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PAUL Mc CARTHY / Jason Rhoades
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Fäkalien bei Hauser & Wirth

„Shit Plug" sei ein höchst komplexes Projekt, sagt die Kuratorin Esther Flury. Der Lesarten sind viele in der jüngsten Ge meinschaftsinstallation der amerikani schen Künstlerfreunde Paul McCarthy und Jason Rhoades. Dabei stellt das Duo bis zum 21. Dezember in seiner Zürcher Stammgalerie Hauser & Wirth nichts anders aus als - Scheiße. Die gesammelten Fäkalien, die Besucher, Kuratoren, hochrangige und gemeine Gäste und die Künstlerschar während des Eröffnungswochenendes der Documenta 11 in den dortigen Toilettencontainern deponiert hatten, gelangten als Geschenk an Jason Rhoades: Die beiden jungen Kasseler Kunststudenten Jan Northoff und Benne Ender hatten ihrem Lehrer das unappetitliche Ready-made zur weiteren künstlerischen Verwendung vermacht.

Der 36-jährige Westküstler Rhoades war zu diesem Zeitpunkt gerade daran, zusammen mit seinem 47-jährigen Landsmann McCarthy in Hamburg die raumfüllende Installation „Propposition" aufzubauen: in der Dachkammer der Phoenix-Gummifabrik. Die Beiden hatten die artifi-zielle Komposition aus Schrottplatz und Lunapark für die Biennale 1999 in Venedig entworfen; nun gehört sie zu der renom-

mierten deutschen Sammlung Falcken-berg und verändert sich wie alle Gemeinschaftswerke der Zwei bei jedem Wiederaufbau. Die Sujets aber bleiben immer dieselben: Sex, Gewalt und Lust.

Darein mag das ungewöhnliche Geschenk von Northoff/Ender durchaus passen. Das Problem lag in seiner Prä-sentierbarkeit: Menschliche Exkremente sind bakterielle Bomben und im wörtlichen Sinne explosive Konzentrate -vor allem in Behälter gepresst. McCarthy und Rhoades füllen sie in 70 Zentimeter hohe Glasflaschen. Neben den rund 100 Scheiße-Bottles, die in der Galerie auf rotbelegten Teppichstufen wie Trophäen auf Podesten stehen, kleben „Shit Slegdes/Sieds" auf dem Boden: farbige Gummihaufen, von den Künstlern im Hinterhof der Phoenix-Werke entdeckt. Die Vorbilder ihrer sporadischen Abfall-Kollaboration, darunter der französische Situationist Guy Debord, agierten in den fünfziger Jahren. Als Hommage an Debord rekonstruieren McCarthy und Rhoades im dritten Teil der aktuellen Schau bei Hauser & Wirth eine Reihe von Collagen, die Debord 1959 geschaffen hat.

Anna Schindler in Kunstzeitung Nr. 75 / Nov. 2002

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