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Ernst Ludwig Kirchner ( 1880 - 1938 )

 Ernst Ludwig Kirchner wurde am 6. Mai 1880 in Aschaffenburg geboren und verstarb am 15. Juni 1938 in Frauenkirch-Wildboden bei Davos/Schweiz. Kirchner war ein Gründungsmitglied der Künstlergruppe Brücke und war Maler und Grafiker. Kirchner zählt zu den wichtigsten Vertretern des Expressionismus.

1937 wurde sein Werk durch die Nationalsozialisten als „entartet“ gebrandmarkt. Über 600 seiner Werke wurden verkauft oder zerstört. Ein Jahr darauf nahm er sich mit einer Schusswaffe das Leben.

Kirchner wurde als Sohn des studierten Chemikers Ernst Kirchner (1847–1921) in Aschaffenburg geboren. Die Studienjahre, die er nach dem Abitur in Chemnitz 1901 mit einem Architekturstudium an der Technischen Hochschule Dresden begann, beendete er 1905 erfolgreich mit der Diplomarbeit. Im Wintersemester 1903/04 hatte er an der Technischen Hochschule München studiert, die ihn enttäuschte; lediglich der Besuch der Münchner Debschitz-Schule war für ihn ein Gewinn. Nach dem vollendeten Studium entschied er sich gegen den Beruf des Architekten.

Am 7. Juni 1905 schloss sich Kirchner als Autodidakt mit andere: Autodidakten Erich Heckel, Fritz Bleyl und Karl Schmidt-Rottluff zur Dresdner Künstlergemeinschaft Brücke zusammen. 1906 schlossen sich Cuno Amiet, Emil Nolde und Max Pechstein als aktive Mitglieder an. In dieser Zeit entwickelte Kirchner sich von einem impressionistisch beeinflussten Maler zum Expressionisten. Zu seinen bevorzugten Themen gehörten neben Akten und Porträts auch Landschaften, Stadtansichten und die Welt des Varietés.

Doris Große, genannt „Dodo“, eine Modistin aus Dresden, wurde ab 1909 für zwei Jahre Kirchners Modell und Geliebte. Ab demselben Jahr stand die damals neunjährige Lina Franziska Fehrmann, genannt „Fränzi“, Modell für die Maler Heckel, Pechstein und Kirchner. Im Sommer an den Moritzburger Teichen, im Winter in den Dresdner Ateliers wurde sie von den Künstlern skizziert, gezeichnet, gemalt und in druckgrafischen Techniken porträtiert.

 

Kirchner lebte bis 1911 in Dresden und zog dann nach Berlin. In seinen Bildern war eine Veränderung bemerkbar. So wurden seine runden Formen nun zackiger, die Striche erschienen nervöser .Straßenszenen tauchten in seinem Werk auf. 1911 nahm er mit weiteren Brücke-Künstlern an einer Ausstellung der Neuen Secession, geleitet von Max Pechstein, in Berlin teil. Im Dezember 1911 gründete Kirchner zusammen mit Max Pechstein eine Malschule namens MUIM-Institut („Moderner Unterricht in Malerei“), die aber keinen Erfolg hatte.

1912 lernte er seine langjährige Lebensgefährtin Erna Schilling (1884–1945) kennen. Nach der Teilnahme an der Ausstellung des Sonderbunds in Köln verfasste Kirchner 1913 eine Chronik über die Brücke, in der er seine Bedeutung für die Künstlergruppe stark überbetonte. Daraufhin kam es zum Streit mit den anderen verbliebenen Mitgliedern, in dessen Folge Kirchner austrat. Das führte zur endgültigen Auflösung der Gruppe.

In den Jahren 1912 bis 1914 lebte Kirchner im Sommer auf Fehmarn und malte Küstenbilder, zusätzlich entstanden hunderte von Zeichnungen ,Skizzen und mehrere Skulpturen.

Kirchner meldete sich als Freiwilliger zum 1. Weltkrieg.Nur wenige Monate ertrug er den Drill, dann erfolgte Anfang November seine Beurlaubung nach einem nervlichen Zusammenbruch. Kirchner geriet in Abhängigkeit von Medikamenten. Er wurde im Sanatorium Dr. Oskar Kohnstamm in Königstein, Taunus behandelt, wo er im Sommer 1916 einen Zyklus von fünf Enkaustik-Wandgemälden schuf. In den Selbstporträts dieser Jahre – Der Trinker und Selbstbildnis als Soldat – spiegelt sich die Verzweiflung des Künstlers.

Seit 1914 erreichte Kirchner durch die von Botho Graef und Eberhard Grisebach betreuten Werk-Ausstellungen des Jenaer Kunstvereins die Öffentlichkeit. 1917 schenkte Kirchner 34 Radierungen, 83 Holzschnitte und 125 Lithographien als Botho Graef Gedächtnis-Stiftung nach Jena und begründete damit seine nach dem Ersten Weltkrieg einsetzende Wirkung.

 Davoser Zeit

1917 zog Kirchner in die Schweiz, in die Nähe von Davos. In Davos wurde er von Lucius Spengler und insbesondere von dessen Frau Helene betreut. Deren Rigorosität und Kirchners eisernem Willen war es zu verdanken, dass er 1921 von Medikamenten entwöhnt war. Diese Entwöhnung war der Beginn einer gesundheitlich relativ stabilen Phase im Leben Kirchners. Ab Mitte der 20er-Jahre litt Kirchner zunehmend unter den harten Wintern in Davos, die seiner Gesundheit zusetzten, und unter jahrelangen schweren Depressionen seiner Lebenspartnerin Erna Schilling.

Obwohl Kirchners Kunst seit etwa 1920 in für moderne Kunst aufgeschlossenen Kreisen feste Anerkennung genoss, wurde sie doch seiner eigenen Meinung nach in der Kunstkritik nicht hinreichend gewürdigt.

Ende 1925 verließ Kirchner zum ersten Mal seit neun Jahren die Schweiz und reiste über Frankfurt, Chemnitz, Dresden nach Berlin. Auf der fast dreimonatigen Reise erfuhr er durchweg hohe Anerkennung, doch hoffte er vergeblich, dass ihm in Deutschland eine Professur angeboten würde.

Kirchners Malstil wurde ab 1925 zunehmend flächiger, Ende der zwanziger Jahre entwickelte Kirchner einen sehr persönlichen, immer gegenständlichen, aber stark abstrahierenden Stil. Ein geplanter Auftrag für eine große Wandmalerei im Museum Folkwang in Essen befruchtete sein Spätwerk, scheiterte aber an menschlichen Problemen zwischen dem Auftraggeber (Ernst Gosebruch) und Kirchner. In seinen letzten Lebensjahren entstanden weniger abstrahierende, aber stark von Licht- und Schattenproblemen geprägte, konstruiert-gegenständliche Bildkompositionen.

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten blieb er zunächst noch Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, wurde aber im Juli 1937 endgültig ausgeschlossen. Im selben Monat wurden in Deutschland 639 Werke Kirchners aus den Museen entfernt und beschlagnahmt, 32 davon wurden im Rahmen der diffamierenden Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt, darunter das Selbstbildnis als Soldat.

Kirchner nahm sich in Davos am 15. Juni 1938 mit einem Herzschuss das Leben. Kirchner war seit 1932 wieder morphiumsüchtig. Das Motiv war Kirchners tiefe Enttäuschung über die Diffamierung seiner Werke in Deutschland.

Literatur:

Ernst ludwig Kirchner- Der Maler als Bildhauer , Hatje Cantz Verlag

Ernst ludwig Kirchner-Bergleben.Die früher Davoser jahre 1917-1926, Hatje Cantz Verlag

Links:

kunstwissen.de

 
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