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Reggae


Reggae Allgemein / Bob Marley / Jimmy Cliff / Peter Tosh

Mit nur 2,5 Millionen Bewohnern hat Jamaika in den letzten 50 Jahren mehrere 100000 Platten produziert. Kein Ort auf der Welt bringt (im Verhältnis zur Einwohnerzahl) mehr Musik hervor als die Karibik-Insel.
Reggae ist für Jamaikaner echte Volksmusik, in welcher Themen wie Freiheit, Liebe, Armut, Politik und Rastafarianismus besungen werden. Für manche amerikanisch-europäische Popmusik gewöhnte Ohren klingt Reggae-Musik oft eintönig und langweilig. Bei genauerer Betrachtung erkennt man jedoch ihre Vielfältigkeit, und stellt fest, dass die innovative Kraft des Reggae eben diese amerikanisch-europäische Popmusik geprägt und verändert hat.

Der König des Reggae ist Bob Marley. Er machte zusammen mit den Wailers Jamaikas Musik und die Ideen der Rastafari weltbekannt, und wurde so zum ersten Superstar der Dritten Welt. Nach seinem frühen Tod 1981 ist er zu einer Ikone geworden und wird vielerorts als Erlöser, Rebell und Held verehrt.


Bob Marley

Bob Marley ist der unbestrittene König des Reggae. Ihm ist die Bekanntheit und Popularität der jamaikanischen Musik außerhalb des eigenen Landes zu verdanken. Innerhalb zweier Jahrezehnte gelang es ihm zusammen mit den Wailers eine zeitlose Musik zu schaffen, welche in die übrige Musik unserer Zeit eingeflossen ist und diese nachhaltig beeinflusst. Während andere Bob als Superstar, Rebell und Held verehren sah er sich selbst bescheidener Weise als Diener Gottes.

"Ich bin nichts besonderes; Das ist Gottes Werk, und alles, was ich tue, ist für Jah."

Obwohl Reggae von vielen als "Gute-Laune-Musik" (was sie sicherlich auch oft ist) und Bob Marley als fröhlicher Mensch betrachtet wird, wird er von ihm nahestehenden Personen als sehr sensibel und innerlich schwer verletzt beschrieben, was sicherlich auf seine Vergangenheit zurückzuführen ist.

 

 Bob Marley

 

 

Bobs Kindheit

Bob Marley wurde am 6. Februar 1945 in Nine Miles, einem kleinen Dorf in den Bergen Jamaikas als Robert Nesta Marley geboren. Sein Vater Captain Norval Marley war ein als Angestellter der damaligen Kolonialregierung tätiger, weißer Jamaikaner. Der 50 jährige heirate Bobs damals 18 jährige Mutter Cedella Booker 1944 als die Schwangerschaft bekannt wurde, um sie einen Tag später in Richtung Kingston zu verlassen.

 

 

Bis zu seinem 5. Lebensjahr lebte Bob in Nine Miles, bis er unter einem Vorwand von seinem Vater entführt und in Kingston bei einer Frau namens Mrs Grey abgegeben und nicht wieder abgeholt wurde. Nach fast einem Jahr fand Cedella ihren Sohn Bob wieder und holte ihn zurück nach Nine Miles. Hier stand er unter großem Einfluss seines Großvaters Omeriah, welcher sein geheimes, auf animistischen Religionen Afrikas beruhendes und von Sklaven nach Jamaica gebrachtes Wissen an Bob weiter gab. Ein weiterer Verwandter, Clarence Malcom, ehemals gefeierter jamaikanischer Gitarrist, verschaffte ihm erste Kenntnisse über Musik, welche er auf selbstgebastelten Gitarren aus alten Sardinenbüchsen und Bambus anwandte. Während Bobs Mutter, um Geld für die Ernährung der Familie zu verdienen in Kingston arbeitete und lebte, wohnte Bob bei seiner Tante.

 

 

 

Bobs Jugend

1957, Bob war 12 Jahre alt, entschied sich seine Mutter ihn zu sich nach Kingston zu holen. Bob war damit einverstanden, denn das Leben bei seiner sehr strengen Tante machte ihn unglücklich. Das Leben in der Stadt stellte etwas völlig anderes dar, als die ländliche Gemächlichkeit die Bob gewohnt war. Allerdings hatte er ja schon während der Entführung durch seinen Vater Erfahrungen mit dem Stadtleben gemacht. Zudem traf er so Bunny Livingston wieder, mit welchem er seit frühester Kindheit befreundet war. Beide verband das starke Bestreben, sich durch Musik auszudrücken, so dass sie bereits versuchten kleine Lieder zu erfinden.

Nach einiger Zeit zog Cedella mit Bob in das von der Regierung neugebaute Wohnviertel Trenchtown. Obwohl es kein Abwassersystem enthielt, stellte es für die Slum- und Hüttenbewohner Kingstons eine erstebenswerte Wohnanlage dar. Trenchtown war das Zentrum der Rastafarians in Kingston. Diese Haile Selassie als Gott verehrende, und ständig von Marihuana-Aromen umgebende Minderheit, war mit ihrer Art des Denkens von Teilen der Bevölkerung überhaupt nicht erwünscht. So kam es beispielsweise, dass bei Polizeieinsätzen Rastafarians in LKWs gedrängt wurden, um ihnen die Locken abzuschneiden.

 

 

Während seines Lebens in Trenchtown hatte Bob seinen ersten Kontakt mit Ganja - Marihuana. Hier erhielt er auch zum ersten Mal "richtigen" Musikunterricht (zusammen mit Bunny Livingston) durch Joe Higgs, bei welchem er Peter McIntosh kennenlernte. Higgs war einer der berühmtesten Bewohner des Viertels, da er einer der ersten eingeborenen Jamaikaner war, die eine Platte aufgenommen hatten.

Im frühstmöglichen Alter von 14 Jahren verließ Bob die Schule. Er war keinesfalls unbegabt, oder faul, sondern wurde im Gegenteil von seinen Lehrern nahezu vergöttert. Bob brach die Schule ab, um Geld zu verdienen, und fand eine ihm verhasste Stelle als Schweißer. Eines Tages flog ein Stück Metall hoch und blieb im weißen seines Auges stecken. Er hatte starke Schmerzen, und musste ins Krankenhaus es entfernen lassen. Nach diesem Vorfall fällte Bob die Entscheidung, das Schweißen sein zu lassen, und sich seiner Gitarre zu widmen. Er beschloss seinen Lebensunterhalt als Musiker zu verdienen.

 

  Einstieg ins Musikgeschäft

1962 veröffentlichte Bob Marley seine erste Platte "Judge Not" auf dem kleinen Label von Leslie Kong, ein japanisch-jamaikanischer Geschäftsmann, welcher pauschal zehn jamaikanische Dollar für jeden Song zahlte. Das Lied wurde vom fröhlichen Galopp des Ska getragen, der damals so frisch und einzigartig war, wie die Nation Jamaikas selbst, welche am 6. August 1962 die Unabhängigkeit von der Britischen Krone erreichte.

Obwohl "Judge Not" ebenso wie zwei andere für Kong aufgenommene Platten kaum Erfolg hatte, stellte es für Bob den wichtigen ersten Schritt ins Musikgeschäft dar. Bei diesem spielte Derrick Morgan eine besondere Rolle, denn er war es, der Bob mit Leslie Kong bekannt machte. Morgan hatte gerade mit "Forward March" einen Hit in Jamaika gelandet, welcher die optimistische Stimmung der aufstrebenden und nun unabhängigen Nation ausdrückte. Er war es ebenfalls, der Bob seine ersten größeren öffentlichen Auftritte verschaffte, indem ihn 1963 bei einigen seiner Shows auftreten ließ, wobei Bob allerdings vom launischen jamaikanischen Publikum ausgebuht wurde.

  

Trotz dieser Enttäuschung und den Flops seiner ersten Platten war der damals 16jährige überzeugt eine Zukunft als Musiker vor sich zu haben. Nun versuchte er, gemeinsam mit seinen Partnern aus Trenchtown Bunny Livingston und Peter Tosh Erfolg zu haben. Zunächst traten sie als "The Teenagers" und später als "The Wailing Rudeboys" auf, aus welchen sich im Laufe der Zeit "The Wailing Wailers" bzw. die "The Wailers" entwickeln sollten.

  

Bobs Mutter war unterdessen von Bunnys Vater Toddy Livingston schwanger, konnte aber nicht mit ihm glücklich werden, da er sehr eifersüchtig und streitsüchtig war. Um dieser Hassliebe zu entfliehen und ein besseres Leben zu beginnen, zog sie nach Wilmington in Delaware (USA). Nach langem zögern, ob Bob mitkommen sollte, entschied man sich, ihn später nachzuholen. Bob wurde so zunächst von seiner Tante umsorgt und später obdachlos, als diese nach St. Ann zurückkehrte. Während dieser Zeit schlief er meist in einer Ecke der Küche eines Bekannten.

Das Ende dieser tristen Situation stellte der Beginn der Aufnahmen im legendären Studio-One für Clement "Sir Coxsone" Dodd dar. Hier entstanden Songs wie "I'm Still Waiting" oder "Simmer Down". Die kurz vor Weihnachten 1963 veröffentlichte und im Februar 1964 auf Platz eins der jamaikanischen Charts plazierte Platte "Simmer Down" setzte sich mit den Themen Jugendkriminalität und dem Leben im Ghetto auseinander. Obwohl sie eigentlich eher weniger dazugehörten nahmen Bob, Bunny und Peter somit das Image der als halbstarke Jugendliche auftretenden Rude-Boys an.

 

 Neben Fortschritten in der Musik lernte Bob auch im religiösen Bereich dazu. Einige Studio-One Musiker, wie beispielsweise Johnny Moore waren ernsthafte Rastafari und lehrten dem staunenden Bob ihre Interpretation der Bibel, dem in Jamaika mit Abstand bekanntestem Buch. Nach weiteren erfolgreichen Songs wie "Lonesome Feelings" oder "Another Dance" erschien 1965 "One Love", welches die Botschaft und Philosophie der Rastafari enthielt.

  

Musikalische Unabhängigkeit

1966 heiratete Bob Rita Anderson, ein einfaches aber gebildetes Mädchen aus Trenchtown, welches ebenfalls Musik machte. Einen Tag später verließ er sie ebenso wie sein Vater damals seine Mutter in Richtung USA, um seine Mutter zu besuchen. Rita kam nach einigen Monaten nach und gemeinsam flogen sie zurück nach Kingston, mit dem Ziel ein eigenes Plattenlabel zu gründen.

 Auf dem 1967 gegründetem Label Wail'N'Soul'M erschienen unter anderem die Songs "Bend Down Low" und "Mellow Mood". Es war für Bob und Rita, welche die Platten meist eigenhändig in die Plattenläden lieferten schwer das Label zu führen, so dass Bob trotz der Unabhängikeit eines eigenen Labels bei Danny Sims unterschrieb. Dieser garantierte für jeden Wailer zusätzlich zu Erlösanteilen aus Plattenverkäufen 50 US-Dollar pro Woche. Bis 1972 erschienen über 80 Songs wie "Nice Time" oder "Soul Rebel" bei Sims.

1971 gründete Bobs Freund und Fußball-Superstar der Insel Alan Cole das Label "Tuff Gong" mit zehn Dollar aus eigener Tasche und gab Bunny und Peter je 33 und Bob 34 Prozent der Firma. Ihre erste Veröffentlichung "Trenchtown Rock", ein Stück über das Leben und Leiden im Ghetto und die tröstend-aufbauende Wirkung von Musik, blieb fast den ganzen Sommer über die Nummer eins der jamaikanischen Charts.

 

 

Internationale Bedeutung

1958 gründete Chris Blackwell in Jamaika das Label Island Records. Unter anderem wurde mit Jimmy Cliffs "The Harder They Come" eines der besten Soundtrack-Alben aller Zeiten veröffentlicht. Chris Blackwell wollte mit Cliff Reggae auf dem Markt für Rockalben etablieren, doch dieser verließ Island Records, um bei einem anderem Label mehr Geld zu verdienen. Zu dieser Zeit stellte sich Bob bei Blackwell vor, und konnte sofort unterzeichnen. Blackwell stellte fest, dass Bob den harten, rebellischen Charakter - Grundlage seiner Vermarktungsstrategie- welchen Jimmy Cliff im Film spielte tatsächlich vertrat.

 

 

1972 wurde mit "Catch A Fire" das erste Album für Island Records veröffentlicht, es hatte entgegen aller Voraussagen großen Erfolg. Die Grundlage der Bekanntmachung von Bob und den Wailers waren Live-Auftritte. Die Leute sollten die Gruppe hören und dann ihre Platte kaufen. Spätestens seit "Rastaman Vibration" (1976), welches in die Britische Top Ten stieß waren Bob Marley And The Wailers ein ernstzunehmender internationaler Bewerber. Eine weitere Steigerung der Bekanntheit der Gruppe erfolgte durch das Live!-Album, Konzertmitschnitte aus dem Londoner Lyceum.

Von nun an konnte Bob und die Wailers nichts mehr aufhalten. Während die erste internationale Tournee im Durchschnitt 2000-3000 Menschen sehen wollten, füllte die Gruppe bei der dritten Tour durch Europa und die Vereinigten Staaten riesige Stadien, in Mailand beispielsweise spielte Bob vor 100000 begeisterten Zuschauern, und verbreitete so Jamaikas Musik und die Lehre der Rastafari in der ganzen Welt.

  

 

The Wailers

Zunächst traten Bob, Peter Tosh und Bunny Livingston als Trio auf und wurden lediglich für zu Studioaufnahmen von unterschiedlichen Reggae-Bands unterstützt. Als die Gruppe 1972 bei Island Records unterzeichnete spielte Earl "Wire" Lindo Keyboard, und die Barret-Brüder Aston "Family Man" Barret ("Family Man" wegen der enormen Anzahl seiner Kinder) und Carlton Barret Bass und Schlagzeug. Carlton Barret wurde 1987 auf Grund eines Komplotts zwischen seiner Frau und deren Liebhaber erschossen. Im Laufe der Zeit stießen außerdem Tyrone Dowie (Keyboard) und der amerikanische Gitarrist Al Anderson dazu.

Mit dem Erfolg bei Island wurden auch die Differenzen zwischen Bob, Peter und Bunny immer deutlicher. Nach jahrelanger Zusammenarbeit schienen sich die Wege der drei, seit ihrer Jugend in Trenchtown befreundeten Männer zu trennen. Peter wurde eingeredet, dass er dieselbe Austrahlung wie Bob besäße, und er es auch alleine schaffen könnte, so dass dieser 1974 die Gruppe verließ und sein eigenes Label "Intel-Diplo HIM" (Intelligent Diplomat for His Imperial Majesty) gründete. Auch die Zusammenarbeit mit Bunny brach zusammen, da dessen Abneigung gegen Tourneen, er wollte nichts mit Babylon zu tun haben und blieb lieber in Jamaika, dem Konzept von Island Records zur weltweiten Vermarktung Bobs widersprach. Zur weiteren Verkomplizierung trug bei, dass Wire Lindo (Keyboard) vorerst mit dem amerikanischen Musiker Taj Mahal zusammenarbeiten wollte und somit auch nicht zur Verfügung stand.

Zu dieser Zeit der Krise setzten sich Bob, Family Man und dessen Bruder Carlton zusammen, um sich über das zukünftige Aussehen der Gruppe zu einigen. Ziel war es, eine feste Formation für Tourneen und Studioaufnahmen zu finden. Hierzu wurden die I-Threes, bestehend aus Bobs Frau Rita, der Diva des Reggae Marcia Griffiths und Judy Mowatt überzeugt, den Wailers beizutreten. Sie waren von nun an für die Background-Vocals zuständig, und wurden zu einer festen Größe der Gruppe.

 

 

Zwar war stach Bob seit langem hervor, doch war man bisher oft noch als "The Wailers" aufgetreten. Von nun an erhielt Bob auch "offiziell" die Führungsrolle, die Einnahmen aus Tourneen und Plattenverkäufen beispielsweise wurden so aufgeteilt, dass Bob und die Wailers je 50 Prozent erhielten, und man sprach von "Bob Marley And The Wailers".

 

 

 

Bobs Tod

Am 8. Oktober 1980 brach Bob beim Joggen im New Yorker Central Park zusammen. Rasch war das Problem diagnostiziert: Bob litt unter einem bösartigen Gehirntumor im Endstadium. Die Ärzte gaben ihm eine Lebenserwartung von 3 Wochen. Über die Ursachen des Krebs wird noch heute viel spekuliert. Sowohl Aktivitäten des CIA, welche unzählige Akten über ihn angelegt hatten, als auch Wirkungen der Kugel, welche 1976 bei einem Attentat in Bobs Körper gelang, gelten als Möglichkeiten. Höchstwahrscheinlich war jedoch eine fast nicht behandelte Fußverletzung vom Fußballspielen, eines von Bobs größten Hobbys die Ursache.

  

Durch eine sofort nach der Diagnose eingeleitete Strahlentherapie fielen Bobs Locken aus, wie ein Vorzeichen. Während der Therapie ließ sich Bob von Gefühlen überwältigt als Mitglied der Ethiopian Orthodox Church taufen. Im November 1980 gaben die Ärzte zu, dass nichts mehr zu machen sei. Daraufhin wurde Bob in eine Krebsklinik in Bayern, welche nur unheilbare Fälle aufnahm und eine Erfolgsquote von 20 Prozent versprach verlegt. In dieser für ihn unangenehmen Atmosphäre, die Klinik war oft von Schnee umgeben, verbrachte Bob seine letzten Monate. Im Mai 1981 beschloss er nach Jamaika heimzukehren, schaffte es jedoch nur bis Miami, wo er in den frühen Morgenstunden des 10. Mai ankam und sofort ins Krankenhaus gebracht wurde, wo er gegen 11.30 Uhr verstarb.

Bobs Beerdigung fand in der National Heroes Arena in Kingston statt. Sein Sarg, in welchen eine abgenutzte Bibel und seine Gitarre gelegt wurden, wurde quer über die Insel nach Nine Miles, seinem Geburtsort gefahren. Die halbe Bevölkerung Jamaikas versammelte sich dort, um ihren Respekt zu zeigen.

 

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Jimmy Cliff

 

Well they tell me of a pie up in the sky

Waiting for me when I die

But between the day you're born and when you die

They never seem to hear even your cry

- Jimmy Cliff

 

 

Nun, wird sich der ein oder andere fragen, was hat Jimmy Cliff auf einer Roots-Reggae-Seite zu suchen? Schließlich wird dem 1948 in St. Catherine als James Chambers geborenen Musiker, welcher 1973 vom Rastafarianismus zum Islam konvertierte, nicht selten vorgewurfen, seine musikalischen und religiösen Wurzeln in Jamaika für den kommerziellen Erfolg im Rockmusikbereich preiszugeben.

 

 Jimmy Cliff

Und obwohl dieser Vorwurf sicher nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, war es doch gerade Jimmy Cliff mit seiner leichten, eher Pop-Musik freundliche Form des Reggae, der gemeinsam mit Bob Marley und vielleicht einigen wenigen anderen die Aufmerksamkeit europäischer und amerikanischer Hörer der Musik Jamaikas zugewandt hat, so dass es doch lohneswert ist, der letzten lebenden "Reggae-Ikone" Tribut zu zollen.

 

 

Jimmy Cliff wuchs wie so viele andere Vertreter des Reggae im Armutsviertel Trenchtown in Kingston auf. Bereits mit 14 Jahren hatte Cliff mit "Hurricane Hattie" seinen ersten Hit für den Produzenten Leslie Kong. Er wurde auf den jungen James Chambers aufmerksam, als dieser ungefragt in Kongs Plattenladen seine Eigenkomposition "Dearest Beverly" acapella zum Besten gab, und gab ihm kruzerhand den Namen Jimmy Cliff.

  

Mitte der 60er Jahre zog Cliff nach London, um hier für Chris Blackwells Island Records vor internationalem Publikum den Rockmusik-Sektor zu erobern. Sein erstes in Großbritannien veröffentlichtes Album "Hard Road To Travel" war jedoch ein Flop. Den ersten größeren Erfolg konnte Cliff mit "Wonderful World, Beautiful People" (1967) feiern. Das Ende der 60er Jahre veröffentlichte "Vietnam" wurde von Bob Dylan als bestes Protest-Lied, welches er je gehört hat bezeichnet, und veranlasste Paul Simon nach Kingston zu reisen, um mit derselben Hintergrund- Band, Ausstattung und Technik "Mother And Child Reunion" aufzunehmen.

  

Der absolute Durchbruch gelang Jimmy Cliff jedoch mit Jamaikas erfolgreichsten Film aller Zeiten "The Harder They Come" (1970). Der weithin als bester Reggae-Film geltende Streifen verschaffte dem als bewaffneter, drogen-verkaufender Rudeboy in der Hauptrolle agierendem Cliff internationale Popularität. Der dazugehörige Soundtrack, welcher unter anderem die Reggae-Hymnen "You Can Get It If You Really Want" und "Many Rivers To Cross" enthielt, zählt zu den meistverkauftesten Reggae-Alben aller Zeiten, und trug maßgeblich zur Verbreitung der Nachricht von Frieden und einem harmonischen Zusammenleben bei.

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Peter Tosh

 

"I've learned some lessons in my life

lessons in my life

Always be careful of my friends

be careful of my friends

Money can make friendship end

it makes friendship end."

 

- Peter Tosh in "No Nuclear War"

 

 

Peter Tosh gilt gemeinsam mit Bob Marley und Jimmy Cliff als einer der drei einflussreichsten und herausragendsten Vertreter des Reggae. Am 9. Oktober 1944 in Westmoreland (Jamaika) geboren, wuchs Peter Tosh ebenso wie Bob Marley und Bunny Livingston (später Bunny Wailer) im Armutsviertel Trenchtown in Kingston auf. Gemeinsam starteten die drei eine Musikerkarriere als "The Wailers".

Ihre erster Erfolg in Jamaika "Simmer Down" ließ den Weg, welchen Bob, Peter und Bunny einschlagen sollten erahnen: ernsthafte, bewusst politische Musik. Später folgende Reggae- Hymnen wie "Trenchtown Rock", "Stir It Up" oder die Tosh-Marley-Co-Produktion "Get Up Stand Up" machten die Wailers weltweit bewunderten Musikern und jamaikanischen Nationalhelden. Mit wachsendem internationalen Erfolg steigerten sich jedoch auch die Differenzen der Gruppenmitglieder. Nachdem die Wailers 1972 mit "Catch A Fire" zu einem ernstzunehmenden Bewerber auf internationaler Bühne avancierten, gingen ab 1973/74 sowohl Bunny Wailer als auch Peter Tosh ihre eigenen Wege.

 

 Peter Tosh

1976 erschien Peter Toshs geniales Solo-Debut "Legalize It". Neben seiner sehr systemkritischen Einstellung, wird besonders durch den Titel-Song sein Engagement für die Legalisierung von Marijuana deutlich. Die provokative und kämpferische, teilweise fast schon militante Art und Weise seine Meinung zu vertreten brachte Tosh häufig Probleme mit der Polizei. 1975 wurde er beispielsweise nach seiner Verhaftung wegen Besitzes von Marijuana von Polizeioffizieren brutal zusammengeschlagen.

 

Von seinem Umfeld wurde Peter Tosh immer als etwas grimmig und mit einem feurigen Temperament ausgestattet beschrieben, was ihm den Spitznamen "Stepping Razor" einbrachte. Sein aufreizender Charakter verstärkte sich 1973 nachdem seine Freundin bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, da sich Tosh als Fahrer des Wagens die Schuld dafür gab.

1987 wurde Peter Tosh eine Woche nach der Veröffentlichung seines Albums "No Nuclear War" in den USA von drei "Gunmen" in seiner Wohnung erschossen und hinterließ ebenso wie Bob Marley (mindestens) 10 Kinder, kein Testament und ein beeindruckendes musikalisches Erbe.

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Quelle: www.reggae.freesite.de

Von: Sebastian R.Patrick N.
kunstwissen.de

 
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