<<


 Symbolismus und Nabis (1880-1914)
::::::::::::

Der Symbolismus ist eine wichtige Voraussetzung für die Ausformung der Moderne. Er arbeitet formal noch traditionell zB in der Gestaltung des Bildraums, aber schon in der Kolorierung erweitert er die Möglichkeiten, indem er die Kolorierung freier einsetzt. Mit dem Konzept, dass das Seelische im Werk zur Sprache kommen soll und nicht nur eine rein akademisch, formale optisch richtige Darstellung von Realitäten geschehen darf, ist der Weg für konzeptuelles Kunstwollen bereitet. Im Jugendstil wird dieses Wollen noch einmal in spezieller Weise formal ausgerichtet durch eine beseelte Linienführung der Form. In der Nachfolge des Symbolismus sind Surrealismus und PopSurrealismus und Low Brow Art zu nennen.

Das "Symbolistische Manifest" (Französisch: Le Symbolisme) wurde am 18. September 1886 in der französischen Zeitung "Le Figaro" von dem Dichter und Essayist Jean Moréas veröffentlicht. Ein Kernsatz dieses Manifests lautete: »Die wesentliche Eigenschaft der symbolistischen Kunst besteht darin, eine Idee niemals begrifflich zu fixieren oder direkt auszusprechen«.

 

Über die Allegorie und Symbol

Die Nutzung eines Bildgegenstandes der über seinen wörtlichen Sinn einen weiteren Sinn hat nennt man Allegorie. Die Allegorie ist eine Form indirekter Aussage, bei der eine Sache aufgrund von Ähnlichkeitsbeziehungen als Zeichen einer anderen Sache (Ding, Person, Vorgang, abstrakter Begriff) eingesetzt wird. Die Allegorie spricht in Metaphern. In der bildenden Kunst und in weiten Teilen der mittelalterlichen und barocken Literatur tritt die Allegorie besonders in der Sonderform der Personifikation auf, in der eine Person durch Attribute, Handlungsweisen und Reden als Versinnfälligung eines abstrakten Begriffs, z. B. einer Tugend oder eines Lasters, agiert. Die Allegorie benutzt einen Gegenstand der über den wörtlichen Sinn hinausgeht.

Eine Allegorie ist von vorneherein auf ihre Deutung hin konstruiert. Vom Hörer oder Betrachter erfordert die Allegorie einen Gedankensprung (Assoziation = eine bewusste oder unbewusste Verknüpfung von Gedanken) vom Gesagten oder bildlich Dargestellten zur gemeinten Bedeutung. Wenn der Betrachter nicht vertraut ist mit den geistigen oder historischen Zusammenhängen, aus denen die Allegorie heraus konstruiert wurde, bleibt ihm ihr Sinn oft verborgen. Realistische Allegorien – bei ihnen wirkt schon die wörtliche oder unmittelbare Bedeutung an sich selber lehrreich oder unterhaltsam – lassen oft übersehen, dass es weiter(gehend)e allegorische Intentionen gibt, zB bei Jospeh Beuys.

 

Ein Symbol ist ein Zeichen, das die gesagte Sache durch ein willkürliches Zeichen festlegt, und darum schließlich intellektuell gewußt sein muss. Der Allegorie fehlt diese feste Zuordnung, sie steht in einem intuitiven Verhältnis zur dahinter stehenden Idee. Die Allegorie zielt auf Unmittelbarkeit, Gefühl und Bedeutungsvielfalt. Durch Walter Benjamin erfuhr die Allegorie in der Moderne eine Aufwertung: „Das Symbol ist die Identität von Besonderem und Allgemeinem, die Allegorie markiert ihre Differenz.“ Sie wurde als Kunstform gegen die formale Ästhetik paradigmatisch für die Moderne. Da die Allegorie ein indirektes Zeichen des Dargestellten ist, wird sie nicht direkt verstanden, sondern erst durch Abstraktion – oder Konvention.

Die Allegorie kann auch als bildhafte Personifikation eines Staates verwendet werden. In der Form einer Nationalallegorie findet man beispielsweise für das Deutsche Reich die Germania, für Österreich die Austria, für Preußen die Borussia, für die Schweiz die Helvetia, für Frankreich die Marianne, für Großbritannien die Britannia oder für die USA die Lady Liberty oder Uncle Sam. Die Gerechtigkeit als Frau mit verbundenen Augen (ohne Ansehen der Person), in der einen Hand eine Waage (genau abwägend) und in der anderen ein Schwert (urteilend).

 

Definition des Symbolismus

 

Symbolismus definiert sich als Stil, dessen "Ziel ist nicht das Ideal, alleiniger Zweck ist der seelische Ausdruck." Das Manifest nennt Charles Baudelaire, Stéphane Mallarmé und Paul Verlaine als die drei führenden Dichter der Bewegung. Während die Kritiker die Richtung "dekadent" nennen , nennt sie Moreas " symbolistisch", dennoch zeigt sich deutlich die Einschätzung der damaligen Kritik als vorausschauende Linienbildung mit zukünftigen "Low Brow Art". "Der Symbolismus sieht sich als Vertreter des Geheimnisvollen und Unaussprechlichen. Das Kunstwerk soll ganz dem Ausdruck der Idee dienen. ..."Die Idee ihrerseits darf sich nicht des prächtigen Gewandes äußerer Analogien berauben lassen; denn die wesentliche Eigenschaft der symbolischen Kunst besteht darin, niemals bis zum Begriff der Idee an sich zu gehen. So können sich in dieser Kunst die Bilder der Natur, die Handlungen der Menschen, alle konkreten Phänomene nicht selber zeigen; es sind in diesem Zusammenhang sinnliche Erscheinungen, dazu bestimmt, ihre esoterischen Affinitäten mit den ursprünglichen Ideen darzustellen. "..." mythische Phantasmen ...die kindische Methode des Naturalismus verachtend ....der Künstler muss sein Werk der subjektiven Verformung errichten, gestützt auf den Grundsatz: dass die Kunst im Objektiven nur einen einfachen, äußerst begrenzten Ausgangspunkt suchen kann.

"Für die genaue Wiedergabe seiner Synthese braucht der Symbolismus einen archetypischen und komplexen Stil: unverbrauchte Worte, die Periode, die solide dasteht, abwechselnd mit einer, die schwach ist und sich sanft bewegt, bedeutungsvolle Pleonasmen, seltsame Ellipsen, Anakoluthe, die in der Schwebe bleiben, jeder Tropus kühn und vielgestaltig;..." Der Symbolismus zeigt sich als hybride Stilrichtung. " Die Romantik war eine unvollständige Revolution..." "Die Konzeption des symbolischen Romans ist vielgestaltig: Bald bewegt sich eine einzelne Figur in Umgebungen, die durch ihre eigenen Halluzinationen, durch ihr Temperament verformt sind: In dieser Verformung liegt das einzig Wirkliche."

 Der Symbolismus ist richtiger als Allegorismus zu bezeichnen ; denn es geht ihm darum unter der optischen Erscheinung der Dinge tiefere Bedeutungen zu vermitteln. In der Allegorie vermittelt ein Bild einen Begriff, ( zB. ein Hund bedeutet Treue ) während im Symbol ein abstraktes Zeichen etwas bildliches bedeutet ( zB. ein Kreuz deutet auf Christus hin). Schon Gauguin versucht im Einsatz der Farbe zB. Rot nicht nur emotionale oder sachliche Bezüge zu treffen, sondern Bedeutungen zu transportieren, so wie im Mittelalter die Maler zB. über die Farbe Gold die göttliche Sphäre bedeuteten. Auch Van Gogh hatte schon in einigen Bildern deutliche Bedeutungsbezüge gesetzt die über die sachliche Schilderung hinausgingen und cosmische Dimensionen beinhalteten. zB. wirbelnder Sternenhimmel und extatisch geformte Zypressen. Die Anhänger des Symbolismus der Jahrhundertwende konnten aich aber vor allem auf die Maler des Klassizismus und des Barock beziehen, deren Vorliebe es war Allegorien darzustellen zB. den Nil, die Hochmut, das Wasser, die Tugend etc.

Der französische Dichter Stephane Mallarme (1842-1892) vertrat den Symbolismus wie in Deutschland Stefan George (1868-1933). Im Jahre 1888 schlossen sich in Paris unter der Führung von Maurice Denis (1870- 1943) Künstler zusammen die sich Nabis (Propheten) nannten und versuchten eine allegorische Schau der Welt zu vermitteln. Untersützt wurden sie durch die Kunstphilisophie des L´art pour Lárt von Langbehn und Avenarius( 1856-1923)

Maler des Symbolismus waren: Denis, Bonnard, Vuillard, Roussel, Maillol, Ensor, Segantini, Böcklin , Moreau , Redon .

Der Symbolismus ist sicher auch anregend für De Chirico und den Surrealismus gewesen. Beuys war der letzte bedeutende Symbolist. Auch der Popsurrealismus ist zumeist ein Symbolismus, wie zB die Malerinen: Ana Bagayan, Inka Essenhigh, Georganne Deen, ...

 Folgende Stilrichtungen führen den Symbolismus weiter: Surrealismus (1924-) , Low Brow Art (1980-), Pop-Surrealismus (1990-)

 

Historischer Gebrauch der Allegorie

Antike

In der bildenden Kunst sind allegorische Darstellungen seit der Antike üblich. In der griechischen Antike finden sich Allegorien unter anderem als Marmorreliefs an Altären und auf Giebelfeldern der Tempelanlagen oder in den Vasenmalereien in Hellas. Ein Relief am Kapitol in Rom, zeigt die Fesselung des Prometheus im Kaukasus nach seinem Raub des Feuers aus dem Olymp für die Menschenkinder, täglich kommt der Adler Ethon und frisst dem angeketteten Prometheus ein Stück seiner Leber aus dem Leib, als Strafe des Göttervaters Zeus.

In der römischen Kunst ist die Allegorie eine übliche Darstellungsform auf Gemmen, Münzen, Sarkophagen oder Triumphbögen. Personifizierungen abstrakter Ideen und Vorstellungen, wie Glück, Frieden, Eintracht, Jahreszeiten, Geld oder bestimmter Städte oder Staatswesen wurden benutzt zur bildlichen Erinnerung an einen bestimmten Menschen auf Sarkophagen, zur Verherrlichung bestimmter historischer Ereignisse auf Triumphbögen, beziehungsweise zur Verbildlichung religiöser oder kosmologischer Vorstellungen.

Berühmt ist das verschollene Bild "Die Verleumdung des Malers Apelles" mit einem Aufmarsch allegorischer Figuren wie Gerücht, Neid oder der nackten Wahrheit, das in der Renaissance von Sandro Botticelli mit dem Titel "Die Verleumdung des Apelles" neu geschaffen wurde, sowie das nur in einer römischen Kopie erhaltene Relief des "Kairos", eine Allegorie der günstigen Gelegenheit, des hellenistischen Bildhauers Lysipp.

 

Mittelalter

Antike allegorische Bildformeln wurden auch in der frühchristlichen Kunst verwendet und umgedeutet. Von besonderer Wichtigkeit in der christlichen Kunst sind Thesen des Isidor von Sevilla zur Verwendung allegorischer Texte, die im Zuge des Bilderstreits auch als Argumente für das Bild im Kontext christlicher Religion benutzt wurden. Im Laufe des Mittelalters entwickelten sich im Zusammenhang mit der christlichen Dogmatik neue Allegorien, die in unzähligen Varianten in der Malerei, der Skulptur und sogar in der Architektur erscheinen. Typische Beispiele sind die vier Kardinaltugenden, die Sieben Todsünden, die Sieben Freien Künste, Frau Welt, Ecclesia und Synagoge und Zahlenallegorien. "Philosophia et septem artes liberales" - Illustration aus dem Hortus Deliciarum der Herrad von Landsberg (12. Jahrhundert)

In der christlichen Tradition hat sich die Vorstellung vom mehrfachen biblischen Schriftsinn entwickelt, wonach der biblische Text einerseits einen historisch wahren oder als fiktional (Parabel) einzustufenden wörtlichen Sinn besitzt (sensus litteralis) und andererseits in mehrfach gestufter Bedeutung auf historisch nachzeitige (typologischer Sinn), moralische (tropologischer Sinn) oder eschatologische Dinge (anagogischer Sinn) auszulegen ist.

Eine eigene Ausprägung allegorischer Interpretation von Texten, ist die Beziehung von Erfüllung des Neuen Testamtnets aus dem Alten Testament. Die einzelnen Textstellen der Bibel konnten verschiedenen Interpretationsmodi unterzogen werden, bei denen der buchstäbliche (sensus litteralis) und der geistige (sensus spiritualis) Sinn zu unterscheiden war. Zu beachten war bei diesem die allegorische Bedeutung (sensus allegoricus), die moralische Bedeutung (sensus tropologicus) und die eschatologische Bedeutung (sensus anagogicus).

Luther schätzte allegorische Deutungen von Bibeltexten nicht und machte sich über Origenes lustig. Andererseits verwendete er Allegorien in seinen Tischreden und Predigten, da sie zwar dem Zuhörer nicht „rationale Erkenntnis des historisch geschehen Mysteriums ermöglichten, aber doch sein Anspiel (allusio) und natürliches Ergriffensein.“

 

Renaissance und Barock

Neue Impulse bekamen die Allegorien durch das wachsende Interesse humanistischer Gelehrter am Neuplatonismus. Zu den aus dem Mittelalter bekannten Allegorisierungen traten neue, wie z. B. die des Herkules als Verkörperung des tugendhaften Menschen, bzw. des vollkommenen Herrschers. Alle Erscheinungen der Welt können als Abbilder göttlicher Schönheit gesehen werden. Niederschlag fanden zum Beispiel Ideen neuplatonischer Gelehrter am Hofe der Medici in Florenz in den Bildern Botticellis. Agnolo Bronzino, die Allegorie der Liebe in der National Gallery, London

Die Tendenz zum Dunklen und Unverständlichen in Allegorien, die schon Cicero bemerkt hatte, nimmt in der Renaissance zu, beispielhaft zu erkennen in den Bildern für Isabella d’Estes studiolo und zeigt sich in schwer zu deutenden Bildern des Manierismus, wie der Allegorie der Liebe des Bronzino.

Auch pagane Quellen können Spiegel göttlicher Schönheit und Weisheit sein. Beispielhaft für die Neubewertung nichtchristlicher Quellen ist das Interesse an ägyptischen Hieroglyphen, bzw. an der 1419 entdeckten Schrift über Hieroglyphen des Horapollon. 1499 erschien der allegorische Roman Hypnerotomachia Poliphili des Francesco Colonna, mit dem das Spiel der Künstler und Dichter von Renaissance und Barock mit der Emblematik eröffnet wurde. Andrea Alciatos "Emblematum liber" von 1531 erlebte viele Auflagen und diente in der Folge den Künstlern wie die Iconologia des Cesare Ripa, 1593, als allgemein anerkannte und viel benutztes Buch für allegorische Darstellungen.

In der Barockzeit erlebten Allegorien eine Blüte. Eine Blüte erlebte die allegorische Malerei im Zuge der Gegenreformation in der Ausmalung katholischer Kirchen und in der Ausgestaltung barocker Schloss- und Parkanlagen.

 

Romantik und Klassizismus

In der folgenden Zeit ließ die Lust an der Allegorie bei Künstlern und Auftraggebern nach. Der Allegorie wurde vermehrt trockene und gefühlsarme Gedankenkonstruktionen nachgesagt. Kunsttheoretiker des 18. Jahrhunderts wie Gotthold Ephraim Lessing, Moses Mendelssohn und später auch Edgar Allan Poe stellten den Sinn allegorischer Darstellungen in Frage, während Johann Joachim Winckelmann, Johann Wolfgang Goethe und vor allem Nathaniel Hawthorne – einer der bekanntesten Allegoriker der Weltliteratur – der Allegorie positiver gegenüberstanden.

Trotzdem gab es nach wie vor allegorische Gemälde wie die Allegorie "Die Freiheit führt das Volk, an" 1830 von Eugène Delacroix oder die Tageszeitenbilder von Philipp Otto Runge.

Während der Wilhelminischen Zeit spielten allegorische Skulpturen eine bedeutende Rolle bei der Dekoration von repräsentativen Bauten oder Denkmälern wie beispielsweise dem Deutschen Reichstag oder dem Niederwalddenkmal bei Bingen am Rhein.

 

20. Jahrhundert bis heute

Da die Allegorie Ideen durch Bilder darstellt, ist sie besonders in der bildenden Kunst eine Möglichkeit, Konventionen in Bildern deutlich zu machen und somit eine Möglichkeit vorzugeben, diese Bilder zu deuten. Die Kunst bietet somit die Möglichkeit, abstrakte Sachverhalte anschaulich und dadurch verständlicher zu machen. Künstler wie z. B. Max Beckmann, arbeiteten mit allegorischen Darstellungen; Beuys Werk ist symbolistisch begründet entwickelt sich jedoch aufklärerisch, ebenso arbeitet Paul McCarthy allegorisch wenn er ein Schwein mit Präsident Busch zusammen darstellt. Jeff Koons , Gilbert & George, Neo Rauch und viele andere zeitgenössische Künstler nutzen ebenfalls die Allegorie für symbolische Aussagen.

Die Stilrichtungen Surrealismus (1924-), "Low Brow" (1980-) und des Pop-Surrealismus (1990- ) sind Erscheinugsformen des historischen Symbolismus.

 

siehe Wikipedia: Symbolismus

 

kunstwissen.de

 
>