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Karl Hartung (1908 - 1967 )

1908 wird Karl Hartung als Sohn eines Tischlers in Hamburg geboren. 1923 beginnt er eine zweijährige Ausbildung als Steinmetz, an die sich ein Kunststudium anschließt. Mit einem Lichtwark-Stipendium geht Hartung 1929 nach Paris. Dort setzt er sich mit der Kunst Rodins und vor allem Maillols auseinander. Mit seiner Lebensgefährtin llse Quast reist Karl Hartung 1932 fur mehrere Monate nach Florenz. Im gleichen Jahr kehrt das Paar nach Hamburg zurück. Die NS-Kunstpolitik erschwert es dem zunehmend abstrakt arbeitenden Bildhauer, seinen Lebensunterhalt zu verdienen.1936 zieht die Familie nach Berlin. Die erste Einzelausstellung Hartungs 1946 in der Galerie Rosen bringt den künstlerischen Durchbruch. 1950 wird er an die Hochschule der bildenden Künste in Berlin berufen. 1955 übernimmt Hartung vom verstorbenen Karl Hofer den Vorsitz des Deutschen Künstlerbundes. Im gleichen Jahr ist er auf der dokumenta I vertreten. 1956 beteiligt sich Hartung an der Biennale in Venedig. 1958 entwirft er eine Plastik zur Weltausstellung in Brüssel. Es folgen weitere Beteiligungen an internationalen Ausstellungen sowie zahlreiche öffentliche Ankäufe. Am 19. Juli 1967 stirbt der Künstler in Berlin. Karl Hartung (1908-1967)

Metamorphosen

Karl Hartung gehörte in den vierziger, fünfziger und sechziger Jahren zu den bedeutendsten deutschen Bildhauern . Ihm verdanken wir entscheidende Impulse auf dem Weg in die "Abstrakte Kunst ".

Für Karl Hartung spielte das schöpferische Prinzip der Natur eine maßgebliche Rolle. Nach prägenden Jahren in Paris und Florenz, wo er sich vor allem mit Aristide Maillol und der etruskischen Kunst auseinandergesetzt hatte, wandte er sich ab 1935 immer mehr einer organisch abstrahierten Formensprache zu, mit der er die ständige Wandlung und Metamorphose alles Lebendigen zu verbildlichen suchte. Mit dieser Auffassung entsprach er nicht zuletzt der anthroposophischen Lehre Rudolf Steiners, die ihn bereits in seiner Jugend nachhaltig geprägt hatte. Ausdruck des Schöpferischen waren Hartungs Ansicht nach alle natürlichen, organischen Formen, gleich ob sie frei erfunden oder in Anlehnung an das Naturvorbild entstanden waren.

Zu einem Stilwandel kommt es Anfang der fünfziger Jahre. Er wandte sich einer mehr zeichenhaften, strukturbetonten Gestaltung zu, indem er die bislang glatten, geschlossenen Oberflächen aufbrach und mit tiefen Furchen und Schründen versah. Gleichzeitig erwacht seine Interesse für die anorganische Natur, für kristalline und bizarre Gesteinsformen, von denen er sich nun ebenso anregen läßt wie zuvor von weich geschwungenen Naturformen, von abgeschliffenen Kieseln, Muscheln und dergleichen. Und er überträgt dieses neue Gestaltungsprinzip auch auf die Darstellung des Menschen. Mit ihrer schroffen Oberflächenstruktur und ihren Torsionen gewinnen sie jetzt den Charakter von Monumenten, die in ihrer totenähnlichen Erstarrung an die Vergänglichkeit des Lebens gemahnen.

Hartung gehört zu den zentralen Figuren der deutschen Bildhauerei um die Mitte des 20. Jahrhunderts. Er war einer der wenigen Künstler, die sich im Widerspruch zur nationalsozialistischen Kunstdoktrin mit der Abstraktion befassten und deren künstlerische Entwicklung sich parallel zur europäischen Avantgarde und in Übereinstimmung mit ihr vollzog. Charakteristisch für Hartungs Werk sind die organischen Abstraktionen, die sich Figürlichkeit und Sinnlichkeit immer auch bewahrt haben. Sein zentrales künstlerisches Anliegen war die Verbildlichung des schöpferischen Prinzips. Hierbei bildeten Gegenständlichkeit und Abstraktion für Hartung jedoch keine sich ausschließenden, sondern sich gegenseitig bereichernde Gegensätze. Gegenständliches hat er jedoch nie naturalistisch-abbildhaft aufgefasst, sondern immer organisch abstrahiert.

Literatur:

Markus Krause ,Werkverzeichnis Karl Hartungs

Germanischen Nationalmuseum Nürnberg , Ausstellungskatalog vom Gerhard Marcks-Haus

Link:

Gerhard Marcks-Haus

Am Wall 208
28195 Bremen
Tel. 0421 - 32 72 00; Fax 0421 - 337 86 75
Di - So 10 - 18 Uhr

 

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