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Gian Lorenzo Bernini (1598-1680)

 

 

Bernini gilt nicht nur als der bedeutendste Bildhauer des römischen Barock, er soll auch Theaterstücke geschrieben haben, selbst aufgetreten sein, Bühnendekorationen entworfen und Musik komponiert haben.

Bewegung, die Eroberung des Raums, hatte die manieristische Plastik geprägt; nun lieferten die Bildhauer das Personal für die Bühne der monumentalen Dekoration absolutistischer Herrscher. In Rom entfalteten die Päpste einen weltlichen Pomp, der den Künsten zu einer entsprechenden Blüte verhalf. Bernini, der als Wunderknabe allerdings schon im Alter von acht Jahren den Meißel beherrscht und mit 16 eigene Aufträge angenommen haben soll, hatte zudem Glück. Sein geistiger Förderer und lebenslang bester Freund, Kardinal Maffeo Barberini, wurde 1623 als Papst Urban Vlll. Oberhaupt der Christenheit und betraute Bernini sofort mit der Ausgestaltung der Kirche St. Peter. Wie ein Intendant leitete Bernini im Alter von 40 Jahren einen Betrieb, in dem selbständige, aber augenblicklich weniger begünstigte Künstler wie Francesco Mochi, Francois Duquesnoy oder sein ärgster Konkurrent, Francesco Borromini, arbeiteten. Bernini konzentrierte sich auf das concetto, die Idee. Für den Hl. Longinius, eine der Statuen an den Vierungspfeilern des Petersdoms, soll Bernini dem berühmten deutschen Maler und Kunstschriftsteller Joachim von Sandrart 24 Bozzetti gezeigt haben, von denen nur einer erhalten ist .

Schon zuvor hatte Bernini zwischen 1622 und 1625 im Auftrag des Kardinals Scipione Borghese eine Marmorgruppe geschaffen, die alles Vorangegangene in den Schatten stellte. Apollo und Daphne ( Borghese Gallery, Rom ) stehen für die Steigerung des Wirklichkeitserlebnisses der erzählten Geschichte, für spannungsvolle Dynamik und bellezza, nach der Proportion, körperliche und seelische Bewegung harmonisch übereinstimmen. Der Gott, dem sich die geliebte Nymphe in einen Baum verwandelt, verkörpert nicht mehr Macht und Gewalt, sondern die Schönheit und Hingerissenheit des Liebenden.

Schon diese klassisch inspirierte Gruppe ist von dem geschraubten Binnenraum der figura serpentinata befreit. Gänzlich in der Architektur der Coronarokapelle der Kirche S. Maria Vittoria,Rom geht die über 20 Jahre später geschaffene Mystische Vision der hl. Theresa von Avila auf. Bernini, so heißt es, sei nach seiner Entbindung von der Macht der päpstlichen Gießwerkstätten 1647 in eine Krise geraten, die seine Religiosität nach der Lektüre der Lehren von Franz von Sales zu mystischer Inbrunst gesteigert habe. Der so entfachten Empfindsamkeit verdanken wir die Darstellung der von einem goldenen Strahlenkranz umgebenen, das Göttliche symbolisierenden, im Raum schwe benden Heiligen. Diese Verschränkung mit der Architektur praktizierte Bernini auch bei der Cathedra Petri, dem größten theatrum sacrum des Barock. Unter Papst Alexander Chigi war der inzwischen 70jährige Bernini wieder als Baumeister von St. Peter eingesetzt.

 1665 reiste der betagte Meister auf Wunsch des Sonnenkönigs Ludwig XIV nach Paris, der ihn um einen Entwurf für die Umgestaltung des Louvre gebeten hatte. Die diplomatische Mission scheiterte: Ludwig zog die klassischen Pläne des Franzosen Claude Perrault vor, und selbst das von Bernini für den König geschaffene Reiterstandbild, das jedoch erst 20 Jahre später aus Rom geliefert wurde, galt nicht mehr als modisch. Gleichwohl beeinflusste Bernini die zeitgenössische wie die kommende Bildbauergeneration - nicht nur durch die Vorträge, die er an der Akademie in Paris hielt. Unter seinen Händen verwandelte sich Marmor in Wachs, erschien wie ein beseelter Organismus.

Weitere Werke in Rom:

Engel , Sant Andrea delle Fratte, Rom
Dammed soul, Piazza di Spagna, Rom
Abacuc and the Angel, Santa Maria del Popolo, Rom
Bust of Gabriele Fonseca, San Lorenzo in Lucina, Rom
Fontana die Fiumi, Piazza Navona, Rom
Colonaden of St Peter, Rom
Canopy, St. Peter, Rom
St. Peter s Chair, St. Peter, Rom
Funeral monument of Urban VIII, St.Peter,Rom
Ludovica Albertoni, San Fancesco a Ripa, Rom

andere Orte:

Hamburg, Kunsthalle / Edinburgh, National Gallery of Scotland / Florenz, Uffizien & Bargello/ London, National Gallery/ Paris, Louvre/ Washington, National Gallery etc.

 

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