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Tristan Tzara (1896-1965)

Französischer Schriftsteller jüdisch-rumänischer Herkunft und selbsternannter DADA-Chef

DADA ist kein Laboratorium für formale Gedanken * TZARA

DADA zerstört die Gehirnschubkästen * Tristan Tzara

Ein Kunstwerk ist niemals schön! * Tristan Tzara

Es gibt eine große Zerstörungsarbeit, Ausfegen, Säubern * Tristan Tzara

DADA bedeutet nichts * Tristan Tzara

Wir brauchen starke, gerade, genaue und auf ewig unverständliche Werke * Tristan Tzara

Logik ist immer falsch * Tristan Tzara

Moralität ist eine Einimpfung von Schokolade * Tristan Tzara

Geboren am 4.4.1896 in Moineoti, Rumänien , mit bürgerlichem Namen Sami Rosenstock . Geht in die Schweiz und eröffnet mit Hugo Ball , Hans Arp, Richard Hülsenbeck und anderen im Feb. 1916 in einer Kneipe der Züricher Spiegelgasse das "Cabaret Voltaire" aus dem der Dadaismus entsteht. Der Name "Dada" wurde von Tristan Tzara schon am 26.2.1916 in seiner "Chronique Zurichoise" benutzt.

Der Name DADA selbst wurde angeblich dadurch gefunden indem man ein Papiermesser in ein Larousse-Wörterbuch gesteckt hatte (",dada", auf Franzosisch: kindersprachlicher Stammellaut - Pferdchen).

"Nehmen Sie irgendeine Zeitung, eine Schere, suchen Sie sich irgendeinen Artikel aus, schneiden Sie den Beitrag aus der Zeitschrift aus zerschneiden Sie die einzelnen Worte, stecken Sie alles in einen Sack, mischen Sie es..."so etwa beschrieb Tzara die Methode des Dadaismus;

Das Ende des Krieges und des Exils änderte die Voraussetzungen unter denen der kabarettistische Protest gegen den Wahnsinn der Zeit seine Existenz begrundete. Die Dadaisten, die nicht so sehr durch einen Gruppenstil sondern durch ihre künsterisch-politische Haltung und durch das gemeinsamen Exil zusammengebracht waren, fielen auseinander. Tzara etabierte sich in Paris, woer mit Arp, Louis Aragon, Andre' Breton, Paul Eluard u.a. den Dadaismus zu etablieren versuchte. Trotz mancher Kunstausstellungen blieb der Dadaismus in Frankreich mehr jedoch eine literarische Angelegenheit. Er geht nach Paris und bildet um 1919 mit André Breton die Pariser Gruppe aus der der Surrealismus entsteht. 1923 trat der Surrealismus als Nachfolger des Dadaismus an, ohne seine Selbständigkeit aufzugeben. Er starb in Paris am 25.12.1965

Der Dadaismus, dieser Versuch, das Chaos als letzte Ordnung vorzustellen, oder, wie Hugo Ball schrieb, dieses "Narrenspiel aus dem Nichts, in das alle hoheren Fragen verwickelt sind", hat seine Flamme ausgebrannt.

Jedoch haben andere künstlerische und literarische Richtungen an ihr entzündet: der Surrealismus, die abstrakte Dichtung, die Pop-Art, Conzept , Body art und Op art.

 


Ich verkünde die Oppositioin aller kosmischen Eigenschaften gegen die Gonorrhoe dieser faulenden Sonne, die aus den Fabriken des philosophischen Gedankens kommt, den erbiteerten Kampf mit allen Mitteln des dadaistischen Ekels.

Jedes Erzeugnis des Ekels, das Negation der Familie zu werden vermag, ist Dada; Protest mit den Fäusten, seines ganzen Wesens in Zerstörungshandlung: Dada; Kenntnis aller Mittel, die bisher das schamhafte Geschlecht des bequemen Kompromisses und der Höflichkeit verwarf: Dada; Vernichtung der Logik, Tanz der Ohnmächtigen der Schöpfung: Dada; jeder Hierarchie und sozialen Formel von unseren Dienern eingesetzt: Dada; jeder Gegenstand, alle Gegenstände, die Gefühle und Dunkelheiten; die Erscheinungen und der genaue Stoß paralleler Linien sind Kampfesmittel: Dada; Vernichtung des Gedächtnisses: Dada; Vernichtung der Archäologie: Dada; Vernichtung der Propheten: Dada; Vernichtung der Zukunft: Dada; Absoluter indiskutabler Glauben an jeden Gott, den spontane Unmittelbarkeit erzeugte: Dada; eleganter, vorurteilsloser Sprung von einer Harmonie in die andere Sphäre; Flugbahn eines Wortes, das wie ein Diskurs, tönender Schrei, geschleudert ist; alle Individualitäten in ihrem Augenblickswahn achten: im ernsten, furchtsamen, schüchternen, glühenden, kraftvollen, entschiedenen, begeisterten Wahn; seine Kirche von allen unnützen, schweren Requisiten abschälen, wie eine Lichtfontäne den ungefälligen oder verliebten Gedanken ausspeien, oder ihn liebkosen - mit der lebhaften Genugtuung, daß das einerlei ist - mit derselben Intensität in der Zelle seiner Seele, insektenrein für wohlgeborenes Blut und von Erzengelkörpern übergoldet. Freiheit: Dada, Dada, Dada, aufheulen der verkrampften Farben, Verschlingung der Gegensätze und aller Widersprüche, der Grotesken und der Inkonsequenzen: Das Leben. * Tzara aus "Manifest Dada" 1918


DAS CHAOS ALS LETZTE ORDNUNG: TRISTAN TZARA UND DER DADAISMUS

by RADU BARBULESCU

Published in ARCHENOAH, Nr.3(8) | July-September 1996, pages 41-42, ISSN 0946-0810

(Zeitschrift zur Forderung multikultereller Beziehungen)

  Es gibt Menschen, die in der elgenen Person den Multikulturalismus verkörpem. Zum Beispiel dieser Tristan Tzara,am 4.4 1896 in Moineoti, Rumanien geboren wurde, den burgerlichen Namen Sami Rosenstock trug und in der Schweiz (Zunch) und Frankreich (Paris, wo er auch am 25.12 1965 verstarb), seiner literarische Tatigkeit nachging. Franzosischer Autor (wie ihn einige, auberhalb Rumaniens gedruckte Literaturlexika fuhren) judischer Abstammung, rumanischer Autor, der im Ausland wirkte (wie er in Rumanien bekannt ist) oder judische Schriftsteller franzosischer Sprache? Eine schwierige Frage, die man nur dadurch umgehen kann, indem man Tzara einfach der Weltliteratur zuordnet -einer Literatur also, die zu der auch Dante und Cervantes, Goethe und Schiller, oder Shakespeare und Byron, oder Moliere und Victor Hugo usw. gehoren: also 'Nationaldichter' par excellence die ohne ihre Geburtsheimat zu verlassen, deren enge Grenzen durch ihre Kunst ubersprangen. Damit ist der Gerechtigkeit schuld getan.

Uberhaupt: muB es sein, daB immer nach der ethnischen Zugehorigkeit gefragt wird, urn die etwaigen Verdienste (oder Mangel) eines Menschen zu begrunden? Im Falle des Dadaismus scheint es um so mehr lacherlich aut Nationalerebene die Grunde

seiner Entstehung zu suchen, da der Dadaismus von Anfang an eine internationale Kunst- und Literaturrichtung war, die "dank" geschichtlicher Gegebenheiten (I. Weltkneg), 1916 ihre Anfange auf neutralem Boden, in Zurich, hatte. Im Schweizer Exil, also, genauer gesagt in dem von Hugo Ball als "Kunstlerkneipe im Simplizissimus-Stil" geplanten und am 5.2. 1916 erofftneten "Cabaret Voltaire" schlossen sich Hans Arp, Hugo Ball, Richard Huelsenbeck, Marcel Janco und Tristan Tzara enger zusammen, die schon im April 1916 uber die Proklamierung einer eigenen Kunstrichtung skutierten Eine Kunstrichtung die sich von dem Expressionismus, dem Kubismus und dem italienischen Futurismus abgrenzen sollte und aus dem Zurcher "Cabaret Voltaire" die "Experimentierbuhne aller derjenigen Probleme, die die moderne Kunst bewegten", den Stutzpunkt der Dadaismus bilden sollte. Die im Juni 1916 erschienene Publikation "Cabaret Voltaire" dokumentiert diese geschichliche Phase, die in seiner Synthese der modernen kunsi- und Literaturrichtungen" die Voraussetzungen einer selbststandigen Kunst- und Literaturrichtungen schuf. Das

Gruppensymbol - das "Logo", wurde man heute sagen -, "Dada" wurde von Tristan Tzara schon am 26.2.1916 in seiner "Chronique Zurichoise" benutzt und Hugo Ball schlagt Anfang Juni in seinem Vorwort zur Publikation "Cabaret Voltaire" dasselbe Wort als lul (Das Symbol) herausgegeben hatte, nutzte seine Fahigkeiten im Dienste der neuen Zeitschrift, die auch die Mitwirkung einiger Kunstler wie Francis Picabia, Johannes Baargeld und Raoul Rausmann genoß.

"Nehmen Sie irgendeine Zeitung, eine Schere, suchen Sie sich irgendeinen Artikel aus, schneiden Sie den Beitrag aus der Zeitschrift aus zerschneiden Sie die einzelnen Worte, stecken Sie alles in einen Sack, mischen Sie es..." so etwa beschrieb Tzara die Methode der Dadaismus; das Gruppen logo selbst wurde angeblich dadurch gefunden indem man ein Papiermesser In ein Larousse-Worterbuch gesteckt hatte (",dada", auf Franzosisch: kindersprachlicher Stammellaut - Pferdchen). Wenn man in Ausland meint, daB Tzara in seiner "chaotischen" Lyrik eine kompromiß lose Ablehrung gegenuber den bestehender gesellschaftl chen und moralischen Normen ausdrucken, und die Auflosung der Logik- und Sprachgesetze suchen wurde, meint der rumanischen Literaturkritiker G. Caelinescu (1899-1965) in seiner monumentalen "Geschichte der rumanischen Literatur", daß die Dadaisten ihre Theorien niemals auch tatsachlich praktizierten:

"Auch in den absurdesten Erfindungen, wie diesen Verse von Tristan Tzara; ist die diskrete Assoziation zu sehen:

 la chanson d'un dadaiste Das Lied von einem Dadaist.

qui n'etait ni gai ni triste er war nicht froh, und auch nicht trist,

et aimait une bicycliste und liebte cine Radlerin,qul n'etait ni gale ni triste. die war nichi froh, nicht trist irn Sinn.

 mai l'epoux le jour de l'an Der rabiate Ehemann,

savait tout et dans une crise erfuhr von seiner Lieben Maschen

envoye au vatican und schickte flugs an das Vatican

leurs deux corps en trois valises. zwei Leichen in drei schwarzen Taschen

 

 

... Hier handelt sich eigentlich um eine Anekdote, die versifiziert wurde, um die gangigen religiosen Gefuhle zu verletzen."

Das Ende des Krieges und des Exils anderte die Voraussetzungen unter denen der kabarettistische Protest gegen den Wahnsinn der Zeit seine Existenz begrundete. Die Dadaisten, die nicht so sehr durch einen Gruppenstil sondern durch ihre kunsterisch-politische Haltung und durch das gemeinsamen Exil zusammengebracht waren, fielen auseinander. Tzara etabierte sich in Paris, wo er mit Arp, Louis Aragon, Andre' Breton, Paul Eluard u.a. den Dadaismus zu etablieren versuchte. Trotz mancher Kunstausstellungen blieb der Dadaismus in Frankreich mehr jedoch eine literarische Angelegenheit. 1923 trat der Surrealismus als Nachfolger des Dadaismus an. Dada-Zentren bildeten sich in Berlin (1918 - 1920; mit Huelsenbeck, W. Herzfelde und J.Heartfield, George Grosz, Raoul Hausmann, Walter Mehring und Johannes Baader) , Koln (1919-1920; mit Max Ernst, Johannes Baargeld und Hans Arp) und die "Merz" (Dada-Version) von Kurt Schwitters in Hannover, die sogar bis 1937 dauerte. In Rumanien vertrat der Mediziner Sasa Pana mit seiner Zeitschrift ",unu" (erschienen1928, eingestellt 1932) sowohl der Dadaismus als auch der Surrealismus.

Der Dadaismus, dieser Versuch, das Chaos als letzte Ordnung vorzustellen, oder, wie Hugo Ball schrieb, dieses "Narrenspiel aus dem Nichts,in das alle hoheren Fragen verwickelt sind", hat seine Flamme ausgebrannt. Jedoch haben andere kunstlerische und literarische Richtungen an ihr ihre Zundung geholt: der Surrealismus, die abstrakte Dichtung, die Pop-Art. Wenn aus dem Experiment etwas von Wert geblieben ist, ist es der Gedanke, daß alle Kunstrichtungen, sollten sie auch noch so ausgefallen erscheinen, letztendlich dem men - schlichen Geist entsprungen sind - und alle seine Starken und Schwachen besitzen.

 Literatur:

Karl Riha (Hrsg) > Dada total< Reclam,1994 ISBN 3-15-059302-6 ( Manifeste, Aktionen, Texte,Bilder ) die beste Wahl

kunstwissen.de

 
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