerei.

Die großbürgerliche Welt der Jahrhundertwende hingegen prägte das reife Werk des Kunstlers. Mit seinem Schaffen der Jahre l 900 bis 1918 wurde er zum bekanntesten Vertreter des deutschen Impressionismus. Nun schilderte er Szenen aus Biergarten und Stadtcafes. Er beobachtete die so genannte feine Gesellschaft bei ihren Freizeitvergnugen - den Aufenthalten am Meer, dem Polo- und Tennisspiel - und hielt auf diese Weise das moderne Lebensgefuhl einer glanzvollen Epoche des Wirtschaft liehen und kulturellen Aufbruchs fest.

Zunehmend gestört vom Großstadtlarm am Pariser Platz, erwarb Liebermann l 909 eines der letzten unbebauten Wassergrundstucke am Großen Wannsee, um sich jene großzügige Villa errichten zu lassen, die er schon im darauf folgenden Jahr bezog. Sein besonderes Augenmerk galt der Gestaltung des großen Gartens. Wie Monet in Giverny, legte er seinen Park mit dem Blick des Malers an, der ihm als Hintergrund für seine Genrebilder von Tochter und Enkelkind dienten. Auch die nicht weniger eindrucksvollen Stauden- und Nutzgarten fanden ihren Widerhall in zahlreichen Gemälden. Das Villengrundstuck am Wannsee wurde ihm zum wahren Altersparadies und die Gemälde die hier entstanden zum furiosen Höhepunkt seiner sehr eigenen und höchst erfolgreichen Freilichtmalerei, die er seit den neunziger Jahren unter dem Eindruck der franzosischen Impressionisten entwickelt hatte.

Als Präsident der Preußischen Akademie der Künste längst zur Symbolfigur der Weimarer Republik geworden, hat Liebermann ab l920 darüber hinaus großen Emfluss auf die Kulturpolitik jener Jahre gehabt. Um der drohenden Entlassung durch die Nationalsozialisten zuvorzukommen, legte er 1933 das Ehren Präsidium der Preußischen Akademie der Künste nieder und erklärte seinen Austritt Der einst gefeierte Künstler wurde gesellschaftlich geachtet. Am 8. Februar l935 verstarb er im Alter von 88 Jahren


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