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Edward Kienholz (1927-
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Edward Kienholz wurde am 23.10.1927 in Fairfield, Washington geboren. Er studierte an mehreren Colleges, besuchte jedoch nie eine Kunstakademie. Seit 1953 lebte er in Los Angeles, wo er, bevor er sich seiner Tätigkeit als Objekt- und Konzeptkünstler endgültig widmete, u.a. als Krankenpfleger, Autohändler und Barbesitzer arbeitete. Hierbei lernte er die verschiedensten Milieus kennen und sammelte viele Eindrücke, Erfahrungen und Erkenntnisse, die ihm später als Quelle für sein künstlerisches Schaffen dienten.

Ab 1954 entstanden seine ersten Holzreliefs und bereits zwei Jahre später (1956) organisierte er Ausstellungen in Los Angeles und eröffnete eine Galerie. Ein konsequenter Weg führte Kienholz von den Holzreliefs zu seinen "Tableaux" genannten Enviroments. Ursprünglich gebrauchten Fluxus-Künstler das Environment als eine Kunstform, die eng mit dem Happening verbunden war, weil in ihm die Relikte eines Happenings konserviert wurden. Jedoch war hierfür der Begriff "Installation" geläufiger. Kienholz weitete diesen Kunstbegriff des Environments wenig später aus, indem er ihn für seine raumübergreifenden Installationen verwandte. Die Lebensgröße der Figuren und der narrative Charakter des oft begehbaren Werkes waren verantwortlich dafür, dass der Begriff Environment mit "Tableau" gleichgesetzt wurde. Die einzelnen Bestandteile eines Environments werden hierbei oft bühnenartig arrangiert, woraus eine dem Kunstwerk eigene Erzählstruktur entsteht.

Als Materialien verwendete Kienholz hauptsächlich Gipsfiguren, Alltagsgegenstände sowie Fundstücke (z.B. Cola-Automaten), nach denen er gezielt auf Trödelmärkten suchte. Mithilfe von Lack und Farbe verband er seine Fundstücke zu einem großen Ganzen, zu einer Einheit und gab ihnen einen neuen Sinn. Hierbei spielen auch Effekte wie Licht und Geräusche eine wichtige Rolle.

1959 begann er aus seinen Fundstücken puppenartige Objekte herzustellen, die er in "echte", bereits bewohnte Räume setzte. Durch dieses Zusammenspiel von Realitätsdarstellung und surrealer Motivkombination entstanden "Tableaux", "Inkarnationen von bedrohlicher Suggestivität, in denen die Dinge in ihrer bedrängenden Präsenz zu unheimlichen Zeugen eines imaginären Geschehens werden, dessen Vorgang in der Fantasie des Betrachters reproduziert wird". Durch das Betreten der "Tableaux" wird der Betrachter automatisch zu einem Teil der Szenerie.

1961 stellte Kienholz sein erstes Environment "Roxy´s" fertig und präsentierte es zum ersten Mal auf der documenta 4 in Kassel. Auch 1972 nahm er an der documenta 5 teil mit dem Environment "Five Car Stud".

Seit dem Jahr 1973 lebte Kienholz im Winter in Berlin und im Sommer in Hope, Idaho.

Hinter seiner Kunst stand meist eine Sozialkritik an der Gesellschaft. Er setzte sich mit Themen wie Rassendiskriminierung in "Five Cars Stud", Unterdrückung von Frauen in "Roxy´s" und "The Tiptoe Widow" sowie der durch Massenmedien verursachte Abstumpfung der Gesellschaft in "The Eleventh Hour Final" auseinander. Auf die Debatte um Abtreibung reagierte er mit dem Concept Tableau The Commercial No. 2.

Dadurch, dass Kienholz in seinen Arbeiten Fundstücke mit Symbolelementen verband, unterscheiden sich seine Kunstwerke von bloßer Imitation und Dokumentation. Stattdessen "dienten [sie] in zunehmendem Maße der Konzentrierung und Akzentuierun eines ethischen Grundgedankens: der Bloßlegung des Vergänglichen, des Künstlichen, der blinden Triebhaftigkeit und Absurdität des Lebens".

Die von Kienholz angewandten Mittel präsentierten das Leben jener Gesellschaft, die eine bunte Ausprägung des "American way of life" darstellte. In dieser Gesellschaft wird das Alter, das Leid und der Tod unter einer oberflächlichen Künstlichkeit versteckt, obwohl sich gerade dieses hinter geschlossenen Türen abspielt. Kienholz eröffnete dem Betrachter diese wahre, nicht perfekte Seite mithilfe seiner Kunst, indem er häufig eine spießige, scheinbar perfekte Bürgeridylle darstellte und sie mit absurden, aber auch aktuellen Themen kombinierte.

Eine weitere Kunstform von Kienholz, die "Concept Tableaux", existierte lediglich in der Konzeptform und wurde erst auf Wunsch ausgeführt. Ähnlich funktionierten auch Kienholz´ "Watercolors", die als Tauschgegenstand für das auf ihnen Geschriebene dienten, oder auch als direkter Geldwert. Hierbei waren in verschiedenen Farben Zahlen von $1 bis $1000 aufgemalt.

Eine der inhaltlich stärksten Arbeiten von Kienholz ist das plastische Bild "The Birthday" aus dem Jahre 1964, bei dem es sich um eine Situationsbild handelt, in dem jeder Gegenstand die Wirkung des Ganzen beeinflusst. In einem kahlen Raum liegt eine Frau in der Lage einer Gebärenden. Zwischen ihren Beinen befindet sich ein Spiegel, in dem sich der Betrachter selbst sehen kann. Ihre weit aufgerissenen Augen starren blicklos zur Decke und aus ihrem Mund kommt eine Plastikblase, die ihren Schrei einfängt. "Doch hier erscheint plötzlich in der Plastikblase ein roter Hahnenkopf und aus dem hochgewölbten Leib der Gebärenden schießen sieben riesige, hell erleuchtete Pfeile aus Plexiglas empor. In diesen Motiven durchdringen sich physische und metaphysische Bereiche auf vielschichtige Weise: der Hahn, altes Symbol er Wollust, im Volksglauben aber auch Attribut des Teufels und letztlich christliches Sinnbild des Verrats und der Passion leitet über zu den Pfeilen, die eine Lichtkrone bilden und an die sieben Schmerzen Mariens erinnern, an Stigmatisierung und himmlische Krönung." Durch derartige Symbol-Lastigkeit überhöht Kienholz eine alltägliche Situation und präsentiert auf diese Weise die unlösbare Verkettung von Leben und Schmerz, Geburt und Tod.

Edward Kienholz, der abstrakten Expressionismus, Pop-Art und Happening zu vereinigen wusste, starb selbst am 10.06.1994 in Hope, Idaho (USA).

Qellen:

www.wikipedia.de

www.staatsgalerie.de

www.artchive.com

Belser Stil Geschichte, Band 6

Lexikon der Kunst, Band 6

 

Verfasst von J. Schuler, 2006

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kunstwissen.de

 
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