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Ist das wirklich Kunst?

Zwei Aktionen von Kunststudenten erhitzen in Schweden die Gemüter: Zum einen verwüstet ein Mann einen U-Bahnwagen, zum anderen wird ein Selbstmordsprung von einer Brücke vorgetäuscht, Selbstmordsprung von einer Brücke vorgetäuscht, um die Reaktionen der Menschen zu testen

 

Stockholm. Wie provozierend darf Kunst sein? Diese alte Frage stellt sich in Schweden nach zwei umstrittenen Vorfällen, denen eine Verurteilung durch die Kulturministerin, Schadensersatzforderungen und Anzeigen folgten.

Zum einen geht es um einen Studenten, der für seine Abschlussarbeit an der staatlichen Kunsthochschule einen U-Bahnwagen in Stockholm verwüstete. Zum anderen geht es um eine Kunststudentin, die an einer Brücke so tat, als wolle sie sich durch einen Sprung das Leben nehmen - sie wollte die Reaktion der Menschen in ihrem Umfeld in ihr Projekt integrieren.

Teuer verkauft

Die Debatte erzielte erst jetzt ihre Dimension, als die rechtsliberale Kulturministerin Lena Adelsohn Liljeroth auf der Stockholmer Kunstmesse „Market" an der Kunstakademie von der offiziellen Examensarbeit eines Stundenten mit dem Künstlernamen

Nug geschockt wurde. In einem zweiminütigen Videofilm unter dem Werktitel „Territorial Pissing" zeigt Nug einen schwarz gekleideten Mann, der die Fensterscheibe eines stehenden U-Bahnwagens einschlägt, hineinklettert und vor den Augen der erschrockenen Passagiere mit einer Farbspraydose Graffiti an die Wände malt. „Das ist unglaublich provozierend. Sich so gegenüber Mitmenschen zu benehmen. Ich finde nicht, dass das hier ein Kunstwerk ist und bin sehr verwundert darüber, dass es die Prüfung passieren konnte. Für mich ist das eine kriminelle Handlung, auch wenn ich sonst als Ministerin natürlich nicht die Werke einzelner Künstler kommentieren würde", sagte Adelsohn Liljeroth. Kurz danach wurde das Werk auf Wunsch des Künstlers aus der Ausstellung entfernt. Die Stockholmer Nahverkehrsgesellschaft, die Anzeige erstattete, fordert Schadensersatz in Höhe von 100 000 Kronen und eine Entschuldigung der Kunsthochschule. Für Nug hat sich die Aufregung gelohnt. Zwei der insgesamt drei zum Verkauf stehenden Videobänder hat er für zusammen 65 000 Kronen an Galeristen verkauft.

Destruktion lag im Trend

Die Reaktionen auf beide Aktionen waren heftig. Man solle der steuerfinanzierten Kunsthochschule die Gelder streichen, wurde gefordert. Andere empfanden die Arbeiten der Studenten als „mutig" und „wichtig", gerade auch um gesellschaftlich relevante Fragen wie Selbstmord und Mitmenschlichkeit dürften Künstler keinen Bogen machen.

Der Berliner Künstler Jurji von Ortenberg, der Nugs Arbeit kennt, findet das gezeigte nicht gut. Er sagt: „Zerstörung ist handwerklich sehr einfach. Es bedarf keiner künstlerischen Fähigkeiten. Ich glaube, auch deshalb machen viele Studenten so etwas. Destruktion lag lange im Trend. Aber sie ist platt und langweilt immer mehr. Wie weit soll man noch gehen mit dem Kaputtmachen, und was will man dann noch damit zeigen?"

von André Anwar , gefunden im www / Stand 2010

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