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George
(Yurgis) Maciunas
(1931-1978)
Ausführliche Biographie / Fluxusfestival: Wiesbaden 62 / Fluxusziele: an Schnit 1964 | an Vostell / Fluxusfest: San Gimignano / Fluxuswerk: Zielscheibe / Fluxusfilm: 12BigNames / Fluxusaktion:Fluxusmesse:
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Seit 1966 kaufte George Maciunas - Architekt, Asthmatiker, Egozentriker, fanatischer Weltverbesserer, Kunsthistoriker, Musiker, zeitweiliger paranoiker- in SoHo/Manhattan mehrere große Häuser. Ziel des Unternehmens Fluxhouse Cooperative, Inc. war es, Künstlern, Filmemachern, Tänzernu.s.w. zu helfen, adäquate Arbeits- und Lebensräume zu finden. Dies geschah auf der Basis des gemeinschaftlichen Erwerbs der Lofts. Die Mitglieder der Cooperativen sind selbst für Finanzierung, Verwaltung und Renovierung der Häuser verantwortlich. ( zB.Woosterstreet 80, NYC, Maciunas "Zentrale")
Die Nutzung ist nicht profitorientiert, sondern gemeinnützig. Durch die Schaffung dieser Sozialstrukturen bildete sich in SoHo eine Künstler- und Galerienszene aus, die als Modell bis heute ihre Wirkung nicht verloren hat. Maciunas Aktivität, die Schaffung einer sozialen Wirklichkeit für künstlerische Aktivitäten, zielte auf eine Emanzipation vom herrschenden Kunstbetrieb. Er haßt den sog. professionellen Künstler und verabscheut sog. seriöse Kunst.
Seine Ordnung brachte alles Durcheinander
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biographie
- 1931 Yurgis Maciunas wird in Kaunas, Litauen geboren. Vater ist der Architekt und Spezialist für E-Kraftwerke Prof Alexander M. Maciunas, seine Mutter Russin, ehem. Baletttänzerin an der litauischen Staatsoper.
- Yurgis ist seit frühester Kindheit kränkend, - Santoriumsaufenthalte in der Schweiz.
- Musik und Klavierunterricht mit 5 Jahren.
- 1936 spielt General
- 1938 beinahe tödliche Blinddarm-Op ohne Narkose. Gibt sein Klavierspielen auf.
- 1944 Familie flieht mit abziehenden deut.Soldaten vor russischer Armee nach Bad Nauheim, besucht dort das Ernst Ludwig Gymnasium. Sein Vater arbeitet für Siemens-Schuckert in Frankf./Main.
- 1948 geht die Familie in die USA. Sein Vater als Prof. an die CCNY. Yurgis ist ab April am Internat in Dobbs Ferry, NY
- 1949 gibt das Schülermagazini heraus; macht seinen Highschool Abschluß.
- 1949-52 Cooper Union School of Art,NYC, Studiert Kunst, Graphik, Architektur - exellente Absschlüsse. Mädchen und Sport interesssieren ihn nicht.Nimmt Musikunterricht.
- 1952-54 Carnegie Institute of Technologie, Pittsburgh, studierte Architektur, Musikwissenschaft, Bakkalaureus der Architektur. >Atlas der russischen Geschichte< aus transparenten Folien (1953).Beginnt als selbständiger Architekt und ist von der Arbeit enttäuscht, nimmt erneut Studien auf.
- 1954 Vater stirbt.
- 1955-60 Institute of Fine Arts, NYUniversity, studieret europ. und sibirissche Kunst der Völkerwanderungszeit. Freundet sich mit seinem Professor an, glaubt an eine akademische Laufbahn. >Schaubild des Verlaufs der gesamten Kunstgeschichte<1,83x3,66 m ( unvollendet). Bringt seine Aufzeichnunen während seiner Collegezeit zu Psycholgie, Musik,Sprache, Pysiologie in Diagrammform; soll funktionieren wie eine Lernmaschine ( s.Internet) Als sein Porf plötzlich stirbt- hatte ihn als Nachfolger vorgesehen- verliert er das Interesse an den Studien, wird auch wohl von der Uni gedrängt zu gehen..
- 8.10.1960 trifft sich am mit Freunden darunter Almus Salcius ( litauischer Galeriebesitzer, >Almus Gallery< in Great Neck, Long Island der Emigranten ausstellt) und Jonas Mekas, um einen >Litauischen Kulturklub< zu gründen. Statt den Club zu gründen beschließen sie ein Magazin zu gründen.Jwemand schlägt als Namen >Rysys<( litauisch für Union) vor, ein andereer emphielt > Influx, worauf sie lachen als Yurgis > Fluxus < vorschlägt. Allen ist die medizinische Bedeutung bekannt, >Fluxus< wird akzeptiert. GM soll das Lay Out machen und im Auftrag der Gruppe eine IBM Schreibmaschine kaufen. ( Diese begleitet GM nun ein Leben lang) Die Zeitschrift erscheint nicht. Besuch de rKompositionsklasse von Richard Maxfield , New School of Social Research in NY. Trifft La Monte Young, Geroge Brecht, Al Hansen, Dick Higgins, Allan Kaprow, Jackson Mac Low
- 21.11.1960 Bei einem 2ten Treffen beschießen sie die Almus Galerie zu erweitern.
- 8.12.1960 GM findet Geschäftsräume in1a-Lage in Manhattan, Madison Ave. 925, in der Nähe der Park-Bernet Galerien. Nennen die Galerie >AG GAllery< für George und Almus, George soll die Galerie selbstverantwortlich führen. Zur Finanzierung sollen die Künstler für den Unterhalt mitaufkommen. GM bestellt Gourmetkonserven und Renaissance Musikinstrumenten aus Europa um sie in NY gewinnbringend zu verkaufen. Fehlschlag. macht breitangelegte Werbung für die Galerie. Wegen geringen Zulaufs Konzeptänderung und Veranstaltung von Konzerten, Literatur und Film in der Galerie. GM erstellet 5Jahresplan. Spanne der Musik: Neueste elektronische Musik ( Dick Maxfield, Pionier der elektr. Musik) und Renaissance Musik; Titel: >Musica Antiqua et Nova<. Lässt Galerieräume vom Putz befreien ( Folge der Arbeiten: Asthma)
- August 1961 schließt die AG-Gallery ( ist mit der Galeriemiete für 2 Monate im Verzug, verkauft alles um die Kosten zu decken.Ändert seinen Namen von Yurgis zu George.
- Sept. 1961 Layout für La Monte Youngs >An Anthology< Inhalt: La Monte Young und Jackson Mac Low .GM:" Ich wollte Konzeret geben als Werbetrick zur Förderung des Verkaufs der Publikation
- Ende 1961 geht als Zivilangestellter, Graphiker mit der Mutter zur US Air-Force nach Wiesbaden,D.
- Kontakt zu den wichtigsten Künstlern der Avantgarde in Deutschland und Frankreich.
- 1962 gründet er die Fluxus-Gruppe durch die ersten europäischen Fluxusfestivals.Aufführende: Maciunas,Higgens,Knowles,Paterson,Vostell, Paik, Williams, Schmit, Köpcke, Andersen.
- 1.Sept. 1962 >Fluxus Festspiele Neuester Musik< 14 Konzerte im Hörsaal des Städtischen Museums Wiesbaden . Es folgen 6 Konzerte in der Nikolai-Kirche, Kopenhagen- 7 Konzerte am Centre American des Artistes, Paris.
- Feb 1963 - >Manifest <-1963 Vautier,Spoerrri,Filliou, Beuys, de Ridder stoßen zu Fluxus.
- Sept. 63 - Rückkehr nach NY, nachdem ihn die US-Army wegen häufiger Krankheit entlassen hat.
- Ab 1965 werden Multiples gemacht, die Veranstaltungen treten in den Hintergrund.
- 1978 erkrankt an Krebs, Heiratet am 25. Februar die Dichterin Billie Hutching.Stirbt am 9. Mai im University Hospital in Boston.Beerdigung am 11. Mai, Fresh Pond Crematorium, Queens, New York.
Nachworte:
Fluxfuneral für George Maciunas am 13. Mai, Wooster Street 80 NYC.
In Memoriam Georges Maciunas am 13. Mai 1978 in der Aula der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, Name June Paik und Joseph Beuys.
>MR. FLUXUS< ist ein Gemeinschaftsporträt einer der Schlüsselfiguren der Kunstgeschichte in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts. George Maciunas, exzentrischer Führer der radikalsten und experimentellsten Kunstbewegung der Sechziger, war ein Clown und Witzbold par excellence und gleichzeitig ein todernster Revolutionär. Sogar nachdem er eine öffentliche Person geworden war, verbarg er fast bis zum Ende durch unglaubliche Übertreibungen ein unorthodoxes Privatleben, das er mit niemandem teilte. Eingefleischt zölibatär erlag er seiner einzigen großen Liebe gerade ein paar Monate vor seinem Tode. Als Hofnarr in einer tragischen Rolle lachte er über sich selbst und provozierte andere zum Lachen, indem er die Komik der unheilbaren Krankheiten und schmerzhaften Wirklichkeiten betonte, die ihn die meiste Zeit seines ziemlich kurzen Lebens begleiteten.
Sogar in seinen frühesten Jahren hielt Klein-Yurgis (Georges Rufname auf litauisch), wie die Erzählungen seiner Mutter und seiner Schwester klarstellen, auf Distanz. Er hatte keine besten Freunde" im Knabenalter oder in den Kriegs- und Nachkriegsjahren in Deutschland; fasziniert von Kriegsspielen, ernannte er sich immer zum kommandierenden General. Und im späteren Leben, selbst nachdem er durch seine eigenen unermüdlichen Anstrengungen ein Stückchen Ruhm und Bekanntheit in den Kunstwelten Europas und der Vereinigten Staaten erlangt hatte, betrachtete er sich selbst als primus inter pares, duldete aber keine Biographen oder gar Hagiographen in seinem Gefolge.
Auf diese Weise verschwand sein persönliches Leben in seiner großen Erfindung, der internationalen FluxusUnbewegung", die er totalitär zu beherrschen versucht hatte.
Sein Leben war widersprüchlich, urkomisch, erschütternd und tragisch - eines inspirierten und manchmal inspirierenden Kreuzritters, dessen heiliger Auftrag es war, die Welt zu verändern und dabei mit der Kunstwelt anzufangen.
Mit seinen ernsthaften Versuchen, temperiert durch Witz und Weisheit neben Spott und Verachtung, die Hohepriester der Kunst und ihre Schergen aus dem Tempel zu vertreiben, gewann er zu Lebzeiten wenig Freunde innerhalb der etablierten Kunstszene. Doch Mr. Fluxus hat sich durchgesetzt. Ähnlich wie Tristan Tzara, Andre Breton, Marcel Duchamp und John Cage, ist er eine der anerkannten Kräfte hinter den Umwälzungen der Kunst unserer Zeit.
aus >Mr. Fluxus<, Harlekin Art, Wiesbaden 1996 , ISBN - 3-88300-035-3
- Die Herausgeber:
Emmett Williams (geb. 1925 USA) ist seit dem Festum Fluxorum in Wiesbaden in 1962 einer der prägenden Künstler von Fluxus gewesen. Der international agierende Performer, Maler und Dichter lebt seit 1980 in Berlin.
Nach dem Studium an der Bath Academy of Art hat die englische Künstlerin Ann Noel für Edition Hansjörg Mayer und Something Else Press gearbeitet, und dadurch die meisten Fluxuskünstler kennengelernt.
Weitere Literatur:
- Block, René (ed.): 1962 Wiesbaden Fluxus, 1982. Eine kleine Geschichte von Fluxus in drei Teilen, Harlekin Art, Wiesbaden - Berliner Künstlerprogramm des DAAD, Berlin, 1983, 377 p., ill., b&w
- FLUXUS DA CAPO 62-92. 1992 ,Wiesbaden 1992
- FLUXUS VIRUS 62-92. 1992, Katalog der Galerie Schüppenhauer, Köln 1992
- FLUXUS S.P.Q.R. Factotumbook 44. Katalog. Galerie Fontanella Borghese. Roma 1990