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Gilbert and
George (1943/1942
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:Gilbert Proesch, geboren 1943 in den Ladiner Dolomiten, Italien und George Passmore, geboren 1942 in Devon, England, lernten sich 1967 in der Bildhauerklasse der Londoner St. Martin's School of Art kennen. Seitdem leben und arbeiten sie gemeinsam in London als Künstlerduo. Sie behaupten dass die Kunstschule ihnen an Ausbildungserfahrung so gut wie nichts vermittelt hat , sie verlassen sie ohne jegliches Kunstwissen und ohne handwerkliche Versiertheit.
Sie begannen ihre Zusammenarbeit mit Aufführungen in der Öffentlichkeit, da sie keinen Zugang zu Galerien und Ausstellungen fanden. 1969 bis 1977 traten sie als "Living Sculptures" auf und präsentierten als > Singing Sculptures< durch automatenhafte Bewegungen zu einer alten engl. Schallplatte > Underneath the arches < eine entleerte, stereotype Identität. Durch ihre schlichte Namensgebung »Gilbert and George« und dem Verzicht auf ihre Familiennamen unterstreichen sie ihr stereotypes und konformes Äußeren, welches sie sich im Laufe der Jahre zulegen. ( vgl. Andy Warhol:" Ich will eine Maschine sein", vgl die Musikgruppe: Kraftwerk ). Den internationalen Durchbruch erhalten sie 1968 in Düsseldorf durch Auftrittte in der Galerie Konrad Fischer und in der Kunsthalle.
Stets im traditionell britischen Stil, mit Anzug, Hemd und Krawatte gekleidet und im Gleichklang von Bewegung, Gestik und Sprache zeichneten sie sich bei Alltagsritualen wie Spazierengehen, Trinken und Rauchen auf und erhoben diese banalen Tätigkeiten zu Werken.
Die Bilder von Gilbert & George sind Großfotos . Sie zeichnen sich durch eine konzeptuelle Formgebung aus und zeigen sich als Update der Bildmethodik der mittelalterlichen Buchmalerei wie der > Reichenauer Malerschule < um 1000 n. Chr. In ihren Bildern gibt es Bedeutungsgrößen und - Farben, Pars pro Toto, antipersektivische Räume und einen erzählerischen Bildkern. Ihre Arbeiten lesen sich auch wie die mittelalterlichen Kirchenfenster und Bilderschriften. Jeder kann sie lesen und verstehen, ohne viel Vorwissen. Ihr Anliegen ist eine anti-elitäre Kunst für den Mainstream d.h. für die moderne Massenkultur. ( vgl. Keith Haring , A.R. Penk )
Mit der ursprünglichen Idee, menschliche Skulpturen dh. ein Kunstwerk zu sein , lagen sie 1967 mitten im Zeitgeist von Fluxus und Antikunst. Davor behaupteten schon Tim Ulrichs ein Lebendes Kunstwerk zu sein und Wolf Vostell hatte den Slogan geprägt Kunst ist Leben, Leben ist Kunst. Auch Beuys und John Cage folgten dieser Devise. Gilbert & George haben sich selbst zur Skulptur ernannt. Das "Ich" schafft nicht nur das Kunstwerk, es ist das Kunstwerk. Widmeten sich die Künstler in ihren gemeinsamen Anfängen zunächst der Zeichung, so arbeiteten sie später verstärkt mit Fotografie.
Durch die konzeptuelle Bildkomposition und Collage von Photos gestalten sie ein neues Gesamtbild das es in dieser Form noch nicht gab. Sie fotografieren, kolorieren und vergrößern dies Bildmotive, bevor sie sie angeordnet in einem schwarzen Raster zu wandgroßen Fotocollagen zusammenfügen. Ende der 70er Jahre erhalten die Werke monumentale Größe indem sie die Einzelpanels die das Gesamtbildbilden stark vergrößern und vermehren. Ab 1981 erfolgt der Einsatz von Farben: Rot, Gelb, dann die restliche Palette. Ihre Arbeiten beeindrucken durch ihre Größe, wie beispielsweise >Death after Life< von 1984 mit einer Breite von 13,7 Metern.Sie scheuen nicht vor der Darstellung von Geschlechtsorganen und Fäkalien. Die ersten Photoarbeiten zeigen sie spazieren gehen oder während sie sich betranken. Die altenglischen Anzüge die sie tragen wurden zu ihrem Art Markenzeichen. ( vgl. CD Friedrich )
Die Motive werden vielfach von schwarzen Linien umrandet, es findet also quasi wieder eine Isolierung der einzelnen Bildelemente statt. Die frühen Arbeiten waren nur in schwarz-weiß gehalten, dann kamen rote und gelbe Farben ca 1974 hinzu. Ab 1977 arbeiten Sie mit einer größeren Bandbreite gesättigterer Farben. Die harten Kontraste und die Tontrennung erinnert von weitem an Andy Warhol. Ab 1980 dominieren Sexualität und Körper als Themen die Werke von Gilbert & George. Sie bezeichnen ihre Themen als Ausagen über: Kopf, Seele und Sex.
Einige Serien ihrer Bilder haben die mediale Aufmerksamkeit auf sich gezogen, da sie gesellschaftlich tabuierte Darstellungen verwendet haben, etwa Nacktheit, Homoerotik, Kot, Urin Sperma und Blut. In ihrem Anspruch das > moderne Leben zu zeigen< folgen sie dem Anspruch der Impressionisten, zeigen aber Dinge jenseits der optischen Wahrnehmung in einem Antirenaissance Bildraum.
Gilbert & George begreifen den Zustand des Hier und Jetzt als Entleerten, Sinnlosen und Absurden als Inkarnation, was sich in ihren Arbeiten als bewußte und in allen Konsequenzen akzeptierte Annahme dieses Zustandes ausdrückt. ( vgl. Monty Python )in großformatigen - aus kleineren Bildrechtecken zusammengesetzten Photocollagen, die sie zuerst analog im Dunkelkammerprozß herstellten und inzwischen mit dem Computer erarbeiten. Sie verstehen sich als Künstler nicht als Photographen oder Maler. Sie sind Konzeptkünstler.
Ihr Gemeinsames Auftreten als Künstlerduo stellt eine Besonderheit dar. Gilbert & George kreieren eine Struktur des Sozialen, die immer mindestens zwei verlangt, da ein einzelner nie eine Gemeinschaft bilden kann. Sie errichten diese soziale Welt, indem sie das Gewicht auf die Freundschaft verlagern und inkarnieren sich in ihre Arbeit und Welt als eigene Person. Daß die Künstler dabei nie auf historisches und tradierte Motive zurückgreifen, vielmehr sich selbst und vertraute Gegenstände benutzen, indem sie das Leben ohne moralische Wertung in seinen äußeren Erscheinungen wahrnehmen.
Im Mai 2007 waren Gilbert and George Thema der BBC-Dokumentation 'Imagine'. Am Ende der Sendung wurde ein Werk namens >Planed< zum freien Download für 48 Stunden auf den Websites von BBC und Guardian angekündigt..
Zahlreiche Ausstellungen dokumentieren seit Mitte der 60er Jahre die Arbeiten der Künstler. Die Bildmotive, die sie in ihren Bildern verwenden, stammen zumeist aus der Umgebung ihres Wohnortes in East London, wo es ihrer Meinung nach "alles gibt, worum es in der Welt geht". Seit den 60ger Jahren sind sie in der 12 Fournier Street, Spitalfields, East London ansässig. Ihre Galerien sind White Cube, Ropac, Arndt&Partner, Sonnabend, Konrad Fischer .
2005 auf der Bienale in Vendig / www.venice.abo.co.uk ( Bilder) stellen sie ihre neuen Werke vor.
Bildserien
1971 - Nature photo pieces | 1972 - The evening before the morning after
1973 - Any port in a storm | 1973 - New decorative works | 1973 - modern rubbish
1974 - human bondage | 1974 - dark shadow
1974 - cherry blossom ( erster Einsatz von roter Farbe im Bild )
1975 - bloody life | 1975 - bad thoughts
1976 - dead boards | 1976 - mental
1977 - the dirty words
1978 - The 1978 pictures
1980 - The 1980 pictures | 1980/81 - modern fears
1982 - The 1982 pictures | 1983 -The 1983 pictures | 1983 - modern faith |1983/1984
1984 - The 1984 picturres |1984 - the believing world
1985 - new moral works | 1986 - The 1986 pictures
1986 - class war / militant gateway
1987 - The 1987 pictures | 1988 - The 1988 pictures |1988 - The for aids pictures
1989 - the cosmologicalpictures
1991 - New democratic pictures | 1992 - The 1992 pictures
1994 - The naked shit pictures | 1994 - Shitty naked human world
1996 - The fundamentalpictures
1997 - New testamental pictures
1998 - The rudimentary pictures | 1999 - Nineteen ninety nine
2000 - MM | 2000 - The zig-zag pictures
2001 - New horny pictures | 2001 - Nine dark pictures
2003 - Twenty London East One Pictures
2004 - Thirteen Hooligan pictures
2005 - ginkgo pictures
2005 - Sonofagod pictures
2009 - Jack Freak Pictures
Literatur:
Gilbert& George, Jack Freak Pictures, 2009
Gilbert& George, Haus der Kunst,München 2007, Hatje Cantz Verlag
Gilbert& George, The Complete Pictures , Exhibitions International Februar 2007- Box-Set
Gilbert& George, An Exhibition, 2002, Verlag der Buchhandlung König
Gilbert& George, The Singing Sculpture von Carter Ratcliff von Distributed Art Pub Inc, 1993
Gilbert& George,The Words of Gilbert & George - Writings, Statements, and Interviews 1969-1997 ( Writings and Interviews von Robert Violette, Hans Ulrich Obrist, und Gilbert ), Violette Editions, 1998
Gilbert & George: Obsessions & Compulsions von Robin Dutt , Palgrave Macmillan , 2004
Links:
Galerie Ropac , Galerie Sonnabend, Galerie Arndt & Partner , White Cube
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