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Barock - Das 17. Jahrhundert

Nach dem Ende der Konfessionskriege der ersten Hälfte des Jahrhunderts konsolidiert sich das Europa der neuzeitlichen Flächenstaaten. Das Papsttum verliert seine internationale politische Bedeutung. 1625 erscheint die Schrift "Vom Recht des Krieges und des Friedens" von Hugo Grotius, eine vielbeachtete Grundlegung des modernen Völkerrechts.

In Frankreich, das zur führenden Großmacht wird, bildet sich unter Richelieu und Ludwig XIV. der für viele Staaten vorbildliche zentralistische Absolutismus aus, der u. a. durch Thomas Hobbes eine philosophische Rechtfertigung erfährt.

Das Bürgertum gewinnt in Holland und England, aber auch in Frankreich zunehmend an Bedeutung. Nicht zuletzt deshalb wird nun die allgemeinmenschliche Vernunft in der Philosophie zum zentralen Prinzip erhoben.

Wichtig werden auch die meist mit Thesen zur Anthropologie und zur ursprünglichen Bildung staatlicher Gemeinwesen (Gesellschaftsvertrag) verbundenen Überlegungen zum Naturrecht, dessen Grundlagen in der vernünftigen Ordnung der Dinge gesucht werden, und dem, so die Forderungen, die Gesetze eines Landes unabhängig von seiner Regierungsform nicht widersprechen dürfen.

Die neuen Methoden der mathematischen Naturforschung und ihre Einbindung in die Metaphysik stellen die Weichen für die Entwicklung der westlichen Welt.

René Descartes trägt u. a. mit der Entdeckung der analytischen Geometrie wesentlich zur Entstehung der neuzeitlichen Wissenschaft bei und liefert zugleich ihre philosophischen Grundlagen.

Im Anschluß an Descartes verbreitet sich ein dualistisches und mechanistisches Weltbild, in dem die Welt der körperlichen Ausdehnung, die maschinenartig funktioniert, substantiell getrennt von der Welt des Geistes bzw. der Vernunft gedacht wird. In seiner "Monadologie" stellt Leibniz eine Gegenposition dazu auf.

Der philosophische Rationalismus (u. a. Descartes, Spinoza, Leibniz) fundiert die Wirklichkeitserkenntnis im Denken, dessen Systematik nicht nur die Ursachen der Erfahrungsgegebenheiten erschließt, sondern auch die letzten Gründe der Struktur der Welt.

Der Empirismus (u. a. Locke, Hume, Berkeley) ist solchen Ansprüchen gegenüber entschieden skeptisch und weist die Vernunft in die Grenzen der Erfahrung zurück.


Die Epoche des Barock ist gekennzeichnet durch das Bestreben von Kirche und Staat, den menschen, der sich in der Renaissance ein Maß an Selbständigkeit erkämpft hatte, wieder in ein Ordnungssystem zu zwingen. Der absolute Monarch und die römisch-katholische Kirche ordnen das Individuum unter, ohne dabei auf das Ideal mittelalterlicher Weltverneinung zurückzugreifen. Der Barockmensch ist ein Sinnenmensch. Seine Erkenntnisse will er auch in den Bereichen des Geistes und des Glaubens durch das sinnliche Erlebnis erlangen. Das Mittelalter hatte die Sinnlichkeit abtöten wollen, die Renaissance hatte sie im Geiste der Antike bejaht. Im Barock werdne die Sinne in einem grandiosen Zusammenspiel von Bau- und Bildkunst, von Theater und Musik umjubelt, um das Übersinnliche deutlich zu machen. Die Kunst trittt in den Dienst der Mächtigen, in den Dienst eines Auftraggebers, der die Kunst als Mittel der Selbstdarstellung benutzt. Der höfische Absolutismus duldet kein Abweichen von autoritär gesetzten Richtlinien ein. So erklärt es sich, daß gerade Frankreich, der Hochburg des Absolutismus, in künstlerischer Hinsicht enttäuschen muß.

 

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