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Kuehn, Gary *1939

* 1939 in Plainfield, NJ, USA, ist Teil der Minimal Art , der Prozess Kunst und Postmoderne . Lebt und arbeitet in NY.

Kuehns Mutter, Adelaide Ruddiman, Vater George Kuehn, Mechaniker und überzeugter Kommunist.

mittelständischen Arbeiterfamilie aus Plainfield, New Jersey, ältester von drei Brüdern

BFA Kunstgeschichte an der Drew University,NJ

von 1958 bis 1968 Arbeit auf dem Bau.

Nancy Stenger geheiratet, 1959 wurde die Tochter Nannette geboren

1962 BA, Art History, Drew University

ab 1962, Rutgers University ,NJ -Allan Kaprow , Robert Watts unterrichteten seit den späten 1950er-Jahren bei Rutgers.George Brecht, der in New Brunswick arbeitete, Robert Whitman, Geoffrey Hendricks, Lucas Samaras, Roy Lichtenstein ( Lehrer von 60-64und George Segal ab1962, die ebenfalls bei Rutgers lernten und lehrten, bildeten sie die New Jersey School. Lichtenstein und Segal haben indirekten Einfluss auf Gary Kuehn. Segal, der als Sohn jüdischer Emigranten wie Kuehn aus einfachen Verhältnissen stammte, wurde zu einem lebenslangen Freund.So fanden auf Segals Farm auf dem Universitätscampus Picknicks und Happenings im Rahmen des Yam-Festivals statt. Auch Kuehn war an solchen von Kaprow organisierten Events beteiligt. Er produzierte einen riesigen Stuhl aus Stahl, der als Schiedsrichterstuhl für das Yam-Festival 1963 in der New Yorker Smolin Gallery. Am Rutgers ging esdarum, am Rand des Minimalismus den Abstrakten Expressionismus und die Pop Art zu vermeiden.

 

Werke von Rutgers basierten auf dem konkreten Objekt oder Bild, das aus der Echtzeit, den Environments und Happenings einerseits kommt und der Pop-Art andererseits.“1 Hier herrschte also jene fließende Verbindung zwischen Kunst und Leben, die Kaprow proklamiert hatte.

Aus den konträren Ansätzen entwickelte Kuehn eine eigene Formensprache, die sowohl minimalistische als auch expressive Elemente enthält, sowohl objektive und allgemeingültige als auch persönliche und subjektive Momente.

1964 zog die junge Familie auf eine alte Farm in Somerville,NJ.

1964 MFA, Rutgers, The State University of New Jersey

1962 BA, Art History, Drew University MFA

1966 Eccentric Abstraction, Kuratorin: Lucy Lippard in der New Yorker Fischbach Gallery( zusammen mit Louise Bourgeois, Eva Hesse, Bruce Nauman,Keith Sonnier)

1966 prägenden Eindruck hinterliess Baustellenunglück bei der Bell-Telefongesellschaft, dessen Augenzeuge Gary Kuehn Kuehn

neben seiner Tätigkeit auf dem Bau übernahm er nach seinem Studienabschluss temporäre Lehraufträge bei Rutgers

1966 Rolf Ricke hatte Kuehns Werke in der Bianchini Gallery in New York gesehen

Schum 1970 seine zweite Fernsehausstellung, >Idenfications<, an der neben Giovanni Anselmo, Alighiero Boetti, Joseph Beuys, Mario Merz, Reiner Ruthenbeck, Keith Sonnier, Richard Serra und Lawrence Weiner auch Gary Kuehn mit seinem Gesture Project teilnahm. In dem Film sieht man den Künstler wie durch eine gerahmte Glasscheibe, die dem Fernsehbildschirm entspricht, auf die er mit einem Filzstift seine Linien quer über die ganze Fläche von einer Seite zur anderen zeichnet, so lange, bis das transparente Glas zur buchstäblichen Mattscheibe wird.

1970 und 1971 Ausstellung Fischbach Gallery NY

1971 Kuehn Überblicksausstellung nach Deutschland in die Neue Galerie im Alten Kurhaus der Stadt Aachen ( 56 Skulpturen, 15 Bilder , 21 Zeichnungen sowie der Gerry-Schum-Film )

1971 begonnene und dreißig Jahre später weitergeführte Gruppe der „Schwarzen Bilder“

1978 >Mystic responsability<- piece.

1977 Ausstellung bei Rolf Ricke, Köln

1979/80 DAAD-Aufenthalt in Berlin Berliner Serie (15 Bildobjekte)

Scheidung von seiner Frau Frau Nancy.

1984 und 1986 Werkgruppe der >Pickaxe Pieces< (etwa zwanzig Skulpturen)

1980 lernt Suzanne McConnell auf Cape Cod kennen.

1984 Heirat

1985 Art Galaxy Gallery New York

1986 Zwirner, NY


One Person Exhibitions

 

2008

-Museum Gegenstandsfreier Kunst, Ottendorf, Germany CATALOG

2007

-Galerie Haas, Zurich, Switzerland, "Black Paintings" CATALOG

2003

-Provincetown Museum, Provincetown, MA, "Summer Figures"

2001

-Margarete Roeder Gallery, New York, NY

1998

-Galerie Ricke, Cologne, Germany

1997

-Mitchell Algus Gallery, New York, NY

1995

-Margarete Roeder Gallery, New York, NY

1993

-Douglas Drake Gallery, New York, NY

1990

-Margarete Roeder Gallery, New York, NY

1988

-Galerie Jule Kewenig, Frechen, Germany

1987

-Galerie Sylvia Menzel, Berlin, Germany

1986

-Galerie Rudolf Zwirner Cologne, Germany CATALOG

-Barbara Gladstone Gallery

1985

-Art Galaxy, Barbara Flynn, New York, NY

1983

-Marion Locks, Philadelphia, PA

1980

-America Haus, Berlin, Germany

-Wurttenbergischer Kunstverein, Stuttgart, Germany CATALOG

1978

-Eugenia Cucalon Gallery, New York, NY

-Project Studio, PS 1, Long Island City, NY

-Galerie Georg Nothelfer, Berlin, Germany

-Galerie Aronowitsch, Stockholm, Sweden

-112 Greene Street, New York, NY

1975

-Galerie Arnesen, Copenhagen, Denmark

1974

-Galerie Fabian Carlsson I, Goteborg, Sweden

1972

-Galerie Ricke, Cologne, Germany

1971

-Neue Galerie der Stadt Aachen, Germany CATALOG

1970

-Galerie Thomas Borgmann, Cologne, Germany

1969

-Fischbach Gallery, New York, NY

-Galerie Ricke, Cologne, Germany

1968

-Galerie Christian von Stein, Turin, Italy

-Milwaukee Art Center, Milwaukee, WI CATALOG

1966

-Galerie Ricke, Kassel, Germany

-Bianchini Gallery, New York, NY


Existenzfigur - Gary Kuehn und sein Werk

Gary Kuehns künstlerische Stellung ist im Kontext des Aufbruchs der amerikanischen Kunst der 60ger Jahre- als Aufbruch und Ablösung von der Nachkriegskunst des abstrakten Expressionismus - zu sehen. Seine Stellung innerhalb der Künstlergeneration zu der u.a. Andre, Morris, Serra, Bollinger und Hesse zählen, kann in allen Phasen als erstrangig bezeichnet werden. Dennoch fand das OEuvre von Gary Kuehn bis heute keine adäquate Wahrnehmung.

Erstmals widmet sich der vorliegende Band dem Gesamtwerk des Künstlers, der sich von Anfang an von tradierten Skulpturvorstellungen löste und zu einem Protagonisten der „Minimal Art“ und der „Konzept Art" wurde.

Die Werke von Kuehn und anderen Vertretern der amerikanischen Minimal-Art, arte povera, Land Art und Concept Art wurden 1968 in der Ausstellungs-Tournee des Kurators Harald Szeemann mit Stationen in der Kunsthalle Bern, Haus Lange in Krefeld und dem „Institute of Contemporary Arts“ in London, erstmals international präsentiert. Mit dem Titel „Live in your Head- When Attitudes Become Form“, wurden damals die Avantgarde Bewegungen endgültig formuliert.

Bereits um 1963 entwickelte Kuehn das für ihn charakteristische Prinzip der Darstellung von einwirkenden Kräften auf die Form, das er über alle Schaffensphasen beibehielt und in spannungsreichen, sensiblen Arbeiten variierte. Glasfaserverstärkter Kunststoff, der mit dem Beginn der sechziger Jahre nutzbar wurde, wird von Gary Kuehn zum wesentlichen Werkstoff seine Ideen zu realisieren. Der neue Werkstoff ermöglichte Gary Kuehn als auch Eva Hesse der Skulpur neue Möglichkeiten der Formgebung und der Aussage zu erschließen.

In Auffassung und Formempfinden steht Kuehn`s Werk der Kunst von Eva Hesse und Bruce Nauman nahe. Kuehn will wie seine Mitstreiter durch unmittelbare Präsens des eher rohen Materials und einfacher Formen in die Psyche des Betrachters wirken. Da in seinen Arbeiten die Form über sich hinausweist und Prozesse sichtbar werden läst, würdigt man diese Werke als "Prozess Art".

Dennoch bleibt Kuehn`s Werk trotz aller Avantgardeattitüde in einer Hinsicht einem romantischen Kunstverständnis treu. Er fokussiert auf Schönheit und Erhabenheit als Ziel seiner Kunst. Gary Kuehns Werk schafft unalltägliche, sinnliche Erlebnisse - und poetische Momente wie kein anderes Werk seiner Zeitgenossen.


2) Gary Kuehn und die 60ger Jahre - Protagonist der Prozess Art

Mit John Cage als Vorreiterfigur entwickelte sich eine prozesshafte Kunst als Form der zeitgenössisch-avantgardistischen Kunst in den 1960er Jahren in den USA. Werke der Prozesskunst sollen mit realer Zeit und realem Raum arbeiten reale Kräfte und reales Material beinhalten und damit den Rezipienten zu unvermittelter Wahrnehmung führen. Gary Kuehns Skulpturen zeigen eine inneren Logik ein nachvollziehbares Konstruktionsprinzip wobei er sich auf ein einzelnes Motiv konzentriert an daran den Widerpart von Kräften sichtbar macht. Der Künstler versucht, die ästhetische Entscheidung auf ein Minimum zu reduzieren, um nach den inneren Gesetzmäßigkeiten zu suchen ."Während die Abstrakten Expressionisten nach einem subjektiven Ausdruck universaler Wahrheit, nach einem gefühlsbetonten, spontanen Ausdruck von Freiheit suchten, strebten die Künstler der Minimal Art nach Objektivität und Entpersönlichung, schematischer Klarheit und formaler Logik. Aber Kuehn:" Ich kompromittiere die reine Form“1. Kuehn interessieren vielmehr der Zwischenzustand, die Bedingungen und Möglichkeiten der Form. Die Reduktion auf einfache und übersichtliche, meist geometrische Formen war die Reaktion auf die ständige Erweiterung künstlerischer Ausdrucksformen,.." Zitat Dorothea Zwirner 2013

Gary Kuehn hat an diesen Entwicklungen in den 60ger Jahren maßgeblichen Anteil. Das belegt allein schon ein Blick in die damaligen Ausstellungslisten die neben ihm Künstler wie Carl Andre, Eva Hesse, Robert Morris, Bruce Nauman, als auch weitere Protagonisten von Minimal Art, Prozess Art und Arte Povera nennen. Im Vergleich mit den frühen Werken Bruce Naumans zeit sich,dass beide s weniger an der Form als an der Formwerdung interessiert sind.

Gary Kuehn´s Fieberglas Arbeiten der 60ger Jahre streben nach Objektivität, schematischer Klarheit, Logik und Entpersönlichung ästhetischer Entscheidungen. Ihnen ist mit den Arbeiten von Robert Morris und Nauman und anderer Künstler des Minimalismus gemein, dass Reduzieren auf einfache und übersichtliche, meist geometrische Grundstrukturen (sogenannte Primary Structures), aber auch der Einsatz von Naturmaterialen –wie in der Arte Povera. Kuehn benutzt auch industrielle Vorprodukte und Teile zur Herstellung seiner Werke: Matratzen, Bolzen, Gewindestangen. Damit scheint im Ansatz eine industriellen Fertigung vorzuliegen, dieses ist jedoch nur scheinbar der Fall, in Wirklicheit sind seine Arbeiten handwerklicher Ausführung geschuldet und nicht für eine serielle Produktion vorgesehen.

Seine „Inszenierung“ der Arbeiten in den realen Raum hinein hat für die zeitgenössische Skulptur grundsätzlichen Charakter. Reale konstruktive und destruktive Kräfte die auf die Plastik einwirken werden sichtbar, die keiner ästhetischen Konstruktion entsprechen sondern im Werkstück selber angelegt und durch den Künstler festgehalten sind. Diesen Dualismus von Kraft und Gegenkraft lotet Kuehn aus. Ebenso nutzt Gary Kuehn die vorhandenen Materialqualitäten bzw- Materialfarbigkeit für seine Absichten. Es geht im auch um die Nutzung der Materialeigenschaften hart -weich, fest-flüssig. Schon vor der den Minimalismus definierenen Ausstellung >Primary Structures< von 1966 im Jüdischen Museum in New York, hat Gary Kuehn minimalistisch gearbeitet.

 

Während Carl Andre, Robert Morris und Donald Judd die reine Tatsächlichkeit des formal Empirischen vorstellten, war Gary Kuehn`s Werk, ähnlich Eva Hesses Werk von Anfang an anders ausgerichtet und ging über den definierten Minimalismus hinaus. Andre, Judd und Morris ging es um die Konstruktion der Welt und darum eine grammatikalische Basis dafür bereit zu stellen. Es ging um die Konzeption von reiner Form, dem Verhältnis von Form und Raum und die Aufhebung der Trennung von Idee und Realisierung. Mit Kuehns Worten: „Worum es wirklich geht, auf wie viele Arten und Weisen Dinge auseinanderfallen können, was Dinge zusammenhält.“1

So wie man den wirtschaftlichen Aufschwung der 60ger Jahre kontinuierlich erlebte, neigte man dazu, den Gang der Geschichte insgesamt als Fortschrittsgeschichte zu empfinden. Im Werk von Kuehn ist dies offensichtlich nicht der Fall, hier dominiert die Untersuchung der Begrenzung von Freiheit durch äußere Kräfte. Kuehn`s Arbeiten der 60ger Jahre zeigen sich als Darstellung dieser Auffassung in unpathetischer Weise und so ist in diesen Arbeiten keine Politisierung zu beobachten. Seine Arbeiten verstiessen aber gegen übliche Sinnerwartungen -bezüglich Thematisierung, Raumbezug und Material. Sie überschritten traditionelle Medien und Gestaltungsformen und wurden in ihrer damaligen Zeit als gegen die herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse gerichtetet aufgefaßt.

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3) Gary Kuehn und die Überwindung der Minimal Art – Das Metaphorischen Werk der 70ger Jahre

Gary Kuehns Arbeiten ab den 70ger nehmen den Postmodernismus vorweg, indem sie sich von der Minimal Art deutlich distanzieren und ein neues Feld einbeziehen, die Untersuchung gegebener Objekte („ ready made“) . Damit nimmt er Abstand von der Darstellung von „ primary structures“, wie später Donald Judd die Arbeitsrichtung der „Minimal Art “ definieren sollte. Sie zeigen einen gewissen Zweifel an den technischen Utopien der 60ger Jahre und bringen Rückgriffe auf tradierte Techniken zur Herstellung von Skulptur.

Während die Minimal Art das Kunstwerk von politischen, persöhnlichen , ästhetischen und moralischen Kategorien will, strebt Kuehn gerade die Sichtbarmachung dieser Kategorien an. Kuehns Formfindung bringt sich in den Dialog mit dem Inhalt ( pickaxe pieces) und der yarbeit "Mythic Responsibility", 1976. Kuehn sagt von sich selbst: „Ich verfahre auf direkte Weise wie ein Arbeiter, indem ich meine expressiven Entscheidungen und Geschmacksurteile so weit wie möglich minimiere in der Hoffnung, dass sich der Ausdruck/Inhalt von selbst mit einer objektiven Autorität offenbart.

Eine Interpretation der Welt aus Lust am Absurden begann sich bei Gary Kuehn zu zeigen und wurde innerhalb weniger Jahre zur philosophischen Hinterfragung der Condition Humaine. Aufgegriffen und verstärkt wurden Impulse des Dadaismus (Stichwort: „Ready Made“ in Bezug auf die Nutzung der Axt als Motivgegenstand seiner Arbeit) , zum Teil auch des Surrealismus (Stichwort: „Écriture automatique“). (Abb xyz)

 

Kuehns Arbeiten jener Jahre sind lesbar als Aphorismen oder metaphorische Objekte, als kurze und prägnant formulierte Prosasätze. Schlagkräftig und auf den Punkt gebracht formuliert er einen ganz persönlichen Gedanken, eine plötzliche Erkenntnis oder auch eine Lebensweisheit. Der Aphorismus arbeitet mit Widersprüchen (Paradoxen) und Sprachbildern. Übertreibungen und Zuspitzungen sind seine Markenzeichen. So reizt der Aphorismus zum Weiterdenken. Diese Objekte sind keine surrealen Rätsel; sie vertreten auch nicht das Leben wie bei Fluxus. Sie stellen Fragen nach den Bedingungen von From in dem Verweis auf die formverändernden Gegenkräfte.

Kuehn bleibt in mancherlei Hinsicht einem romantischen Kunstverständnis treu. Er fokussiert auf Schönheit und Erhabenheit als Ziel der Kunst. - Sein Werk schafft unalltägliche sinnliche Erlebnisse - und poetische Momente. Gary Kuehn´s Werk ist auf Versöhnung von Kunst und Leben angelegt und erschließt der Skulptur die psychische Dimension.

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4) Alternativer Text zur historischen Einordnung von Gary Kuehn

Der Künstler Gary Kuehn (*1939 New Jersey, USA) ist ein bedeutender Vertreter der Minimal Art und der Prozess Kunst , die in den 1960er Jahren den traditionellen Skulpturenbegriff erweitert hat.

Als einer der jüngsten der Generation der in den dreißiger Jahren geborenen, gehört er derselben Generation ,an wie Richard Serra, Eva Hesse, Robert Morris, Bill Bollinger, Donald Judd, Bruce Nauman und Fred Sandback Tony Smith und David Smith. Diese entwickeln auf dem Boden der USA eine neue Tradition amerikanischer Kunst. War die erste Generation amerikanischer Künstler wie Pollok, Rothko und Kline waren noch eng mit der europäischen Tradition über die europäischen Immigranten wie Hoffmann und Albers verbunden, beginnt mit ihnen eine amerikanische Kunst die auf amerikanische Vorbilder aufbaut.

Der Minimalismus wird als eine speziell amerikanische Kunstbewegung verstanden, die sich von europäischen Traditionen wie dem Konstruktivismus, abzugrenzen suchte. Die konstruktivistische Idee war um 1917 von Russland ausgegangen hatte in den Niederlanden und Deutschland ihren Zenit erreicht, um dann von Paris aus in die USA getragen zu werden. Dort führte diese Idee zusammen mit anarchistischen Kunstidealen in den 60ger Jahren zu Minimal und Concept Art, indem die Künstler aus den vorgegebenen Bahnen ausbrachen und realen Raum und Zeit eroberten.

Mit John Cage als Vorreiterfigur entwickelte sich eine prozesshafte Kunst als Form der zeitgenössisch-avantgardistischen Konzeptkunst die in den 1960er Jahren. In diesem Strang entwickelte sich parallel mit den Ideen der Minimal Art und der Performance Kunst entwickelt wurde. Werke der Prozesskunst sollen mit realer Zeit und realem Raum arbeiten reale Kräfte und reales Material beinhalten. Hintergründe in der Entstehung in das Kunstwerk wurden einbvezogen wie das Publikum selber um den Betrachter zum Mitmacher zu machen, ihn anstoßen und ihn zu unvermittelter Wahrnehmung führen.

Während Carl Andre, Robert Morris und Donald Judd die reine Tatsächlichkeit des Empirischen darlegten, war Gary Kuehn`s Werk, ähnlich Eva Hesses Werk von Anfang an anders ausgerichtet.

Andre, Judd und Morris ging es um die Konstruktion der Welt und darum eine grammatikalische Basis dafür bereit zu stellen. Es ging um die Konzeption von reiner Form, dem Verhältnis von Form und Raum und die Aufhebung der Trennung von Idee und Realisierung.

1969 wurden Werke der amerikanischen Minimal-Art erstmals in einer Ausstellungs-Tournee des Kurators Harald Szeemann mit Stationen in Bern , Krefeld und London international präsentiert.

Kuehn steht in seiner Kunst Eva Hesse und Bruce Nauman nahe. Kuehn will über die Physis des Gegenstandes auf die Psyche des Betrachters wirken.

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5) Konstruktiv ? - metaphorisch ?

Gary Kuehn stellt sich in die Reihe der Neuerer, in dem er die damals exponierteste Technik der Formerzeugung nutzt; glasfaserverstärkten Kunststoff. Seine Arbeiten sind sockellos und haben in ihren Dimensionen Realcharakter. Seine Arbeit ist von Anfang an konstruktiv, aber nicht hochgradig technologisch oder industriell, sondern roh handwerklich geprägt; auch nicht seriell und auch nie rein formal zu sehen.

Kuehn´s Werk, glaubt man auf dem ersten Blick, sei eine Weiterführung des in Europa entstandenen Konstruktivismus (>Abstraktion - Creation < Bewegung < 1930-1937, Paris) auf amerikanischen Boden,. Seine Arbeiten ab 1985 die er selbst >Metaphysische Sculptur < nennt, scheinen bereichert durch surreale Einflüsse. Gary Kuehn`s direkter Vorläufer scheinen Tony Smith und David Smith´s (1906 -65 ) Werkserien der >Tanktotems< und >Cubi< zu sein. Seine Werkstücke haben sind kaum mit technischem Werkstücken zu verwechseln, wie es bei Bill Bollinger und Donald Judd möglich wäre. Seine Werke haben immer transzendente Anteile, gehen nie ohne Rest im Design auf.

Auf den ersten Blick sieht man in den Werken den handwerklichen Aspekt: Verschraubung, Verformung, Verflüssigung, Verschnürung, Verdrehung, Verspannung oder Umwindung. In diesem Aspekt des Machens geht aber das Werk nicht auf, sondern hebt ab indem sich der Betrachter die formenden Kräfte wahrnimmt.Gary Kuehns Arbeiten zeigen die Wirkung von Kräften, also die Wirkung der Welt auf die Konstruktion der Welt.

Gary Kuehn erweitert durch das Einwirken von Kräften in der Verformung der Konstruktion, das Augenmerk auf die Kräfte und Bedingungen in der Plastik. Kuehn abeitet mit realem Material realer Zeit und realem Raum aber seine Arbeiten gehen nicht vollständig im Realen auf, anders als bei Bill Bollinger bleibt immer ein metaphysischer Rest. In den Kuehn`s metapphorischen Arbeiten der 70ger Jahre stellen sich philosophische Fragen von einzelnem und Gruppe und Einzelnem, Zusammenhalt und Auseinanderfallen.

 

In diesem erweiterten Ansatz gleicht er Eva Hesse , die auch mit ganz anderen Fragen als Fragen der formalen Setzung beschäftigt ist. Gary Kuehn untersucht die "condition humaine" in der Nutzung eines konstruktiven Werkansatzes. Diese Wahrnehmung führt somit zur Anschauung des Werkes als Metapher.

Kuehns künstlerische Setzung ist das >aphoristische< Objekt. Dieses Objekt ist kein surreales Rätsel, "object trouve" oder "ready made". Es vertritt auch nicht das Leben wie bei Fluxus. Es stellt aber Fragen nach den Bedingungen von From und verweist auf die Kräfte der Formbildung.

Kuehns Arbeiten sind lesbar als Aphorismen, als kurze und prägnant formulierte Prosasätze. Schlagkräftig und auf den Punkt gebracht formuliert er einen ganz persönlichen Gedanken, eine plötzliche Erkenntnis oder auch eine Lebensweisheit. Der Aphorismus arbeitet mit Widersprüchen (Paradoxen) und Sprachbildern. Übertreibungen und Zuspitzungen sind seine Markenzeichen. So reizt der Aphorismus zum Weiterdenken.

Gary Kuehn erschließt der abstrakten Skulptur die psychische Dimension.


 

Der Künstler Gary Kuehn (*1939 New Jersey, USA) ist ein bedeutender Vertreter der Minimal -und Prozess Kunst , die in den 1960er Jahren den traditionellen Skulpturenbegriff erweitert hat.

Als einer der jüngsten der Generation der in den dreißiger Jahren geborenen, gehört er derselben Generation ,an wie Richard Serra, Eva Hesse, Robert Morris, Bill Bollinger, Donald Judd, Bruce Nauman und Fred Sandback . Diese entwickeln auf dem Boden der USA eine neue Tradition amerikanischer Kunst. War die erste Generation amerikanischer Künstler wie Pollok, Rothko und Kline waren noch eng mit der europäischen Tradition über die europäischen Immigranten wie Hoffmann und Albers verbunden, beginnt mit ihnen eine amerikanische Kunst die auf amerikanische Vorbilder aufbaut.

Der Minimalismus wird als eine speziell amerikanische Kunstbewegung verstanden, die sich von europäischen Traditionen wie dem Konstruktivismus, abzugrenzen suchte. Die konstruktivistische Idee war um 1917 von Russland ausgegangen hatte in den Niederlanden und Deutschland ihren Zenit erreicht, um dann von Paris aus in die USA getragen zu werden. Dort führte diese Idee zusammen mit anarchistischen Kunstidealen in den 60ger Jahren zu Minimal und Concept Art, indem die Künstler aus den vorgegebenen Bahnen ausbrachen und realen Raum und Zeit eroberten.

Mit John Cage als Vorreiterfigur entwickelte sich eine prozesshafte Kunst als Form der zeitgenössisch-avantgardistischen Konzeptkunst die in den 1960er Jahren. In diesem Strang entwickelte sich parallel mit den Ideen der Minimal Art und der Performance Kunst entwickelt wurde. Werke der Prozesskunst sollen mit realer Zeit und realem Raum arbeiten reale Kräfte und reales Material beinhalten. Hintergründe in der Entstehung in das Kunstwerk wurden einbvezogen wie das Publikum selber um den Betrachter zum Mitmacher zu machen, ihn anstoßen und ihn zu unvermittelter Wahrnehmung führen.

Die Entwicklung des Kunstwerks wird teilweise in die Präsentation einbezogen. Anders als in der definierte Pozeßkunst wo die Handlung, Aktion, der Entstehungsprozess und nicht das Ergebnis im Vordergrund steht. Im weiteren Sinne ist das Kunstwerk durch Alltagseinflüsse noch einem natürlichen Veränderungsprozess unterworfen (Betrachter, Erosion, Gezeiten, Tageszeiten u.ä.). Die Prozesskunst steht der Arte Povera nahe.

Bekannte Vertreter sind Carl Andre, Eva Hesse, Klaus Rinke, Ulrich Rückriem , Franz Erhard Walther,Robert Morris, Bruce Nauman, Michelangelo Pistoletto, Mario Merz, Richard Serra.

Gary Kuehn hat an den Entwicklungen maßgeblichen Anteil, da er sowohl mit Bruce Nauman, Eva Hesse, Robert Morris , Carl Andre als auch mit den anderen Protagonisten gemeinsam ausstellte. Während Carl Andre, Robert Morris und Donald Judd die reine Tatsächlichkeit des Empirischen darlegten, war Gary Kuehn`s Werk, ähnlich Eva Hesses Werk von Anfang an anders ausgerichtet.

Andre, Judd und Morris ging es um die Konstruktion der Welt und darum eine grammatikalische Basis dafür bereit zu stellen. Es ging um die Konzeption von reiner Form, dem Verhältnis von Form und Raum und die Aufhebung der Trennung von Idee und Realisierung.

1969 wurden Werke der amerikanischen Minimal-Art erstmals in einer Ausstellungs-Tournee des Kurators Harald Szeemann mit Stationen in Bern , Krefeld und London international präsentiert.

Kuehn steht in seiner Kunst Eva Hesse und Bruce Nauman nahe. Kuehn will über die physis des Gegenstandes in die Psyche des Betrachters wirken.


 

In der Architektur und Landschaftsarchitektur des 20. Jahrhunderts gilt der Minimalismus, insbesondere von Donald Judd, Carl Andre und Sol LeWitt -neben der Land Art wegen ihrer starken räumlichen Ausdruckskraft -zu den wichtigsten Inspirationsquellen, dessen Einfluss auch heute wirksam ist.

Vertreter der minimalistischen Skulptur sind ferner John McCracken, Sol LeWitt, Walter De Maria, Robert Morris, Larry Bell, Anne Truitt oder Fred Sandback. Formen und Farben werden auf das Einfachste reduziert wurden (auf Grundformen, monochrome und materialbestimmte Flächen).

Den Begriff >Minimalismus< prägte 1965 der britische Philosoph und Kunstkritiker Richard Wollheim in seinem Essay Minimal Art (in: Art Magazine, Januar 1965) Wichtig für die Begriffsbildung war auch Donald Judd, nach seinen Vorstellungen ging es darum, der Farbe eine plastische Form zu geben, um so in den Raum hinein zu wirken (vgl. Judds Artikel Specific Objects, 1965).

 siehe auch: Minimal Music, Land Art, Concept Art

 


Formalistisch? - metaphorisch ?

Gary Kuehn stellt sich in die Reihe der Neuerer, in dem er die damals exponierteste Technik der Formerzeugung nutzt; glasfaserverstärkten Kunststoff. Seine Arbeiten sind sockellos und haben in ihren Dimensionen Realcharakter. Seine Arbeit ist von Anfang an konstruktiv, aber nicht hochgradig technologisch oder industriell, sondern roh handwerklich geprägt; auch nicht seriell und auch nie rein formal zu sehen.

Kuehn´s Werk, glaubt man auf dem ersten Blick, sei eine Weiterführung des in Europa entstandenen Konstruktivismus (>Abstraktion - Creation < Bewegung < 1930-1937, Paris) auf amerikanischen Boden,. Seine Arbeiten ab 1985 die er selbst >Metaphysische Sculptur < nennt, scheinen bereichert durch surreale Einflüsse. Gary Kuehn`s direkter Vorläufer scheinen David Smith (1906 -65 ) Werkserien der >Tanktotems< und >Cubi< zu sein. Seine Werkstücke haben sind kaum mit technischem Werkstücken zu verwechseln, wie es bei Bill Bollinger und Donald Judd möglich wäre. Seine Werke haben immer transzendente Anteile, gehen nie ohne Rest im Design auf.

Auf den ersten Blick sieht man in den Werken den handwerklichen Aspekt: Verschraubung, Verformung, Verflüssigung, Verschnürung, Verdrehung, Verspannung oder Umwindung. In diesem Aspekt des Machens geht aber das Werk nicht auf, sondern hebt ab indem sich der Betrachter die formenden Kräfte wahrnimmt.Gary Kuehns Arbeiten zeigen die Wirkung von Kräften, also die Wirkung der Welt auf die Konstruktion der Welt.

Gary Kuehn erweitert durch das Einwirken von Kräften in der Verformung der Konstruktion, das Augenmerk auf die Kräfte und Bedingungen in der Plastik. Kuehn abeitet mit realem Material realer Zeit und realem Raum aber seine Arbeiten gehen nicht vollständig im Realen auf, anders als bei Bill Bollinger bleibt immer ein metaphysischer Rest. In den Kuehn`s metapphorischen Arbeiten der 70ger Jahre stellen sich philosophische Fragen von einzelnem und Gruppe und Einzelnem, Zusammenhalt und Auseinanderfallen.

 

In diesem erweiterten Ansatz gleicht er Eva Hesse , die auch mit ganz anderen Fragen als Fragen der formalen Setzung beschäftigt ist. Gary Kuehn untersucht die "condition humaine" in der Nutzung eines konstruktiven Werkansatzes. Diese Wahrnehmung führt somit zur Anschauung des Werkes als Metapher.

Kuehns künstlerische Setzung ist das >aphoristische< Objekt. Dieses Objekt ist kein surreales Rätsel, "object trouve" oder "ready made". Es vertritt auch nicht das Leben wie bei Fluxus. Es stellt aber Fragen nach den Bedingungen von From und verweist auf die Kräfte der Formbildung.

Kuehns Arbeiten sind lesbar als Aphorismen, als kurze und prägnant formulierte Prosasätze. Schlagkräftig und auf den Punkt gebracht formuliert er einen ganz persönlichen Gedanken, eine plötzliche Erkenntnis oder auch eine Lebensweisheit. Der Aphorismus arbeitet mit Widersprüchen (Paradoxen) und Sprachbildern. Übertreibungen und Zuspitzungen sind seine Markenzeichen. So reizt der Aphorismus zum Weiterdenken.

 Gary Kuehn erschließt der Skulptur die psychische Dimension.


Biographie

Der New Yorker Künstlers Gary Kuehn (*1939 New Jersey) ist ein bedeutender Vertreter der Process Art, die in den 1960er Jahren parallel zur Minimal Art den traditionellen Skulpturenbegriff erweitert hat.

Als einer der jüngsten der Generation der in den dreißiger Jahren geborenen gehört er derselben Generation an wie Richard Serra, Eva Hesse, Robert Morris, Bill Bollinger, Donald Judd, Bruce Nauman, Richard Artschwager und Lawrence Weiner. Diese entwickeln auf dem Boden der USA eine neue Tradition amerikanischer Kunst. War die erste Generation amerikanischer Künstler wie Pollok, Rothko und Kline waren noch eng mit der europäischen Tradition über die europäischen Immigranten wie Hoffmann und Albers verbunden. Jetzt beginnt eine amerikanische Kunst die auf amerikanische Vorbilder aufbaut.

Gary Kuehn entstammt einer Handwerkerfamilie aus Plainfield, New Jersey. Er beginnt ein Studium der Kunstgeschichte an der Drew University. Die Drew University ist eine private Universität in Madison, im US-Bundesstaat New Jersey. Dort schließt er dass Kunstgeschichtsstudium er mit dem B.A. ab. Anschließend nimmt er das Studium an der Rutgers Universität, New Jersey auf, das er 1964 mit dem Master of Fine Arts beendet.

Schon im April 1966 hat er eine erste Ausstellung in der Bianchini Gallery, New York. Anschließend vom August -September 1966 eine präsentation seiner Arbeiten in der Galerie Ricke, Kassel, Germany. 1968 Milwaukee Art Center, Milwaukee, WI (USA).1969 Fischbach Gallery, New York, NY (USA).

Besonders wichtig wird die Ausstellung u.a. mit Eva Hesse >Eccentric Abstraction<, kuratiert von Lucy Lippart vom 8-27 November 1969 in der Fischbach Gallery, New York , in der Kuehn das zweigteilige >Untitled< (Crate Piece, hudge) zeigte. Schon vor Eva Hesse begann Gary Kuehn mit Fiberglas und Kunststoffen zu arbeiten. und schließt formal an das Werk von David Smith (1906-1965), amerikanische Metallbildhauer, Maler, Zeichner und Fotograf.

Der junge Museumsleiter Harald Szeemann lädt ihn zur Teilnahme an der legendären Ausstellung «When Attitudes become Form: Live in your Head» (Bern 1969, Krefeld, London, )ein.Die Ausstellung gilt als der erste Präsentation von Kunstformen wie Arte Povera und Konzeptkunst und Prozess Art. Mit dieser Ausstellung wurde auch erstmals eine neue From von Ausstellung propagiert. Schon im Untertitel wird es spürbar worum es geht: „Werke – Konzepte – Prozesse - Situationen – Information” . Die Arbeiten der damals jungen Künstler, die neue Kunstformen wie Installation, Work in Progress, Land Art, Environment und Happening einbezogen, traten durch die Konzeption des Kurators in einen spannungsreichen Dialog. Viele Arbeiten entstanden erst „vor Ort” ( in situ ) im Museum. Szeemanns Anspruch war „…gegen die Dominanz von Tachismus und geometrischer Kunst neue künstlerische Formen“ zu zeigen „die aus keinen vorgefaßten bildnerischen Meinungen, sondern aus dem Erlebnis des künstlerischen Vorgangs entstanden sind." Die Ausstellung ging anschließend zum Museum Haus Lange in Krefeld und zum Institute of Contemporary Arts in London.

 Gary Kuehn entwickelte seine Bildsprache aus dem Vokabular der Minimal Art. Geometrische Grundformen wie Kreis, Quadrat, Dreieck bilden in Verbindung mit seinem Interesse an den materiellen Eigenschaften von Schaumstoff, Eisen, Metall etc. die Basis künstlerischer Untersuchungen seit den 1960er Jahren. Anders als bei den Konstruktivisten zeigen die Arbeiten der 60ger Jahre wie Kräfte auf die Konstruktion einwirken. Charakteristisch für das Werk Kuehns jedoch der emotionaler Aspekt, der über das rein Formale hinaus eine Gefühlswelt assoziiert. Diese enge Verbindung von Form und Inhalt bleibt prägend für Gary Kuehns Werk.

  Materialien werden Veränderungen ausgesetzt, die häufig unter Einwirkung von äußerem Druck geschehen. Weiche, biegsame oder organisch geformte Elemente wie Schaumstoffmatten werden durch die Schwerkarft oder durch Gewindestangen, Klammern oder Drähte in Form gezwungen. Analogien zu Pressionen der menschlichen Psyche durch äußere und innere Kräfte sind ablesbar. Die Materialität des Werkes steht dabeiim Vordergrund. Inhaltlich ermöglicht Kuehns Werk Assoziationen zu den Grundfragen menschlicher Erfahrungen und Gefühle – im Besonderen der Situation der durch innerem und äußerem Druck bedrängten Persönlichkeit.

Materialprozesse: Gewicht, Gravitation, Druck , Zug , Ausdehnung, Zusammenziehen als Thema

Ein scharfkantiger, genau messbarer Quader erliegt in Melt Piece, 1966 dem künstlerischen Prozess und offenbart ein weiches, organisches Inneres. Die unantastbare Autorität der Form wird untergraben, ihre scheinbare Stärke denunziert. Auch die Arbeit Mattress Piece von 1969 demonstriert Willkür von Außen, wenn weicher, biegsamer Schaumstoff durch die augenscheinliche Überlegenheit von Stahlstäben in Form gezwungen wird. In der Serie der Twist Pieces, 1987, sind es zwar keine Gegensätzlichen Materialien, dennoch werden zwei Elemente durch äußere Macht in einem schmerzlichen Prozess verbogen und verdreht. Die unwiederbringliche Verbindung wird hier jedoch zur harmonischen Einheit.

  Ende der 1960er Jahre entstanden aus der Auseinandersetzung mit Themen wie Freiheit und Begrenzung, Besitz und Verlust, Gewalt und Sanftmut auch zweidimensionale Arbeiten. Die seit den 1970er Jahren entstehenden Gesture Pieces können als Ausdruck menschlichen Freiheitsstrebens gelesen werden. Der Pinsel- oder Bleistiftstrich versucht hier, die Fläche zu beherrschen und bemüht sich darum, aus dem vorgegeben Rahmen auszubrechen. Fremdbestimmtheit von Außen zwingt die Linie zur Anpassung. Die Gebärde entwickelt sich dabei stets innerhalb des menschlichen Maßes einer Armlänge. Die zwischen 1976 und 1977 entstandenen Copper Pieces sind der Höhepunkt der Beschäftigung mit Freiheit und Begrenzung der Linie in der Fläche. Die Kupferplatte diktiert die Line zunächst wie eine Schablone und überlässt sie schließlich ihrer freien Entfaltung. Geprägt von der Formung durch die Schablone setzt sich die Linie jedoch kaum verändert auf dem offenen Papier fort. Der bewegten Linie tastet das Auge nach, räumliche Strukturen in der Fläche treten hervor, auch Bezüge zu persönlichen sozialen und psychologischen Erfahrungen sind möglich.

 


Das plastische Werk

I - Metal wire pieces , 1962

Draht ist um ein Objekt gewickelt und faßt es ganz ein. Die Wicklungen sind frei und locker gesetzt, werder chaotisch noch rein geometrisch formal.

 

II- Fiberglass pieces, 1963-69

Quaderkörper sind durch Draht in einer ungwohnten Form festgehalten oder durch andere Gegenstände aus ihrer normalen Lage gebracht. Oft ist es die Schwerkraft die den Körper - außerhalb seiner gewöhnlichen Stellsituation -in eine ungewöhnliche, präkäre Lage bringt. Der Quaderkörper ist auch des öfteren durch einen Käfig aus Latten in seiner Bewegung gehindert, eingesprerrt.

III- Bolt pieces , 1962-65

Gewindenstangen zwingen zwischen zwei Platten Materialien wie Äste, Stroh oder Seil in eine unbewegliche Situation. Gefangene Gegenständlichkeit. Gewindestangen halten weiches Material ( Matraze )an geometrisch festen Material fest.

IV- Melt pieces, 1964-66

Material fließt aus einer festen Form aus.

V - The Provisionals, 1969

Material wird mit Zwingen um eine Form gezwungen

VI- Twist pieces, 1970-73 und 1985-86

Form wird verdreht oder zwei Formen miteinander durch Verdrehung verbunden.

VI - Axe pieces, 1985-86

Eine Axt tritt in einen spielerischen Dialog mit einer freien Form.

 

VII- Sex of Heavenly Bodies, 1995

Drei Formteile sind zu einem vereint.

VIII - Late Fiberglass, ab1998

IX - Elegies , 2004


Das bildhafte Werk

 Neben dem plastischen Werk gibt es noch ein bildhaftes Werk:

> Early Gesture Project< ,1970

>Berliner Serie< ,1979

>Black Paintings<, 1972 und ab 2000

>Copper Pieces< , 1977

>Gesture Project< ab 1991.

>Chance Drawings< , 2003

>Stencil Drawings< ab 2005


Ausblick

Gary Kuehn, der sich selbst als Bildhauer versteht, sagt sein Werk handle von der «Verwundbarkeit der Struktur». Innerhalb der zeitgenössischen Kunst spricht er damit seit über 40 Jahren eine unverwechselbar eigenständige Bildsprache von zeitloser Aktualität. Bei Häusler Contemporary bietet sich die Gelegenheit, einen weit gefächerten Einblick in das Werk Gary Kuehns zu gewinnen und seine frühen Arbeiten neu zu entdecken.

 Gary Kuehns Werk wurde u.a. in New York, Berlin, St. Gallen, und 1977 auf der Dokumenta 6 in Kassel gezeigt. Er ist Professor für Bildhauerei an der Rutgers University in New Jersey.


Abbildungen

 

 

 

 

 

 

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-FELDFORSCHUNG zu GARY KUEHN

Keine ready mades-

-Rebus

Konzeption des Klassischen und Bruch * zu 1)

Vollendung und Experiment *zu3)

Suprematistische Konstruktion ( siehe Wladislaw Strzeminski , 1923) und Georges Vantongerloo,1935) auch Max Bill, 1961)

Das Volumen der Plastik alleine vermittelt das Empfinden des Raumes und der Zeit.

Die Volumen zueinander und die Sedimentierung der From *zu 2)

Geometrische Grundformen und Relationen

Surrealistische Querverbindungen

Druck, Schwerkraft, Widerstand, Begrenzung,

I) Wirkung der Konstruktion auf das Ich

II) Wirkung der Realität auf die Konstruktion

III) Der Ansatz der konkreten Kunst -das Ding an sich- wird hinterfragt.

IV) Visuelle Logik und rationale Beziehungen - dynamische Strömungen und topologische Geheimnisse.

V) Materialprozesse: Gewicht, Gravitation,Druck, Zug , Ausdehnung, Zusammenziehen als Thema

 

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