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Jugendstil
(1895-1914)
Was ist Jugendstil? - Spiegelung der Seite http://www.schwarzaufweiss.de/Prag/was_ist_jugendstil.htm
Der Höhepunkt des Jugendstils lag um die Wende
vom 19. ins 20. Jh. Wie bei vielen anderen Kunststilen sind seine Wurzeln vielfältig.
Ganz allgemein läßt sich sagen, daß in der rasanten Industrialisierung der
gesellschaftliche Hintergrund zu sehen ist. Das traditionelle Handwerk verlor seine starke
Stellung und mußte der billigeren und massenhaften Fertigung der modernen
Industriestätten weichen. Schon früh hatte es dazu Gegenbewegungen gegeben, vor allem in
England, dem Ursprungsland der industriellen Revolution. William Morris (1834-1896) und
seine Bewegung Arts and Crafts (Kunst und Handwerk) werden dabei als wichtigste Vorläufer
des Jugendstils angesehen. Die von Morris begründeten Werkstätten sollten in
Konkurrenz zur zerstückelten Industrieproduktion hochwertiges Kunsthandwerk am Leben
erhalten. Baukunst, Malerei, Plastik etc. sollten sozusagen zu einem Gesamtkunstwerk
verschmelzen und damit gleichzeitig eine neue Kultur hervorbringen. Dieser Anspruch des
Gesamtkunstwerks wird uns bei manchem Prager Architekten der Jugendstilepoche
wiederbegegnen wie z.B. bei Jan Kotera. In der Folge dieser Bewegung entstanden vielerorts
Kunstgewerbeschulen, darunter auch die 1885 in Prag gegründete Kunstgewerbeschule.
In der Architektur hatten im Laufe des 19. Jh.
neue Materialien wie Stahl, Eisen und Glas rasch Verbreitung gefunden. Die Vielfältigkeit
des verwendbaren Materials ermöglichte neue Ausdrucksmöglichkeiten in Form und Farbe.
Der Mitte des 19. Jh. errichtete Bahnhof King's Cross Station in London und vor allem der
einige Jahrzehnte später erbaute Eiffelturm waren Vorbilder, die von den
Jugendstilkünstlern aufgegriffen und in ihrem Sinne umgestaltet wurden. Der Prager
Industriepalast und der Hanavsky-Pavillon sind gute Beispiele dafür.
Nicht zuletzt war es die Suche nach einer neuen Identität
in einer sich rasch verändernden Welt, die dem Bestreben der Jugendstilkünstler
zugrundelag. Die historisierenden Stile wie Neogotik oder Neobarock entsprachen immer
weniger dem Zeitgeist vieler Künstler, die nach einer neuen, eigenständigen
Ausdrucksform suchten. Nicht umsonst bürgerte sich in Frankreich dafür der Begriff Art
nouveau (Neue Kunst) ein, der noch deutlicher als der Terminus Jugendstil die
Aufbruchsstimmung beinhaltet. Kein Wunder, daß sich dabei rasch unterschiedliche
Strömungen und Richtungen herausbildeten und unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt
wurden. Wie jede Verallgemeinerung ist die folgende Charakterisierung des
Jugendstils daher etwas holzschnittartig, für das Verständnis dieser Kunstrichtung
reicht sie allerdings völlig aus.
Fast durchgängig ist der Versuch zu beobachten, die Natur , die
in den wuchernden städtischen Ballungszentren zu verloren gehen drohte, in Kunst und
Alltag zurückzubringen. Zahllose Pflanzenmotive dominieren die ornamentale Gestaltung,
hinzu kommt die Darstellung vieler Tiere. Die 'Natur als Vorbild' drückt sich auch in der
Formensprache aus: Geschwungene, fließende Linien wie bei vielen Pflanzen stehen im
Vordergrund. Die kunstvoll verflochtenen Ranken und Blüten im Werk des tschechischen
Künstlers Alfons Mucha (1860-1939) stehen dafür. Auf die Spitze getrieben hat das im
Bereich der Architektur der spanische Architekt Antonio Gaudi (1852-1926), dessen
einfallsreiche vielgestaltige Bauten - hauptsächlich in Barcelona - fast den Eindruck
eines lebenden Organismus erwecken, losgelöst von ihrer steinernen Hülle.
Ein weiteres wesentliches Merkmal war der Versuch, Kunst und
Alltag sozusagen zu versöhnen, Kunst im Alltag erlebbar zu machen. Der tschechische
Kunstkritiker Frantisek Xaver Salda formulierte das Anfang des Jahrhunderts treffend:
"...Zweck ist, an der Verschönerung des Lebens zu arbeiten, am Ganzen zu wirken und dem Ganzen zu
dienen...Einheit von Kunst und Leben, wird Gegenstand unseres Hoffens...Wir wollen...eine
neue Ehe zwischen Kunst und Leben, eine neue Weihe des Alltags, eine neue Einheit von
Schönheit und Arbeit, von Schönheit und Wirklichkeit, eine neue Religion der
Menschlichkeit...die dauernd auch in den kleinsten unserer Häuser und in den unruhigsten
unserer Gassen, in unseren Gärten, in unseren Uferstraßen, an unseren niederen Schulen
und Hochschulen, in unseren Werkstätten und in unseren Krankenhäusern Wohnung
nehme..."
Der Begriff der Schönheit wird zentral im Schaffen des
Jugendstils. Die Art nouveau-Eingänge der Pariser Metro können ebenso unter diesem
Blickwinkel betrachtet werden wie die Beispiele der 'Schule von Nancy', wo Künstler wie
Emile Galle (1846-1904) komplette Häuser und Wohnungen bis ins Detail künstlerisch
ausgestalteten. Ähnliches versuchte Jan Kotera in Prag am Wenzelsplatz mit dem
Peterka-Haus, dessen Details er bis hin zu den Türschildern plante. </font></p>
<p><font face="MS Sans Serif"> <img src="was_is1.jpg" alt="wpe1.jpg (690 Byte)"
WIDTH="10" HEIGHT="10"> Häufig anzutreffen ist die Verwendung symbolischer
Gestalten. Das reicht von der Verwendung symbolträchtiger Tiere wie Adler und Eule bis
zur Darstellung historischer Gestalten, die für bestimmte Tugenden oder Ziele stehen.
Gerade im Prag des beginnenden 20. Jh., als das Bedürfnis nach nationaler
Eigenständigkeit breite Teile der Kunstschaffenden erfasste, hatte die Darstellung von
Streitern für eine größere Eigenständigkeit wie Jan Hus oder Frantisek Palacky - beide
wurden in einem Denkmal gewürdigt - diesen Hintergrund. Vor allem das Werk von Frantisek
Bilek ist von symbolhaften Darstellungen gekennzeichnet.
Das Moment von Verklärung und Mystik ist aus dem Jugendstil nicht
wegzudenken. So sind die dargestellten Frauen von fast engelhaftem, überirdischem Wesen,
häufig auf ein sinnliches Dasein reduziert. Die junge, verführerische Frau wird zu einem
Hauptmotiv, der Traum der fast durchweg männlichen Künstler bestimmt die Darstellung.
Jugendstil umfasste fast alle Kunstgattungen: von der Architektur über
Malerei, Plastik und Glaskunst bis hin zu Literatur und Buchkunst. Auf allen diesen
Gebieten wurde Großartiges geleistet, nur einige der bekannteren Namen sollen genannt
werden: Der Maler Gustav Klimt, bei dessen Bildern Ornament und Figuren ineinander übergehen; der
Österreicher Josef Maria Olbrich (1867-1908), der zu den Begründern der dort Sezession
genannten Strömung zählte und der wichtige Bauten hinterlassen hat; die oben erwähnten
Antonio Gaudi und Emile Galle; die Belgier Henry van de Velde und Victor Horta
u.v.a.m.::::::::::::::