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Mark Tobey ( 1890 - 1976 )

Mark George Tobey (* 11. Dezember 1890 in Centerville, Vereinigte Staaten; † 24. April 1976 in Basel, Schweiz) war ein US-amerikanischer Maler.  

 

Mark Tobey ist einer der Anreger der amerikanischen Malerei wie sie nach dem zweiten Weltkrieg entstand. Seine von fernöstlicher Kalligraphie inspirierten Bilder mit einer europäischen Vorstellung von Masse und Volumen zielen auf die Vorstellung des „inneren Raumes“ ab. Hierin ist er den Surrealisten verpflichtet und nicht der konkreten Malerei. Er zeigt die individuelle Form im Zusammenhang eines Formengeflechts - das Individuum im Spannungsfeld des Kollektivs - das Beziehungen der Linien in Bewegung und Licht freisetzt: Die Figuren in Beziehung zu setzen und mit dem Bildraum zu verschmelzen zu einer anthroposophischen Synthese. Tobeys Werken zueigen ist ihr kleines intimes Format. Der Maler widmete sich mit Akribie dem Füllen „mikroskopischer“ Welten. Lange bevor soziale Medien und Netzwerkanalysen die Verbindungen zwischen Individuen analysieren fand Mark Tobey einen visuellen Ausdruck für die Verbindung und Abhängigkeit von allem mit allem. Ziel seiner Malerei blieb aber immer ein „höherer Zustand des Bewusstseins“. Die Verbindung seiner Malerei mit Schreiben gefiel Tobey jedenfalls so gut, dass er ihn in seiner Korrespondenz mit Künstlern, Autoren und Kunsthändlern wie auch Interviews verwendete. „White writing“ wurde zur künstlerischen Identifikation und schlussendlich zur Marke des nonkonformistischen Malers. Die wie Spitze, Spinnweben oder Myzel erscheinenden Liniengeflechte überlagern sich in unzählbaren Schichten, immer gleichartig, immer miteinander vernetzt. Seine >all over< Bildstruktur beeinflußt über Jackson Pollock hinaus die zeitgenössische Kunst und Künstler wie: Rothko, Cy Twombly, Graubner, Luther, Richter und viele andere.

" Seit Langem versuchte ich Städte und Stadtleben in meinem Werk miteinander zu verbinden. Schlussendlich fühlte ich, dass ich einen technischen Zugang dazu gefunden habe, der mir erlaubt, das wofür ich mich interessiere, einzufangen. Lichter, aufgefädelter Verkehr [threading], der Fluss der Menschheit, errichtet und fließend durch und rund um sich selbst auferlegte Grenzen, nicht unähnlich dem Chlorophyll, wie es durch die Kanäle eines Blattes fließt.“ (Mark Tobey)

[F]or a long time I had wanted to unite cities and city life in my work. At last I now felt that I had found a technical approach which enabled me to capture what I was especially interested in. Lights, threading traffc, the river of humanity chartered and fowing through and around itself imposed limitations not unlike chlorophyll fowing through the canals in a leaf.”

 Mark Tobey wurde am 11.Dez.1890 in Centerville, Wisconsin, USA geboren. Mark Tobey zog 1906 von Trempealeau (Wisconsin), wo er seine Kindheit verbracht hatte, in die Umgebung von Chicago. In Chicago besuchte er Kurse am Art Institute von Chicago und arbeitete als Industriedesigner in einem Eisen- und Stahlwerk.

1911 zieht er nach New York als Porträtmaler und Modeillustrator für die Vogue und andere Zeitschriften .1913: Besuch der Armory Show in New York.1913 studiert er am Art Institute of Chicago.1917: Erste Einzelausstellung bei M. Knoedler & Co., New York. 1918 nahm er die Bahai-Religion an , der ihn zur Erforschung der Darstellung des Spirituellen in der Kunst führte. 1922 zog er nach Seattle um und war dort drei Jahre lang bis 1925 Lehrer am Cornish College of the Arts. Dort kommt er in Kontakt mit dem chinesischen Künstler Teng Kwei. Dieser machte ihn mit den Techniken der chinesischen Malerei bekannt.

Von 1925 bis 1927 lebte er in Paris auf und machte von dort aus ausgedehnte Reisen in den Vorderen Orient.

Von 1930-38 lehrt er als "Resident Artist" ian der Darington Hall School, Devonshire, GB. 1934 reist er nach Asien, China und anschließend Japan. In Kyoto verbringt er mehrere Monate in einem Zen-Kloster. Hier erhält er den entscheidenden kalligraphischen Impuls, der ihn zu seinen "white writings" führt. 1935:Tobey begann mit den „white writing“ Gemälden, die erstmals 1944 in der Willard Gallery, New York, ausgestellt wurden. Tobey präsentiert ab diesem Zeitpunkt regelmäßig neue Arbeiten in der Willard Gallery.

1939 kehrte Tobey nach Seattle zurück. Ab ca 1944 beginnt die Anerkennung seiner Arbeit in NY. Feiniger vom „Spirituellen“ in seiner Malerei beseelt bestärkte Tobey in dessen Hinwendung zur Abstraktion, die bis etwa 1950 auch figurativen Anklänge zeigt. Durch eine Einzelausstellung mit den "White Writings" in der Willard Gallery in New York wurde er 1944 bekannt.

1951 - Auf Einladung von Josef Albers verbrachte Mark Tobey drei Monate als Gastkritiker der "graduate art-students" work in der Yale University. Erste Retrospektive im Palais der Legion of Honor in San Francisco.

In den frühen 1950er Jahren war Mark Tobey bereits ein bekannter und häufig ausgestellter Künstler. Zu seinen wichtigen Ausstellungen zählen die Teilnahme an Dorothy Miller’s „Fourteen Americans“ Schau im Museum of Modern Art, New York (1946), wo er neben Arshile Gorky, Robert Motherwell und Isamu Noguchi präsentiert wurde. Tobeys Werk wurde regelmäßig in internationalen Themenausstellungen gezeigt, die das Bild der zeitgenössischen Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg mitformten. Obwohl Mark Tobeys Hinwendung zur Abstraktion den Malern des Abstrakten Expressionismus und Action Painting vorausging und sein „white writing“ als radikale Erfindung während des Zweiten Weltkriegs rasch das Interesse von prominenten New Yorker Kritikern wie Clement Greenberg auf sich zog, wurde und wird der Maler aus Seattle nicht zu dieser Gruppe gezählt. Greenberg lokalisierte die Charakteristika des „Abstrakten Expressionismus" in der Ungestümheit der Körperbewegung und Geste ( imperiale Haltung ). Tobeys Abneigung vor dem kulturellen Nationalismus und dem betonten „Amerikanertum“ in der lauten Rhetorik der Kritik aber auch der Gemälde lassen Tobeys Werke als meditative, nach innen gewandte Fragestellungen erscheinen. Tobey lehnte auch die riesigen Formate der aufstrebenden Malergeneration ab und arbeitete unermüdlich an „mikroskopischen“ Welten und intimen Kompositionen. Tobey hielt zu allen Gruppen und „Labels“ der amerikanischen Nachkriegszeit Abstand. Dass Tobey sich in der Folge weder der New Yorker Schule noch der Schule von Paris, weder dem Abstrakten Expressionismus noch dem Tachismus, zugehörig fühlte, macht sein Werk so zentral für die Zukunft.

„Wir hören, dass einige Künstler heute vom Akt des Malens sprechen, aber ein Geisteszustand ist die erste Vorbereitung und von dieser Aktion führt es fort. Ruhe im Kopf ist ein anderes Ideal, vielleicht der ideale Zustand, dem man während des Malens erreichen kann und sicherlich vorbereitend für den Akt selbst.“ (Mark Tobey 1958)

1954:Umzug nach Paris, wo Mark Tobey ein Jahr lebte. In den 50gfer und 60ger Jahren verbringt Tobey viel Zeit in Paris und hat Kontakt zu den Tachisten. Auf der Reise von Europa nach Seattle las Tobey im Jahr 1955 Eugen Herrigels Buch „Zen in the Art of Archery“, dem ein Vorwort des bedeutenden japanischen Autors D. T. Suzuki („Zen Buddhism and Its Infuence on Japanese Culture“, 1938) vorausgeht. Die Lektüre vertiefte Tobeys anhaltendes Interesse an der japanischen Philosophie und inspirierte ihn zu einer Serie: den sogenannten Sumi Gemälden, die im Frühjahr 1957 entstanden. In dieser Periode schuf Tobey „City Refections“ (1957) und „Lumber Barons“ (1957), die zu den schönsten Werken der Ausstellung zählen. Gleichzeitig spielte er Klavier, studierte mit dem Zen-Meister Takizaki und lernte den Tuschemalerei (Sumi-e) von den Künstlerkollegen Paul Horiuchi und George Tsutakawa.
1958 bekommt er den Preis für Malerei auf der Biennale von Venedig und ist damit international berühmt. 1959 und 1964 war er Teilnehmer der documenta II und documenta III in Kassel. Der schweizer Galerist Ernst Beyeler kauft 40 Werke von ihm an., ließ er sich 1960 mit seinem Freund Pehr Hallsten in Basel nieder.

1960 siedelt er auf Einladung von Ernst und Hilde Beyeler mit seinem Freund Pehr Hallsten nach Basel über um hier zu leben und zu arbeiten. Beyeler ist sein Galerist. Er stirbt am 24 April 1976 in Basel. Mark Tobey gehörte wie Marcel Duchamp zum Kreis des Kunstsammlers und Mäzens Theodor Ahrenberg. 1962: Einzelausstellung im Museum of Modern Art, New York. 1966 :Einzelausstellung im Stedelijk Museum in Amsterdam.

1972 wurde Mark Tobey in New York zum assoziierten Mitglied (ANA) der National Academy of Design gewählt.1974 :Große Retrospektive von Tobeys Gesamtwerk in der National Collection of Fine Arts in Washington, D.C.

"Over the past 15 years, my approach to painting has varied, sometimes being dependent on brush-work, sometimes on lines, dynamic white strokes in geometric space. I have never tried to pursue a particular style in my work. For me, the road has been a zig-zag into and out of old civilizations, seeking new horizons through meditation and contemplation. My sources of inspiration have gone from those of my native Middle West to those of microscopic worlds. I have discovered many a universe on paving stones and tree barks. I know very little about what is generally called 'abstract' painting. Pure abstraction would mean a type of painting completely unrelated to life, which is unacceptable to me. I have sought to make my painting 'whole' but to attain this I have used a whirling mass. I take up no definite position. Maybe this explains someone's remark while looking at one of my paintings: 'Where is the center?'." (letter dated 1/2/55, Whitechapel catalog, p. 13)

"As to the content of my work, well in spite of the comments regarding my interest in Zen, it has never been as deep as my interest in the Bahá'í Faith. The need of a unifying idea is so clearly stated in the writings of its founder, Bahá'u'lláh, and so necessary as an explanation of our age with its new horizons for all men and its relative dangers from men of our age, it would seem to me to be the living core of what I could term Modernism." (conversation with Arthur L. Dahl, 1962)

"One is so surrounded by the scientific naturally one reflects it, but one needs (I mean the artist now) the religious side. One might say the scientific aspect interests the mind, the religious side frees the heart. All are interesting." (letter to Arthur and Joyce Dahl, 26 April 1957, Dahl catalog, p. 15)

"...The cult of space can be as dull as that of the object. The dimension that counts for the creative person is the space he creates within himself. This inner space is closer to the infinite than the other, and it is the privilege of a balanced mind - and the search for an equilibrium is essential - to be as aware of inner space as he is of outer space. If he ventures in one, and neglects the other, man falls off his horse and the equilibrium is broken." (quoted in Louvre catalog, 2nd page, Collette Roberts, p. 43)

 

"Of course we talk about international styles today, but I think later on we'll talk about universal styles... the future of the world must be this realization of its oneness, which is the basic teaching as I understand it in the Bahá'í Faith, and from that oneness will naturally develop a new spirit in art, because that's what it is. It's a spirit and it's not new words and it's not new ideas only. It's a different spirit. And that spirit of oneness will be reflected through painting." (conversation with Arthur L. Dahl, 1962, Dahl catalog, p. 15)

 

Literatur:

Marc Tobey , Hachmeister Verlag

Links: www.cmt-marktobey.net

 

 
kunstwissen.de

 
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