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Auguste Rodin (1840-1917)

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Mit Rodin beginnt die moderne Skulptur.

"Was man allgemein als Hässlichkeit bezeichnet, kann in der Kunst zu großer Schönheit werden."

"Wir müssen das Leben lieben, schon der Arbeit wegen, die man darin entfalten kann."

 

12. November 1840 geboren inParis
1853 Schüler der >École Spéciale de Dessin et de Mathématiques<.
1854- 1862 Schüler der >École des Arts décoratifs<. Mehrmalige Ablehnung der Aufnahme in die >École des Beaux Arts<.
1862 Schwester stirbt und Rodin gerät in eine Lebenskrise, tritt dem Orden Pères du Saint-Sacrement bei.
1870 wird Rodin Schüler von Albert-Ernest Carrier-Belleuse und folgt diesem nach Brüssel. Nach künstlerischen Streit verläßt er Belleuse.
ab 1870 erste öffentliche Aufträge und erste künstlerische Anerkennung.
1875/76 Studienreise nach Italien um Michelangelos Werke zu sehen.
1877 Rückkehr nach Paris, um gotische Kathedralen zu studieren.
1879/82 unter Vertrag der Porzellanmanufaktur in Sèvres.
1883 lerntRodin Camille Claudel kennen. Sie wird seine Schülerin und spätere Geliebte.
1889 beauftragt mit der Gestaltung einer Statur Victor Hugos.Er stellt Hugo nackt dar, umringt von den Musen. Der Entwurf wird abgelehnt und die Statue bleibt unvollendet.
1894 ließ sich Rodin in Meudon nieder und scharte dort einen Kreis junger Schriftsteller und Künstler um sich.
1900 werden bei der Weltausstellung in Paris im Pavillon Rodin 171 seiner Werke präsentiert.
1905/06 ist Rainer Maria Rilke Sekretär von Rodin.
1907 installierte Rodin im Hôtel Biron sein Atelier ( heute das "Musée Rodin" )
Februar 1917 heiratete Rodin im Rose Beuret.
17. November 1917 gestorben in Paris)

 

Wichtige Werke:

1863 Büste des Peter Eymard

1864 Der Mann mit der gebrochenen Nase

1875/76 Das Eherne Zeitalter

1877 Der Besiegte

1878 Johannes der Täufer

1879 Ruf zu den Waffen

1882 Büste des Bildhauers Jules Dalou

1893 Balzak, Aktstudie

1884 Denkmal der Bürger von Calais

1911 Schreitender Mann

1880 Adam oder der große Schatten

1880 Der Denker

1881 Eva

1881 Die drei Schatten

1884 Fugit amor

1884 Ewiger Frühling

1880-1917 Das Höllentor (siehe Abbildung rechts)

1885 Geiz und Wollust

1885 Die Danaide

1885 Toilette de Venus

1886 *1886 Faun und Nymphe

1887 Die Zentaurin

1889 Das ewige Idol

1894 Christus und Magdalena

1895 Der Fall eines Engels

1898 Der Kuss

1898 Denkmal für Balzac

1905 Paolo und Francesca

1907 Büste der Helene von Nostitz

1909 Denkmal für Victor Hugo

1909 Torso einer jungen Frau

1910 Tanzstudien

 

 

 

"Das Häßliche ist schön", ist eine der wichtigsten Erkenntnisse von Rodin- eine völlig moderne Ansicht. Der wichtigste Bildhauer des 19. Jh., Auguste Rodin, scheiterte dreimal an den Annahmebedingungen der Ecole des Beaux-Arts ein Indiz dafür, daß die Akademien ausgedient hatten. 1875 reiste der Steinmetz und Gießer nach Italien und entdeckte Michelangelo, dessen Werk ihn - nach eigenen Aussagen - völlig vom Akademismus befreite.

 

Rodins Gestalten stehen für die Widersprüche des späten 19. Jh., für das Nebeneinander der Gegensätze. Sein Realismus entspringt der Beobachtung der Natur, die für ihn immer schön ist: »... auch das Häßliche ist schön. Er ließ seine Modelle nackt durch das Atelier spazieren, skizzierte eine Haltung, die ihm gefiel, blitzschnell in Ton. In seinem von Dantes Göttlicher Komödie angeregten Höllentor taumeln zahllose Körper dem »Eingang zum ewigen Leid entgegen«. Rodin hatte 1880 den Auhrag für ein Portal des Musee des Arts Decoratifs erhalten, aber nie vollendet. Die zentrale Figur des Denkers im Türsturz stand zunächst für den Dichter, der über sein Werk grübelt, bald für den Zweifelnden schlechthin.

 

Während der 80erJahre beschäftigte sich Rodin mit den verschiedenen Lebensaltern. Die Figur einer alten Frau, die später La vieille Heaulmiere , Die alte Helmschmie din; nach einem Gedicht von Francois Villon) genannt wurde, illustriert nicht allein den ausgemergelten Körper der Greisin, der als »häßlich« alt, sondern versinnbildlicht den Verfall, den Übergang von derJugend über die Reife zum Alter in einer Figur.

 

Die Bildhauerin Camille Claudel, die seit Beginn der 80erJahre eine der wichtigsten Mitarbeiterinnen Rodins war, schuf 1893 mit ihrer Clotho (208) ein Werk, das einerseits in der realistischen Darstellung dem Meister folgte, aber dennoch eine eigene Perspektive einnahm. Clotho heißt eine der Parzen, der Schicksalsgöttinnen der griechischen Mythologie, die damals als Allegorie der Vergänglichkeit und des Todes verstanden wurden. Statt der Spindel als Attribut hält Claudel ihre Figur in Haarkaskaden gefangen. Hier zeigt Claudel die Frau als beherrschtes Ding, »ihr Objekt-Sein als einengende, erstickende Qual«.

Neben der impressionistisch zu nennenden, Schule machenden Oberflächenbehandlung Rodins, seinen der Literatur entlie henen Themen, schlug der Künstler auch den Boaen zur Vergangenheit. Sein Schreitender (209) führte den Torso als autonome Kunstform ein. Auf die Frage seiner Zeitgenossen, warum der Kopf fehle, antwortete Rodin: »Braucht man zum Gehen einen Kopf?« Tatsächlich scheint des Meisters Begegnung mit Michelangelos unvollendeten Werken Nachwirkungen gezeitigt oder zu einer gezielten Anspielung auf den Torso vom Belvedere angeregt zu haben. Das Fragment einer griechischen Skulptur diente vielen Künstlern durch die Jahrhunderte als Vorbild für die Darstellung eines athletischen Männeroberkörpers.

 

Auguste Rodin nimmt für den Übergang vom19. zum 20. Jh. eine Sattelstellung ein. Einerseits wurzelt sein Werk in Traditionen und Konventionen, andererseits führt es darüber hinaus. Eine seiner wichtigsten Neuerungen lag in der Fragmentierung des Körpers. Damit lieferte der Meister seinen Beitrag zu der Verselbständigung der Figur als Plastik. Von einer Neudefinition der Plastik als ästhetisches Objekt wie bei den Kubisten kann jedoch - wie Eduard Trier herausgestellt hat - noch nicht die Rede sein. Auch weist Trier darauf hin, daß der Torso bei Rodin eine grundsätzlich andere Bedeutung hat als bei Michelangelo. Während Michelangelos unvollendete Sklaven tragische Zeugnisse seines Ringens um die Sichtbarmachung von Ideen seien, müsse die Fragmentierung bei Rodin, der die Plastik aus Teilen zusammensetzte, als ein bewußter Gestaltungsakt verstanden werden.

 

Betrachtet man das Werk Rodins oder die modellierten Figuren des impressionistischen Malers Edgar Degas, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, die herkömmliche Skulptur habe sich seit der Renaissance auf ein halbes Dutzend klassische Posen beschränkt. Die kauernde Frau Rodins dagegen mag aus einer zufälligen Beobachtung heraus entstanden sein. Er steigerte den Körperausdruck durch extreme Kopf und Handhaltung zu einem Sinnbild in sich gekehrter Verzweifelung.

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Links: Rodinmuseum Paris

Literatur:

Auguste Rodin
Author(s): Néret, Gilles
Softcover, flaps, 185 x 230 mm, 96 pages
Basic Art Series
Auguste Rodin - the great master of the human form
Taschen Verlag, ISBN-
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