<<
Futurismus
(1909 - 1924 )
![]()
Der Futurismus (von lat. futurum = Zukünftiges ) war die erste radikale Bewegung der Avantgarde, die mit den als veraltet empfundenen Traditionen brach und eine Kunst zu schaffen suchte, welche den Anforderungen des modernen (technisierten und dynamisierten) Lebens gerecht werden sollte. Der Begriff der künstlerischen Avantgarde taucht zum ersten Mal im Gründungsmanifest von 1909 auf. Zentrales Anliegen war dementsprechend die Abbildung von Bewegung und Simultaneität (Gleichzeitigkeit). Initiiert wurde der Futurismus von Filippo Tommaso Marinetti, der im Pariser Figaro vom 20.2.1909 das Gründungsprogramm Manifeste du futurisme" veröffentlichte. Die Bewegung des Futurismus ist die Erste die sich auf die Straße begibt und sich zu den Massen bekennt ( Moderne Massenkultur) und entschiedener Gegner der Bürgerlichkeit ist.
Die Bewegung des Futurismus war überaus einflussreich auf die Entwicklung von Strömungen der Moderne wie Expressionismus, Dadaismus, Surrealismus, Konstruktivismus und Fluxus. Namentlich Alfred Döblin, Marcel Duchamp, Fernand Léger und El Lissitzky verdanken dem futuristischen Kunstmodell entscheidende Anregungen.
Das erste futuristische Manifest gliedert sich in drei Teile: Eine Einleitung, 11 Thesen und einen Ausblick.
Das erste Manifest forderte zum Bruche mit jeglicher Tradition und eine Verherrlichung der Jugend, der Geschwindigkeit, der Gewalt und des Krieges auf. Jedes Kunstwerk müsse aggressiven Charakter haben. Ein schnelles Auto sei schöner als die >Nike von Samothrake<. Die Bibliotheken und die Museen- als Hort derTradition - sollten angezündet, überflutet oder sonstwie zerstört werden.
|
Ziele:
Motive/Themen:
Darstellungstechniken:
Künstler:
Filippo Tommaso Marinetti ,Giacomo Balla, Umberto Boccioni, Carlo Carra, Luigi Russolo, Gino Severini
Italienische Futurismus
Marinetti selbst war es, der mit seinem afrikanischen Roman" Mafarka le futuriste (1910) die eigenen Theoreme innerhalb der italienischen Literatur literarisch umzusetzen suchte. Die Forderungen nach einer Zerstörung von Syntax und Grammatik sowie nach einer neuen, dynamischen Dichtersprache sind hier radikal umgesetzt. In der italienischen Kunst versuchte der Futurismus, die Statik traditioneller Bildinhalte aufzubrechen. So scheinen denn auch auf den Gemälden der Futuristen die Formen und Farben zusammenzustürzen. Figurationen zerfließen ineinander: So soll nacheinander ablaufendes Geschehen (Bewegung) auf der Leinwand festgehalten werden.
Eine oftmals in Kriegs- und Maschinenkult ausartende Ästhetik der Beschleunigung propagierte der Futurismus auch für Plastik und Architektur, u. a. in seinem Konzept einer von Geschwindigkeit und Dynamismus geprägten Idealstadt. Die Mailänder Ausstellung Città Nuova mit Entwürfen etwa von Antonio Sant'Elia überführte den Begriff 1914 auf urbanes Terrain. Gemeinsam mit Marinetti und anderen veröffentlichte Sant'Elia im gleichen Jahr das Manifesto dell'Architettura Futurista, mit dem sich die italienische Architektur endgültig an die Moderne in Europa anschloss. Einen Bogen zu europäischen Traditionen, aber vor allem auch zum italienischen Faschismus stellte 1932 die Mostra delle Revoluzione Fascista in Rom dar.
Eine Erfindung der Futuristen sind die "Parole in libertà" - wörtlich zu übersetzen mit "Worte in Freiheit": Es handelt sich dabei um "Gedichte", die unter Missachtung jeglicher Syntax, Grammatik oder typographischen Regeln verfasst sind und daher mehr an ein Bild voller Buchstaben als an ein Schriftstück im klassischen Sinne erinnern.(Lautgedicht)
1911 brachte Balilla Pratella sein Manifesto della Musica futuristica heraus und begründete damit eine futuristische Musiktradition, die auf der Idee der Symphonie basierte und Geräusche der Alltags- bzw. Industriewelt mit aufnahm. Als Komponist blieb Pratella aber weit hinter seinem Programm zurück - ebenso wie Luigi Russolo, der, eigentlich Maler, neue Instrumente (Intonarumori) zur Umsetzung futuristischer Theoreme baute, darunter das so genannte Russolophon.
Der Futurismus hat alle Kunstäußerungen seiner Zeit beeinflußt: So gab es futuristisches Theater, futuristische Musik und futuristische Kochkunst. Die Futuristen beschäftigten sie sich mit Fotographie, Film und entwickelten sogar die ersten elektrischen Musikinstrumente (die sog. "Intonarumori"). Die Futuristen entwickelten auch die Mailart.
Bedeutende italienische Futuristen waren neben Marinetti die Maler Giacomo Balla, Umberto Boccioni, Carlo Carrà und Gino Severini. Nach dem 1. Weltkrieg entstand in Italien der so genannte zweite oder Neo-Futurismus, der die Gedanken der Avantgardeströmung zu erneuern suchte. Ihm gehörten u. a. Fortunato Depero (1892-1960), Enrico Prampolino (1894-1956) und Gerardo Dottori (1888-1977) an
Futurismus und Faschismus
Im futuristischen Manifest von 1909 wurde der Krieg als "einzige Hygiene der Welt" verherrlicht. So waren die Futuristen vom Kriegseintritt Italiens begeistert. Die meisten Futuristen meldeten sich freiwillig zum Kampf, das künstlerische Schaffen kam zum Erliegen.Nach dem Krieg erreichte der Futurismus nie wieder die Bedeutung, die er vor dem Krieg hatte.
Marinetti verfolgte klare politische Absichten. Marinetti selber betonte, wieviel er zum Aufbau des Faschismus beigetragen habe. In eine Mischung von Naivität und Grössenwahn träumte er nämlich davon, Benito Mussolini würde ihm die Macht überlassen, damit er eine "Artokratie", eine Herrschaft des Künstlers errichten kann. Als diese Hoffnung enttäuscht wurde, zog sich Marinetti schmollend aus der Politik zurück.
Parallelen zwischen dem Futurismus und dem Faschismus sind nicht zu übersehen. Allerdings bestand der Faschismus auch aus Ideen, die das Gegenteil der futuristischen darstellten. So ist etwa das Streben der Faschisten, Italien als direkter Erbe des römischen Imperiums anzusehen und alles Altrömische zu bewundern.
War der italienische Futurismus eher eine Strömung der bildenden Kunst, so orientierte sich der russische verstärkt an der Literatur, wobei er sich von Marinetti (der auf seinem Russlandbesuch überaus respektlos empfangen worden war) distanzierte und auf Eigenständigkeit bestand. Der Futurismus der russischen Literatur hat daher auch autonome Werke hervorgebracht, die stark mit dem Material der Sprache experimentieren (so etwa die als Gesamtkunstwerk angelegte Oper Sieg über die Sonne von Alexej Krutschonych und Kasimir Malewitsch mit der Musik von Michail Matjuschin). Diese Betonung der sprachlichen Form durch den russischen Futurismus stellte vor allem Roman Jakobson heraus. Auf der Bühne bevorzugte der russische Futurismus das mechanische Theater.
Bedeutende russische Futuristen waren Wassilij Kamenskij, Welemir Chlebnikow und Wladimir Majakowskij (Literat) sowie Naum Gabo und Antoine Pevsner (bildende Kunst).
Im Deutschland der 1920er Jahre verwendete Alfred Döblin ebenfalls eine Montagetechnik, die auch unter dem Namen Berliner Futurismus erkannt wurde. Eines der bekanntesten Bücher, die in diesem Stil geschrieben sind, ist Berlin Alexanderplatz von Döblin. Während der Zeit des Nationalsozialismus galt der Futurismus als Entartete Kunst.Marinettis Vorstellung der Metallisierung des Körpers wird heute noch von vielen japanischen Mangas und Künstlern aufgegriffen.
Wirkungen des FuturismusDer Futurismus hatte Einfluss auf die Entwicklung von Strömungen der Moderne wie Expressionismus, Dadaismus, Surrealismus Konstruktivismus und Fluxus.