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Allgemeines:::::

Alle zivilisatorischen Leistungen hängen von der Fähigkeit des Menschen ab sich mit seinen Mitmenschen zu verständigen.Schrift ist Verständigungsmittel genau wie die Sprache, Bild und Tanzmit der Methode Gedanken in Zeichen zu äußern festzuhalten und lesbar zu machen ohne selbst anwesend zu sein. Während das gesprochene Wort verfliegt, bleibt die Schrift unter Umständen noch nach Jahrhunderten sichtbar. Schrift ist Bild, Schriftbild. Die Gestaltung der Schrift nennt man Typographie. Da der Schrift wie der Sprache eine Denkhandlung vorausgeht, die vom Geist des Menschen bestimmt wird, ist Schrift mehr als Verständigungsmittel. Schrift ist Ausdruck lebendigen Denkens und Fühlens. Alle Stilepochen fanden in der Schrift ihren sichtbaren, bleibenden Niederschlag.

 

Geschichtliches::

Die Schrift entstand an folgenden Orten und Zeiten: Südosteuropa um 5500 v.Chr., Altägypten um 3500 v.Chr. (Hieroglyphen), Mesopotamien um 2700 v.Chr. (sumerische Keilschriften), Industal um 2300 v.Chr. (Indien), China um 1900 v.Chr. und Mittelamerika um 1000 v.Chr. (Schrift der Olmeken).

Am Anfang standen Knoten- und Kerbenzeichen, vor allem aber das abbildende Zeichen ermöglichte Verständigung.Die ersten möglichen Bildzeichen als Zeichen auf Kieseln um 12.000 v. Chr in Höhlen der Pyrenäen. Das erste nachweisbare Schriftsystem stammt aus der südöstlichen Donaukultur um 5.300 v Chr.

1) Das Piktogramm

Das Gegenstands- oder Bild-Zeichen. Das unmittelbar abbildende Zeichen nennt man Piktogramm, Gegenstands- oder Bild-Zeichen. Es ist anfangs an keinen bestimmten Wortlaut gebunden. Ein einziges Bild-Zeichen, z.B. ein senkrechter Strich, kann mit verschiedenen Worten (Stock, Stab, Pfahl, Balken, Stamm) benannt werden. Diese Frühform des Bild-Zeichens wird auch Ideogramm genannt, weil sie die Vorstellung (Idee) eines Gegenstandes ausdrückt, ohne ihn mit einem festen Wortlaut zu benennen. Das Ideogramm kann nicht nur den Gegenstand, sondern auch dessen Eigenschaften kennzeichnen: Ein schräger Strich meint z.B. einen fallenden Stock. Kombinierte Bildzeichen können Handlungsabläufe schildern.Die auf Birkenrinde geschriebene Chronik des Indianerstammes der Delawaren, die mit der Erschaffung der Welt und zugleich der eigenen Stammesgeschichte beginnt, ist eine derartige Bildschrift.

Hieroglyphen

Die immer zahlreicher werdenen Bild-Zeichen - in Ägypten schließlich 700 - ermöglichen das Schildern komplexerer Vorgänge, machen aber aus dem Schreiben und Lesen eine schwierige Wissenschaft. In China bringt man es sogar auf 40.000 Bild-Zeichen, die immer nur von verhältnismäßig wenig Gelehrten annäherungsweise beherrscht worden sind.Bild-Zeichen sind in ihrer Aussage selten ganz eindeutig und deshalb für einen reibungslosen Verkehr schlecht geeignet.

Die auf den spätesten Zeitpunkt datierten ägyptischen Hieroglyphen wurden im Jahr 394 n. Chr. im Tempel von Philse in den Stein gemeiselt. Zu dieser Zeit gab es wenige ägyptische Bildhauer, die die Zeichen kannten oder gar verstanden. Hieroglyphen, die auch "Gotteswörter" genannt wurden, verwendet man weiterhin für monumentale Inschriften, insbesondere an den prachtvollen Temelbauten, mit denen die Ptolemäer bei den Ägyptern und ihren Göttern Anerkennung zu finden versuchten. Bei der Wahl der Zeichen achtete man allerdings nicht so sehr auf die überkommene Schreibweise als vielmehr auf den dekorativen Effekt.

Die Hieroglyphen wurden von Jean-Francois Champollion entziffert. Doch ohne den "Stein der Rosette" hätte er es bestimmt nicht herausgefunden, denn "Der Stein von Rosette" war der Schlüssel zur Entzifferung.

Die Stele ist aus schwarzem Basalt und enthält ein Dekret von 196 v. Chr. mit dem Priester den Kult des Königs Ptolemaios´ V. in allen Tempeln des Landes anordneten, das in zwei Sprachen und drei Schriften wiedergegeben ist: in Hieroglyphen, in demotischer und in griechischer Schrift. Der griechische Teil des Dekrets ermöglichte die Entzifferung der Hieroglyphen.

Die Schriftzeichen im oberen Teil der Stele sind Hieroglyphen. Die demotische Schrift im Mittelteil ist eine Möglichkeit der Hieroglyphen. Der griechische Teil diente der Entzifferung. Champollion fand dort den Names des Königs Ptolemaios - für ihn entsprach dies dem umrahmten Hieroglyphen.

Grundregeln für das Lesen von Hieroglyphen

Ägyptische Hieroglyphen wurden in Zeilen oder Kolumnen geschrieben, mal von rechts nach links, mal von links nach rechts. Um zu sehen, in welche Richtung ein Text zu lesen ist, braucht man sich nur die Menschen- oder Tierfiguren anzusehen, die dem Beginn der Zeile oder der Anfangskolumne zugekehrt sind. Die zweite Grundregel besagt, dass man von oben nach unten liest. Das gilt nicht nur für die Kolumnen, sondern auch dann, wenn in einer Zeile mehrere Zeichen untereinander stehen, um den verfügbaren Platz ganz auszufüllen.  

2) Vom Bild/Laut-Zeichen zum Lautgruppen- oder Silben-Zeichen.

Das erste nachweisbare Schriftsystem stammt aus Südosteuropa/Transsylvanien um 5500 v.Chr. Es handelt sixch um Inschriften auf Kultgegenstäden der > Alteuropäischen Donaukultur<

Ein anderer Schritt, um die Nachrichtenübermittlung vor Mißverständnissen zu bewahren, erfolgt etwa 3320 v. Chr. in Ägypten, Königsfriedhof von Abydos ,durch die lautsprachliche Festlegung der Zeichen. Daneben erfolgt eine graphische Vereinfachung (Stilisierung), die schnelleres Schreiben und klareres Lesen ermöglicht.Die Lautbindung des Gegenstands- oder Bild-Zeichens macht die Nachrichtenübermittlung unmißverständlich. Mit der Zeit erkennen die Schriftkundigen, daß sich ein Begriff, der gegenständlich nur schwer wiederzugeben ist (wie »Mut«), durch ein leicht darstellbares ähnlich lautendes Bild-Zeichen (wie etwa »Hut«) ersetzen läßt. Schließlich werden die vielen Bild-Zeichen radikal vermindert, indem man mehrere, fast gleichlautende Wörter durch ein einziges Zeichen darstellt. Besonders eignen sich hierzu einsilbige Wörter (Sohn, Lohn, Mohn, Hohn u.dgl.). Aus dem Sinnzusammenhang einer Nachricht wird jeweils erraten, welche Bedeutung gemeint ist. Mit derartigen »Laut-Rätseln« (Lautrebus) sind viele Sinnzusammenhänge schreibbar geworden. Mit dem Vorteil, mehrere Begriffe durch ein Zeichen (Bild-Laut -Zeichen oder Phonogramm) darstellen zu können, muß ein wesentlicher Nachteil in Kauf genommen werden: Jede Bildschrift ist nur noch in einem Sprachraum zu verstehen. Sie ist einsprachig geworden.

Umständlich bleibt die Beschreibung von Handlungsabläufen, da Zeitwörter noch nicht schriftlich wiedergegeben werden können. Schließlich werden auch diese von Gegenstands-Zeichen abgeleitet: Ein Auge mit drei Balken bedeutet »weinen«, ein Kind mit Stock »schlagen«, ein Vogel mit ausgebreiteten Flügeln »fliegen«.

Die Keilschrift aus Mesopotamien um 2700 v. Chr. ist schon ein sehr abstraktes und geordnetes System.Bei einem zusammengesetzten bzw. bei einem mehrsilbigen Wort kann auf die Schaffung eines eigenen Zeichens verzichtet werden, indem man seine einzelnen Wörter oder Silben durch gebräuchliche, leicht verständliche Bild-Laut-Zeichen wiedergibt (Haar-spalte[r]-ei). Im östlichen Mittelmeerraum wird um 2000 v. Chr. eine Silbenschrift mit etwa 100 derartigen Lautgruppen-Zeichen entwickelt. Zwei Ergänzungen an den Lautgruppen-Zeichen gewährleisten das richtige und schnelle Verstehen: Einige Zusatzzeichen bestimmen Sinngruppen (Irdisches, Göttliches, Kosmisches u.dgl.), andere legen die Aussprache eindeutig fest. Mit der Zeit werden die Lautgruppen-Zeichen so stark stilisiert, daß ihr Naturvorbild kaum mehr zu erkennen ist.

Industal 2300 v Chr. , China 1900 v. Chr, Olmeken 1000 v. Chr.

 

3) Die Buchstabenschrift

 

2000 v Chr. Die altminoische Linearschrift A wurde Ausgangspunkt für die untetrschiedlichsten orientalischen Schriftsysteme.

Die Buchstabenschrift basiert auf Einzellaut-Zeichen. Das abendländische Alphabet ist im östlichen Mittelmeerraum aus dem Bild- oder Gegenstandszeichen über das Bild-Laut-Zeichen zum Lautgruppenund schließlich zum Einzellaut-Zeichen entwickelt worden. Die Buchstabenschrift entsteht um 1600-1200 v. Chr. im altsemitischen Sprachraum.

1500 v Chr entsteht das ugaritische Keilschriftalphabet mit 27 Hauptzeichen

a) Die Phönizier bauten die Lautgruppen- oder Silben-Schrift zu einer reinen Buchstabenschrift aus, in der allerdings nur Konsonanten bezeichnet werden. Durch Handelsbeziehungen kommen die Phönizier mit den Altgriechen in Berührung, die etwa um 1000 v.Chr. den Vorteil der Buchstabenschrift erkennen. Da die Phönizier eine fast reine Konsonantenschrift haben, ändern die Altgriechen das Buchstabensystem für ihre vokalreiche Sprache ab, indem sie einige der phönizischen Konsonantenzeichen zur Kennzeichnung ihrer Vokale verwenden.

b) Die Ägypter

Die abendländischen Buchstabenformen lassen sich von den Hieroglyphen herleiten. Warum steht das A am Anfang unseres Alphabets? Das A ist von der Hieroglyphe »Kopf der Hathorkuh« abgeleitet. Im alten Ägypten versinnbildlichte die Hathorkuh Fruchtbarkeit; als Gottheit wurde sie im Kult immer vorangestellt..

Hieroglyphe/ ägypt.Priesterschrift/ Phönizier/ Griechen/ Römer

Kopf der Hathorkuh,Zeichen für Tür als Symbol der Geburt, des Anfangs allen Lebens. Durch sie tritt alles in die Welt.

Zeichen für Welle, Das Wasser gilt als Urgrund des Seins(Geburtsort).Aphrodite ist die Meerschaumgeborene.

Auge, Symbol für Sehen, Leben. In der ägyptischen Weltentstehungslehre gelten Augen und Mund (P) als göttliche Schöpfungsorgane: »Er öffnet seine Augen, da erhellt er den Tag.

Kreuz. Im Sonnenkult wurde die Sonne als Scheibe gezeigt, die auf einer Waagrechten aufliegt, mit einer darunter befindlichen Senkrechten.

4) Die Entwicklung der abendländischen Buchstabenschrift.

a) Die Griechen . Das griechische Alphabet bildet die Grundlage aller europäischen Schriften. Die Entwicklung erfolgt zweigleisig: Der osteuropäische Weg führt über Byzanz zu den kyrillischen Buchstabenformen, der westeuropäische Weg über Rom zu den heute weltweit bekannten, lateinischen Schriftarten.

b) Die Römer. Im 6. Jahrhundert v.Chr. übernehmen die Etrusker vom griechischen Alphabet 21 Buchstaben, die sie später auf 26 ergänzen: Latainisches Alphabet. Man kennt zunächst nur Großbuchstaben. Die prägnante Form der römischen Großbuchstabenschrift, der Kapitalis, leitet sich von ihrem Verwendungszweck als scharf gemeißelte Steinschrift an öffentlichen Bauwerken her. Als Buchschrift gebrauchen die Römer die Rustika, die gegenüber der monumentalen Kapitalis weichere Formen aufweist. Handelsleute, Gerichtsschreiber, Schriftsteller und Briefschreiber bedienen sich dagegen der Kursive. Während Kapitalis und Rustika nur Großbuchstaben aufweisen, ragen bei der späten Kursive bereits einige Buchstaben nach oben und unten in die Zeilenzwischenräume hinein. Diese Ober- und Unterlängen bilden die ersten Ansätze zu Kleinbuchstaben (Minuskel). Als rasch und flüchtig gebrauchte Alltagsschrift weist die späte Kursive neben Ansätzen zu Kleinbuchstaben auch Verbindungen von Buchstaben (Mitschreiben der »Luftlinien«) auf.

c) Das frühe Mittelalter. Im 3.Jahrhundert n.Chr. beginnt die Entwicklung der Unziale, die einen Ausgleich zwischen Kapitalis und Kursive anstrebt und über ein halbes Jahrtausend die beherrschende Buchschrift ist. Ihre Merkmale sind die Rundung der aus der Kapitalis übernommenen Buchstaben und bei einigen nicht aus der Kapitalis übernommenen Buchstaben das Hineinragen von Ober- und Unterlängen in die Zeilenzwischenräume.Für den Alltagsgebrauch wird weiter die Kursive verwendet.

d) Das Mittelalter. Im 8. Jahrhundert wird die Unziale zu der spitzeren und schlankeren Kleinbuchstabenschrift der Karolingischen Minuskel reformiert. Diese ist die Stammschrift, aus der ab dem 12.Jahrhundert die gotischen Schriftarten hervorgehen. Die sich zunächst herausbildende Textur ist durch scharf gebrochene, spitze Formen, Bogenverbindungen und Haarstrichansätze gekennzeichnet. Durch Knickung der Ausläufe erhalten die Buchstaben würfelförmige Abschlüsse.

e) Die Gotik. Johannes Gutenberg verwendet um 1450 die Textur als Schrift für den ersten Druck mit beweglichen Lettern. Vor allem in Italien wird die Rotunda gepflegt, die gegenüber der Textur weniger strenge und mehr gerundete Formen aufweist. Um 1500 entstehen aus der Textur die Fraktur und die Schwabacher. Während sich die Fraktur durch einen verhältnismäßig engen Schnitt und rüsselartige Anschwünge der Großbuchstaben auszeichnet, drückt die Schwabacher breite Behaglichkeit aus. Als Gebrauchs- und Geschäftsschrift wird in gotischer Zeit die sog. Notula verwendet, die gegenüber der Textur einfachere Buchstabenformen und größere Ober- und Unterlängen aufweist.

e) In der Renaissance (15.Jahrhundert) durchbrechen die italienischen Humanisten mit der Antiqua die gotische Schriftentwicklung. Sie greifen bei den Großbuchstaben auf die Kapitalis zurück, bei den Kleinbuchstaben auf die Karolingische Minuskel. Die Antiqua wirkt mit ihren geringen Strichstärkenunterschieden sehr ausgeglichen. Kopf und Fuß der Buchstaben haben kleine Ansatz- und Abschlußstriche (Serifen). Im späten 18.Jahrhundert bildet auch die Antiqua starke Gegensätze von Haar- und Breitstrichen aus (Bodoni).

f) Die im l9.Jahrhundert entwickelte Grotesk ist eine strichstärkengleiche und serifenlose Antiqua. Das Bauhaus leistet wichtige gedankliche Grundlagen für die Gestaltung von Groteskschriften.-Fraktur und Schwabacher, die sich vor allem in Deutschland bis Anfang des 20.Jahrhunderts in vielfachen modischen Abwandlungen behaupten, sind heute durch Antiqua- und Groteskschriften fast völlig verdrängt.

g) Ab 1980 entwickeln sich neue Gesichtspunkte für die Typographie in der Postmoderne die avantgardistisch und postmodern Freiheiten entwickelt und stärker unterhaltend wirkt.


Links

www.typolexikon.de

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