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George Maciunas, >12!BIG NAMES<,1965

In seinem Event 12!BIGNAMES, das er in der Wooster Street 80 in New York aufführte, verdichtete George seine Gedanken über Namen. Er machte ein Flugblatt im Maciunas-Stil, das ein Event ankündigte, mit den Namen: Acconci, Beuys, Philip Glass, Kaprow, Levine, Manzoni, Nauman, Ono, Snow, Rinke, Vostell und Warhol, die um die Abbildung eines altmodischen Kraftprotz aufgelistet waren, der seine Muskeln zeigte. Leute kamen und füllten die Sitzplätze des Anthology Film Archives fast vollständig.

George blieb im Vorführraum, und als alle auf die Show warteten, zeigte er ihnen die 12 Big Names genau wie auf dem Flugblatt, ganz „groß" auf die Leinwand projiziert, immer einzeln nacheinander, jeden einige Minuten, was für das ganze Programm etwa eine Stunde in Anspruch nahm&emdash;und nichts sonst. Nachdem einige Minuten still vorübergegangen waren, wurde dem uneingeweihten Teil des Publikums langsam das Wortwörtliche und Perverse daran deutlich. Einige der anwesenden Künstler wie Al Hansen, Bob Watts, Ralston Farina und andere begannen mit einer Art Tonspur, indem sie zu den Namen singend und johlend Wortspiele erfanden. Der Ingroup war klar, daß George durchs Projektionsfenster linste, seinen Scherz genoß und mit größter Befriedigung all jene beobachtete, die als Opfer einer „falschen" Werbung den Saal verließen.

Die meisten Professionellen in der Welt der schönen Künste wissen, daß sie kein Schutzreservat für idealistisches oder romantisches Verhalten darstellt. Ihre kulturellen Vorzüge sind mit genausoviel Egoismus, Opportunismus, politisch und ökonomischem Beschiß durchsetzt, wie jedes andere menschliche Unternehmen auch. Es war Georges spezielle Mission, all diese Illusionen ins rechte Licht zu setzen, und er war immer darauf aus, zu demonstrieren, daß die Kunstwelt ohne Kleider dasteht. Künstlern gegenüber war er wahrscheinlich der strengste Kritiker überhaupt, und die vernichtendsten Urteile sparte er sich für jene auf, die er für sich selbst glorifizierende Egoisten hielt, die mit den „Hochkunst Baronen gemeinsame Sache machten.

Larry Miller, in " Fluxus Vortex",Manuskript, NY, 3 Jan. 1994- aus Mr. Fluxus, Harlekin Art, 1996

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