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Vergleiche. http://de.wikipedia.org/wiki/Retrowelle

Bedeutende Anregungen zur Lowbrow Art liefern dabei die Objekte und Ikonen von heute als „Retro“ geltenden, vorwiegend amerikanischen Medienphänomenen, beispielsweise klassische Cartoons und Comics, Sitcoms der 1960er Jahre, Rockmusik, Pulp-Magazine oder B-Movies.

Retro ist seit geraumer Zeit ein Trend. Der Begriff ist nicht präzise und umfasst dabei unterschiedliche aktuelle Phänomene in Bezug des Rückgriffs, wie Historismus, Eklektizismus, ironisches Zitieren, Nostalgie, Camp, Stil-Collage, Sampling , das Suchen, Finden, Pflegen und Wiederherstellen von Erinnerungsstücken, das Wiederaufnehmen von Traditionen.

 

Retro vs. Moderne

Seit den 1970er Jahren werden stilistische Rückgriffe auf Historisches besonders auch als Indiz für die These der anbrechenden Postmoderne und die Abkehr von der Moderne gedeutet. „Retro“ ist ohne den engen Zusammenhang zur Moderne, die sich die ständige Innovation , das Neue, auf die Fahnen geschrieben hat, nicht zu verstehen. So gesehen kann „Retro“ auch als Gegenpol zum kulturellen Haupttrend gesehen werden. Wird dieser in Frage gestellt, sind stets auch „Retro“-Tendenzen zu bemerken.

In einer Welt, die sich rasant verändert, scheinen „Retro“-Trends eine logische Folge, als Sicherung von Vertrautem.

Seit den frühen Siebzigern, als unübersehbar wurde, dass sich die Moderne in einer schweren Krise befand, gab es s erste „Retro“-Bewegungen. So z. B. im Bereich der Architektur. Die „New York Five“, zu denen Richard Meier, Michael Graves und Peter Eisenman gehörten, setzten sich zum Ziel den Weg der Moderne bis zu Le Corbusier (1887-1965) zurückzugehen, weswegen sie auch die „Whities“ genannt wurden. Ihr Gegenspieler Robert Venturi dagegen gilt als Erfinder der Postmoderne, der ersten wirklichen „Retro-Bewegung“, zu deren Verfechtern auch Philip Johnson, Moore, Ruble, Yudell sowie James Stirling gehörten.

Das Stärker-Werden von Retrotrends seit den frühen 70ern ist auch verbunden mit der Kapitalismus-, Konsum- und Kulturkritik der 68er-Generation, dem wachsenden ökologischen Bewusstsein und dem Brüchigwerden des Fortschrittsglauben der Wirtschaftswunderjahre (Ölkrise). Das alles, sowie der ökologische Gedanke des Recyclings unterstützt ideologisch Phänomene wie die Verbreitung von Second-Hand-Läden oder Trödelmärkten, wobei diese Tendenz gesellschaftspolitisch durchaus als progressiv betrachtet wurde, während die konservativen Kreise viel länger am Fortschrittsdenken festhielten. So gesehen ist Rückgriff eine Methode Neues zu schaffen, indem man mit altem Material spielt. Hier findet sich die „anything goes“-Haltung (Stilpluralismus).

Ein Hauptvorwurf der erhoben wird; die Wiederaufbereitung unterschiedlicher Epochen bringe den Verlust von Maß und Maßstab mit sich. ( zB. ägyptisch gestaltete Shopping Malls.) In dieser Hinsicht liegt es nahe, heutige „Retro“-Trends als neuen Historismus zu interpretieren.

Zur historischen Stellung der Moderne

Wie ist die "Moderne" überhaupt zu sehen, wenn man davon ausgeht, dass sich die Moderne lediglich zwischen zwei Historismus-Phasen geschoben hat, auf die eine als Antwort fungierend, um von der anderen abgelöst zu werden. In Renaissance, Barock, Klassizismus und Romantik spielte die Orientierung am antiken bzw. mittelalterlichen Erbe eine wesentliche Rolle. Allerdings ist der Historismus mit seinem Stilpluralismus und seiner strengen Rekonstruktion unterschiedlicher alter Stile bzw. deren Mischung eine völlig neue Form des Rückgriffs in die „Kiste der Geschichte“.

Massenmediengesellschaft und Mythos

Die moderne Welt ist in erster Linie als Massenmediengesellschaft zu begreifen, in der alles gleichzeitig passiert, in der Unmassen von Informationen mit Lichtgeschwindigkeit an jeden Ort gelangen, an der nach jedem nur vorstellbaren Bedürfnis gesucht wird, um es zu befriedigen. Man könnte annehmen, in einer solchen Gesellschaft würde es allein durch die schiere Zunahme von Informationen auch zu einer allgemeinen Zunahme von fundiertem, differenzierten Wissen kommen. Diese Annahme bestätigt sich nicht, im Gegenteil, die Massengesellschaft neigt, wie der Medientheoretiker Marshall McLuhan bemerkte, vielmehr zum Mythos und zwar aus ganz praktischen Gründen – ein Mythos ist für die Massengesellschaft schlicht und ergreifend zeitsparender.

Bei einem Blick auf die Themenhotels von Las Vegas und den Malls in Dubai, die Vergnügungsparks und Jahrmärkte überall in der Welt stellt man fest, dass wenige Motive massenhaft UNSCHARF reproduziert werden. Die Moderne aber ist auf geradezu fanatische Suche nach Reinheit, Wahrheit und Übereinstimmung von Gehalt und Gestalt nicht zuletzt auch in ihrer Abneigung gegen den Mythos begründet. Dem Mythos liegt eine zwingende Vereinfachung, Transformation und Verzerrung zu Grunde.

Denkt man dies nun zu Ende, Historismus vor der Moderne, Postmoderne danach, die Massengesellschaft als Welt der Mythen, nicht mehr der Wahrheiten und damit als Ort von permanentem „Retro“ – bedeutet das nicht: „Retro“ überall? Der italienische Schriftsteller Roberto Calasso schreibt dazu: „… die Welt unentrinnbar in einer giftige Hülle der Parodie eingewickelt ist. Nichts ist, was es zu sein vorgibt. Alles ist schon im Augenblick seines Erscheinens ein Zitat.“

Seit den 1990ern bezieht man sich immer mehr auf die Pop-Ästhetik : Alles was massenhaft verkäuflich ist ist angesagt.

 

 

  

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