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Junge Wilde und Transavantguardia (seit 1978- 1990 )

 

Eine Gegenbewegung zur Intellektualisierung der Kunst in Folge der Minimal Art und der Concept Kunst erwuchs um 1978 aus der Wilden Malerei in Deutschland und der Transavantguardia in Italien. Mit dem Schlachtruf: "Hunger nach Bildern" beginnt diese Bewegung als Hinwendung zur Kreativität der Expression in Alogik, Mythik und der Poesie.

Es läßt sich eine Skuptur beobachten, die sich mit der nationalen politischen und kulturellen Geschichte beschäftigt, wobei es sehr verschiedene, auffallend subjektivistische Sichtweisen auf die jeweils zitierten historischen Traditionen gibt. Dennoch kann man eine verbindende Motivation feststellen: Aus den Widerständen und Konfliktpotentialen der von Menschen erlebten Geschichte will man persönliche Erinnerungen, Hoffnungen und gegenwärtige Bedrängnisse beschwören und problematisieren.

Mit den ironischen Persiflagen tritt in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre eine Kunst in Erscheinung, die ihre Originalität nicht aus einer stilistischen Innovation im Sinne des bisher verbindlichen Avantgardebegriffs, sondern aus einem Eklektizismus bezieht, der in subjektiver Freizügigkeit Zitate aus unterschiedlichen kulturellen Ebenen, ethnischen Kulturen und kunstgeschichtlichen Epochen miteinander verbindet.

Vorreiter unter den italienischen Transavantgardisten sindv Vertreter der Arte Povera wie Jannis Kounellis, der bereits in den frühen siebziger Jahren zur bildnerischen Problematisierung des Spannungsverhältnisses zwischen Natur und Kultur das Zitieren von Kulturrelikten nutzt . Dabei geht Kounellis davon aus, daß bestimmte ruinenhafte Relikte der kulturellen Vergangenheit und symbolische Zeichen einen allgemeinverständlichen Sinnhorizont haben, den man per Chiffre zitieren kann.

Aus diesem subtil ironischen Umgang mit der Kunstgeschichte entwickelt sich in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre vor allem in Italien eine subjektive, individuell verrätselte Zitierkunst, die sich die kühnsten Streifzüge durch die Jahrhunderte und Kombinationen von verschiedensten Kulturbereichen gestattet. Die Hauptvertreter des plastischen sind Sandro Chia, Enzo Cucchi und Mimmo Paladino.

Neben die Verknüpfung von antiker und christlicher Motivik tritt eine häufige Zitierung von außereuropäischen Symbolen und Formen, die genauso wie die Anspielungen auf die abendländische Kunstgeschichte in einem fragmentarischen Verweishorzont belassen werden. Die Zusammenbindungen der eklektischen Zitate entziehen sich einer eindeutigen Sinnbenennung und verschlüsseln sich statt dessen zu individuellen Chiffren.

In den achtziger Jahren greift diese subjektivistisch chiffrenhafte Konzeption einer mit kulturellen Traditionen spielenden und erzählerisch angelegten Malerei auch auf die Skulptur über, wobei eine starkfarbige Übermalung die Holz- und Bronzeskulpturen expressiv akzentuiert:

Penck, Baselitz, Höckelmann, Teusch, Dahn, Dokoupil und andere

 

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