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Munch, Edward  ( 18 -19 )

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„Das soll Kunst sein! O Elend, Elend" . Das war ja anders als wir es malen, das war neu, fremd, abstoßend, hässlich, gemein! Hinaus mit den Bildern, raus, raus!" Diese Sätze konnte man 1892 in der „Freien Bühne" lesen Ein Walter Selber hatte sie verfasst Aber hinter diesen Pseudonym verbarg sich der Maler Walter Leistikow. Und was wie eine Philippika klang, war bittere Ironie über einen Berliner „Skandal", eine Ausstellung von Edvard Munch

Die Jahreszahlen mit einer Zwei spielten im Leben des Norwegers eine besondere Rolle Und stets ging es dabei um Deutschland 1892 war es die „Skandal"-Ausstellung im Verein Berliner Kunstler, 1902 die fünfte Ausstellung der Berliner Secession in der Munch erstmals 22 Gemälden seines „Lebensfrieses"zeigt. Und schließlich 1912 die .Internationale Kunstausstellung des Sonderbundes westdeutscher Kunstfreunde und Kunstler in Köln, die von van Gogh, Cezanne und Gauguin ausging und Munch mit 32 Bildern neben Picasso alswichtigsten zeitgenössischen Maler vorstellte. Damit war er international durchgesetzt .

Dass Munch in Deutschland reüssierte, war nicht allem seiner Kunst zu verdanken Dabei spielte durchaus ein modisches Element mit „Alles, wenn es nur aus Skandinavien stammte, wurde mit kritiklosem Enthusiasmus aufgenommen, das ging so weit, dass totgeschwiegene deutsche Kunstler wie Arno Holz und Johannes Schlaf ihre Werke, damit sie überhaupt erwähnt wurden, unter einem skandinavischen Pseudonym einschmuggelten", erinnert sich der polnische Literat Stanislaw Przybyszewski, der damals m Berlin lebte Dieser Vorliebe für die skandinavische Kunst hatte der 29jährige Munch1892 die Einladung nach Berlin zu verdanken Unterschrieben war sievon Anton von Werner, dem Hof-und „Uniform"-Maler, als Vorsitzenden des Vereins Berliner Kunstler. Er - wie fast alle Mitglieder der Ausstellungskommission, die sich einstimmig für Munch entschieden -kannte Munchs Bilder nicht.

Wahrscheinlich erwartete man Freundliches und Idyllisches in der Art von Anders Zorn, Carl Larsson oder der Skagen-Gruppe, wie es für die skandinavische Kunst charakteristisch schien.

Man war in Berlin entsetzt, als man sich mit Munchs Bildern konfrontiert sah. Anton von Werner wollte die Ausstellung sofort wieder schließen. Dagegen gab es im Verein Widerstand, vor allem unter den jüngeren Mitgliedern. Allerdings weniger, weil man sich für Munch begeisterte. Es ging um die Freiheit eines jeden Kunstlers, eigene, auch unkonventionelle Wege zu beschreiten. Trotzdem wurde die Ausstellung nach einer Woche beendet.

„Die Nummern oder Alten hatten einen Pyrrhussieg zu verzeichnen, indem sie das Ärgernis hinauswarfen und einstweilen weiterwursteln konnten; die Jungen konnten ihren Hass gegen die Reaktion verstärken und sich in ein noch helleres Licht als Märtyrer der Kunst setzen, und das Karnickel, um den die ganze Balgerei ging, Edvard Munch, hatte den allergrößten Vorteil, er war urplötzlich der berühmteste Mann im ganzen Deutschen Reich " So resümierte Lovis Corinth spater diese Affare, die schließlich zur Spaltung der Berliner Kunstlerschaft und 1898 zur Gründung der Berliner Secession führte.

Dass Munch dann 1902 in der Secession seinen „Lebensfries" zeigen konnte, hatte er Max Liebermann zu verdanken: „Andere tun so, als ob sie mehr konnten, als sie wirklich können; der Munch ist ein kluger Mann, er macht es umgekehrt." Seit dieser Zeit war er in Deutschland regelmäßig zu sehen, mangelte es ihm auch nicht an Portrataufträgen. So lernte er den Lübecker Augenarzt Linde und den Chemnitzer Fabrikanten Herbert Esche kennen; die ihm wiederholt halfen.

Nur die Museen ließen trotz der ungewöhnlichen Resonanz der Son-derbund-Ausstelhmg auf sich -warten - wobei die Zäsur des Ersten Weltkrieges nicht unterschätzt werden darf Als erstes Haus gewann die Bremer Kunsthalle 1918 Munchs „Tote Mutter" - allerdings als Geschenk des Galerie-Vereins. Dem folgte 1921 Frankfurts Städtische Galerie, die den „Mann mit Gans" (1912) und die „Sitzende Frau" (1916) erwarb. In den dreißiger Jahren besaßen fast alle wichtigen deutschen Museen Werke von Munch, auch wenn er bei Verkäufen sehr zurückhaltend war, besonders bei den inzwischen begehrten frühen Werken. Obwohl Goebbels Munch 1933 zu seinem 70. Geburtstag noch als „Erben nordischer Natur", der „von jedem Naturalismus frei auf die ewigen Grundlagen volkischen Kunstschaffens" zurückgreife, gelobt hatte, wurde er bald darauf Opfer der nationalsozialistischen Aktion „Entartete Kunst". Insgesamt waren es 82 Arbeiten, die in den Museen beschlagnahmt und von denen 1939 in Oslo 71 versteigert wurden.

Nach der Besetzung Norwegens, wo Munch seit 1916 abgeschieden in E kely -lebte scheiterten -alle-Versuchhe der Regierung Quisling, ihn zur Kollaboration, zu der sich Knut Hamsun bereit fand, zu überreden.

Auszüge aus dem Artikel von Peter Dittmar, Anton von Werners Pyrrhussieg 6.1.2003 in der Zeit.

Literatur:

Edvard Munch -Thema und Variationen , Hatje Cantz Verlag

Edvard Munch, Hatje Cantz Verlag

Links:

kunstwissen.de

 
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