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Micus, Eduard (1925 - 2000 )

 

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aktuelle ausstellung

 

31. Mai 2013 Vernissage um 19 Uhr , Villa Wessels, Gartenstr. 31, 58636 Iserhohn - Vernissage mit Katja Micus , Einführung Prof. Dr. Erich Franz, Münster

www.villa-wessel.de

Di- Fr 15-19 Uhr | Sa 12-16 Uhr | So und Feiertage 11-17 Uhr


 

* 12. Juli 1925 in Höxter; † 16. November 2000 in Jesús, Ibiza

Eduard Micus malerisches Werk erscheint heute als das typische Werk der Nachkriegskunst und doch so einzigartig in der besonderen Ausprägung der Arbeiten. Micus zeigt sich als Neuerer hin zu einer offenen Bildkonzeption die zur Überschreitung der Bildgrenzen führt. Mit seinen "Kontrastkompositionen" hat er einen einzigartigen Beitrag zum Kunstgeschehen der deutschen Nachkriegszeit geleistet. Vor Yves Klein, Manzoni, Uecker, Girke und Robert Ryman hat der die Farbe Weiss und die Farbe Grau in Monochomien thematisiert und Methoden vorweggenommen die erst viel später in den 60ger Jahren die Avantgarde bestimmen. Micus ist einer der ersten die das >shaped canvas< und die in den Raum greifende kleinrahmenlose frei hängende Leinwand, Pappe oder Textil-Assamblage einführen. Verwand ist seine Arbeit den Arbeiten von Herbert Zangs und Heinz Uecker aber auch dem Werk von Hoehme. So mag ihn Wikipedia nicht als Informellen noch als Zero-Künstler bezeichnen und verweist damit auf seine überragende historische Stellung.

Micus entwickelt aus einem konzeptuellem Ansatz heraus das für ihn charakteristische Prinzip der Bildteilung, das er über alle Schaffensphasen beibehielt und in spannungsreichen, sensiblen Arbeiten variierte. Er nennt diese Arbeiten "Coudragen": Zwei Leinwände werden mit einer deutlichen Naht in der Bildmitte zusammengenäht . Die linke Bildhälfte wird monochrom hellgrau oder weiss als Leerfläche gestaltet und nur die linke Bildseite informell bearbeitet. Man könnte meinen er sucht Informel und Konstruktion in einer Ganzheit zu vereinen.

 


werklauf

1943 und 1944 . Der Marburger Künster Reinhard Schmidhagen (1914–1945) brachte Micus zur Kunst. Schmidhagen hatte Kontakte zum deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

Von 1948 bis 1952 studierte Micus bei Willi Baumeister an der Kunstakademie Stuttgart. 1952 entstanden seine ersten, durch eine Linie geteilten Bilder.

Seit 1962 teilte er seine Bilder, die er „Coudragen” nannte, durch eine Naht. Die "Coudragen" sind durch eine Mittelnaht geteilte Leinwände, deren monochrome, meditative linke Bildhälfte der bewegten, aktiven rechten Bildhälfte gegenübersteht.

1962 Teilnahme an der Ausstellung >Geste, Raum, Strukturin der neuen deutschen Malerei<, Frankfurter Kunstverein

1963 Teilnahme an > Absolute Farbe – Avantgart 63< im Städtischen Museum Simeonstift, Trier.

1965 nahm er mit der Gruppe an einem Anti-Happenig teil, das die Mitglieder (u. a. Bernd Berner, Rolf-Gunter Dienst und Klaus Jürgen-Fischer) als Polemik gegen den „Geist der deutschen Kunstkritik” vor der Galerie Baier in Mainz veranstalteten.

1967 Teilnehmer an der 6. Biennale San Marino, neben u.a. Gerhard Richter und Günther Uecker.

Von 1965 bis 1970 gehörte Eduard Micus der Künstlergruppe >SYN< an, die die Idee einer ganzheitlichen Kunst vertrat.

Seit 1972 lebte und arbeitete der Künstler auf der Baleareninsel Ibiza. Ab 1982 fertigte er farbige Papiercollagen auf Stoff und betrieb die Auflösung des Tafelbildes.

Seit 1989 beschäftigte er sich mit dem Materialbild, fertigt Holzassamblagen.

2003 Retrospektive auf Schloß Moyland.

2013 Retrospektive Museum Ahlen

 


exhibions

Sein Werk wurde auf zahlreichen Einzel-und Gruppenausstellungen präsentiert, u.a. 1961 Recklinghausen "Junger Westen", 1966 Kunsthalle Bern "Weiß auf Weiß", 1982 Wilhelm-Hack-Museum, Wilhelmshaven (EA), 1987 Kunsthalle Hamburg und Karl-Ernst-Osthaus Museum Hagen (EA), 1988 Kunsthalle Mannheim (EA), 1991 Muséo de Arte Contemporáneo Ibizia, 1996 Schloss Morsbroich, Leverkusen (EA), 2000 Muséo de Arte Contemporáneo Ibiza (EA), 2001 Museum Schloss Moyland, Bedburg-Hau (EA), 2005 Schloss Corvey, Höxter (EA).

Staatsgalerie Stuttgart, Kunsthalle Mannheim, Osthaus Museum Hagen, Fundacio Joan Miro Barcelona, Museo Rufino Tamoyo Mexiko City, Museum für Neue Kunst Freiburg, Hamburger Kunsthalle, Wilhelm Hack-Museum Ludwigshafen,Hamburger Kunsthalle, Centro di Cultra Sa Nostra Palma Mallorca, Museum Morsbroich, Museum Schloss Moyland, Museums für Moderne Kunst in Eivissa/Ibiza, Kunstmuseum Ahlen, Westfalen,u.a. Sammlung Burda...


24. Februar bis 5. Mai 2013 Kunstmuseum Ahlen, Finissage mit Katja Micus am 5.Mai 2013


foundation

Der ESPACIO MICUS auf Ibiza

Eduard Micus ist mit Emil Schumacher, Heinz Mack und Erwin Bechtold wohl der bekannteste Künstler der Baleareninsel Ibiza. Mit viel Einfühlungsvermögen in die hiesige Kultur prägte er das Erscheinungsbild seines "Espacio". Kaum jemand war so sehr mit der Natur der Insel verbunden wie er. Ihm ging es auch darum dass die natürliche Schönheit Ibizas nicht im Massentourismus versank, sondern durch die harmonische Kombination aus Kunst und Natur hervorgehoben wurde. Seine Weltsicht des meditativen - informellen spiegelt sich in all seinen Werken und lässt Micus Werk wegweisend in der Kunst der Moderne werden. In den Hügeln östlich der Ortschaft "Jesus" hat sich Micus in den Jahren zwischen 1972 und 2000 ein Anwesen erschaffen, das als Gesamtkunstwerk seinen gestalterischen Anspruch begründet. Ähnlich dem Haus von Manrique auf Lanzarote sind hier Künstler, Werk und Umgebung in einer idealen Weise zusammen gebunden. Der Espacio Micus wird von seiner Tochter der Goldschmiedin Katja Micus geführt.

 

anfahrt

Von Ibiza Stadt ( Busbahnhof an der Av. Isidor Macabich, ) mit dem Bus oder Taxi Richtung Santa Eularia über die Landstraße #810 . Entfernung ca 6,5 km . Beim Kilometerstein 3 (2,4 km hinter dem Dorf "Jesus", an der Mülldeponie bzw vor dem Golfplatz ) nach links abbiegen in die "Cami Can Format" . Nach ca 300 metern rechts dem Weg aufwärts folgen. Nach 200 Metern liegen die drei Hauser der "Espacio Micus".


 

ESPACIO MICUS

 

rooms and works


 

 


autobiographisch zu person und werk

Eduard Micus erzählt in eigenen Worten "1925 wurde ich in Höxter an der Weser geboren. Das erste Buch, über Kunst, das mir in die Hände fiel, war eine kleine Schrift über Renoir. Darin war eine Landschaft abgebildet, die mich mehr aufregte als Renoirs Akte. Sie war skizzenhaft gemalt und nur verschwommen erkennbar. Ich begann zu begreifen, daß Darstellung der Realität nicht an Wiedererkennbarkeit gekoppelt ist, sondern durch exakte Wiedergabe verfälscht wird. Jahre später Iernte ich in einer Marburger Klinik Reinhard Schmidthagen kennen. Er war ein junger Maler, Schüler von Käthe Kollwitz, Durch ihn bekam ich den Ietzten Anstoß, Maler zu werden, Durch seine Freunde, einen Kreis um den Kunsthistoriker Hamann, gewann ich Einblick in den Widerstand gegen Hitler. Schmidthagen arbeitete wie ein Besessener an großen Holzschnitten, die zur Beendigung des Krieges aufriefen. Wenige Tage bevor die Amerikaner Marburg erreichten, starb er. Seine Farben bekam ich. Nach dem Krieg lebte ich einige Jahre in einer Holzhütte am Waldrand von Höxter. Ich malte von morgens bis abends. Mein Vater gab den Versuch auf, mich, wie geplant, ins Büro seiner kleinen Möbelfabrlk zu setzen. 1948 ging ich zu Willi Baumeister nach Stuttgart. Die Bilder, die ich bis dahin gemacht hatte und in Ausstellungen neben den nun nicht mehr verfehmten Meistern Nolde, Schimdt-Rottluff, Heckel usw. zeigen durfte, verblassten durch die vielen neuen Eindrücke, die ich an der von Kriegsschäden lädierten Akademie von Stuttgart bekam. Als erstes sagte mir mein neuer Lehrer:

"Laß Deine Mappe zu!" Er wollte die Tastversuche seiner Schüler nicht sehen. "Meine Aufgabe ist es, Euch zu leeren," (mit zwei e) erklärte er. Später habe ich das gut verstanden. "Wir malen keine Bilder, wir studieren" ? oder - "Alles in der Natur formt sich nach Kugel, Kegel und Zylinder." Cezanne und die sich darauf aufbauenden Stufen des Kubismus waren die Grundlagen unseres Studiums. Ocker, Schwarz und Weiß waren die Farben, Packpapier und Zeitungen die Leinwand. Die Farbenlehre von Goethe und Oswald wurde nur gestreift. "Nuancen von Weiß, Erdfarben sind Pensum genug. Ob Rot, BIau, GeIb dazukommit, ist eure spätere Entscheidung. Für Farben gibt es keine Regel ? das ist subjektiv, jedem überlassen." Der Umgang mit den elementaren Mitteln der Malerei machte uns frei von den fixierten Vorstellungen, die in jedem von uns spukten. Die "Leerung" ließ es zu, neu zu beginnen, nach allen Richtungen, ob zu Bild, Bühnenbild, Plakat oder was immer. Alles optisch wahrnehmbare muß sich im Bild organisieren, Teil eines geordneten Ganzen werden. Die Bildelemente werden benutzl zur Klärung, zu Schlußfolgerungen, zu Proportionen, die zu neuen Kriterien führen und so die relative "Objektivität" der Kunstbetrachtung beeinflussen. Baumeister verstand deutlich zu machen, daß diese Einsicht auch eine Frage der Ökonomie ist im Prozeß der Suche nach eigenen bildnerischen Ergebnissen. Das zu wissen war em klarer Vorteil. Kurz, ich hatte das Glück, Schüler eines bedeutenden Malers und des sicher besten Lehrers jener Zeit zu sein. Die langsame Verlagerung meiner Bildelernente nach links und rechts zu den Rändern hin hatte schließlich die Konsequenz der Teilung meiner Bildfläche durch eine Linie in der Mitte. Damit begann die Loslösung von meinern Lehrer. Das geschah nach 4 Jahren. Der Kontakt blieb. Baumeister sagte mir, daß er uns vermisse: "lch lerne von euch genausoviel wie ihr von mir!" Ausgehungert von der langgeübten Sparsamkeit mit Farben bekam Ich 1952 so etwas wie einen Farbrausch. Mit den alten Ölfarben von Reinhard Schmidthagen malte ich wochenlang an einern Bild, das sehr, farbig werden sollte ? übrig blieb eine dünne schwarze Linie auf grauem Grund und ein kleiner, blauer Keil. Die Bilder danach wurden noch karger. Knapper wußte ich nicht mehr zu formulieren. Das war 1954. Die nächsten Jahre geriet ich in einen Kreis junger Architekten. Wir schmiedeten Pläne für Häuser, Städte, Wände. Geredet wurde über Material und die Verbindung unterschiedlicher Materielien. Wir stritten über Le Corbusier, Doecker, Gutbier, Gutbrod, Gropius, Frank Lloyd Wright, Mies van der Rohe. Ich baute Stühle, töpferte, entwickelte Holzbilder, die durch ihre freien Räume die Umgebung mitwirken ließen. Jahre mit Versuchen, die Isolierung der bildenden Kunst aufzulösen im Rahmen des großen Spektrums der angewandten Künste.

1956 kam zum Sohn eine Tochter. Geldverdienen! Vor der "Kunst am Bau" durch einen Freund gewarnt, dessen Arbeiten immer verbindlicher wurden, machte ich, um der Anpassung zu entgehen, einen Bogen urn die Kunst Es entstanden Illustrationen nach Fotos, wie Fotos ? Cartoons ? Layouts Parallel dazu meine Bilder. Nach kurzer informeller Zeit kehrte die Kontrastkomposition immer deutlicher wieder. Mir wurde kiar, daß dieses formale Gerüst die entscheidende Grundlage für meine weitere Arbeit sein würde. In vielen Blättern fugte ich spontane Zeichen an die gleichgroße, leere Hälfte des Bildes. beide Hälften steigerten sich gegenseitig duch den Kontrast zu einer mir nicht bekannten Intensität. 1962 fand ich die simpelste Verbindung der Leinwände durch eine Naht. Die Bilder standen nebeneinander ? ein leeres, ein gemaltes. Alles wurde nun zusammengenäht. Es war nicht Zufall, es hatte Funktion: die Naht verband das Konträre. Die "Coudrage" (coudre = nähen) war da. Den Namen erfand meine Frau. Die "heilige Fläche" (Leonhard) war für mich die leere Fläche ? das lntakte, Unberührte; verbunden damit die gestaltete Fläche, aus Fäden und Farbe, gehalten von der gefundenen Form. Ich unterwarf alle von mir erarbeiteten Formen dem Kontrastprinzip Die Kieselsteinformen, nun mit dem Dreieck zwischen runden Formen. Figurativ Assoziierbares mit gesteigerter Farbigkelt auf der bemalten Bildhälfte beschäftigte mich etwa 3 Jahre. In der gleichen Zeit kamen plastische Bilder dazu, in denen weiß in weiß mit Stoff überspannte, gepolsterte Formen die feste Markierung der Formenumrisse durcn Farbflächen überflüssig machten. Dazu entstanden Plastiken wie gefüllte Säcke, die durch ihr Gewicht und ihre Beweglichkeit Faltungen wie an griechischen Gewändern bildeten. Ich baute Treppen aus Stahl, die mit sich verjüngenden Setzstufen zu einem geteilten Bild führen. Plastiken mit Formen, die Menschen sein könnten, bewegt durch den Wind. Rahmen aus Metall, an dem wie am Galgen eine Form aus Stahl sich dreht ?das Pendant, weich, am Boden liegend, zerknautscht wie Kissen. Nach diesen Versuchen blieb ich bei den Materialien Stoff, Fäden, Farbe ? einer Skala von Mitteln, mit denen ich sagen konnte, was ich sagen wollte. Ich war überzeugt, daß Malerei mit ihrer Faszination ihren Geheimnissen, auch heute, mit den nur ihr zur Verfügung stehenden spezifischen Mitteln machbar ist. Seit 1972 lebe ich in Spanien, Ibiza, in einem Haus auf dem Lande. Warum? Ein Rückzug aus der täglichen (kunst)politischen Auseinandersetzung ? leben wollen ohne Widerstand? Sicher, wer im Gleichgewicht ist, macht keine Gedichte und geht auf keine Barrikaden. Aber Gleichgewicht entsteht bei jedem anders und ist bei jedem anders. Darum geht es nicht. Getauscht habe ich das Gerangel um Positionen, den Konsum, den zermürbenden, täglich Druck, gegen: Mit sich selber auskommen, Neigungen nachgehen, Holz sehen, grau und vertrocknet von der Sonne, Wasser haben als Kostbarkeit, eine Ecke im Zimmer, wo ein Feuer wärmt, Mücken, Staub, der Schatten eines Baumes. Viele Bilder und Bilder, die noch zu malen sind. Ausscheren hat einen Preis, aber auch einen Sinn.

Wenn ich heute gefragt werde, welche Malerei für mich wichtig war, so möchte ich Mondrian nennen, die "Römischen Tagebücher" von Gerhard Hoehme und das Bild "La Flagellacione" von Piero della Francesca in Urbino. Mondrian beweist durch seine neuen Maße, welche Macht Proportionen zukommt, und zeigt die Unerläßlichkeit auf, Malerei nicht haltlos, ungeplant, ohne Begrenzung stattfinden zu lassen. Hoehme verdeutlicht in seinen "Römischen Tagebüchern" mit nuanciert gemalten, kalligraphischen Zeichen Erleben, wobei seine Textfragmente visuell mehr aussagen als ablesbare Worte. Um beide Pole geht es mir, darum, alle bildnerischen Mittel zu berücksichtigen: nämlich ein Bild nicht allein Empfindungen zu Überlassen oder nur als Resultat systematischer Variationen der möglichen Vielfalt an Proportionen zu sehen, sondern, wie Piero della Francesca, ein Gerüst zu finden, in dem, unserer GegensätzIichkeit entsprechend, Platz hat, was uns als Menschen ausmacht: Emotion und Verstand." Eduard Micus ,1994

http://www.espacio-micus.com/werdegang.php

 

 


 literatur:

Eduard Micus, Hg. Burkhard Leismann, ISBN 978-3-86832-142-5,erscheint im Februar 2013, Wienand, Köln

www.wienand-koeln.de/titel/Eduard-Micus

 


 contact: katja micus | katja.micus@terra.es | (+34) 971 19 19 23

 


 unterkunft: Hotel Ses Figueres, Hotel Simbad oder Hotel Argos in der Salamanca Bucht östlich der Stadt Ibiza

kunstwissen.de

 
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