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HEINZ-NORBERT JOCKS im Gespräch mit ZDENEK FELIX ,

Direktor der Deichtorhallen Hamburg, Nov. 1999


» Verschwände das Neue, so wäre die Kunst am Ende«

Aber wir sind heute an dem Punkt, wo die Frage nach dem Medium relativ bedeutungslos ist.

Wann macht Malerei heute noch Sinn?

Mit Malerei lassen sich keine neuen Aussagen treffen. Es wird sie weiterhin geben, weil sie das bisher Vorhandene in neue Kombinationen zu bringen vermag. Außerdem ist jede Malweise individuell und unterscheidet sich von anderen. Das ist ein Element, das es in der Kunst immer geben wird. Dementsprechend bietet die Malerei, deren subjektiver Aspekt bis zur Handbewegung reicht, bestimmte Möglichkeiten der Selbstdarstellung und auch der Selbstveräußerung. Aber zur Zeit gibt es für sie nur wenige Betätigungsfelder. Das, was eine Künstlerin wie Pipilotti Rist mit ihren Projektionen erreicht, wozu der Wechsel von Bildern, die Verbindung von Bild-Ton-Raum und dadurch eine starke emotionale Wirkung gehören, dazu ist die Malerei nicht fähig, auch wenn sie noch so bravourös sein mag.

Woran liegt das?

Vermutlich daran, dass die Menschen heute gewohnt sind, Bilder in Bewegung zu konsumieren. Fernsehen und Video erfüllen zunehmend mehrdie Rolle des Bildträgers. In der Zeit vor der Entdeckung der Fotografie existierten nur die Malerei, die Grafik und die Buchillustration als Formen der Bildübertragung. Aufgrund der Entwicklung der Fotografie beschleunigte sich die Bildherstellung auf unglaubliche Weise. Jedes Bild ist ungeheuer oft reproduzierbar. Hierzu kommt, dass Film, Video und vergleichbare Medien in der Lage sind, Bewegung festzuhalten. Im Vergleich mit einem bewegten leidet ein statisches Bild, weil ihm die erzählerische Qualität fehlt. Es entwickelt sich lediglich im Kopf des Zuschauers. Was ich sage, verstehe ich jedoch nicht als Plädoyer für Video, für bewegte Bilder oder für digitale Formen der Bildübertragung. Ich konstatiere bloß eine viel wachsende Affinität des jungen Publikums zu den neuen Medien während die Aufmerksamkeit gegenüber der klassischen Malerei proportional abnimmt.

Auszüge aus Kunstforum Bd. 148 , S.403ff

kunstwissen.de

 
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