<<


Hermann Nitsch ( 1938 - )

Hermann Nitsch, wurde 1938 in Wien geboren. Sein Werik ist nicht denkbar ohne den Wiener Aktionismus, dessen Initiator er war und dem er noch heute verpflichtet ist.

Wiener Aktionismus bezeichnet die österreichische Ausprägung der Aktionskunst. Unter Bezugnahme auf tiefenpsychologische Erkenntnisse Siegmund Freuds und C.G. Jungs wurden religiöse und sexuelle Tabus infrage gestellt. Vertreter war neben Otto Muehl und Hermann Nitsch (*1938) unter anderem Rudolf Schwarzkogler (*1940, +1969), der die Zerstörungszwänge der Gesellschaft im eigenen Selbstmord demonstrierte.

Nachdem in den fünfziger und sechziger Jahren durch den Einfluss des Tachismus und Abstrakten Expressionismus vor allem Malerei im Vordergrund seiner künstlerischen Arbeit stand, entwickelte Nitsch - parallel etwa zu den Happenings in Deutschland und Amerika - seine Idee vom Orgien-Mysterien-Theater (OMT). Nitsch entwickelte bereits 1957 seine Idee vom Orgien-Mysterien-Theater (OMT), eine neue Form des Gesamtkunstwerkes, das - in Anlehnung an griechische Mysterienfeste -mit dem Ziel der Katharsis - nicht nur die Malerei, Architektur und Musik miteinbezieht, sondern auch alle Sinne der Beteiligten. Unter Einbeziehung von Malerei, Architektur und Musik sollte dieses Gesamtkunstwerk ebenso wie die historischen griechischen Mysterienfeste zu einer Erkennung des Selbst führen und damit eine kathartische Wirkung auslösen. Hatte Nitsch noch 1961 rote Farbe über große Leinwände laufen lassen, ersetzte er nun die Farbe durch Blut, die auf den Rahmen gespannte Leinwand durch Bettücher und agierte mit Innereien, Tierkadavern und menschlichen Körpern. Diese blutig rituellen Spiele finden seit 1971 in dem von Nitsch erworbenen Schloss Prinzendorf in Niederöstereich statt. Seinen Höhepunkt erreichte das OMT bisher im „6-Tage-Spiel" 1998 in Prinzendorf. Neben diesen 'theatralischen Malaktionen', die er ab 1960 zusammen mit Otto Mühl begann, ( zB. Blutschüttungen) beschäftigt er sich seit den 90er Jahren wieder mehr mit autonomer Malerei, Seit 1989 lehrt er an der Hochschule für Bildende Künste (Städel-Schule) in Frankfurt/Main. Seine Werke waren häufig auf der documenta vertreten und befinden sich heute weltweit in zahlreichen renommierten Museen und Sammlungen.

Seit 1989 wendet sich Nitsch aber auch wieder verstärkt der Malerei zu. Er führt alle Farben des Spektrums In die Bildgestaltung ein, nachdem er in den Jahren zuvor ausschließlich die Farbe Rot wegen ihres symbolischen Gehalts zum Einsatz gebracht hatte.

Der Einfluss von Nitsch und Muehl zeigt sich gegenwärtig (2000) besonders durch die Verarbeitung in der Kunst des Amerikaners Paul Mc Carthy.

 

kunstwissen.de

 
>