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outsider art / art brut (1885 - heute)
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Der Begriff „Outsider Art“ wurde 1972 vom englischen Kunsthistoriker Roger Cardinal für den von Jean Dubuffet seit 1948 verwendeten Begriff „Art brut“ eingeführt. Outsider Art bezeichnet, dass diese Kunst von Amateuren, d.h. nicht ausgebildeten Künstlern gemacht worden ist. Art Brut / Outsider Art sind weder Kunstrichtung noch Stilbegriff. Outsider Art umfasst die verschiedenen Ausfornungen wie: "street art" ,"Trivialkunst","Naive Kunst" ect. soweit sie von ungelernten "Künstlern" gemacht worden ist.

Schon um 1885 entstanden durch den Amateurmaler Henry Rousseau Beispiele bewußt naiver Kunst, die der Kunstkritiker und Galerist Wilhelm Uhde durch seine bahnbrechende Ausstellung: "Die Maler des reinen Herzens" 1928, Paris bekannt machte.
Gemäß seiner Sichtweise waren die Arbeiten von Sonntagsmalern und Amateuren so interessant und dem Zeitgeist der Moderne entsprechend, dass er sie erstmalig gleichberechtig zu den akademischen Malern zeigte. In der Folge entstanden klassifizierbare Richtungen: Kinderzeichnung, Naive, die Kunst der Geisteskranken, Bad Art, Camp, Street Art u.a.

Nach dem ersten Weltkrieg sah der Zeitgeist die Notwendigkeit den starren Formen der Vergangenheit eine Kunst entgegenzusetzen, deren Formgesetze der wie man meinte natürlichen, unverfälschten Natur des Menschen entwuchsen. Angebunden an die Ideen des Surrealismus wurden die künstlerischen Äußerungen von Geisteskranken , Sonntagsmalern und Kindern ausstellungswürdig.

Emil Wilhelm Georg Magnus Kraepelin (* 15. Februar 1856 in Neustrelitz; † 7. Oktober 1926 in München) war ein deutscher Psychiater.Von Kraepelin stammen die Grundlagen des heutigen Systems der Klassifizierung psychischer Störungen. Während seiner Zeit an der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg legt er eine Sammlung von Bildwerken Geisteskranker an.

1919 wurde Hans Prinzhorn Assistent an der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg. Seine Aufgabe war es, dort die Sammlung von Bildern Geisteskranker zu betreuen, die von Emil Kraepelin angelegt worden war. 6000 Bilder und Objekte trug Hans Prinzhorn (* 8. Juni 1886, Hemer, Westfalen - 14. Juni 1933, München) in der Zeit von der Jahrhundertwende bis 1921 von 450 Patienten zusammen. Bald nach dem Tod Hans Prinzhorn wurde die "Sammlung Prinzhorn" auf einem Dachboden der Heidelberger Universität verstaut. 1937 wurden einige Arbeiten aus der Sammlung in einer nationalsozialistischen Propagandaausstellung, der "Entartete Kunst", in München präsentiert und zum Vergleich mit Werken von Künstlern der Klassischen Moderne missbraucht, um Werke des Deutschen Expressionismus in Gegenüberstellung zu diffamieren. 2001 wurde der Sammlung Prinzhorn ein eigenes Museum im Universitätsklinikum Heidelberg, das Museum Sammlung Prinzhorn eingerichtet. Hier dient die Sammlung weiterhin erkenntnistheoretischer, wissenschaftlicher Erforschung.

In der kroatischen Stadt Hlebine entsteht ein Kreis von malenden Bauern, die mit ihrer Naiven Kunst weltweit Beachtung finden. Die Anfänge dieser Richtung gehen auf ein Experiment des Malers Krsto Hegedušic um 1930 zurück. Er versuchte damals, einer Gruppe von Bauern, die keinerlei akademische Vorbildung hatten, die Malerei näherzubringen; unter ihnen Ivan Generalic und Franjo Mraz. Die Bauern griffen seine Tempera-Maltechnik auf Glas auf und verhalfen so der alten Barockmalweise der Hinterglasmalerei zu neuem Leben.

Die "Art Brut"-Ideen des Amateurmalers Jean Dubuffet (1901 -1985 ) wurden Ende 1951 in der ersten Museumsausstellung (aus der Sammlung Culberg).des Künstlers in den USA, öffentlich. Sie fand im Arts Club of Chicago statt und dauerte vom 18. Dezember 1951 bis 23. Januar 1952. Jean Dubuffet hatte als Amateur in der Malerei , 1948 die "Art brut- Gesellschaft" gegründet.

Von Chicago aus springt der Funke der von Dubuffet angesprochenen Art Brut Ideen ( Antikunst-Ideen ) mit ihrem antiprofessionellen Geist auf New York über, als Claes Oldenburg, der seit 1936 - abgesehen von seiner Studienzeit an der Yale University - in Chicago gelebt hatte, 1956 nach New York City übersiedelte und wenig später zu einem der Hauptinitiatoren der Pop Art wurde. In Chicago bilden sich zudem die im antikünstlerischen Geist operierenden Künstlergruppen "Monster Rooster " und "Hairy Who". ( auch "Chicago Imagists") die aber alle aus akademischen Malern bestehen die antiakademisch sein wollen.

Die Ideen der Art Brut, der Pop Art , Hairy who , Monster Rooster und Fluxus flankieren die Outsider Art. Der aus dem Fluxus geborenen und von Beuys laut propagierte Kampfruf: "Jeder Mensch ist ein Künstler" hat der Outsider Bewegung öffentliche Bestätigung und strukturelle Gleichwertigkeit verschafft. vgl. Fritz Schwegler´s "Effischiaden". Im Kreis um Beuys war der Polizist ANATOL Herzfeld so ein naiver Kunstjünger, der nach Dienst in die Kunstakademie Düsseldorf ging und dort auf dem Flur arbeitete. Als Meisterschüler von Beuys fand er Anerkennung auf der Dokumenta in Kassel und anderswo.

"Anti-Kunst" als Idee, ist eine schon im Dadaismus erkennbare Bewegung, die sich mit Provokationen gegen die konventionelle Kunst richtete, die für sie Ausdruck der bourgeoisen Konsumgesellschaft war. Der Ausdruck Anti-Kunst soll 1914 erstmals von Marcel Duchamp verwendet worden sein. Als Beispiel sei die Hinzufügung eines Schnurrbarts bei einer Mona-Lisa-Reproduktion durch Duchamp angeführt sein. Bei den Neuen Realisten und im Fluxus der 1960er Jahre, wurden Akkumulationen und Happenings Ausdruck der Anti-Kunst-Ideen.

Mit Jeff Koons stellt sich ein Künstler in die Öffentlichkeit der mit einem Spezialistenteam Werke fertigt die inhaltlich an die Trivialkunst andocken.

 

Museen

Museum Charlotte Zander , Schloss Bönnigheim, Baden-Würtemberg
Clemens Sels Museum , Neuss

  

 

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