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Michelangelo (1475-1564)

Michelangelo II /

Michelangelo Buonarroti wurde am 6.3.1475 in Caprese (Provinz Arezzo, Italien) geboren und starb in Rom am 18.2.1564. Michelangelo ist einer der größten Künstler der je gelebt hat. Als Hauptvertreter der Hochrenaissance und bedeutendster Wegbereiter des Manierismus, war er ein schöpfungsgewaltiger Bildhauer, Maler, Baumeister und Dichter.

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Michelangelo repräsentiert - wie Leonardo da Vinci - das Ideal des autonomen, rastlos-kreativen Menschen. Sein Werk ist eines der wesentlichen der Kunstgeschichte und wenige übten einen so nachhaltigen Einfluss auf Zeitgenossen und spätere Generationen aus. Bei kaum einem anderen Künstler sind persönliches Leben und Leiden so intensiv im Werk zu greifen wie bei Michelangelo. Vor allem seine Darstellung des menschlichen Körpers wirkte stilprägend auf seine Landsleute Raffael und Tizian sowie die Malerei des Barock und nachfolgender Ismen. Das Fragmentarische vieler skulpturaler Werke (in finito) erscheint wie ein Programm für die Bildhauerei der Moderne ( z.B. Rodin ).

Sein Werklauf begann er als Schüler des D.Ghirlandaio, dann vermutlich des Bildhauers Bertoldo di Giovanni (um 1491) in Florenz. Wichtig für seine Stilbildung war das Studium Giottos und Masaccios, Benedettos da Maiano und der Antike, die sich ihm im Hause der Medici bzw. in deren Kunstakademien erschloss. Seit 1496 arbeitete Michelangelo abwechselnd in Florenz, Rom und in den Marmorbrüchen von Carrara, ehe er 1534 endgültig nach Rom übersiedelte, wo ihn die Freundschaft zu Vittoria Colonna (seit 1538) nachhaltig beeinflusste. Ihr sind zum Teil seine seit 1534 entstandenen schwermütigen und tief empfundenen Sonette und Madrigale gewidmet.

Michelangelo verkörpert einen neuen Typ des Künstlers.Er befreite sich aus den Bindungen des Handwerks und der Überlieferung und erschloss eine Welt zuvor unbekannter gestalterischer und psychologischer Ausdrucksmöglichkeiten. Nie zuvor ist das Werk eines Künstlers in gleichem Maße Selbstbekenntnis gewesen. Sein geniales Werk greift verschiedenen künstlerischen Entwicklungen vorweg. Wie später bei Picasso orientierten sich nachfolgende Künstler an den unterschiedlichsten Phasen seines Werkes.

Frühzeit: Um 1491/92 entstanden die beiden Reliefs »Madonna an der Treppe« und »Kentaurenkampf« (beide Florenz, Casa Buonarroti), danach in Rom »Bacchus« (1497, Florenz, Bargello) und die »Pietà« in St.Peter (14981500). 1501 erhielt Michelangelo in Florenz den öffentl. Auftrag für das überlebensgroße Marmorstandbild des »David« (Florenz, Kopie auf der Piazza della Signoria, Original in der Galleria dell'Accademia), an dem er bis 1504 arbeitete. -Von den Gemälden dieser Zeit ist das Rundbild der »Madonna Doni« (1503/04; Uffizien) erhalten, das ebenso wie der nur in Teilkopien erhaltene Karton für das nicht ausgeführte Fresko der Schlacht von Cascina im Wettstreit mit Leonardo da Vinci entstand.

Mittlere Schaffensperiode: 1505 berief Papst JuliusII. Michelangelo zur Errichtung seines Grabmals nach Rom. Der reizbare Künstler fühlte sich bei der Arbeit an dem Projekt nicht ausreichend unterstützt; er floh und übernahm 1508 nach der Aussöhnung mit dem Papst widerstrebend den Auftrag zur Deckenausmalung der Sixtinischeb Kapelle. Hier schuf er 1509-1512 durch eine gemalte Architekturgliederung ein System unterschiedlicher Bildträger, das eine Fülle symbolischer Bezüge der skulptural aufgefassten Sehergestalten (Propheten, Sibyllen) sowie der Aktfiguren (Ignudi, in ca 600 verschiedenen Posen ) in und vor der Rahmung zu den malerisch-bildhaften Szenen der Genesis dahinter in dynam. Weise veranschaulicht Nach dem Tod des Papstes (1513) widmete sich Michelangelo wieder dem Projekt eines Grabmals für Papst JuliusII. Es entstanden 1513-16 der »Moses« (Rom, San Pietro in Vincoli) und zwei Sklavenfiguren (Paris, Louvre), ab 1519 die vier »Boboli-Sklaven« (Florenz, Galleria dell'Accademia); das nicht zur Vollendung gebrachte Wandgrab wurde schließlich (1545) in San Pietro in Vincoli, aufgestellt. 1516 erhielt Michelangelo von den Medici den Auftrag für die Fassade von San Lorenzo in Florenz (Pläne nicht ausgeführt). 1520 begann er den Bau der Medici-Kapelle (»Neue Sakristei«, nicht vollendet) für San Lorenzo. Ausgeführt wurden (bis 1534) die Sitzfiguren des Giuliano und Lorenzo de' Medici und die Liegefiguren, von denen »Tag« (1524) und »Nacht« zuerst entstanden, sowie die Madonna.

Mit der 1524 begonnenen Biblioteca Medicea Laurenziana vollzog Michelangelo die Wendung zum Manierismus. 1535-41 malte er das Fresko des »Jüngsten Gerichts« an der Altarwand der Sixtinische Kapelle: Anstelle der perspektiv. Raumauffassung der Renaissance setzte er eine Bewegungsdynamik, die die Seligen aufsteigend, die Verdammten fallend im Leeren um die kraftvolle Christusgestalt kreisen lässt.

Spätwerk: Um 1535 begann Michelangelo an der »Pietà« (Florenz, Dom) zu arbeiten, die er vor 1550 unvollendet beließ, 1555 begann er mit seinem letzten bildhauer. Werk, der »Pietà Rondanini« (Mailand, Castello Sforzesco). Beide zeigen eine Reduktion der Körperlichkeit zur Zeichenhaftigkeit. Seine letzten Fresken, die »Bekehrung des Saulus« und die »Kreuzigung Petri«, im Vatikan, malte er zwischen 1541 (Auftragserteilung) und 1549/50. In den beiden letzten Jahrzehnten arbeitete er auch an architekton. Aufgaben (Palazzo Farnese; Platzgestaltung des Kapitols ). 1546 übernahm er die Bauleitung der Peterskirche in Rom, deren gewaltige Kuppel seine größte Leistung als Baumeister ist.

Links:

Literatur:

Michelangelo
Author(s): Néret, Gilles
Softcover, flaps, 185 x 230 mm, 96 pages
Basic Art Series
Michelangelo - The great artist's masterpieces in sculpture, painting and architecture
Taschen Verlag, ISBN-
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