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Minimal Art ( 1965- heute )

Minimal Art entstand in den frühen 1960er Jahren in den USA als Gegenbewegung zur gestischen Malerei des Abstrakten Expressionismus. Minimal Art strebt nach Objektivität, schematischer Klarheit, Logik und Entpersönlichung.

Richard Bellamy hatte eine bunt gemischte Gruppe unbekannter junger Künstler versammelt, darunter Judd, Morris, Poons und Flavin, deren Werke unter dem Namen Minimal Art gefeiert wurden. Eine Liste der Merkmale von Minimal-Skulpturen müsste beinhalten: Holz, Metall, Plastik, in einfache geometrische Formen geschnitten, ohne kleinere oder grössere proportionale Teile, angeordnet im leeren weissen Raum, Gewichtung auf riesige Leere, Perfektion des Schnitts mit elektrischem Werkzeug, Ablehnung von Handgemachtem, ängstliche Empfindsamkeit, einfache Berechnung – im Gegensatz zu den proportionalen Beziehungen des Konstruktivismus.Die Haltung ist schonungslos anti-figurativ, streng geometrisch, anti-expressionistisch, abgelöst, ein philosophisches Nachsinnen über Ordnung und Geist.

Den Begriff prägte der amerikanische Kunsthistoriker Richard Wollheim 1965 in seinem Essay Minimal Art (Arts Magazine, Jan. 1965). Wichtig für die Begriffsbildung war auch Donald Judd, nach seinen Vorstellungen ging es darum, der Farbe eine plastische Form zu geben, um so in den Raum hinein zu wirken (vgl. Judd "Specific Objects", 1965).

Minimal Art definiert sich durch ihren dreidimensionalen Werkbegriff als Plastik.
Essentielle Kunstwerke, "spezifische Objekte", konnten deshalb keine Malereien sein, sondern nur geometrische Skulpturen.

Diese reduzierten, einfachen, übersichtlichen, meist geometrische Grundstrukturen (sogenannte Primary Structures), finden sich häufig in serieller Wiederholung. Daraus ergibt sich die industrielle Produktion wie auch der Einsatz von Fertigprodukten (z.B. Stein- und Metallfliesen (Carl Andre), Neonröhren (Dan Fiavin), Stahlrahmen (Donald Judd)), oder die überdimensionale Vergrößerung ( Ronald Bladen, Tony Smith). So entstanden eigene Ordnungen, mit ihren eigenen Regeln und Gesetzen, die mit Gegensätzen wie Anfang und Ende, Fülle und Leere operierten. Vertreter der minimalistischen Skulptur sind ferner John McCracken, Sol LeWitt, Walter de Maria, Robert Morris, Larry Bell oder Fred Sandback.

Diese "Inszenierung" in den Raum hinein hatte auch einen maßgeblichen Einfluss für die Entwicklung der postmodernen Konzept- und Aktionskunst im Gefolge des Minimalismus. Obwohl die Minimalisten ganz in der Tradition des klassischen Kunstbegriffs stehen, eröffnen ihre Werke den Zugang zu einem völlig anderen Kunstverständnis. Weil ihre "spezifischen Objekte" nur einfachste geometrische Formen waren, verdeutlichten sie die sinnstiftende Rolle des umgebenden Raumes.

 

Noch deutlicher spielen Dan Flavins Leuchtobjekte auf den Kontext an: Das farbige Licht läßt die Wände des Ausstellungsraumes zu einem Teil der Skulptur werden. Außerdem entwickeln die Neons eine "Ausstrahlung", eine Aura, die im Territorium des Minimalismus tabu gewesen wäre. Damit leisten sie auch eine Entmaterialisierung des Werkes.

Reiner Ruthenbecks Arbeiten - wohl auch dem Minimalismus zuzurechnen- bestehen aus ganz wenigen Komponenten. Das Zusammenwirken dieser Elemente ist für den Betrachter stets nachvollziehbar. Der schmale Stoffstreifen ist, wie das Kunstlicht bei Flavin, als eine Anspielung auf die Produktionsbedingungen von Kunst zu verstehen: Es ist eine Haltevorrichtung an der Wand, ein "Bildträger". Doch hier wird der funktionale Teil, genauso wie die sonst verborgenen Nägel, zum notwendigen Bestandteil des Werkes. Das Stoffband erhält seine Form durch ein Metallstück, das es "trägt". So entsteht ein quadratisches Bild an der Wand, das noch an die Prinzipien minimalistischer Kunst erinnert, aber in seiner Prozeßhaftigkeit bereits den Künstler als Handelnden ins Spiel bringt. 

Künster: Carl André , Dan Flavin, John McCraken, Sol LeWitt, Walter de Maria, Robert Morris, Larry Bell, Fred Sandback, Jo Baer, Heerich, Rückriem,

 Minimal Art entstand in den frühen 1960er Jahren in den USA als Gegenbewegung zur gestischen Malerei des Abstrakten Expressionismus. Minimal-Art strebt nach Objektivität, schematischer Klarheit, Logik und Entpersönlichung. Typisch für Skulpturen und Objekte der Minimal-Art ist das Reduzieren auf einfache und übersichtliche, meist geometrische Grundstrukturen (sogenannte Primary Structures), häufig in serieller Wiederholung, die indstrielle Produktion wie auch der Einsatz von Fertigprodukten (z.B. Stein- und Metallfliesen (Carl Andre), Neonröhren (Dan Fiavin), Stahlrahmen (Donald Judd)), oder die überdimensionale Vergrößerung ( Ronald Bladen, Tony Smith). So entstanden eigene Ordnungen, mit ihren eigenen Regeln und Gesetzen, die mit Gegensätzen wie Anfang und Ende, Fülle und Leere operierten. Vertreter der minimalistischen Skulptur sind ferner John McCracken, Sol LeWitt, Walter de Maria, Robert Morris, Larry Bell oder Fred Sandback. Obwohl auch in der Malerei Farben und Formen auf das Einfachste reduziert wurden (auf Grundstrukturen, monochrome und geometrische Flächen), wird Minimal-Art vorwiegend auf dreidimensionale Kunst angewendet. Ausgehend von konstruktivistischen Vorstellungen waren wichtige Wegbereiter dieser malerischen Kunstauffassung Ellsworth Kelly, Frank Stella, Jo Baer und Agnes Martin.

Den Minimalisten ging es um die absolute Identität der Form mit sich selbst ohne jedes illusionistische, assoziative Beiwerk. Sie wandelten Abstraktion zu einer konkreten Kunst im empirischen Raum.

Die geometrischen Elementarformen und die kühnen Materialien setzen sich bewusst von der Werkform der alten Malerei und Skulptur ab. Die Objektkunst besteht aus Oberfläche und Volumen, sie erscheint lediglich als das, was sie ist, täuscht kein Innenleben, keine Seele vor.

Die Werke wurden als Dinge ausgestellt und zeigten ihre Materialität, die Objekte stellten in ihren Strukturen die Frage nach der Form der Materie und lebten von ihrer Wirkung, die sie im Raum erzeugten. Vertreter der Minimal Art waren u.a. Donald Judd, Robert Morris, Carl Andre und Sol Le Witt.

 

Minimal-Art verstand sich als eine speziell amerikanische Kunstbewegung, die sich von europäischen Traditionen (etwa dem Konstruktivismus) abzugrenzen suchte. Mit gleichem Recht wäre der Begriff auf europäische mit geometrischen Strukturen arbeitende Bildhauer anzuwenden, etwa Max Bill, Erwin Heerich oder Ulrich Rückriem. 1969 wurde amerikanische Minimal-Art erstmals in einer Ausstellungs-Tournee mit Stationen in Düsseldorf und Berlin in Deutschland präsentiert.

Besonderen Einfluß hatte die Minimal Art aauf die Architektur und dieLandschaftsarchitektur des 20. Jahrhunderts galt die Minimal-Art, besonders die Skulpturen von Donald Judd, Carl Andre und Sol LeWitt, neben der Land Art wegen ihrer starken räumlichen Ausdruckskraft zu den wichtigsten Inspirationensquellen. deren Einfluss bis heute spürbar ist.


 Neo-Minimalismus der 90ger

 Auch bei Kunst-Territorien zeichnet sich Ressourcenknappheit ab: So viel neues Gelände ist wohl am Ende des 20. Jahrhunderts nicht mehr zu erobern. Seit den achtziger Jahren haben deshalb viele Künstler begonnen, die alten Territorien neu zu bewirtschaften. Auf den ersten Blick sehen die Gemälde von Günther Förg wie Wiederholungen gewisser abstrakter Gemälde von Barnett Newman oder Mark Rothko aus den fünfziger Jahren aus. Dann aber fällt ihr etwas zu lockerer Malstil auf. Hier lässt jemand genau die Subjektivität zu, die die Farbfeldmalerei gerade ausschließen wollte. Und auch ein Malgrund, den Günther Förg benutzte, widerspricht den Zielsetzungen von Farbfeldmalerei und Minimalismus: Blei. Das Metall hebt nicht nur die Dreidimensionalität des Bildkörpers hervor und materialisiert, wo die Farbfeldmalerei entstofflicht. Es setzt den Malprozeß auch häufig dann fort, wenn der Künstler sein Bild längst beendet hat. Das Blei kann oxydieren, es zeigt jede Spur allzu sorglosen Umgangs und macht aus dem Gemälde "ein offenes Kunstwerk".

 So wie Förgs Gemälde sind auch Franz Wests Skulpturen janusköpfig: Ihrer Form nach erscheinen sie "modern", könnten aus den Ateliers von Hans Arp oder Henry Moore stammen. Aber schon ihre Machart, Papiermasche statt Bronze, verrät eine Distanz zu den hehren Idealen der Vorläufer. Undwährend an den Bronzen von Henry Moore natürlich "Bitte nicht berühren" steht, sollen die Skulpturen von West vom Rezipienten benutzt werden. Er nennt sie "Paßstücke», weil sie gewissen menschlichen Körperformen angepaßt sind und nur im Gebrauch erfahren werden können. Die geistige Wesensschau, die die Moderne von ihren Rezipienten forderte, wird hier in Körpererfahrung überführt. Franz West ist nicht nur in einer runderneuerten Moderne zu Hause, seine Praxis verdankt er auch anderen Territorien der Kunst wie dem Wiener Aktionismus oder der FluxusBewegung, die sich zeitgleich oder sogar vor dem Minimalismus entwickelten.

 STEPHAN SCHMIDT-WULFFEN, 1999

Literatur:

Minimal Art, Grosenick, Uta (ED) D. Marzona / E. Carlini / Sammlung Marzona, Berlin

Softcover, flaps, 185 x 230 mm, Taschen Verlag

• Minimal An. Ausst.-Kat. Haags Gemeentemuseum, Den Haag; Kunsthalle und Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf; Akademie der Künste, Berlin, 1969.

• Donald Judd, Complete Writings. 1959-1975, Nova Scotia 1975.


Im städtischen Leben von New York City nimmt der Schmutz einen herausragenden, aktiven Platz ein. Die Stadt ist sozusagen eine Kloake, deren Lebenarhythmus sich nach dem täglichen Konsum an Gegenständen und Abfallen richtet, die Tag für Tag quasi anal auf den Bürgersteigen und an den Straßenecken zuruckgelassen werden. Die in der Stadt produzierte Kunst jedoch scheint die Tendenz der Gesellschaft zum Schmutzigen und Abgesonderten zu untardrücken. Sie ersetzt ais durch ain Streben nach dam Sauberen, so als müsse sie dem Zeremoniell einer sich puritanisch-moralisch gebenden Kultur huldigen. Aus dieser Sicht darf die Kunst sich nicht "schmutzig" machen, sondern muß perfekt und sauber sein, d.h. frei bleiben von Korruption und Obszönem, die überall in Manhattan zu Hause sind. In ihr sind die Verunreinigungen und Auswüchse der Exkremente nicht erlaubt, denn sie muß eine Wirtschaft und Politik repräsentieren, die unbelastet ist von allem, was stört und in den Schmutz zieht. Außerdem ist der Schmutz unvereinbar mit der gesellschaftlichen Ordnung, und da die Kunst symbolische Modelle produziert, die gesellschaftlichen Wert annehmen, kann sio dne solche Vorstellung nicht befürworten, sondem nur kritisieren und in Frage stellen. Da sie sich mit Reinheit beschäftigt, setzt sie überdies den Wiedergutmachungsbeitrag dner Stadt ins Licht, deren Sekretion absolut unrein und schmutzig ist.

 

Wenn also der Schmutz unsozial ist und die Kunst progressiv ausgerichtet ist, kann die künstlerische Arbeit nicht bestrebt sein, das Schreckensbild des Abfalls und der Unordnung noch hervorzuheben, sondem sie wird vielmehr bemüht sein, den Glauben an die festen, stabilen, dem Sauberen zuzuordnenden Werte zu bestärken. Die Pop Art singt eine Lobeshymne auf die "Junk Culture", sie gehört deshalb dem Unsoziaien an und bewegt sich im Bereich des Bösen. Sie muß kritisiert und bekämpft werden und nichts kann dabei wirksamer sein als über den Schmutz nachzudenken, denn dies >bedeutet auch ein Nachdenken über Ordnung und Unordnung, Sein und Nichtsein, Formales und Informales, Leben und Tod< (Douglas).

 Die im Sinne dieser Politik einzig richtige Handlung ist, auf den Schmutz so zu reagieren, daß er beseitigt wird. Um dieses Rosultat zu erreichen, muß die künstlerische Arbeit zu dem zurückkehren, was noch nicht in Mitleidenschaft gezogen ist: zu den Formen und Materialien, die sich in ihrer Reinheit als einfache Volumen und Flächen oder als nichtbearbeitete Hölzer und Metalle präsentieren und nicht durch Mitverwenden konsumistischer Materialien verdorben sind, sondern autonom in einem aseptischen, reinen Bereich existieren.

 Die Minimal-Religion teilt durch ihre Gleichsetzung von linear, elementar und glatt mit sauber das Kunstuniversum in Dinge, die dazu bestimmt sind, reduziert und vereinfacht zu werden, und solche, die dies aufgrund des inneren Chaos und der inneren Unordnung nicht sein können. Die ersten entsprechen der harmlosen, dem Sozialen untergeordneten Gegebenheit, die zweiten dem Zerfall und der Krise.

 Da die Kunst in Amerika dn moralisches Urteil ausdrückt, ist das Geordnete der richtige Entwicldungsweg, denn es setzt ein Programm und einen Plan voraus. Da sich Anfang der 60er Jahre die Minimal Art (Morris, Andre, Judd, LeWit, Flavin) als antithetischer Wert zu Pop Art und Fluxus versteht, entscheidet sie sich für Ordnung, Regel und Norm. Die Arbeiten von Judd und Flavin sind nun voller Verweise auf die Integrität und das Perfekte. In ihnen bilden die Materien der Welt wie Neonröhre oder Stahl, Glühbime oder Plexiglas die elementare Struktur und werden zu monolithischen Größen, die tautologisch die Unabhängigkeit und Potenz dnes Systems darstelen, dessen Werte im Begrenzten und Geordneten liegen. Bei Judd ist die räumliche und chromatische Unabhängigkeit der Volumen total. Der reine Ouader schlie8t jeden referentiellen Wert aus, während die Materialien innerhalb der Arbeit ein Verschmelzen von Fläche und Farbe bewirken. Das Ergebnis ist schließlich ein Ganzes, das aus festen Größen gebildet ist, wobei jede von der anderen abhängt und das sein kann, was sie in und dank ihrer Beziehung zu den anderen ist" (Lalande).

 Diese Vorstellung des volumetrischen Phänomens führt Judd dazu, die bildhauerische Arbeit als Ganzes anzusehen, das autonome Einheiten bildet, die einen inneren Zusammenhalt besitzen und eigene Gesetze haben. Damit ist die Skulptur eine sich selbst bestimmende Größe, die nur von ihren inneren Verhältnissen und von den sie regulierenden Elementen beeinflußt wird. Der Beweis dafür ist, daßSkulptur immer eine Gesamtheit von getrennten, aber nicht trennbaren Größen bedeutet, die sich voneinander unterscheiden und sich gegenseitig bei der Bildung eines unteilbaren Ganzen eingrenzen.

 Da die Größen untereinander agieren, sind ihre Beziehungen vielfältig und dynamisch; die Skulptur bleibt immer offen, weil sie ständig das Leere und das Volle zueinander in Beziehung setzt.Gleichzeitig sind die Positions- und Progressionsmöglichkeiten unendlich: die Position kann die dreidimensionalen und zweidimensionalen, die vertikalen und horizontalen Koordinaten benutzen, während die Progression geometrisch oder nach der Fibonacci-Reihe verlaufen kann.

 Zudem können sich die Materialien, aus denen sich das Ganze zusammensetzt, unterscheiden nach Dicke, Brechung, Farbe, Transparenz, Gewicht. Daraus folgt, daß Judd aus seiner Skulptur jede Werthierarchie von Vollem und Leerem, Anfang und Ende, davor und dahinter, darüber und darunter, Material und Immateriellem ausschließt, so daß innerhalb ein- und desselben Elements immer eine Wahl zwischen zwei Möglichkeiten bleibt. Auf diese Weise ist die Skulptur in sich autonom, und die Hervorhebung einer Gegebenheit vor der anderen ist nur eine Frage der Position im Raum.

Links:
http://www.g26.ch/kunst_glossar_24.html

 

 

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