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Thomas Grünfeld
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Diese „misfits", diese Kombinationen verschiedener Tierpräparate stellen zum Teil krasse, zum Teil groteske Eingriffe in die ursprüngliche Gestalt realer Lebewesen dar. Dabei sind sie im Grunde genauso plausibel wie die echten Tiere und erwachsen damit zu einem Kommentar über die eigenwilllige Macht der Evolution und ihrer seltsamen Ausgeburten bis hin zur menschlichen Spezies. So entwickelt Grünfeld eine Alternative zur gegebenen Schöpfung.

Wilde Kreuzungen zwischen den Gattungen werfen die Frage nach deren Identität auf. Wird das Sein durch die Erscheinung bestimmt oder die Erscheinung durch das Sein? Grünfelds Kreaturen stellen vor allem das Sein in Frage. Und erscheint nicht plötzlich im Zeitalter moderner Genmanipulation alles möglich ein Esel mit Känguruhkopf, ein Hundekörper mit Flamingokopf, ein Hahnenkopf mit Rehkörper. Ein Mensch mit Stiernacken? Die Macht der Evolution scheint gebannt, ihre Langsamkeit ist nicht mehr zeitgemäß. Dem menschlichen Spieltrieb hingegen ist offenbar kein „Tempolimit" gesetzt.

Was heute die modernen Wissenschaften möglich machen, hat die antike Mythologie längst schon durchgespielt und vielleicht sogar auch vorausgesagt. Wer die Welten der menschlichen Phantasie vergangener Jahrhunderte durchstreift, stößt auf eigenwillige tierische Kreaturen Einhorn und Pegasus, Satyr und Kentaurus, Parander und Leucrocota. „Entscheidend ist der sinnliche Eindruck als Nachweis der Wahrscheinlichkeit." Was für das berühmte mittelalterliche Tierbuch des Petrus Candibus gilt, in dem uns einige dieser phantasievollen Tiergestalten vorgeführt werden, gilt für Thomas Grünfelds Tiergeschöpfe gleichermaßen.

Udo Kittelmann,99 

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