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Dan Graham (1942 - )

Dan Graham wurde 1942 in Urbana, Illinois geboren. Graham ist ein in New York lebender US-amerikanischer Galeriebesitzer, Kunst- und Kulturtheoretiker, Photograph, Filmproduzent, Performance- und Installationskünstler, Bildhauer, Konzept- und Videokünstler.

1964 eröffnete er mit Freunden eine Galerie, die jedoch aufgrund finanzieller Schwierigkeiten schließen mußte.

Ausgehend von dieser Erfahrung machte er nach 1964 die Mechanismen des Kunstbetriebes zum Thema seiner ersten Arbeiten und spielte mit dem üblichen Kreislauf des Schaffens und Verkaufens von Kunst. Seine ersten Werke (z.B. Schema, Homes for America, 1966) sind Seiten in Magazinen und Zeitschriften, die damit wie Galerein gleichsam zu einem Raum für Kunst wurden. Die Pyramiden und Spalten, zu denen er seine Beiträge ordnete,nahmen Gestaltungsprinzipien der Minimal Art auf, brachten aber im Unterschied zur Minimal Art gesellschaftlich relevante Themen zur Sprache , wie Architektur, Wohnen und Sprache. Mit seinem Werk der 70er Jahre zählt er zu den Pionieren der Performance- und Videokunst. Im weiteren Verlauf entdeckt Graham den Körper als künstlerisches Medium und veranstaltet Performances, in deren Mittelpunkt der Künstler sowie die anwesenden Besucher stehen (Roll, 1970; Body Press, 1970/72). Zum Hauptthema seiner künstlerischen Arbeit wurde nach diesen Jahren immer mehr die Architektur: Graham konzipierte Projekte, die sich differenziert mit sozialer Interaktion in öffentlichen Räumen auseinandersetzten. Diese komplexen Wahrnehmungssituationen seiner Performances übersetzt Dan Graham um 1980 direkt in Architektur, etwa in gläserne Pavillons. Diese erlauben Durchblicke und spiegeln den Betrachter, dessen Spiegelbild sich mit Bildern anderer Menschen, von Natur, Stadt und Himmel überlagert. Kunst kreiert hier ein interaktives Blick- und Aktionsfeld, das die Selbstreflexion der Betrachter zu aktivieren vermag.

Graham interessiert sich nicht für die Konstruktion des Raumes, sondern für die Raumerfahrung, das Sehen desselben. Beim Octogon, Münster bezieht er sich auf die Tradition des Park- und Gartenhäuschens, das über seine Nutzung als Ort des Teetrinkens und Musizierens hinaus, vor allem idealer Standort für den Ausblick auf Park, oder Garten ist. Im selben Maße, wie sich der Pavillion auf den Garten bezieht, richtet sich der Garten nach dem Pavillion. Die Form des Pavillions erwächst aus dessen Funktion: nicht er soll gesehen werden, sondern durch ihn soll man sehen.

Betritt man allerdings das Octogon durch die Schiebetür so befindet man sich in einem durch das dunklere Spiegelglas und die fehlenden Bänke hermetisch und leer wirkenden Raum. Aus ihm kann man nur noch visuell wahrnehmen, aber nicht mehr wahrgenommen werden.

Durch sämtliche Werkphasen Dan Grahams zieht sich die Fotografie als begleitendes Medium. Die Fotos können zurecht als "Rückgrat seines OEuvres"

Darüber hinaus ist seine schriftstellerische Arbeit ein zentraler Bestandteil seines Gesamtwerkes. Seine Veröffentlichungen reichen von z.B. frühen konzeptuellen Arbeiten, die als Beilagen in Magazinen für den Massenmarkt zu finden waren, über Schriften, die sich mit den Arbeiten zeitgenössischer Künstler auseinandersetzen, bis hin zu Analysen der Popkultur.

Graham stellt das Subjekt, den Ausführenden wieden Zuschauer, als Wesen vor, das sich erst im Akt derWahrnehmung - ein durchgängiges Thema bei Dan Graham - konstituiert. Eine wichtige Rolle spielt dabei der soziale Bezug, das heißt die Eigenwahrnehmung im Bezug zu anderen Personen.

Verstärkerfunktionen übernehmen in variabler Verwendung Fotografie und Video, Spiegel und Glasscheiben. Später verschwindet der Performer und der Betrachter wird über Spiegel und Videoaufzeichnung mit sich selbst konfrontiert. In der Installation Two Viewing Rooms von 1975 bestehen "zwei Wände des Raums [...] aus Spiegeln, in eine dritte Wand sind eine Kamera und ein Monitor eingelassen. Der Betrachter wird von der Kamera aufgenommen, das Bild mit einer Verzögerug von acht Sekunden wiedergegeben. Da sich gegenüber der Kamera ein Spiegel befindet, entsteht ein Rückkoppelungseffekt, der auf dem Monitorbild die Raumszene bis in die Unendlichkeit vervielfältigt. Durch die Zeitverzögerung gibt das nächstkleinere Monitorbild die Szene mit 16 Sekunden Verzögerung wieder, das folgende erscheint mit 24 Sekunden Verspätung usw. Der Besucher kann sich also zeitlich gestaffelt in der Vergangenheit agieren sehen."

Dan Graham ist für die jüngere Künstlergeneration einer der einflussreichsten Konzeptkünstler, der mit seinem Werk früh die Autonomie des künstlerischen Werks in Frage gestellt und die Rolle der Populärkultur reflektiert hat.

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