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 Vor rund 150 Jahren hat sich die Psychologie als wissenschaftliche Disziplin herausgebildet. Seither hat sie sehr viele praxisrelevante Erkenntnisse und Arbeitsmethoden hervorgebracht und einen neuen Blickwinkel auf alte und neue Fragen eröffnet. Die Psychologie versteht sich als Wissenschaft vom Erleben und Verhalten von Menschen. Im Fokus stehen psychische Grundprozesse des Menschen.

Die Frage, "Warum äußern sich Menschen in Kunstwerken ?", geht davon aus, dass diese Frage auf Grund von Arbeitsergebnissen der Psychologie in Ansätzen zu erklären ist.

In der Herstellung eines Kunstwerkes liegt im allgemeinen ein Äußerungsprozeß eines Individuums vor, über den der Macher allein und frei verfügen kann, ohne Fremdeingriff. In einem selbst gestalteten Werk kommt die Äußerung des Menschen am reinsten zur Ansicht.

Voraussetzung für ein lösungsorientiertes Verständnis von Kunstwerken liegt darin, dass deren Entstehung, als Prozeß bei der Bewältigung von schwierigen Belastungssituationen des Individuums verstanden werden können, wenn sie nicht rein dekorativen Prozessen entspringen.

Im Zentrum des Kunstwerkes steht der Künstler als sein Macher, steht die Person als Individuum, dessen Erlebens- und Handlungsgrundlagen durch psychologische Aspekte erklärbar gemacht werden können.

Literatur

>Was ist ein Künstler? Genie - Heilsbringer - Antikünstler< (Broschiert), Verena Krieger , Deubner Verlag


>Psyche und Kunst< ,Hans-Otto Thomashoff und Dieter Naber von Schattauer, F.K. Verlag (Taschenbuch - 1999)
>Unsterblich!: Der Kult des Künstlers<, Jörg Völlnagel und Moritz Wullen von Hirmer (Broschiert - Oktober 2008)

>Zur Psychologie der Kunst<, Rudolf Arnheim von Kiepenheuer & Witsch GmbH (Gebundene Ausgabe - November 1982)


>Was ist ein Künstler? Das Subjekt der modernen Kunst< , Martin Hellmold, Sabine Kampmann, und Ralph Lindner von Fink (Wilhelm) (Broschiert - 1. November 2003)


>Der Ursprung des Kunstwerkes<, MartinHeidegger, ReclamVerlag

Das Kunstwerk als Äußerung des Künstlers im Selbstdialog in einer Belastungssituation

Eine Belastungssituation trifft beim Künstler auf eine Resonanz seiner situativ bestehenden psychischen Situation. Psychische Situationen sind klassifizierbar. Der Ansatz ist so zu beschreiben: >Das Kunstwerk ist die Äußerung des Künstlers im Selbstdialog mit einer Belastungssituation.<

 

Die verschiedenen psychologischen Katalogisierungen/ Theorien dienen dem Erkennen und vertieften Verstehen individueller Verhaltensbedingungen ( zwischenmenschlicher Interaktionsprozessen und einem selbstreflektiever Prozesse.)


Teil I : Autopoiesis

Wir verfolgen den Ansatz, daß der Künstler das Kunstwerk aus sich selbst heraus erschafft. Darum ist die Theorie der Autopoiesis hier von Bedeutung und wird entsprechend breit dargestellt. Der Begriff »Selbstorganisation« versucht dem Phänomen gerecht zu werden, dass sich der Künstler, nicht immer durch Eingriffe von außen erklären lässt, sondern, dass er in erster Linie aus sich selbst heraus entsteht und funktioniert.

Definition

Autopoiesis oder Autopoiese ist der Prozess der Selbsterschaffung und -erhaltung einer Gestalt/Organismus/System. siehe Evolution

Autopoiesis bezeichnet die Ausbildung eines Organismus/ Gestalt/System durch den Organismus/ Gestalt/System selbst. Autopoietische Systeme bezeichnet man daher auch als operativ geschlossen. Die Operationen z.B. psychischer Systeme sind ausschließlich Gedanken.

Das Konzept der Autopoiese charakterisiert lebende Systeme als den Prozess in dem sich der Organismus selber und seine Umwelt schafft. Voraussetzung der Selbsterzeugung ist Reizbarkeit, Inspiration, Wille und Handlungsspielraum (relative Freiheit) sich selbst zu definieren und zu gestalten.

Autopoietische Systeme (beispielsweise Menschen) sind rekursiv organisiert, das heißt das Produkt des funktionalen Zusammenwirkens ihrer Bestandteile ist genau jene Organisation, die die Bestandteile produziert. Durch diese besondere Form der Organisation lassen sich lebende von nicht-lebenden Systemen unterscheiden: nämlich dadurch, „dass das Produkt der Organisation lebender Systeme sie selbst sind, das heißt, es gibt keine Trennung zwischen Erzeuger und Erzeugnis. ( siehe Beuys,Dali,van Gogh, Koons, Picasso ) Das Sein und das Tun einer autopoietischen Einheit sind untrennbar, und dies bildet ihre spezifische Art von Organisation“. Dieser Ansatz ist grundlegend für das Verstäändnis eines Kunstwerkes.

 

Maturana und Francisco Varela als Begründer der autopoietischen Theorie betonen die Tatsache, dass Organismen zwar Substanzen aus der Umwelt in sich aufnehmen, diese dabei jedoch sofort in verwertbare Baustoffe umwandeln. Substanzen dagegen, die für die Selbstreproduktion des Organismus keine Bedeutung haben, werden vom Organismus sozusagen ignoriert. ( vgl. Joseph Beuys )

 

Prozesse der Autopoiese

und der durch das Nervensystem hergestellten sensomotorischen Beziehungen (Korrelationen) des beweglichen Organismus führen zu einem ständigen Akt der Hervorbringung einer Welt im laufenden Prozess des Lebensvollzugs.( vgl Beuys "Soziale Plastik " )

Die autopoietische Basisoperation ist immer gleich: Die Systeme operieren ständig, da sie sonst nicht existieren. Sie operieren so, dass sich weitere Operationen anschließen können („Anschlussfähigkeit“ des Systems). Sie operieren immer so, dass weiterhin derartige anschlußfähige Operationen folgen müssen und sichern so ihren lebendigen Bestand.

Um die Anschlussfähigkeit zu sichern ( was Überlebensnotwendig ist), kontrollieren alle autopoietischen Systeme ihre Operationen im Verhältnis zu den Resultaten. Sie besitzen die Fähigkeit der „Reflexivität“. Das bedeutet, dass die Systeme eine Art Gedächtnis haben, das „Vorher“ und „Nachher“ speichern und zu unterscheiden weiß.

„Autopoietische Systeme können ihre Strukturen nicht als Fertigprodukte aus ihrer Umwelt beziehen. Sie müssen sie durch eigene Operationen aufbauen und das erinnern – oder vergessen.“ (Luhmann: Soziologische Aufklärung 6. Die Soziologie und der Mensch, 2008)

 

Die Kommunikation bezieht sich nur scheinbar direkt auf die Umwelt. Tatsächlich bezieht sie sich nur auf die von ihr nach ihren eigenen Gesetzen wahrgenommene innere Abbildung der Umwelt, also letztlich auf sich selbst. Diese Selbstbezüglichkeit, auch als Selbstreferenzialität oder Autoreferenzialität bezeichnet, betrachtet Luhmann als typisch für jede Kommunikation und analog zum Phänomen der Autopoiesis in der Biologie. Die Ausdrücke selbstreferenzielles System und autopoietisches System sind daher in den meisten Fällen austauschbar.

Die Wahrnehmung der Umwelt durch ein System ist daher laut Luhmann immer selektiv. Ein System kann seine spezifische Wahrnehmungsweise der Umwelt nicht ändern, ohne seine spezifische Identität zu verlieren.

Typisch für jedes autopoietische System ist laut Luhmann, dass es sich selbst jeweils mithilfe eines zweiwertigen (binären) Codes von der Umwelt abgrenzt und so seine Identität im Prozess der Selbstreproduktion aufrechterhält. Als binäre Codes von einigen gesellschaftlichen Großsystemen schlägt Luhmann vor: Wirtschaft – zahlen/nicht-zahlen; Politik – Macht/Machtlosigkeit; Moral – Gut/Böse; Religion – Immanenz/Transzendenz.

Da diese Systeme jeweils nach eigenen Gesetzmäßigkeiten arbeiten, hält Luhmann Eingriffs- oder Steuerungsversuche eines Systems in ein anderes grundsätzlich für problematisch: Die Wirtschaft kann etwa von der Politik nur sehr bedingt gesteuert werden; die Moral kann die Politik nur bedingt steuern usw. Das Gesetz der Autopoiesis setzt laut Luhmann den Bemühungen einer rationalen, ethischen, gerechten Gestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse enge Grenzen. ( Zitat Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Autopoiesis)

 

Selbstorganisierende oder selbsterzeugende Systeme: Diese Systeme entstehen aufgrund bestimmter Anfangs- und Randbedingungen spontan. Das System nimmt dabei einen spezifischen Zustand oder eine Folge von Zuständen ein.

 

Selbsterhaltende Systeme sind in der Lage, immer wieder neu die Faktoren zu produzieren, die zu ihrem ursprünglichen Entstehen beigetragen haben. Sie sind also überlebensfähig. Der menschliche Körper ist ein solches selbsterhaltendes System. Das Herz ist alleine nicht überlebensfähig. Erst im Verbund mit anderen Organen ensteht aus dem gesamten System ein selbsterhaltendes System. Beim Menschen - und allen organischen Systemen - allerdings nicht bis in die letzte Konsequenz. Ansonsten wären wir tatsächlich unsterblich.

 

Selbstreferentielle Systeme verändern die Zustände ihrer Komponenten in operational geschlossener Weise - sind also nicht auf Faktoren von 'aussen' angewiesen. Selbstreferentielle Systeme jedoch müssen nicht zwangsweise selbsterhaltend sein. Dies hat das Beispiel des Menschen ebenfalls gezeigt: Das System 'Mensch' ist nicht bis in die letzte Konsequenz selbsterhaltend. Das Hirn ist z.B. ein selbstreferentielles System - jedoch kein selbsterhaltendes. Dazu braucht es die anderen Organe, damit es (annähernd) zu einem selbsterhaltenden System wird.

Wenn das Hirn als selbstreferentielles System betrachtet wird, dann muss Kognition also ein konstruktiver Prozess sein: Es sind nicht äussere Einflüsse, die den Zustand des Hirns ändern, sondern eigentlich simulierte - oder eben: konstruierte - 'äussere' Einflüsse.

Das lebende System 'Mensch' ist also ein selbsterhaltendes Gesamtsystem (mit allen seinen Organen), wobei das Hirn ein selbstreferentielles Subsystem davon bildet. Einflüsse, die von 'aussen' auf das Subsystem treffen, werden in einem konstruktiven Wahrnehmungsprozess interpretiert und rufen eine Zustandsänderung des Subsystems hervor. Das Subsystem konstruiert sich so eine Vorstellung der Umwelt. ( http://www.bubenhofer.com/publikationen/1999krekon/konstruktivismus.html#13 )

 

>Selbstorganisation: Ein Denksystem für Natur und Gesellschaft<, Alexandra Margarete Freund, Marc-Thorsten Hütt,Milo Vec (Hrgs)


>Komplexität und Selbstorganisation, 'Chaos' in den Naturwissenschaften und Kulturwissenschaften< , Holger Krapp und Thomas Wägenbaur von Fink


 

Teil II: Kunstwerke als Ausdruck spezifischer Persönlichkeitsbilder

Kunstwerke sind Ausdruck des charakteristischen, individuellen Lebensstils, des Verhältnisses zur eigenen Person und zu anderen Menschen. Einige dieser Zustandsbilder und Verhaltensmuster entstehen als Folge konstitutioneller Faktoren und sozialer Erfahrungen schon früh im Verlauf der individuellen Entwicklung, während andere erst später im Leben erworben werden.

 

Spezifische Persönlichkeitsbilder

Die spezifischen Persönlichkeitsbilder sind tief verwurzelte, anhaltende Verhaltensmuster, die sich in Reaktionen auf unterschiedliche persönliche und soziale Lebenslagen zeigen. Sie verkörpern eine deutliche, meistens stabil Gestalt im Wahrnehmen, Denken und Handeln.

 

Das Paranoide Persönlichkeitsbild

Dieses Persönlichkeitsbild ist durch übertriebene Empfindlichkeit gegenüber Zurückweisung, Nachtragen von Kränkungen, durch Misstrauen, sowie eine Neigung, Erlebtes zu verdrehen gekennzeichnet, indem neutrale oder freundliche Handlungen anderer als feindlich oder verächtlich missgedeutet werden, wiederkehrende unberechtigte Verdächtigungen, schließlich durch streitsüchtiges und beharrliches Bestehen auf eigenen Rechten. Diese Personen können zu überhöhtem Selbstwertgefühl und häufiger, übertriebener Selbstbezogenheit neigen. > Dali

 

Das Schizoide Persönlichkeitsbild

Dieses Persönlichkeitsbild ist durch einen Rückzug von affektiven und sozialen Kontakten mit übermäßiger Vorliebe für Phantasie, einzelgängerisches Verhalten und in sich gekehrte Zurückhaltung gekennzeichnet ist. Es besteht nur ein begrenztes Vermögen, Gefühle auszudrücken und Freude zu erleben. > Dali, Neo Rauch, CD Friedrich

 

Das Dissoziale Persönlichkeitsbild

Dieses Persönlichkeitsbild ist durch eine Missachtung sozialer Verpflichtungen und herzloses Unbeteiligtsein an Gefühlen für andere gekennzeichnet ist. Zwischen dem Verhalten und den herrschenden sozialen Normen besteht eine erhebliche Diskrepanz. Das Verhalten erscheint durch nachteilige Erlebnisse, einschließlich Bestrafung, nicht änderungsfähig. Es besteht eine geringe Frustrationstoleranz und eine niedrige Schwelle für aggressives, auch gewalttätiges Verhalten, eine Neigung, andere zu beschuldigen oder vordergründige Rationalisierungen für das Verhalten anzubieten, durch das der betreffende Patient in einen Konflikt mit der Gesellschaft geraten ist.> Michelangelo , Caravaggio

 

Das Emotional instabile Persönlichkeitsbild

Dieses Persönlichkeitsbild ist durch die deutliche Tendenz, Impulse ohne Berücksichtigung von Konsequenzen auszuagieren, verbunden mit unvorhersehbarer und launenhafter Stimmung. Es besteht eine Neigung zu emotionalen Ausbrüchen und eine Unfähigkeit, impulshaftes Verhalten zu kontrollieren. Ferner besteht eine Tendenz zu streitsüchtigem Verhalten und zu Konflikten mit anderen, insbesondere wenn impulsive Handlungen durchkreuzt oder behindert werden. Zwei Erscheinungsformen können unterschieden werden: Ein impulsiver Typus, vorwiegend gekennzeichnet durch emotionale Instabilität und mangelnde Impulskontrolle; und ein Borderline- Typus, zusätzlich gekennzeichnet durch Störungen des Selbstbildes, der Ziele und der inneren Präferenzen, durch ein chronisches Gefühl von Leere, durch intensive, aber unbeständige Beziehungen und eine Neigung zu selbstdestruktivem Verhalten mit parasuizidalen Handlungen und Suizidversuchen. > Caravaggio, van Gogh

 

Das Histrionische Persönlichkeitsbild

Dieses Persönlichkeitsbild ist durch oberflächliche und labile Affektivität, Dramatisierung, einen theatralischen, übertriebenen Ausdruck von Gefühlen, durch Suggestibilität, Egozentrik, Genusssucht, Mangel an Rücksichtnahme, erhöhte Kränkbarkeit und ein dauerndes Verlangen nach Anerkennung, äußeren Reizen und Aufmerksamkeit gekennzeichnet ist. > Dali, Hirst

 

Das Anankastische (zwanghafte) Persönlichkeitsbild

Dieses Persönlichkeitsbild ist durch Gefühle von Zweifel, Perfektionismus, übertriebener Gewissenhaftigkeit, ständigen Kontrollen, Halsstarrigkeit, Vorsicht und Starrheit gekennzeichnet ist. Es können beharrliche und unerwünschte Gedanken oder Impulse auftreten, die nicht die Schwere einer Zwangsstörung erreichen.> Koons

 

Das Ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsbild

Dieses Persönlichkeitsbild ist durch Gefühle von Anspannung und Besorgtheit, Unsicherheit und Minderwertigkeit gekennzeichnet ist. Es besteht eine andauernde Sehnsucht nach Zuneigung und Akzeptiertwerden, eine Überempfindlichkeit gegenüber Zurückweisung und Kritik mit eingeschränkter Beziehungsfähigkeit. Die betreffende Person neigt zur Überbetonung potentieller Gefahren oder Risiken alltäglicher Situationen bis zur Vermeidung bestimmter Aktivitäten.> van Gogh

 

Das Abhängige (asthenische) Persönlichkeitsbild

Dieses Persönlichkeitsbild ist durch die Abhängigkeit von anderen Personen gekennzeichnet. Personen mit dieser Persönlichkeitsbild verlassen sich bei kleineren oder größeren Lebensentscheidungen passiv auf andere Menschen. Es zeigt sich große Trennungsangst, Gefühle von Hilflosigkeit und Inkompetenz, durch eine Neigung, sich den Wünschen älterer und anderer unterzuordnen sowie durch ein Versagen gegenüber den Anforderungen des täglichen Lebens gekennzeichnet. Die Kraftlosigkeit kann sich im intellektuellen emotionalen Bereich zeigen; bei Schwierigkeiten besteht die Tendenz, die Verantwortung anderen zuzuschieben. Das Verhalten ist oft passiv und reicht bis zum selbstschädigenden und selbstzersötrenden Verhalten.> van Gogh

 

 

Sonstige spezifische Persönlichkeitsbilder

* Persönlichkeitsbild: exzentrisch

* Persönlichkeitsbild: haltlos

* Persönlichkeitsbild: narzisstisch

* Persönlichkeitsbild: passiv-aggressiv

* Persönlichkeitsbild: psychoneurotisch

* Persönlichkeitsbild: unreif:

...wird fortgesetzt.

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