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Japanische Kunst - Ando Hiroshige ( 1798- 1858 )
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Hiroshige2 /:Holzschnitte von Hiroshige /

Hiroshige (andere Namen: Juemon, Tokube, Ichiyusai, Ando, Ryusai, Tokaido, geboren 1797 in Tokyo, gestorben 1858 in Tokyo), er gehört zu den letzten klassischen Meistern des Farbholzschnittes.

Wie die meisten Holzschneider stammte auch Hiroshige aus einer einfachen Familie, die auf keinerlei künstlerische Tradition zurückblicken konnte. Sein Vater war Feuerwehrmann, der aber soviel Gespür besaß, daß er die künstlerische Begabung seines Sohnes sehr früh erkannte und ihn zu dem Druckmeister Tqyohiro (1763—1828) in die Lehre schickte In dessen Werkstatt erhielt er keine bemerkenswerte künstlerische Anleitung, er erlernte lediglich die technische Herstellung eines Holzschnittes, und seine frühen Arbeiten weisen ihn auch nur als einen guten Techniker aus, der die Materie beherrschte. Bis zum Jahr 1820 schuf er fast ausschließlich Buchillustrationen, daneben einige figürliche Entwürfe, die kaum über ein Mittelmaß hinausgehen. Erst nach diesem Zeitpunkt, vielleicht angeregt durch das Werk Hokusais, wendet er sich der Landschaftsdarstellung zu und erkennt, daß auf diesem Gebiet seine eigentlichen Fähigkeiten und Interessen liegen.

Sehr rasch rückt er in die vorderste Reihe der Holzschneider und wird Hokusm gleichgesetzt, wenn dieser auch als der sogenannte Altmeister gilt. Was den Umfang des Werkes anlangt, so steht dieser dem Hokusais um nichts nach, auch die Produktion Hiroshiges umfaßt Tausende von Blättern, die allerdings in ihrer Qualität recht unterschiedlich sind. Neben vielen, die nur ein gutes Durchschnittsniveau aufweisen, gibt es mehr als genug, die ihn als Meister der Landschaft bestätigen. Die Beurteilung seines Werkes wird durch die gleichen Momente erschwert, denen wir schon bei seinem Zeitgenossen begegnet sind. Auch Hiroshige wurde in Europa zu einem der meistbegehrten Meister des Farbholzschnittes, und viele seiner jetzt im Handel befindlichen Blätter stammen von grob nachgeschnittenen Druckplatten, wobei auch noch minderwertige Farben verwendet wurden. Originale Blätter sind rar, nur sie ermöglichen eine Beurteilung dieses Künstlers, der ein Meister der feinen Linie und einer subtilen Farbgestaltung war.

Im Gegensatz zu Hokusai war Hiroshige eher ein introvertierter Mensch, und diese Grundeinstellung drückt sich auch in seinem Werk aus, das weniger monumental als das seines Zeitgenossen ist. Von beiden bedeutenden Landschaftsinterpreten war er der sanftere, womit er dem japanischen Empfinden zur ruhigen, ausgeglichenen Lebensform wohl um einiges näher kam. So sind seine Landschaften meist von einer stillen Heiterkeit erfüllt, sie sind voller Atmosphäre und voller Ehrfurcht vor der Natur, und der Mensch ist ein Teil dieser Natur; viele Blätter Hiroshiges erinnern an chinesische Malereien der Zen-Künstler. Der Mensch wird hier nicht idealisiert, eher mit feinem japanischem Humor in seinen Schwächen gegenüber der Natur abgebildet, die er nicht besiegen will, weil er sich zu ihr gehörig fühlt.

Bereits die erste große Landschaftsserie machte Hiroshige berühmt. Es waren die »53 Stationen der Tokaidostraße«, womit jene Landschaft gemeint war, die sich über 323 Meilen hinweg zwischen Tokyo und Kyoto erstreckt. In diesen Blättern bewies er erstmalig seine grandiose Fähigkeit, puren Naturalismus der Darstellung atmosphärisch so zu überlagern, daß die reine Abbildung zum Bild erhoben wurde. Dabei machte er sich die westliche Form der genauen perspektivischen Abbildung zunutze, womit er vielleicht den europäischen Maßstäben wesentlich näher kam als viele seiner Zeitgenossen, er blieb aber in seinem Stil völlig der japanischen Schule verhaftet.

Der ersten Landschaftsserie folgten bald weitere, und im Gesamtüberblick über das Werk Hiroshiges darf man sagen, daß er dem Betrachter einen lebendigen Eindruck vom Japan des 19. Jahrhundert vermittelte. Er führt ihn durch die 69 Provinzen des Landes bis hin zum Biwa-See und zum heiligen Berg Fuji, ebenso geleitet er ihn durch die Gassen Tokyos und Kyotos. Die Landschaft war das Hauptanliegen Hiroskiges Daneben stammen von seiner Hand aber nicht minder reizvolle Blatter mit Vögeln und Blumen und Entwurfe für Facherbilder

Aus der Serie »Acht Ansichten des Biwa-Sees« stammt das Blatt »Sonnenuntergang m Seta«, das die Landschaft am Biwa-See in ihrer ganzen Weite und Schönheit erfaßt Bei allem Naturalismus weist das Bild einen starken Stimmungsgehalt auf, der hauptsächlich durch die friedlich dahingleitenden Schiffe bestimmt wird Besticht dieses Blatt durch seine Ruhe, so zeigt ein anderes den Menschen in den Gewalten der Natur Es sind die »Lastträger in Sturm und Regen« aus der Serie »69 Stationen der Kisokaido-Straße« Hier ist die Naturgewalt Element des Bildes das seine Spannung durch die Schraffierung des Regens erhalt, der Baume und Gebüsch in eine Richtung treibt Gegen den Regen stellt Hiroshige mit Geschick die schräg ansteigende Straße und auf ihr die sich in entgegengesetzte Richtung bewegenden Lasttragei, in deren Gestalten wieder einmal der leise Humor der japanischen Kunstler zum Ausdruck kommt Die sich kreuzenden und überlagernden Linien verleihen diesem kleinen Blatt eine unwahrscheinliche Lebendigkeit, die wenige Kunstler des Holzschnitts zum Ausdruck bringen konnten

Ganz statisch baut Hiroshige dagegen das Blatt »Kambara« auf, es entstammt der Serie »53 Stationen der Tokaido-Straße« Hier ist der Schnee das beherrschende Bildelement, er überlagert Landschaft und Häuser, und die drei Figuren im Bild scheinen, fast wie die Baume, unter der Last des Schnees zusammenzubrechen Die vom Himmel fallenden dicken weißen Flocken, geschickt ausgespart aus einem verhangenen Himmel, unterstutzen die Impression des Begriffes Winter, der hiei mit eigentlieh ganz einfachen Mitteln in seiner ganzen Wucht dargestellt wird.

Mit Hiroshige endet die klassische Epoche des japanischen Holzschnittes. Die auf ihn folgenden Künstler müssen wir der Moderne zurechnen, einer Epoche, die von der Konfrontation Japans und der japanischen Kunst mit der westlichen Welt bestimmt war.

 

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